TE Vfgh Erkenntnis 2017/12/4 G125/2017 (G125/2017-9)

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Veröffentlicht am 04.12.2017
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Index

66/01 Allgemeines Sozialversicherungsgesetz

Norm

B-VG Art140 Abs1 Z1 litd
B-VG Art7 Abs1 / Gesetz
ASVG §86 Abs3 Z1
ABGB §1494
  1. B-VG Art. 140 heute
  2. B-VG Art. 140 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.2008 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  5. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  6. B-VG Art. 140 gültig von 06.06.1992 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
  7. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.1991 bis 05.06.1992 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  8. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1988 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  9. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1976 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  10. B-VG Art. 140 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 140 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 7 heute
  2. B-VG Art. 7 gültig ab 01.08.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 7 gültig von 01.01.2004 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 7 gültig von 16.05.1998 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 68/1998
  5. B-VG Art. 7 gültig von 14.08.1997 bis 15.05.1998 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/1997
  6. B-VG Art. 7 gültig von 01.07.1988 bis 13.08.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  7. B-VG Art. 7 gültig von 01.01.1975 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  8. B-VG Art. 7 gültig von 19.12.1945 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  9. B-VG Art. 7 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. ASVG § 86 heute
  2. ASVG § 86 gültig ab 20.07.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 106/2024
  3. ASVG § 86 gültig von 01.05.2024 bis 19.07.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 46/2024
  4. ASVG § 86 gültig von 15.08.2018 bis 30.04.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 59/2018
  5. ASVG § 86 gültig von 01.07.2018 bis 14.08.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2018
  6. ASVG § 86 gültig von 01.01.2015 bis 30.06.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2015
  7. ASVG § 86 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2015
  8. ASVG § 86 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 145/2003
  9. ASVG § 86 gültig von 01.01.2002 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 1/2002
  10. ASVG § 86 gültig von 01.01.1998 bis 31.12.2001 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 30/1998
  11. ASVG § 86 gültig von 01.07.1996 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 139/1997
  1. ABGB § 1494 heute
  2. ABGB § 1494 gültig ab 01.01.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 105/2019
  3. ABGB § 1494 gültig von 01.07.2018 bis 31.12.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 59/2017
  4. ABGB § 1494 gültig von 18.08.1999 bis 30.06.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 164/1999
  5. ABGB § 1494 gültig von 01.01.1812 bis 17.08.1999

Leitsatz

Verfassungswidrigkeit der Regelung des ASVG betreffend den Anfallszeitpunkt von Waisenpensionen bei verspäteter Antragstellung wegen Verstoßes gegen das Gleichheitsrecht; keine sachliche Rechtfertigung der Ungleichbehandlung von Minderjährigen und geschäftsunfähigen Volljährigen; im Übrigen Zurückweisung des Parteiantrags

Spruch

I.römisch eins. 1. In §86 Abs3 Z1 ASVG, BGBl 189/1955 idF BGBl I 2/2015, werden im ersten Satz die Wortfolge "wenn der Antrag binnen sechs Monaten nach Eintritt des Versicherungsfalles gestellt wird" sowie der zweite bis sechste Satz dieser Bestimmung als verfassungswidrig aufgehoben.1. In §86 Abs3 Z1 ASVG, Bundesgesetzblatt 189 aus 1955, in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 2 aus 2015,, werden im ersten Satz die Wortfolge "wenn der Antrag binnen sechs Monaten nach Eintritt des Versicherungsfalles gestellt wird" sowie der zweite bis sechste Satz dieser Bestimmung als verfassungswidrig aufgehoben.

2. Die Aufhebung tritt mit Ablauf des 30. Juni 2018 in Kraft.

3. Frühere gesetzliche Bestimmungen treten nicht wieder in Kraft.

II.römisch zwei. Der Bundeskanzler ist zur unverzüglichen Kundmachung dieser Aussprüche im Bundesgesetzblatt I verpflichtet.Der Bundeskanzler ist zur unverzüglichen Kundmachung dieser Aussprüche im Bundesgesetzblatt römisch eins verpflichtet.

III.römisch drei.  Der Hauptantrag wird zurückgewiesen.

Begründung

Entscheidungsgründe

I.       Antragrömisch eins. Antrag

Gestützt auf Art140 Abs1 Z1 litd B-VG begehrt der Antragsteller

– die Wortfolge "längstens bis zum Ablauf von sechs Monaten" in §86 Abs3 Z1 zweiter Satz ASVG, BGBl 189/1955 idF BGBl I 2/2015 (Hauptantrag),– die Wortfolge "längstens bis zum Ablauf von sechs Monaten" in §86 Abs3 Z1 zweiter Satz ASVG, Bundesgesetzblatt 189 aus 1955, in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 2 aus 2015, (Hauptantrag),

– in eventu in §86 Abs3 Z1 leg.cit., die Wortfolge

"wenn der Antrag binnen sechs Monaten nach Eintritt des Versicherungsfalles gestellt wird. Wird ein Antrag auf Waisenpension nicht fristgerecht gestellt, so fällt die Waisenpension mit dem dem Eintritt des Versicherungsfalles folgenden Tag an, sofern der Antrag nach dem Eintritt der Volljährigkeit der Waise gestellt wird. Wird der Antrag auf die Pension erst nach Ablauf dieser Frist gestellt, so fällt die Pension erst mit dem Tag der Antragstellung an. Die Antragsfrist verlängert sich bei Waisenpensionsberechtigten um die Dauer eines Verfahrens zur Feststellung der Vaterschaft bzw. zur Betrauung einer Person mit der Obsorge und beginnt bei Waisen-pensionsberechtigten, die erst nach dem Eintritt des Versicherungsfalles geboren werden, mit dem Tag der Geburt. Bei nachträglicher amtlicher Feststellung des Todestages beginnt die Antragsfrist erst mit dem Zeitpunkt dieser Feststellung. Wird für ein doppelt verwaistes Kind ein Antrag auf Waisenpension nach einem Elternteil gestellt, so ist dieser Antrag rechtswirksam für den Anspruch auf Waisenpension bzw. Waisenrente nach beiden Elternteilen und gilt für alle Pensionsversicherungsträger bzw. Unfallversicherungsträger nach diesem oder einem anderen Bundesgesetz" (erster Eventualantrag)

– in eventu §86 Abs3 Z1 leg.cit. zur Gänze als verfassungswidrig aufzuheben (zweiter Eventualantrag).

II.      Rechtslagerömisch zwei. Rechtslage

1.       §86 ASVG, BGBl 189/1955 idF BGBl I 2/2015, lautet wie folgt (der Hauptantrag ist durch Fettdruck, der erste Eventualantrag durch Kursivdruck und der zweite Eventualantrag durch Unterstreichung hervorgehoben):1. §86 ASVG, Bundesgesetzblatt 189 aus 1955, in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 2 aus 2015,, lautet wie folgt (der Hauptantrag ist durch Fettdruck, der erste Eventualantrag durch Kursivdruck und der zweite Eventualantrag durch Unterstreichung hervorgehoben):

"Anfall der Leistungen

§86. (1) Soweit nichts anderes bestimmt ist, fallen die sich aus den Leistungsansprüchen ergebenden Leistungen mit dem Entstehen des Anspruches (§85) an.

(2) Nach dem Tode des Empfängers einer Versehrtenrente fallen Hinterbliebenenrenten aus der Unfallversicherung mit dem Tag an, der auf den Tod des Rentenempfängers folgt.

(3) Pensionen aus der Pensionsversicherung fallen an:

1. Hinterbliebenenpensionen fallen mit dem dem Eintritt des Versicherungsfalles folgenden Tag an, wenn der Antrag binnen sechs Monaten nach Eintritt des Versicherungsfalles gestellt wird. Wird ein Antrag auf Waisenpension nicht fristgerecht gestellt, so fällt die Waisenpension mit dem dem Eintritt des Versicherungsfalles folgenden Tag an, sofern der Antrag längstens bis zum Ablauf von sechs Monaten nach dem Eintritt der Volljährigkeit der Waise gestellt wird. Wird der Antrag auf die Pension erst nach Ablauf dieser Frist gestellt, so fällt die Pension erst mit dem Tag der Antragstellung an. Die Antragsfrist verlängert sich bei Waisenpensionsberechtigten um die Dauer eines Verfahrens zur Feststellung der Vaterschaft bzw. zur Betrauung einer Person mit der Obsorge und beginnt bei Waisenpensionsberechtigten, die erst nach dem Eintritt des Versicherungsfalles geboren werden, mit dem Tag der Geburt. Bei nachträglicher amtlicher Feststellung des Todestages beginnt die Antragsfrist erst mit dem Zeitpunkt dieser Feststellung. Wird für ein doppelt verwaistes Kind ein Antrag auf Waisenpension nach einem Elternteil gestellt, so ist dieser Antrag rechtswirksam für den Anspruch auf Waisenpension bzw. Waisenrente nach beiden Elternteilen und gilt für alle Pensionsversicherungsträger bzw. Unfallversicherungsträger nach diesem oder einem anderen Bundesgesetz.

2. [...]

(4) – (6) [...]"

III.    Antragsvorbringen und Vorverfahrenrömisch drei. Antragsvorbringen und Vorverfahren

1.       Dem Antrag liegt folgender Sachverhalt zugrunde:

1.1.    Der im Jahr 1970 geborene Antragsteller leidet seit einer Meningitiserkrankung im Jahr 1978 u.a. an akustischen Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Er ist infolgedessen erwerbsunfähig. Am 6. September 2014 verstarb der Vater des Antragstellers. Als im Zuge eines Schlichtungsverfahrens im Zusammenhang mit einem Kreditvertrag Zweifel an der uneingeschränkten Geschäftsfähigkeit des Antragstellers entstanden, wurde im Februar 2016 beim Bezirksgericht Baden die Bestellung eines Sachwalters für den Antragsteller angeregt. Im Rahmen des Sachwalterbestellungsverfahrens wurde ein neurologisch-psychiatrisches Gutachten eingeholt, mit dem Ergebnis, dass der Antragsteller an paranoider Schizophrenie leide und zu einer selbständigen Lebensführung nicht in der Lage sei. Ein für den Antragsteller – zunächst vorläufig – bestellter Sachwalter stellte für ihn am 11. März 2016 bei der Pensionsversicherungsanstalt Anträge auf Gewährung einer Waisenpension und einer Ausgleichszulage ab dem "7. September 2014". Mit Bescheid vom 6. September 2016 erkannte die Pensionsversicherungsanstalt dem Antragsteller eine Waisenpension ab dem 11. März 2016 zu. Mit Bescheid vom 22. September 2016 erkannte die Pensionsversicherungsanstalt dem Antragsteller ab dem 11. März 2016 ferner eine Ausgleichszulage zu.

1.2.    Gegen beide Bescheide erhob der Antragsteller Klage an das Landesgericht Wiener Neustadt als Arbeits- und Sozialgericht. Mit Urteil vom 5. April 2017, Z 9 Cgs 263/16x, wies das Landesgericht das Klagebegehren, die Pensionsversicherungsanstalt sei schuldig, dem nunmehrigen Antragsteller auch für den Zeitraum vom 7. September 2014 bis 10. März 2016 eine Waisenpension und eine Ausgleichszulage zu gewähren, ab und zwar im Wesentlichen zusammengefasst mit der Begründung, dass der Gesetzgeber für den Fall, dass ein an sich erwachsener und eigenberechtigter Antragsteller zufolge Geschäftsunfähigkeit zur Antragstellung erst verspätet in der Lage sei, keine Regelung getroffen habe. Eine analoge Anwendung des §86 Abs3 Z1 ASVG sowie der §§21, 1494 ABGB komme – unter Hinweis auf einschlägige Vorjudikatur – nicht in Betracht, daher habe auch in einem solchen Fall das in der Pensionsversicherung allgemein herrschende Antragsprinzip zu gelten. Dagegen erhob der Antragsteller Berufung und stellte aus Anlass dieses Rechtsmittels den vorliegenden Parteiantrag.1.2. Gegen beide Bescheide erhob der Antragsteller Klage an das Landesgericht Wiener Neustadt als Arbeits- und Sozialgericht. Mit Urteil vom 5. April 2017, Ziffer 9, Cgs 263/16x, wies das Landesgericht das Klagebegehren, die Pensionsversicherungsanstalt sei schuldig, dem nunmehrigen Antragsteller auch für den Zeitraum vom 7. September 2014 bis 10. März 2016 eine Waisenpension und eine Ausgleichszulage zu gewähren, ab und zwar im Wesentlichen zusammengefasst mit der Begründung, dass der Gesetzgeber für den Fall, dass ein an sich erwachsener und eigenberechtigter Antragsteller zufolge Geschäftsunfähigkeit zur Antragstellung erst verspätet in der Lage sei, keine Regelung getroffen habe. Eine analoge Anwendung des §86 Abs3 Z1 ASVG sowie der §§21, 1494 ABGB komme – unter Hinweis auf einschlägige Vorjudikatur – nicht in Betracht, daher habe auch in einem solchen Fall das in der Pensionsversicherung allgemein herrschende Antragsprinzip zu gelten. Dagegen erhob der Antragsteller Berufung und stellte aus Anlass dieses Rechtsmittels den vorliegenden Parteiantrag.

2.       Der Antragsteller bringt in seinem Parteiantrag vor, das Landesgericht Wiener Neustadt habe sein Urteil damit begründet, dass der Antrag auf Gewährung von Waisenpension und Ausgleichszulage erst zwei Jahre nach dem Eintritt des Versicherungsfalles (Tod des Vaters des Klägers) gestellt worden sei. Da die Antragstellung somit später als sechs Monate nach dem Eintritt des Versicherungsfalles erfolgt sei, falle die Pension erst mit dem Tag der Antragstellung an. Eine analoge Anwendung des §86 Abs3 Z1 zweiter Satz ASVG auf geistig behinderte bzw. psychisch kranke Volljährige sei auf Grund der Intention des Gesetzgebers, dass diese Regelung nur auf Minderjährige anwendbar sein solle, nicht möglich. Dieses Urteil stütze sich auf eine verfassungswidrige Bestimmung, nämlich §86 Abs3 Z1 ASVG. Der Antragsteller erachtet sich durch die Anwendung dieser Regelung in seinem verfassungsgesetzlich gewährleisteten Recht auf Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz verletzt und führt dazu aus:

"Grundsätzlich fällt eine Hinterbliebenenpension gemäß §86 Abs3 Z1 ASVG demnach mit dem dem Eintritt des Versicherungsfalles folgenden Tag an, sofern der Antrag binnen sechs Monaten nach Eintritt des Versicherungsfalles gestellt wird. Wird der Antrag erst später gestellt, so fällt die Pension erst mit dem Tag der Antragstellung an.

§86 Abs3 Z1 S 2 ASVG statuiert für Waisenpensionen eine Ausnahme von dieser Grundregel, und zwar ausdrücklich jedenfalls für den Fall, dass der Antragsteller im Zeitpunkt des Todes des Unterhaltspflichtigen noch minderjährig war. Diesfalls fällt die Pension – unabhängig vom Tag des Eintritts des Versicherungsfalles – jedenfalls mit dem dem Eintritt des Versicherungsfalles folgenden Tag an, sofern der Antrag auf Waisenpension innerhalb von sechs Monaten nach Erreichen der Volljährigkeit gestellt wird.

Der Gesetzgeber hat demnach erkannt, dass es Fälle gibt, in denen eine Person zu einer rechtzeitigen Antragstellung nicht in der Lage ist, Eine Anwendung der Grundregel betreffend den Anfall von Hinterbliebenenpensionen würde in diesen Fällen bedeuten, dass die Betroffenen infolge unverschuldet verspäteter Antragstellung Leistungsansprüche, die ihnen grundsätzlich zustehen würden, verlieren. Der Gesetzgeber hat erkannt, dass dies eine übermäßige Härte für die Betroffenen bedeuten würde, die nicht zu rechtfertigen ist.

Da die betroffenen Personen daher eines besonderen gesetzlichen Schutzes bedürfen, hat sich der Gesetzgeber bezüglich Waisenpensionen zur Ausnahmeregelung des §86 Abs3 Z1 S 2 ASVG entschlossen. Vom ausdrücklichen Anwendungsbereich des §86 Abs3 Z1 S 2 ASVG sind allerdings nur minderjährige Pensionsberechtigte erfasst, nicht hingegen (zumindest nicht ausdrücklich) geistig behinderte oder psychisch kranke.

Geistig behinderte und psychisch kranke Menschen sind in Bezug auf ihre Schutzwürdigkeit aber Minderjährigen gleichzustellen. Infolge geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung sind die Betroffenen oftmals mindestens im selben Ausmaß wie Minderjährige nicht dazu in der Lage, ihre Interessen zu verfolgen und entsprechend zu handeln. Eine Antragstellung auf Gewährung von Waisenpension innerhalb von sechs Monaten nach Eintritt des Versicherungsfalles ist für geistig behinderte und psychisch kranke Personen zum Beispiel allein deshalb schon nicht möglich, da die betroffenen Personen zumeist nicht in der Lage sind, komplexe Sachverhalte zu erfassen und entsprechend planend und vorausschauend zu handeln. Dies wurde im Falle des Antragstellers auch durch Sachverständigengutachten festgestellt.

Da geistig behinderte und psychisch kranke Personen aber in ihrer Schutzwürdigkeit Minderjährigen gleichzustellen sind, bedürfen sie auch desselben gesetzlichen Schutzes.

Während §86 Abs3 Z1 S 2 ASVG psychisch gesunden Minderjährigen Schutz davor bietet, infolge unverschuldet verspäteter Antragstellung Leistungsansprüche, wird dieser Schutz geistig behinderten und psychisch kranken Antragstellern nicht zuteil. Diese benötigen den Schutz des Gesetzes aber in zumindest demselben Ausmaß, wie psychisch gesunde Minderjährige.

Im Ausschluss geistig behinderter und psychisch kranker Personen vom Anwendungsbereich der Norm liegt somit ein Rechtsschutzdefizit für die betroffenen Personen, das vor allem im Hinblick auf den Schutzzweck des §86 Abs3 Z1 S 2 ASVG – nämlich Personen, die ohne eigenes Verschulden nicht dazu in der Lage sind rechtzeitig einen Antrag auf Gewährung von Waisenpension zu stellen – nicht zu rechtfertigen ist.

Aufgrund dieser Ungleichbehandlung verletzt §86 Abs3 Z1 ASVG den Gleichheitssatz des Art7 B-VG und ist somit verfassungswidrig, jedenfalls wenn die Bestimmung nicht durch verfassungskonforme Auslegung auch auf geistig behinderte und psychisch kranke Personen anzuwenden wäre."

3.       Die Bundesregierung hat von der Erstattung einer Äußerung Abstand genommen, jedoch für den Fall der Aufhebung der angefochtenen Bestimmung beantragt, der Verfassungsgerichtshof wolle gemäß Art140 Abs5 B-VG für das Außerkrafttreten eine Frist von einem Jahr bestimmen.

IV.      Erwägungenrömisch vier. Erwägungen

1.       Zur Zulässigkeit

1.1.    Gemäß Art140 Abs1 Z1 litd B-VG erkennt der Verfassungsgerichtshof über die Verfassungswidrigkeit von Gesetzen auch auf Antrag einer Person, die als Partei einer von einem ordentlichen Gericht in erster Instanz entschiedenen Rechtssache wegen Anwendung eines verfassungswidrigen Gesetzes entschiedenen Rechtssache wegen Anwendung eines verfassungswidrigen Gesetzes in ihren Rechten verletzt zu sein behauptet, aus Anlass eines gegen diese Entscheidung erhobenen Rechtsmittels. Nach §62a Abs1 erster Satz VfGG idF BGBl I 78/2016 kann eine Person, die als Partei in einer von einem ordentlichen Gericht in erster Instanz entschiedenen Rechtssache wegen Anwendung eines verfassungswidrigen Gesetzes in ihren Rechten verletzt zu sein behauptet, einen Antrag stellen, das Gesetz als verfassungswidrig aufzuheben.1.1. Gemäß Art140 Abs1 Z1 litd B-VG erkennt der Verfassungsgerichtshof über die Verfassungswidrigkeit von Gesetzen auch auf Antrag einer Person, die als Partei einer von einem ordentlichen Gericht in erster Instanz entschiedenen Rechtssache wegen Anwendung eines verfassungswidrigen Gesetzes entschiedenen Rechtssache wegen Anwendung eines verfassungswidrigen Gesetzes in ihren Rechten verletzt zu sein behauptet, aus Anlass eines gegen diese Entscheidung erhobenen Rechtsmittels. Nach §62a Abs1 erster Satz VfGG in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 78 aus 2016, kann eine Person, die als Partei in einer von einem ordentlichen Gericht in erster Instanz entschiedenen Rechtssache wegen Anwendung eines verfassungswidrigen Gesetzes in ihren Rechten verletzt zu sein behauptet, einen Antrag stellen, das Gesetz als verfassungswidrig aufzuheben.

1.2.    Der vorliegende Antrag wurde aus Anlass der Berufung gegen ein Urteil des Landesgerichtes Wiener Neustadt als Arbeits- und Sozialgericht vom 5. April 2017, Z 9 Cgs 263/16x, gestellt. Mit diesem Urteil wurde die Rechtssache in erster Instanz durch ein ordentliches Gericht entschieden (Art140 Abs1 Z1 litd B-VG).1.2. Der vorliegende Antrag wurde aus Anlass der Berufung gegen ein Urteil des Landesgerichtes Wiener Neustadt als Arbeits- und Sozialgericht vom 5. April 2017, Ziffer 9, Cgs 263/16x, gestellt. Mit diesem Urteil wurde die Rechtssache in erster Instanz durch ein ordentliches Gericht entschieden (Art140 Abs1 Z1 litd B-VG).

1.3.    Als Kläger ist der Antragsteller Partei des Verfahrens vor dem ordentlichen Gericht, womit er zur Antragstellung gemäß Art140 Abs1 Z1 litd B-VG berechtigt ist.

1.4.    Dem Erfordernis der Einbringung aus Anlass eines Rechtsmittels hat der Antragsteller jedenfalls dadurch Rechnung getragen, dass er den vorliegenden Antrag und das Rechtsmittel gegen das Urteil des Landesgerichtes am selben Tag erhoben und eingebracht hat (vgl. VfSlg 20.074/2016).1.4. Dem Erfordernis der Einbringung aus Anlass eines Rechtsmittels hat der Antragsteller jedenfalls dadurch Rechnung getragen, dass er den vorliegenden Antrag und das Rechtsmittel gegen das Urteil des Landesgerichtes am selben Tag erhoben und eingebracht hat vergleiche VfSlg 20.074/2016).

Im Übrigen geht der Verfassungsgerichtshof davon aus, dass das erhobene Rechtsmittel rechtzeitig und zulässig ist.

1.5.    Ein auf Art140 Abs1 Z1 litd B-VG gestützter Antrag auf Aufhebung eines Gesetzes oder von bestimmten Stellen eines solchen kann gemäß §62 Abs2 VfGG nur dann gestellt werden, wenn das Gesetz vom Gericht in der anhängigen Rechtssache unmittelbar anzuwenden bzw. die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes eine Vorfrage für die Entscheidung der beim Gericht anhängigen Rechtssache ist oder nach Ansicht des Antragstellers wäre. Eine Antragstellung gemäß Art140 Abs1 Z1 litd B-VG setzt daher voraus, dass die angefochtene Bestimmung eine Voraussetzung der Entscheidung des ordentlichen Gerichtes im Anlassfall bildet (VfSlg 20.029/2015; vgl. VfSlg 20.010/2015).1.5. Ein auf Art140 Abs1 Z1 litd B-VG gestützter Antrag auf Aufhebung eines Gesetzes oder von bestimmten Stellen eines solchen kann gemäß §62 Abs2 VfGG nur dann gestellt werden, wenn das Gesetz vom Gericht in der anhängigen Rechtssache unmittelbar anzuwenden bzw. die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes eine Vorfrage für die Entscheidung der beim Gericht anhängigen Rechtssache ist oder nach Ansicht des Antragstellers wäre. Eine Antragstellung gemäß Art140 Abs1 Z1 litd B-VG setzt daher voraus, dass die angefochtene Bestimmung eine Voraussetzung der Entscheidung des ordentlichen Gerichtes im Anlassfall bildet (VfSlg 20.029/2015; vergleiche VfSlg 20.010/2015).

1.5.1.  Voraussetzung eines Parteiantrages auf Normenkontrolle ist – entsprechend der Formulierung des Art140 Abs1 Z1 litd B-VG und nach §62a Abs1 erster Satz VfGG in der durch die verfassungsgerichtliche Aufhebung bewirkten Fassung – die Einbringung eines Rechtsmittels in einer "in erster Instanz entschiedenen Rechtssache". Außerdem muss der Parteiantrag gemäß Art140 Abs1 Z1 litd B-VG "aus Anlass" der Erhebung eines Rechtsmittels gestellt werden.

1.5.2.  Das Erstgericht hat jene Norm, deren Verfassungswidrigkeit der Antragsteller behauptet, zweifelsfrei angewendet, da sich das Urteil auf diese Norm stützt. Die angefochtene Bestimmung ist somit als präjudiziell anzusehen.

1.6.    Die Grenzen der Aufhebung einer auf ihre Verfassungsmäßigkeit zu prüfenden Gesetzesbestimmung sind, wie der Verfassungsgerichtshof sowohl für von Amts wegen als auch für auf Antrag eingeleitete Gesetzesprüfungsverfahren schon wiederholt dargelegt hat (VfSlg 13.965/1994 mwN, 16.542/2002, 16.911/2003), notwendig so zu ziehen, dass einerseits der verbleibende Gesetzesteil nicht einen völlig veränderten Inhalt bekommt und dass andererseits die mit der aufzuhebenden Gesetzesstelle untrennbar zusammenhängenden Bestimmungen auch erfasst werden.

Aus dieser Grundposition folgt, dass im Gesetzesprüfungsverfahren der Umfang der in Prüfung gezogenen Norm nicht zu eng gewählt werden darf (vgl. VfSlg 16.212/2001, 16.365/2001, 18.142/2007, 19.496/2011). Der Antragsteller hat all jene Normen anzufechten, welche für die Beurteilung der allfälligen Verfassungswidrigkeit der Rechtslage eine untrennbare Einheit bilden. Es ist dann Sache des Verfassungsgerichtshofes, darüber zu befinden, auf welche Weise eine solche Verfassungswidrigkeit – sollte der Verfassungsgerichtshof die Auffassung des Antragstellers teilen – beseitigt werden kann (VfSlg 16.756/2002, 19.496/2011, 19.684/2012, 19.903/2014, 20.070/2016; VfGH 13.10.2016, G640/2015; 12.12.2016, G105/2016).Aus dieser Grundposition folgt, dass im Gesetzesprüfungsverfahren der Umfang der in Prüfung gezogenen Norm nicht zu eng gewählt werden darf vergleiche VfSlg 16.212/2001, 16.365/2001, 18.142/2007, 19.496/2011). Der Antragsteller hat all jene Normen anzufechten, welche für die Beurteilung der allfälligen Verfassungswidrigkeit der Rechtslage eine untrennbare Einheit bilden. Es ist dann Sache des Verfassungsgerichtshofes, darüber zu befinden, auf welche Weise eine solche Verfassungswidrigkeit – sollte der Verfassungsgerichtshof die Auffassung des Antragstellers teilen – beseitigt werden kann (VfSlg 16.756/2002, 19.496/2011, 19.684/2012, 19.903/2014, 20.070/2016; VfGH 13.10.2016, G640/2015; 12.12.2016, G105/2016).

Unzulässig ist der Antrag ua dann, wenn der Umfang der zur Aufhebung beantragten Bestimmungen so abgesteckt ist, dass die angenommene Verfassungswidrigkeit durch die Aufhebung gar nicht beseitigt würde (vgl. zB VfSlg 18.891/2009, 19.933/2014), oder durch die Aufhebung bloßer Teile einer Gesetzesvorschrift dieser ein völlig veränderter, dem Gesetzgeber überhaupt nicht mehr zusinnbarer Inhalt gegeben würde (VfSlg 18.839/2009, 19.841/2014, 19.972/2015; VfGH 15.10.2016, G339/2015).Unzulässig ist der Antrag ua dann, wenn der Umfang der zur Aufhebung beantragten Bestimmungen so abgesteckt ist, dass die angenommene Verfassungswidrigkeit durch die Aufhebung gar nicht beseitigt würde vergleiche zB VfSlg 18.891/2009, 19.933/2014), oder durch die Aufhebung bloßer Teile einer Gesetzesvorschrift dieser ein völlig veränderter, dem Gesetzgeber überhaupt nicht mehr zusinnbarer Inhalt gegeben würde (VfSlg 18.839/2009, 19.841/2014, 19.972/2015; VfGH 15.10.2016, G339/2015).

Unter dem Aspekt einer nicht trennbaren Einheit in Prüfung zu ziehender Vorschriften ergibt sich ferner, dass ein Prozesshindernis auch dann vorliegt, wenn es auf Grund der Bindung an den gestellten Antrag zu einer in der Weise isolierten Aufhebung einer Bestimmung käme, dass Schwierigkeiten bezüglich der Anwendbarkeit der im Rechtsbestand verbleibenden Vorschriften entstünden, und zwar in der Weise, dass der Wegfall der angefochtenen (Teile einer) Bestimmung den verbleibenden Rest unverständlich oder auch unanwendbar werden ließe. Letzteres liegt dann vor, wenn nicht mehr mit Bestimmtheit beurteilt werden könnte, ob ein der verbliebenen Vorschrift zu unterstellender Fall vorliegt (VfSlg 16.869/2003 mwN).

Hingegen macht eine zu weite Fassung des Antrages diesen nicht in jedem Fall unzulässig. Soweit alle vom Antrag erfassten Bestimmungen präjudiziell sind oder der Antrag mit solchen untrennbar zusammenhängende Bestimmungen erfasst, führt dies – ist der Antrag in der Sache begründet – im Fall der Aufhebung nur eines Teiles der angefochtenen Bestimmungen im Übrigen zu seiner teilweisen Abweisung (vgl. VfSlg 19.746/2013, 19.905/2014; VfGH 8.10.2015, G154/2015; VfSlg 20.073/2016; VfGH 30.11.2016, G286/2016). Umfasst der Antrag auch Bestimmungen, die im Verfahren vor dem ordentlichen Gericht nicht präjudiziell sind, führt dies – wenn die angefochtenen Bestimmungen insoweit trennbar sind – im Hinblick auf diese Bestimmungen zur partiellen Zurückweisung des Antrages (VfSlg 20.070/2016; VfGH 12.12.2016, G63/2016; soweit diese Voraussetzungen vorliegen, führen zu weit gefasste Anträge also nicht mehr – vgl. noch VfSlg 14.342/1995, 15.664/1999, 15.928/2000, 16.304/2001, 16.532/2002, 18.235/2007 – zur Zurückweisung des gesamten Antrages).Hingegen macht eine zu weite Fassung des Antrages diesen nicht in jedem Fall unzulässig. Soweit alle vom Antrag erfassten Bestimmungen präjudiziell sind oder der Antrag mit solchen untrennbar zusammenhängende Bestimmungen erfasst, führt dies – ist der Antrag in der Sache begründet – im Fall der Aufhebung nur eines Teiles der angefochtenen Bestimmungen im Übrigen zu seiner teilweisen Abweisung vergleiche VfSlg 19.746/2013, 19.905/2014; VfGH 8.10.2015, G154/2015; VfSlg 20.073/2016; VfGH 30.11.2016, G286/2016). Umfasst der Antrag auch Bestimmungen, die im Verfahren vor dem ordentlichen Gericht nicht präjudiziell sind, führt dies – wenn die angefochtenen Bestimmungen insoweit trennbar sind – im Hinblick auf diese Bestimmungen zur partiellen Zurückweisung des Antrages (VfSlg 20.070/2016; VfGH 12.12.2016, G63/2016; soweit diese Voraussetzungen vorliegen, führen zu weit gefasste Anträge also nicht mehr – vergleiche noch VfSlg 14.342/1995, 15.664/1999, 15.928/2000, 16.304/2001, 16.532/2002, 18.235/2007 – zur Zurückweisung des gesamten Antrages).

1.7.    Der Antragsteller behauptet die verfassungswidrige Ungleichbehandlung von – psychisch gesunden – Minderjährigen und geschäftsunfähigen Volljährigen in Bezug auf den Schutz vor den Folgen eines unverschuldet verspätet gestellten Antrages auf Gewährung einer Waisenpension. Vor dem Hintergrund dieses Begehrens ist der Hauptantrag unzulässig:

1.7.1.  Der Hauptantrag zielt darauf ab, aus dem zweiten Satz des §86 Abs3 Z1 ASVG die Worte "längstens bis zum Ablauf von sechs Monaten" aufzuheben, sodass der Satz "Wird ein Antrag auf Waisenpension nicht fristgerecht gestellt, so fällt die Waisenpension mit dem dem Eintritt des Versicherungsfalles folgenden Tag an, sofern der Antrag [...] nach dem Eintritt der Volljährigkeit der Waise gestellt wird." übrig bleiben würde.

1.7.2.  Dieser Teil der Regelung schützt Waisen, die im Zeitpunkt des Todes der versicherten Person noch minderjährig sind, in der Weise, dass die sechsmonatige Antragsfrist erst mit Erlangung der Volljährigkeit zu laufen beginnt. Der Antragsteller war im Zeitpunkt des Todes seines Vaters nicht minderjährig, sodass mit der Aufhebung der Frist die behauptete Verfassungswidrigkeit der Norm aus der Sicht des Geschäftsunfähigenschutzes nicht beseitigt werden würde, sondern sich aus dem verbleibenden Text vielmehr im Gegenschluss ergäbe, dass eine rückwirkende Pensionsgewährung dann nicht in Frage kommt, wenn der Antrag vor Erreichung der Volljährigkeit gestellt wird, ein Ergebnis, welches die Regelung für nicht geschäftsfähige Erwachsene nicht öffnen, sondern nur zur Verfassungswidrigkeit der Minderjährigenregelung führen würde. Abgesehen davon, würde auch der darauf folgende Satz zwar anwendbar bleiben, aber mangels Vorhandenseins der Frist, an die er anknüpft, ein unverständlicher Torso werden.

1.7.3.  Der Hauptantrag ist daher nicht zulässig.

1.8.    Zulässig ist jedoch der erste Eventualantrag: Nach dem Antragsvorbringen hat der Gesetzgeber die Ausnahmen von dem  grundsätzlich mit dem Eintritt des Versicherungsfalles festgesetzten Beginn des Laufes der sechsmonatigen Antragsfrist zu wenig weit gezogen, weil er geschäftsunfähige Erwachsene unberücksichtigt gelassen hat. Im Falle der Verfassungswidrigkeit des Fehlens einer Ausnahme könnte ein verfassungskonformer Zustand nur durch die Beseitigung der Regel (also der Wortfolge "wenn der Antrag binnen sechs Monaten nach Eintritt des Versicherungsfalles gestellt wird" im ersten Satz des §86 Abs3 Z1 ASVG) samt dem daran anknüpfenden und im untrennbaren Zusammenhang stehenden zweiten bis sechsten Satz der angefochtenen Bestimmung hergestellt werden. Insoweit besteht hier ein systematischer Zusammenhang zwischen Grundtatbestand und Ausnahmebestimmung (vgl. in diesem Sinne, wenngleich zur Präjudizialität VfSlg 14.805/1997 [III.1.b.] und 16.223/2001 [2.1.2.]). 1.8. Zulässig ist jedoch der erste Eventualantrag: Nach dem Antragsvorbringen hat der Gesetzgeber die Ausnahmen von dem  grundsätzlich mit dem Eintritt des Versicherungsfalles festgesetzten Beginn des Laufes der sechsmonatigen Antragsfrist zu wenig weit gezogen, weil er geschäftsunfähige Erwachsene unberücksichtigt gelassen hat. Im Falle der Verfassungswidrigkeit des Fehlens einer Ausnahme könnte ein verfassungskonformer Zustand nur durch die Beseitigung der Regel (also der Wortfolge "wenn der Antrag binnen sechs Monaten nach Eintritt des Versicherungsfalles gestellt wird" im ersten Satz des §86 Abs3 Z1 ASVG) samt dem daran anknüpfenden und im untrennbaren Zusammenhang stehenden zweiten bis sechsten Satz der angefochtenen Bestimmung hergestellt werden. Insoweit besteht hier ein

Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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