RS OGH 2026/1/13 13Os43/14v; 15Os147/14b; 11Os52/15d; 15Os97/14z; 13Os142/14b; 13Os143/14z; 11Os93/1

JUSLINE Rechtssatz

Veröffentlicht am 13.01.2026
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Norm

StPO §47 Abs1 Z3, StPO §126 Abs4
StPO §281 Abs1 Z4
StPO idF BGBl I 2014/71 §126 Abs5
EMRK Art6
  1. StPO § 281 heute
  2. StPO § 281 gültig ab 01.01.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 157/2024
  3. StPO § 281 gültig von 01.03.2023 bis 31.12.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 223/2022
  4. StPO § 281 gültig von 01.01.2008 bis 28.02.2023 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 93/2007
  5. StPO § 281 gültig von 01.01.2006 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 119/2005
  6. StPO § 281 gültig von 01.01.2002 bis 31.12.2001 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 105/1997
  7. StPO § 281 gültig von 01.01.2002 bis 31.12.2001 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 55/1999
  8. StPO § 281 gültig von 01.01.2000 bis 31.12.2005 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 55/1999
  9. StPO § 281 gültig von 01.01.1998 bis 31.12.1999 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 105/1997
  10. StPO § 281 gültig von 01.01.1994 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 526/1993
  11. StPO § 281 gültig von 01.03.1988 bis 31.12.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 605/1987

Rechtssatz

Allein aus dem Umstand, dass ein Sachverständiger bereits im Ermittlungsverfahren von der Staatsanwaltschaft beigezogen wurde, folgt nicht der generelle Ausschluss dieses Sachverständigen für die Bestellung in der Hauptverhandlung. Vielmehr ist auch bei dieser Verfahrenskonstellation im Rahmen einer Einzelfallprüfung eine allfällige Befangenheit anhand der Regelung des § 47 Abs 1 Z 3 StPO iVm § 126 Abs 4 erster Satz StPO zu beurteilen. Ein Antrag, einen im Ermittlungsverfahren über Auftrag der Staatsanwaltschaft tätig gewesenen Sachverständigen nicht auch für die Hauptverhandlung zu bestellen, muss demnach Anhaltspunkte aufzeigen, die im Zusammenhang mit der konkreten Tätigkeit dieses Sachverständigen im Ermittlungsverfahren gegen dessen völlige Neutralität sprechen.Allein aus dem Umstand, dass ein Sachverständiger bereits im Ermittlungsverfahren von der Staatsanwaltschaft beigezogen wurde, folgt nicht der generelle Ausschluss dieses Sachverständigen für die Bestellung in der Hauptverhandlung. Vielmehr ist auch bei dieser Verfahrenskonstellation im Rahmen einer Einzelfallprüfung eine allfällige Befangenheit anhand der Regelung des Paragraph 47, Absatz eins, Ziffer 3, StPO in Verbindung mit Paragraph 126, Absatz 4, erster Satz StPO zu beurteilen. Ein Antrag, einen im Ermittlungsverfahren über Auftrag der Staatsanwaltschaft tätig gewesenen Sachverständigen nicht auch für die Hauptverhandlung zu bestellen, muss demnach Anhaltspunkte aufzeigen, die im Zusammenhang mit der konkreten Tätigkeit dieses Sachverständigen im Ermittlungsverfahren gegen dessen völlige Neutralität sprechen.

Entscheidungstexte

  • RS0130055">13 Os 43/14v
    Entscheidungstext OGH 15.04.2015 13 Os 43/14v
  • RS0130055">15 Os 147/14b
    Entscheidungstext OGH 22.07.2015 15 Os 147/14b
    Vgl auch; Beisatz: Die im Erkenntnis des VfGH vom 10. März 2015, G 180/2014, Rz 39, genannte Konstellation (Erkundungsbeweisführung des Sachverständigen im Ermittlungsverfahren und primär auf das Gutachten gestützte Feststellung entscheidender Tatsachen durch das Gericht) erfasst die Fälle von auf Art 6 Abs 3 lit d EMRK gegründeter Befangenheit nicht abschließend. Vielmehr können im Einzelfall auch andere aus der Tätigkeit des Sachverständigen im Ermittlungsverfahren resultierende Gründe dessen Befangenheit bewirken, so etwa, wenn der Sachverständige im Rahmen seiner Tätigkeit ein besonderes Naheverhältnis zu Vertretern der auftraggebenden Staatsanwaltschaft entwickelt hat, das an seiner Unparteilichkeit zweifeln lässt. (T1)
  • RS0130055">11 Os 52/15d
    Entscheidungstext OGH 20.10.2015 11 Os 52/15d
    Auch; Beisatz: Häufige Beschäftigung eines Experten in Strafverfahren begründet ? selbst bei Einbeziehung wirtschaftlicher Momente ? objektiv keine Voreingenommenheit für einen bestimmten Prozess. (T2)
  • RS0130055">15 Os 97/14z
    Entscheidungstext OGH 11.11.2015 15 Os 97/14z
    Auch; Beis wie T1
  • RS0130055">13 Os 142/14b
    Entscheidungstext OGH 25.11.2015 13 Os 142/14b
    Auch
  • RS0130055">13 Os 143/14z
    Entscheidungstext OGH 25.11.2015 13 Os 143/14z
    Auch
  • RS0130055">11 Os 93/14g
    Entscheidungstext OGH 16.02.2016 11 Os 93/14g
    Auch; Beisatz: Hier: Befangenheit des Sachverständigen wurde infolge Ermittlungen in Form eines Erkundungsbeweises bejaht. Keine ausreichenden Kontrollbeweise. (T3)
  • RS0130055">12 Os 156/15f
    Entscheidungstext OGH 03.03.2016 12 Os 156/15f
    Auch
  • RS0130055">12 Os 119/15i
    Entscheidungstext OGH 07.04.2016 12 Os 119/15i
    Auch
  • RS0130055">11 Os 26/16g
    Entscheidungstext OGH 14.06.2016 11 Os 26/16g
    Auch; Beis wie T2
  • RS0130055">13 Os 66/16d
    Entscheidungstext OGH 06.09.2016 13 Os 66/16d
  • RS0130055">15 Os 83/16v
    Entscheidungstext OGH 15.02.2017 15 Os 83/16v
    Auch
  • RS0130055">12 Os 100/16x
    Entscheidungstext OGH 02.03.2017 12 Os 100/16x
    Auch; Beisatz: Befangenheit des im Ermittlungsverfahren bestellten Sachverständigen ergibt sich nicht schon daraus, dass er im Rahmen der Befundaufnahme eigenständige Erhebungen durchführt oder solche beim Auftraggeber anregt, insbesondere dann, wenn nur mittels Zwangsmaßnahmen die Beischaffung entsprechend benötigter Unterlagen oder sonstiger Beweisergebnisse möglich wäre. (T4)
  • RS0130055">11 Os 7/17i
    Entscheidungstext OGH 30.05.2017 11 Os 7/17i
  • RS0130055">12 Os 85/17t
    Entscheidungstext OGH 16.11.2017 12 Os 85/17t
    Vgl aber; Beisatz: Wurde ein Gutachten bereits im Geltungszeitraum des § 126 Abs 5 StPO idF BGBl I 2014/71 eingeholt, stand es dem Angeklagten im Ermittlungsverfahren offen, eine Bestellung des Sachverständigen im Rahmen gerichtlicher Beweisaufnahme zu verlangen. Wurde derartiges nicht begehrt, kann die „strukturelle“ Befangenheit des Sachverständigen im Hauptverfahren im Hinblick auf den dadurch (der Sache nach) abgegebenen Grundrechtsverzicht nicht mehr geltend gemacht werden. (T5)
  • RS0130055">12 Os 34/18v
    Entscheidungstext OGH 12.09.2019 12 Os 34/18v
    Beis wie T1
  • RS0130055">11 Os 32/21x
    Entscheidungstext OGH 27.04.2021 11 Os 32/21x
    Vgl
  • RS0130055">12 Os 23/22g
    Entscheidungstext OGH 02.06.2022 12 Os 23/22g
    Vgl
  • RS0130055">12 Os 128/21x
    Entscheidungstext OGH 02.06.2022 12 Os 128/21x
    Vgl
  • RS0130055">14 Os 139/22f
    Entscheidungstext OGH 25.04.2023 14 Os 139/22f
    vgl; Beisatz wie T5
  • RS0130055">13 Os 33/24p
    Entscheidungstext OGH 11.09.2024 13 Os 33/24p
    vgl; Beisatz nur wie T5
  • RS0130055">11 Os 141/25g
    Entscheidungstext OGH 13.01.2026 11 Os 141/25g
    vgl; Beisatz wie T5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2015:RS0130055

Im RIS seit

22.06.2015

Zuletzt aktualisiert am

05.02.2026
Quelle: Oberster Gerichtshof (und OLG, LG, BG) OGH, http://www.ogh.gv.at
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