RS OGH 2025/9/10 12Os72/14a; 12Os138/14g (12Os139/14d); 13Os14/18k; 11Os99/18w; 15Os40/21b; 11Os76/2

JUSLINE Rechtssatz

Veröffentlicht am 25.09.2014
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Norm

StGB §107b
  1. StGB § 107b heute
  2. StGB § 107b gültig ab 01.01.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 105/2019
  3. StGB § 107b gültig von 01.06.2009 bis 31.12.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 40/2009

Rechtssatz

Bei der als Dauerdelikt mit tatbestandlicher Handlungseinheit konzipierten Bestimmung des § 107b StGB wird durch die ? ohne größere zeitliche Unterbrechung ? fortgesetzten tatbestandlichen Vorgangsweisen im Sinn des § 107b Abs 2 StGB lediglich eine strafbare Handlung verwirklicht (Zusammenfassung mehrerer Taten ähnlich dem § 29 StGB). Dies gilt auch bei Tathandlungen gegenüber einem zunächst unmündigen Opfer, welche vom Täter nach Erreichen der Mündigkeit des betroffenen Kindes fortgeführt werden. Bei der als Dauerdelikt mit tatbestandlicher Handlungseinheit konzipierten Bestimmung des Paragraph 107 b, StGB wird durch die ? ohne größere zeitliche Unterbrechung ? fortgesetzten tatbestandlichen Vorgangsweisen im Sinn des Paragraph 107 b, Absatz 2, StGB lediglich eine strafbare Handlung verwirklicht (Zusammenfassung mehrerer Taten ähnlich dem Paragraph 29, StGB). Dies gilt auch bei Tathandlungen gegenüber einem zunächst unmündigen Opfer, welche vom Täter nach Erreichen der Mündigkeit des betroffenen Kindes fortgeführt werden.

Für die Verwirklichung der Qualifikation nach § 107b Abs 3 Z 1 erster Fall StGB ist dabei allerdings maßgeblich, dass die mehrfachen tatbestandlichen Handlungen iSd § 107b Abs 2 StGB bereits vor Erreichen des 14. Lebensjahres des Opfers einer fortgesetzten, also längere Zeit andauernden Gewaltausübung entsprechen. Genügen die wiederholten Tathandlungen (auch unter Berücksichtigung der gebotenen Gesamtbetrachtung von Dauer, Dichte und Intensität der Gewaltausübung) gegenüber dem unmündigen Opfer (noch) nicht dem Erfordernis einer fortgesetzten Gewaltausübung, dann erfüllt der nach dem 14. Geburtstag des Opfers weiterhin Gewaltakte setzende Täter ab Erreichen des zeitlichen Kriteriums zwar den Grundtatbestand des § 107b Abs 1 StGB, nicht aber die Qualifikation nach § 107b Abs 3 Z 1 erster Fall StGB.Für die Verwirklichung der Qualifikation nach Paragraph 107 b, Absatz 3, Ziffer eins, erster Fall StGB ist dabei allerdings maßgeblich, dass die mehrfachen tatbestandlichen Handlungen iSd Paragraph 107 b, Absatz 2, StGB bereits vor Erreichen des 14. Lebensjahres des Opfers einer fortgesetzten, also längere Zeit andauernden Gewaltausübung entsprechen. Genügen die wiederholten Tathandlungen (auch unter Berücksichtigung der gebotenen Gesamtbetrachtung von Dauer, Dichte und Intensität der Gewaltausübung) gegenüber dem unmündigen Opfer (noch) nicht dem Erfordernis einer fortgesetzten Gewaltausübung, dann erfüllt der nach dem 14. Geburtstag des Opfers weiterhin Gewaltakte setzende Täter ab Erreichen des zeitlichen Kriteriums zwar den Grundtatbestand des Paragraph 107 b, Absatz eins, StGB, nicht aber die Qualifikation nach Paragraph 107 b, Absatz 3, Ziffer eins, erster Fall StGB.

Anmerkung

siehe Anmerkung zu T4

Entscheidungstexte

  • RS0129716">12 Os 72/14a
    Entscheidungstext OGH 25.09.2014 12 Os 72/14a
  • RS0129716">12 Os 138/14g
    Entscheidungstext OGH 05.03.2015 12 Os 138/14g
    Auch
  • RS0129716">13 Os 14/18k
    Entscheidungstext OGH 14.03.2018 13 Os 14/18k
    Vgl; Beisatz: Das Tatbestandselement, „fortgesetzt“ Gewalt auszuüben, drückt das Erfordernis einer gewissen Regelmäßigkeit aus, womit Gewaltakte, die nach einer größeren zeitlichen Unterbrechung (hier rund eineinhalb Jahre) gesetzt wurden, nicht in eine iSd § 107b Abs 1 StGB gebildete Subsumtionseinheit aufzunehmen sind. (T1)
  • RS0129716">11 Os 99/18w
    Entscheidungstext OGH 16.10.2018 11 Os 99/18w
    Auch; Vgl T1; Beisatz: Hier: Bei der festgestellten Dauer, Dichte und Intensität der Gewaltausübung während des sonstigen Tatzeitraums (von insgesamt knapp zwei Jahren) wird die Regelmäßigkeit durch einzelne, jeweils zweimonatige Unterbrechungen nicht beseitigt. (T2)
  • RS0129716">15 Os 40/21b
    Entscheidungstext OGH 10.06.2021 15 Os 40/21b
    Vgl
  • RS0129716">11 Os 76/21t
    Entscheidungstext OGH 14.09.2021 11 Os 76/21t
    vgl aber; Beisatz: § 107b StGB ordnet eine Subsumtionseinheit an (so schon 13 Os 14/18k; 13 Os 138/18w; 11 Os 125/19w; 11 Os 12/21f; 11 Os 54/21g). (T3)
    Beisatz: Ob mehrere, zu einer solchen Subsumtionseinheit zusammenzufassende Handlungen eine (nach § 107b Abs 1 StGB tatbestandliche) Handlungseinheit oder eine Mehrzahl von (rechtlich selbständigen) Einzeltaten darstellen, hängt vom festgestellten Sachverhalt ab. (T4)
    Anm: Vom Text Beisatz T4 abweichend lautet es nach dem Inhalt der Rz 9 zu 11 Os 76/21t richtig wie folgt:
    Ob eine (nach § 107b Abs 1 StGB tatbestandliche) Handlungseinheit oder eine Mehrzahl von (rechtlich selbständigen) Einzeltaten vorliegt, die - weil sie „fortgesetzt" (§ 107b Abs 1 StGB) oder „im Rahmen einer fortgesetzten Gewaltausübung nach Abs 3 wiederholt" (§ 107b Abs 3a Z 3 StGB) begangen wurden - zu einer Subsumtionseinheit nach § 107b StGB zusammenzufassen sind, hängt vom festgestellten Sachverhalt ab (siehe SSt 2021/38). (517 Präs 92/25x).
  • RS0129716">11 Os 134/21x
    Entscheidungstext OGH 01.03.2022 11 Os 134/21x
    Vgl; Beis nur wie T4
  • RS0129716">15 Os 1/22v
    Entscheidungstext OGH 09.03.2022 15 Os 1/22v
    Vgl
  • RS0129716">11 Os 86/22i
    Entscheidungstext OGH 27.09.2022 11 Os 86/22i
    Vgl
  • RS0129716">14 Os 111/22p
    Entscheidungstext OGH 25.10.2022 14 Os 111/22p
    Vgl; Beis wie T4
  • RS0129716">15 Os 28/23s
    Entscheidungstext OGH 19.04.2023 15 Os 28/23s
    vgl; Beisatz wie T2: Hier: einmonatige Unterbrechung (T5)
  • RS0129716">11 Os 30/23f
    Entscheidungstext OGH 09.05.2023 11 Os 30/23f
    vgl; Beisatz wie T4
  • RS0129716">12 Os 114/23s
    Entscheidungstext OGH 19.10.2023 12 Os 114/23s
    vgl; Beisatz wie T4
  • RS0129716">14 Os 4/24f
    Entscheidungstext OGH 18.03.2024 14 Os 4/24f
    vgl; Beisatz wie T3; Beisatz wie T4
  • RS0129716">15 Os 29/24i
    Entscheidungstext OGH 17.04.2024 15 Os 29/24i
    vgl
  • RS0129716">13 Os 44/24f
    Entscheidungstext OGH 11.09.2024 13 Os 44/24f
    vgl; Beisatz wie T5
  • RS0129716">11 Os 122/24m
    Entscheidungstext OGH 21.01.2025 11 Os 122/24m
    vgl; Beisatz wie T1; Beisatz wie T2
  • RS0129716">14 Os 27/25i
    Entscheidungstext OGH 12.06.2025 14 Os 27/25i
    vgl; Beisatz wie T4
  • RS0129716">11 Os 92/25a
    Entscheidungstext OGH 09.09.2025 11 Os 92/25a
    vgl; Beisatz wie T3
  • RS0129716">15 Os 76/25b
    Entscheidungstext OGH 10.09.2025 15 Os 76/25b
    vgl

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2014:RS0129716

Im RIS seit

25.11.2014

Zuletzt aktualisiert am

10.11.2025
Quelle: Oberster Gerichtshof (und OLG, LG, BG) OGH, http://www.ogh.gv.at
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