TE OGH 2008/2/26 11Os6/08d (11Os7/08a, 11Os8/08y, 11Os9/08w, 11Os10/08t)

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Veröffentlicht am 26.02.2008
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Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 26. Februar 2008 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Zehetner als Vorsitzenden sowie die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Dr. Danek, Dr. Schwab, Dr. T. Solé und Mag. Lendl als weitere Richter, in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag. Wieltschnig als Schriftführerin, in der Strafsache gegen Mag. Dr. Friedrich K***** und andere Angeklagte wegen des Vergehens der fahrlässigen Verletzung der Freiheit der Person oder des Hausrechts nach § 303 StGB, AZ 9 U 176/07f des Bezirksgerichts Innsbruck, über die von der Generalprokuratur gegen die im Spruch ersichtlichen Entscheidungen erhobene Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes nach öffentlicher Verhandlung in Anwesenheit des Vertreters der Generalprokuratur, Generalanwalt Mag. Bauer, und der Verteidiger Dr. M. Riedl, Dr. Praxmarer und Dr. Lattermann, zu Recht erkannt:

Spruch

Im Verfahren AZ 9 U 176/07f des Bezirksgerichts Innsbruck (vormals AZ 30 Ur 78/04i des Landesgerichts Innsbruck und AZ 8 U 610/05v des Bezirksgerichts Innsbruck) verletzen das Gesetz in der Bestimmung des § 57 Abs 2 iVm Abs 3 StGB:

1. der Beschluss der Ratskammer des Landesgerichts Innsbruck vom 26. September 2005, AZ 21 Rk 105/05k (ON 33),

2. der Beschluss des Landesgerichts Innsbruck als Beschwerdegericht vom 15. November 2005, AZ 21 Bl 369/05f (ON 39),

3. der Beschluss des Landesgerichts Innsbruck als Beschwerdegericht vom 12. Mai 2006, AZ 21 Bl 173/06h (ON 47),

4. der Beschluss der Ratskammer des Landesgerichts Innsbruck vom 11. Mai 2006, AZ 21 Rk 40/06b (ON 9 in ON 48), sowie

5. das Urteil des Landesgerichts Innsbruck als Berufungsgericht vom 13. März 2007, AZ 21 Bl 86/07s (ON 75).

Aufgehoben werden:

-

die zu1.) 2. und 4. bezeichneten Entscheidungen jeweils in ihrem Punkt 2.),

-

der zu 3. angeführte Beschluss zur Gänze,

-

alle sich darauf gründenden gerichtlichen Verfügungen des Bezirksgerichts und des Landesgerichts Innsbruck.

Den Subsidiaranträgen des Raimund G***** und der Manuela G***** vom 24. Juni 2005 sowie des Mag. Andreas Ge***** vom 23. Februar 2006 wird nicht Folge gegeben.

Das beim Bezirksgericht Innsbruck zum AZ 9 U 176/07f über die (Subsidiar-)Bestrafungsanträge des Mag. Andreas Ge***** vom 23. Februar 2006 und des Raimund G***** vom 29. Dezember 2005 anhängige Verfahren wird gemäß § 451 Abs 2 StPO zur Gänze eingestellt. Mag. Andreas Ge***** und Raimund G***** haben alle infolge ihres Einschreitens aufgelaufenen Kosten des Strafverfahrens zu ersetzen.

Text

Gründe:

Zum AZ 30 Ur 78/04i wurden beim Landesgericht Innsbruck auf Grund einer Anzeige des Mag. Andreas Ge***** vom 15. Jänner 2004, die sich im Wesentlichen auf Vorgänge im Zusammenhang mit der im Verfahren AZ 38 Ur 264/03z dieses Gerichtes (ua wegen des Verdachts des Betrugs sowie der Brandstiftung zum Nachteil der T***** GmbH) erfolgten Verhaftung des Anzeigers am 6. Dezember 2003 in Igls bezieht (ON 2), beginnend mit 6. April 2004 (AV-Bogen S l) gerichtliche Vorerhebungen gegen den Beamten des Bundesministeriums für Inneres, BKA, Mag. (Dr. - s ON 71) Friedrich K***** und unbekannte Täter wegen des Verbrechens des Missbrauchs der Amtsgewalt nach § 302 Abs 1 StGB und des Vergehens der Verletzung des Amtsgeheimnisses nach § 310 Abs 1 StGB geführt. Nach weiteren, jeweils zum gleichen Sachverhalt eingebrachten Anzeigen des Mag. Ge***** vom 26. Mai 2004 (ON 12), 18. Juni 2004 (ON 11) und 26. August 2004 (ON 13) leitete der Untersuchungsrichter - im Sinne des Antrags der Staatsanwaltschaft vom 3. September 2004 (AV-Bogen S 3) - am 8. September 2004 (S 3 verso) auch gegen die Polizeibeamten Gerald Pe***** und Wolfgang Pa***** gerichtliche Vorerhebungen wegen des Verbrechens des Missbrauchs der Amtsgewalt nach § 302 Abs 1 StGB ein. Zu diesem Verfahren übermittelte die Staatsanwaltschaft Innsbruck am 31. Mai 2005 zwei weitere gegen die Polizeibeamten Franz S*****, Wolfgang Pa***** und Gerald Pe***** gerichtete Anzeigen des Raimund G***** zur Einbeziehung gemäß § 56 StPO (aF), und zwar vom 6. September 2004 betreffend seine Festnahme am 21. März 2004 (ON 26 sowie ON 2 in ON 30) und vom 10. März 2005 hinsichtlich seiner sowie der Festnahme seiner Frau Manuela G***** am 6. Dezember 2003 in Innsbruck (ON 28). Die Anklagebehörde gab dazu sogleich die Erklärung ab, dass zu einer weiteren Verfolgung des Mag. Fritz K*****, des Wolfgang Pa***** und des Gerald Pe***** kein Grund gefunden und auch die Franz S***** betreffende Anzeige gemäß § 90 Abs 1 StPO (aF) zurückgelegt wurde. Das Verfahren gegen Mag. Friedrich K*****, Wolfgang Pa***** und Gerald Pe***** (sowie gegen UT) wurde in der Folge mit Beschluss des Landesgerichts Innsbruck vom 3. Juni (2005) gemäß § 90 Abs 1 StPO (aF) eingestellt (AV-Bogen S 3i). Mit Schriftsatz vom 24. Juni 2005 schlossen sich Raimund und Manuela G***** dem Strafverfahren als Privatbeteiligte an und beantragten unter Hinweis auf ihre in Richtung §§ 302, 297 und 303 StGB erstatteten Anzeigen die Einleitung der Voruntersuchung gegen Mag. Friedrich K*****, Franz S*****, Wolfgang Pa***** und Gerald Pe***** (ON 4 in ON 30).

Nach Durchführung ergänzender Erhebungen (ON 32) gab die Ratskammer des Landesgerichts Innsbruck dem Subsidiarantrag mit Beschluss vom 26. September 2005, AZ 21 Rk 105/05k (ON 33), soweit er sich auf das Verbrechen des „Amtsmissbrauch" und das Vergehen der falschen Beweisaussage vor einer Verwaltungsbehörde bezog, nicht Folge (Punkt 1.) und überwies den Antrag im Übrigen, nämlich in Ansehung des Vergehens der fahrlässigen Verletzung der Freiheit der Person oder des Hausrechts nach § 303 StGB, gemäß § 449 StPO (aF) an das gemäß §§ 9, 51 StPO (aF) zuständige Bezirksgericht Innsbruck (Punkt 2./). Die Ratskammer begründete dies im Wesentlichen damit, dass fallbezogen kein ausreichender Tatverdacht für einen wissentlichen Befugnismissbrauch oder für das Vergehen der falschen Beweisaussage vor einer Verwaltungsbehörde vorliege, während für den im Subsidiarantrag bezüglich der Festnahme vom 21. März 2004 auch geäußerten Verdacht des Vergehens nach § 303 StGB gemäß § 449 StPO das Bezirksgericht zuständig sei.

In dem vom Bezirksgericht Innsbruck (zum AZ 8 U 610/05v) weitergeführten Verfahren wurde mit Beschluss vom 10. Oktober 2005 der Subsidiarantrag mit der Begründung zurückgewiesen, vom Privatbeteiligten sei anstelle der in § 449 StPO vorgesehenen gesetzlichen Bestrafung bloß die Einleitung der Voruntersuchung beantragt worden (ON 35). Der dagegen erhobenen Beschwerde der Privatbeteiligten gab das Landesgericht Innsbruck als Beschwerdegericht mit Beschluss vom 15. November 2005, AZ 21 Bl 369/05f (ON 39), einerseits dahin (insoweit das Anfechtungsziel der Rechtsmittelwerberin - ON 37 - missachtend) Folge, als der angefochtene Beschluss, soweit er die Privatbeteiligte Manuela G***** betraf, ersatzlos aufgehoben wurde, weil deren Subsidiarantrag (der inhaltlich nur in Richtung § 302 Abs 1 StGB und § 289 StGB ausgeführt worden war) mit Entscheidung der Ratskammer vom 26. September 2005 zur Gänze (abweislich) erledigt worden sei. In Ansehung des Raimund G***** hob das Landesgericht Innsbruck den ihn betreffenden Teil des angefochtenen Beschlusses auf und trug dem Erstgericht in diesem Umfang die Fortsetzung des Verfahrens auf. Danach wäre der Subsidiarantragsteller vorerst aufzufordern gewesen, innerhalb einer vom Erstgericht zu bestimmenden Frist einen schriftlichen Bestrafungsantrag iSd § 451 Abs 1 StPO einzubringen. In diesem Sinne beantragte der Privatbeteiligte Raimund G***** mit Schriftsatz vom 29. Dezember 2005 beim Bezirksgericht Innsbruck die Bestrafung der Polizeibeamten Franz S*****, Wolfgang Pa***** und Gerald Pe***** jeweils wegen § 303 StGB (ON 40), worauf das Bezirksgericht Innsbruck mit Beschluss vom 11. Jänner 2006 das Verfahren gegen Mag. Friedrich K***** einstellte, weil innerhalb der (mit einem Monat ab Zustellung des vorgenannten Beschlusses des Landesgerichts Innsbruck vom 15. November 2005 bestimmten, vgl AV-Bogen nach S 3k verso) Frist kein Bestrafungsantrag gegen ihn eingebracht worden sei (ON 41).

Hinsichtlich des Verfahrens gegen Franz S*****, Wolfgang Pa***** und Gerald Pe***** erklärte sich das Bezirksgericht Innsbruck - nach ergänzenden Erhebungen durch Vernehmung des Antragstellers als Zeugen (ON 42) - mit Beschluss vom 17. März 2006 für sachlich unzuständig, weil sich nach der Aktenlage und dem Vorbringen des Subsidiaranklägers eine Verdachtslage im Sinne des § 302 StGB „erhebe" (ON 44).

Das Landesgericht Innsbruck als Beschwerdegericht gab der dagegen erhobenen Beschwerde des Subsidiaranklägers Raimund G***** mit Beschluss vom 12. Mai 2006, AZ 21 Bl 173/06h (ON 47), abermals Folge und trug dem Erstgericht auf, sich der Verhandlung und Urteilsfällung zu unterziehen, weil - wie bereits die Ratskammer des Landesgerichtes Innsbruck festgestellt habe - kein einleitender Verdacht in Richtung des Verbrechens des „Amtsmissbrauch" nach § 302 Abs 1 StGB gegeben sei.

Zwischenzeitig brachte Mag. Andreas Ge***** mit Schriftsatz vom 23. Februar 2006 beim Landesgericht Innsbruck zu AZ 30 Ur 159/06t (ON 48) eine „Subsidiaranklage, in eventu einen Antrag auf Einleitung der Voruntersuchung" gegen Mag. Friedrich K*****, Wolfgang Pa***** und Gerald Pe***** wegen „§§ 302, 297 StGB und allfälliger anderer strafbarer Handlungen" ein (ON 2 in ON 48). Die Ratskammer gab diesem Subsidiarantrag mit Beschluss vom 11. Mai 2006, AZ 21 Rk 40/06b (ON 9 in ON 48), „soweit er sich auf die Beurteilung des Sachverhaltes als Verbrechen der Verleumdung und des Missbrauches der Amtsgewalt bezieht", nicht Folge (Punkt 1.) und überwies den Antrag, „soweit der Sachverhalt als Vergehen der fahrlässigen Verletzung der Freiheit der Person oder des Hausrechts nach § 303 StGB beurteilt wird, gemäß § 449 StPO dem gemäß §§ 9, 51 StPO zuständigen Bezirksgericht Innsbruck" (Punkt 2.).

Nach Einbeziehung der Akten AZ 30 Ur 159/06t des Landesgerichts Innsbruck gemäß § 56 StPO aF (Punkt 2. der „Verfügung" vom 31. Mai 2006 im nicht weiter journalisierten AV-Bogen) erklärte sich das Bezirksgericht Innsbruck mit Urteil vom 14. September 2006 (hinsichtlich Mag. Friedrich K***** als Abwesenheitsurteil) für unzuständig (ON 63), weil auf Grund des gesamten Akteninhaltes ein Tatverdacht wegen des Verbrechens des Missbrauchs der Amtsgewalt nach § 302 StGB bezüglich beider Subsidiaranklagen vorliege. Diese Entscheidung wurde in Stattgebung der dagegen erhobenen Berufung der Angeklagten Wolfgang Pa***** und Gerald Pe***** - und aus deren Anlass gemäß § 477 Abs 1 StPO auch hinsichtlich der Angeklagten Mag. Friedrich K***** und Franz S***** - mit Urteil des Landesgerichts Innsbruck als Berufungsgericht vom 13. März 2007, AZ 21 Bl 86/07s (ON 75), aufgehoben und dem Erstgericht aufgetragen, sich der Verhandlung und Urteilsfällung zu unterziehen. Beim Bezirksgericht Innsbruck wurde der Akt mit - bloß als Stampiglienerledigung ergangenem - Beschluss (offenbar des Gerichtsvorstehers) vom 19. März 2007 (ohne GZ) „dem/der Leiter/in der Gerichtsabteilung 9 U zur weiteren Erledigung zugewiesen" (auf S 255/11) und er trägt nunmehr die AZ 9 U 176/07f. Über die beiden (Subsidiar-)Bestrafungsanträge des Mag. Andreas Ge***** und des Raimund G***** hat das Bezirksgericht Innsbruck seither nicht weiter abgesprochen.

Rechtliche Beurteilung

Es stehen - wie die Generalprokuratur (§ 23 Abs 1 StPO) zutreffend ausführt - mit dem Gesetz nicht in Einklang:

l. der Beschluss der Ratskammer des Landesgerichts Innsbruck vom 26. September 2005, AZ 21 Rk 105/05k (ON 33),

2. der Beschluss des Landesgerichts Innsbruck vom 15. November 2005, AZ 21 Bl 369/05 f (ON 39),

3. der Beschluss des Landesgerichts Innsbruck vom 12. Mai 2006, AZ 21 Bl 173/06h (ON 47),

4. der Beschluss der Ratskammer des Landesgerichts Innsbruck vom 11. Mai 2006, AZ 21 Rk 40/06b (ON 9 in ON 48), sowie

5. das Urteil des Landesgerichts Innsbruck vom 13. März 2007, AZ 21 Bl 86/07s (ON 75).

Die Ratskammer und in weiterer Folge auch das Landesgericht Innsbruck als Beschwerde- bzw als Berufungsgericht wären verpflichtet gewesen, in Ansehung der von ihnen nur mehr nach § 303 StGB beurteilten Verdachtslage das allfällige Vorliegen des Strafaufhebungsgrundes der Verjährung der Strafbarkeit von Amts wegen zu prüfen (SSt 58/30; E. Fuchs in WK² § 57 Rz 18).

Unter der Prämisse eines bloß in Richtung § 303 StGB beurteilten Tatverdachts ist hinsichtlich der zur Anzeige gebrachten Sachverhalte nach der Aktenlage die Verjährung der Strafbarkeit eingetreten (§ 57 Abs 3 letzter Fall StGB):

Die Festnahme des Raimund G***** am 21. März 2004 war niemals Gegenstand gerichtlicher Vorerhebungen, sondern wurde die betreffende Anzeige (vom 6. September 2004, in ON 26) von der Staatsanwaltschaft Innsbruck erst am 31. Mai 2005 dem Landesgericht Innsbruck (dort eingelangt am l. Juni 2005) mit der Erklärung übermittelt, dass zu einer weiteren Verfolgung (ua) des Wolfgang Pa***** und des Gerold (richtig: Gerald) Pe***** kein Grund gefunden und auch die Franz S***** betreffende Anzeige gemäß § 90 Abs 1 StPO zurückgelegt wurde (AV-Boten S 3i). Die Zeit der Anhängigkeit des Verfahrens bei der Staatsanwaltschaft ohne Befassung des Gerichts hatte vor der am l. Jänner 2008 in Kraft getretenen Änderung der Bestimmung des § 58 Abs 3 Z 2 StGB durch BGBl I 93/2007 (vgl dessen Art II Z 2 lit a und Art V) auf die Verfolgungsverjährung ebenso wenig Einfluss (E. Fuchs in WK² § 58 Rz 25) wie es auf der gleichen schädlichen Neigung beruhende frühere Taten hätten (hier: die Festnahmen vom 6. Dezember 2003). Deshalb war die Verjährungsfrist - weil sie nach der ersichtlich nicht unvollständigen Aktenlage nicht durch sonstige Umstände iS des § 58 Abs 2 StGB verlängert wurde - fallbezogen bereits am 21. März 2005 (somit noch vor Einlangen des betreffenden Subsidiarantrags bei Gericht am 24. Juni 2005; siehe ON 4 in ON 30) abgelaufen. Hinsichtlich der Festnahmen am 6. Dezember 2003 wurden auf Grund der Anzeigen des Mag. Andreas Ge***** vom 15. Jänner 2004 (ON 2), vom 26. Mai 2004 (ON 12), vom 18. Juni 2004 (ON 11) und vom 26. August 2004 (ON 13) gerichtliche Vorerhebungen eingeleitet, und zwar gegen Mag. Friedrich K***** am 6. April 2004 (durch Benachrichtigung der vorgesetzten Dienstbehörde gemäß § 83 StPO; siehe S l im AV-Bogen;

zum Begriff der Gerichtsanhängigkeit instruktiv E. Fuchs in WK² § 58 Rz 14 ff) sowie gegen Gerald Pe***** und Wolfgang Pa***** am 8. September 2004 (durch antragsgemäße Beischaffung von Aktenkopien;

AV-Bogen S 3 verso). Die gerichtlichen Vorerhebungen wurden infolge der Erklärung der Staatsanwaltschaft vom 31. Mai 2005 durch Einstellungsbeschluss des Landesgerichtes Innsbruck am 3. Juni 2005 beendet (S 3i). Die Zeit zwischen dem Beginn der gerichtlichen Vorerhebungen und deren Beendigung beträgt beim Beschuldigten Mag. Friedrich K***** somit ein Jahr, einen Monat und 28 Tage sowie bei den Beschuldigten Gerald Pe***** und Wolfgang Pa***** acht Monate und 26 Tage. Diese Zeitspanne war gemäß § 58 Abs 3 Z 2 StGB (aF) in die Verjährungszeit nicht einzurechnen (Fortlaufhemmung; siehe E. Fuchs in WK² § 58 Rz 2 und Rz 14 ff). Auch unter Berücksichtigung der Folgen der Tat (§ 58 Abs 1 StGB - Verhängung der Untersuchungshaft über Raimund G***** am 9. Dezember 2003, Enthaftung am 19. Dezember 2003) waren die Taten - weil auch hier keine sonstigen Umstände iS des § 58 Abs 2 StGB vorlagen - ebenfalls vor Einlangen der sie betreffenden „Subsidiaranklage" des Mag. Andreas Ge***** bei Gericht (am 24. Februar 2006; siehe ON 2 in ON 48) verjährt. Die Gerald Pe***** und Wolfgang Pa***** zum Vorwurf gemachte Nachtat (die am 21. März 2004 erfolgte Festnahme des Raimund G*****) war bereits zuvor - am 21. März 2005 - verjährt und bewirkt daher (zumal § 58 Abs 2 StGB bloß eine Ablaufhemmung normiert - vgl E. Fuchs in WK² § 58 Rz 1 und Rz 6) fallbezogen gleichfalls keine Fristverlängerung. Die aufgezeigten Gesetzesverletzungen sind geeignet, sich zum Nachteil der Beschuldigten auszuwirken, sodass sich der Oberste Gerichtshof in Ausübung seines ihm gemäß § 292 letzter Satz StPO zustehenden Ermessens veranlasst sah, deren Feststellung mit konkreter Wirkung zu verknüpfen.

Weil die Frage der Verjährung kein prozessuales Verfolgungshindernis betrifft, sondern einen materiellen Strafaufhebungsgrund (siehe dazu Ratz, WK-StPO § 281 Rz 619 ff; ebenso E. Fuchs in WK² Vorbem §§ 57-60 Rz 1), scheidet eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in der Sache selbst bei nicht ausreichender Feststellungsbasis an sich aus. Da die Ergänzung aktuell fehlender Feststellungen (hier zu sonstigen fristverlängernden Umständen iSd § 58 StGB) nach der Aktenlage auch in einem weiteren Rechtsgang nicht zu erwarten ist, war aus prozessökonomischen Erwägungen von einer Verweisung an die erste Instanz abzusehen und in der Sache selbst zu entscheiden (Ratz, WK-StPO § 288 Rz 24; WK² § 57 Rz 19; RIS-Justiz RS0118545). Die Kostenentscheidung beruht auf § 390 Abs 1 StPO.

Anmerkung

E86938 11Os6.08d

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2008:0110OS00006.08D.0226.000

Dokumentnummer

JJT_20080226_OGH0002_0110OS00006_08D0000_000
Quelle: Oberster Gerichtshof (und OLG, LG, BG) OGH, http://www.ogh.gv.at
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