TE Vwgh Erkenntnis 2010/5/19 2008/23/0219

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Veröffentlicht am 19.05.2010
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Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG);
10/07 Verwaltungsgerichtshof;
19/05 Menschenrechte;
41/02 Passrecht Fremdenrecht;

Norm

AsylG 1997 §7;
AsylG 1997 §8 Abs1;
AsylG 1997 §8 Abs2;
B-VG Art131 Abs3;
MRK Art8;
VwGG §33a;
VwGG §42 Abs2 Z1;
  1. B-VG Art. 131 heute
  2. B-VG Art. 131 gültig ab 27.02.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2024
  3. B-VG Art. 131 gültig von 01.02.2019 bis 26.02.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2019
  4. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.2019 bis 31.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  5. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  6. B-VG Art. 131 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  7. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.2003 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 99/2002
  9. B-VG Art. 131 gültig von 04.09.1999 bis 31.12.2002 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 194/1999
  10. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.1998 bis 03.09.1999 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/1997
  11. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.1991 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  12. B-VG Art. 131 gültig von 28.04.1975 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 316/1975
  13. B-VG Art. 131 gültig von 01.01.1975 bis 27.04.1975 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  14. B-VG Art. 131 gültig von 18.07.1962 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 215/1962
  15. B-VG Art. 131 gültig von 25.12.1946 bis 17.07.1962 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  16. B-VG Art. 131 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  17. B-VG Art. 131 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VwGG § 33a gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 aufgehoben durch BGBl. I Nr. 33/2013
  2. VwGG § 33a gültig von 01.08.2004 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 89/2004
  3. VwGG § 33a gültig von 01.01.2002 bis 31.07.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 136/2001
  4. VwGG § 33a gültig von 01.01.1998 bis 31.12.2001 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/1997
  5. VwGG § 33a gültig von 01.01.1991 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 330/1990
  1. VwGG § 42 heute
  2. VwGG § 42 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VwGG § 42 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. VwGG § 42 gültig von 01.07.2008 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  5. VwGG § 42 gültig von 01.01.1991 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 330/1990
  6. VwGG § 42 gültig von 05.01.1985 bis 31.12.1990

Beachte

Miterledigung (miterledigt bzw zur gemeinsamen Entscheidung verbunden): 2008/23/0221 2008/23/0220

Betreff

Der Verwaltungsgerichtshof hat durch den Vorsitzenden Senatspräsident Dr. Gall sowie die Hofräte Dr. Hofbauer und Mag. Dr. Wurdinger als Richter, im Beisein des Schriftführers MMag. Stelzl, über die Beschwerden von 1. GN, geboren 1980, 2. UN, geboren 2001, und 3. BN, geboren2005, alle vertreten durch Dr. Klaus Kocher und Mag. Wilfried Bucher, Rechtsanwälte in 8010 Graz, Sackstraße 36/II, gegen die Bescheide des unabhängigen Bundesasylsenates jeweils vom 5. Dezember 2006, Zlen. 254.422/0- VII/43/04 (ad 1.), 256.657/0-VII/43/05 (ad 2.) und 259.636/0- VII/43/05 (ad 3.), betreffend §§ 7, 8 Abs. 1 und 2 Asylgesetz 1997 (weitere Partei: Bundesministerin für Inneres),Der Verwaltungsgerichtshof hat durch den Vorsitzenden Senatspräsident Dr. Gall sowie die Hofräte Dr. Hofbauer und Mag. Dr. Wurdinger als Richter, im Beisein des Schriftführers MMag. Stelzl, über die Beschwerden von 1. GN, geboren 1980, 2. UN, geboren 2001, und 3. BN, geboren2005, alle vertreten durch Dr. Klaus Kocher und Mag. Wilfried Bucher, Rechtsanwälte in 8010 Graz, Sackstraße 36/II, gegen die Bescheide des unabhängigen Bundesasylsenates jeweils vom 5. Dezember 2006, Zlen. 254.422/0- VII/43/04 (ad 1.), 256.657/0-VII/43/05 (ad 2.) und 259.636/0- VII/43/05 (ad 3.), betreffend Paragraphen 7,, 8 Absatz eins und 2 Asylgesetz 1997 (weitere Partei: Bundesministerin für Inneres),

Spruch

I. zu Recht erkannt:römisch eins. zu Recht erkannt:

Spruchpunkt III. der angefochtenen Bescheide (Ausweisung der beschwerdeführenden Parteien in die Türkei) wird wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben.Spruchpunkt römisch drei. der angefochtenen Bescheide (Ausweisung der beschwerdeführenden Parteien in die Türkei) wird wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben.

Der Bund hat den beschwerdeführenden Parteien Aufwendungen in der Höhe von jeweils EUR 1.106,40, insgesamt somit EUR 3.319,20, binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.

II. den Beschluss gefasst:römisch zwei. den Beschluss gefasst:

Im Übrigen wird die Behandlung der Beschwerden abgelehnt.

Begründung

Die Erstbeschwerdeführerin ist die Ehefrau von SN (Beschwerdeführer zur Zl. 2008/23/0218); sie sind die Eltern der minderjährigen zweit- und drittbeschwerdeführenden Parteien. Alle sind türkische Staatsangehörige kurdischer Volksgruppenzugehörigkeit.

Der Asylantrag des Ehemannes bzw. Vaters der beschwerdeführenden Parteien vom 14. Februar 2002 wurde im Instanzenzug mit Bescheid der belangten Behörde vom 5. Dezember 2006 gemäß § 7 Asylgesetz 1997 (AsylG) abgewiesen und gemäß § 8 Abs. 1 AsylG festgestellt, dass dessen Zurückweisung, Zurückschiebung oder Abschiebung in die Türkei zulässig ist. Die Behandlung dessen Beschwerde wurde vom Verwaltungsgerichtshof mit Beschluss vom heutigen Tag abgelehnt.Der Asylantrag des Ehemannes bzw. Vaters der beschwerdeführenden Parteien vom 14. Februar 2002 wurde im Instanzenzug mit Bescheid der belangten Behörde vom 5. Dezember 2006 gemäß Paragraph 7, Asylgesetz 1997 (AsylG) abgewiesen und gemäß Paragraph 8, Absatz eins, AsylG festgestellt, dass dessen Zurückweisung, Zurückschiebung oder Abschiebung in die Türkei zulässig ist. Die Behandlung dessen Beschwerde wurde vom Verwaltungsgerichtshof mit Beschluss vom heutigen Tag abgelehnt.

Die Erstbeschwerdeführerin beantragte am 19. April 2004, der Zweitbeschwerdeführer am 20. Oktober 2004 und die in Österreich geborene Drittbeschwerdeführerin am 7. März 2005 Asyl. Sie bezogen sich auf die Fluchtgründe ihres Ehemannes bzw. Vaters.

Mit den angefochtenen Bescheiden wies die belangte Behörde die Berufungen der beschwerdeführenden Parteien gegen die ihre Asylanträge abweisenden Bescheide des Bundesasylamtes vom 18. Oktober 2004 (Erstbeschwerdeführerin), 13. Dezember 2004 (Zweitbeschwerdeführer) bzw. 1. April 2005 (Drittbeschwerdeführer) gemäß § 7 AsylG ab (Spruchpunkt I.), stellte gemäß § 8 Abs. 1 AsylG fest, dass die Zurückweisung, Zurückschiebung oder Abschiebung in die Türkei zulässig ist (Spruchpunkt II.) und wies die beschwerdeführenden Parteien gemäß § 8 Abs. 2 AsylG dorthin aus (Spruchpunkt III.).Mit den angefochtenen Bescheiden wies die belangte Behörde die Berufungen der beschwerdeführenden Parteien gegen die ihre Asylanträge abweisenden Bescheide des Bundesasylamtes vom 18. Oktober 2004 (Erstbeschwerdeführerin), 13. Dezember 2004 (Zweitbeschwerdeführer) bzw. 1. April 2005 (Drittbeschwerdeführer) gemäß Paragraph 7, AsylG ab (Spruchpunkt römisch eins.), stellte gemäß Paragraph 8, Absatz eins, AsylG fest, dass die Zurückweisung, Zurückschiebung oder Abschiebung in die Türkei zulässig ist (Spruchpunkt römisch zwei.) und wies die beschwerdeführenden Parteien gemäß Paragraph 8, Absatz 2, AsylG dorthin aus (Spruchpunkt römisch drei.).

Begründend führte die belangte Behörde zu den Ausweisungen im Wesentlichen aus, das Bundesasylamt - das tatsächlich keine Rechtfertigungsgründe im Sinne des Art. 8 Abs. 2 EMRK anführte - habe die "vorgeschriebene Interessenabwägung mängelfrei vorgenommen". Der Asylantrag des Ehemannes (bzw. Vaters) sei ebenfalls abgewiesen worden. "Dass mit einem anderen in Österreich lebenden Familienmitglied engere Bande bestehen würde(n)", sei nicht vorgebracht worden. Anhaltspunkte für "andere soziale Bindungen" in Österreich würden fehlen. Die (jeweilige) Ausweisung stelle keinen Eingriff in Art. 8 EMRK dar.Begründend führte die belangte Behörde zu den Ausweisungen im Wesentlichen aus, das Bundesasylamt - das tatsächlich keine Rechtfertigungsgründe im Sinne des Artikel 8, Absatz 2, EMRK anführte - habe die "vorgeschriebene Interessenabwägung mängelfrei vorgenommen". Der Asylantrag des Ehemannes (bzw. Vaters) sei ebenfalls abgewiesen worden. "Dass mit einem anderen in Österreich lebenden Familienmitglied engere Bande bestehen würde(n)", sei nicht vorgebracht worden. Anhaltspunkte für "andere soziale Bindungen" in Österreich würden fehlen. Die (jeweilige) Ausweisung stelle keinen Eingriff in Artikel 8, EMRK dar.

Über die gegen diese Bescheide erhobenen, wegen ihres persönlichen und sachlichen Zusammenhangs zur gemeinsamen Entscheidung verbundenen Beschwerden hat der Verwaltungsgerichtshof in dem gemäß § 12 Abs. 1 Z 2 VwGG gebildeten Senat erwogen:Über die gegen diese Bescheide erhobenen, wegen ihres persönlichen und sachlichen Zusammenhangs zur gemeinsamen Entscheidung verbundenen Beschwerden hat der Verwaltungsgerichtshof in dem gemäß Paragraph 12, Absatz eins, Ziffer 2, VwGG gebildeten Senat erwogen:

Zu I.:Zu römisch eins.:

Bei den mit Spruchpunkt III. der angefochtenen Bescheide verfügten Ausweisungen hat die belangte Behörde die Rechtslage verkannt. Aufgrund der asylrechtlichen Ausweisungen erscheint es möglich, dass die beschwerdeführenden Parteien das Bundesgebiet ohne ihren Ehemann bzw. Vater, der asylrechtlich nicht ausgewiesen wurde, zu verlassen haben. Die Ausweisungen stellen somit einen Eingriff in das durch Art. 8 EMRK geschützte Familienleben der beschwerdeführenden Parteien mit ihrem Ehemann bzw. Vater dar, welcher einer Rechtfertigung bedürfte (vgl. die hg. Erkenntnisse vom 12. Dezember 2007, Zl. 2007/19/1054, und vom 16. Jänner 2008, Zl. 2007/19/0851, sowie etwa die hg. Erkenntnisse vom 27. Mai 2009, Zlen. 2008/23/0349, 0350, und vom 28. Mai 2009, Zlen. 2007/19/0511 bis 0513).Bei den mit Spruchpunkt römisch drei. der angefochtenen Bescheide verfügten Ausweisungen hat die belangte Behörde die Rechtslage verkannt. Aufgrund der asylrechtlichen Ausweisungen erscheint es möglich, dass die beschwerdeführenden Parteien das Bundesgebiet ohne ihren Ehemann bzw. Vater, der asylrechtlich nicht ausgewiesen wurde, zu verlassen haben. Die Ausweisungen stellen somit einen Eingriff in das durch Artikel 8, EMRK geschützte Familienleben der beschwerdeführenden Parteien mit ihrem Ehemann bzw. Vater dar, welcher einer Rechtfertigung bedürfte vergleiche , die hg. Erkenntnisse vom 12. Dezember 2007, Zl. 2007/19/1054, und vom 16. Jänner 2008, Zl. 2007/19/0851, sowie etwa die hg. Erkenntnisse vom 27. Mai 2009, Zlen. 2008/23/0349, 0350, und vom 28. Mai 2009, Zlen. 2007/19/0511 bis 0513).

Da die angefochtenen Bescheide eine derartige Rechtfertigung vermissen lassen, waren sie in ihrem Spruchpunkt III. wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben.Da die angefochtenen Bescheide eine derartige Rechtfertigung vermissen lassen, waren sie in ihrem Spruchpunkt römisch drei. wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes gemäß Paragraph 42, Absatz 2, Ziffer eins, VwGG aufzuheben.

Der Ausspruch über den Aufwandersatz beruht auf den §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2008, BGBl. II Nr. 455.Der Ausspruch über den Aufwandersatz beruht auf den Paragraphen 47, ff VwGG in Verbindung mit , der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2008, Bundesgesetzblatt , II Nr. 455.

Zu II.:Zu römisch zwei.:

Gemäß Art. 131 Abs. 3 B-VG und § 33a VwGG kann der Verwaltungsgerichtshof die Behandlung einer Beschwerde gegen einen Bescheid des unabhängigen Bundesasylsenates durch Beschluss ablehnen, wenn die Entscheidung nicht von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen wird, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.Gemäß Artikel 131, Absatz 3, B-VG und Paragraph 33 a, VwGG kann der Verwaltungsgerichtshof die Behandlung einer Beschwerde gegen einen Bescheid des unabhängigen Bundesasylsenates durch Beschluss ablehnen, wenn die Entscheidung nicht von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen wird, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.

Die Beschwerden werfen - soweit sie sich nicht auf die Ausweisungen beziehen - keine für die Entscheidung dieser Fälle maßgeblichen Rechtsfragen auf, denen im Sinne der zitierten Bestimmungen grundsätzliche Bedeutung zukäme. Gesichtspunkte, die dessen ungeachtet gegen eine Ablehnung der Beschwerdebehandlung sprechen würden, liegen nicht vor.

Der Verwaltungsgerichtshof hat daher beschlossen, die Behandlung der Beschwerden im Übrigen abzulehnen.

Wien, am 19. Mai 2010

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2010:2008230219.X00

Im RIS seit

18.06.2010

Zuletzt aktualisiert am

05.11.2010
Quelle: Verwaltungsgerichtshof VwGH, http://www.vwgh.gv.at
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