TE Vfgh Beschluss 2023/6/12 G203/2023, SV3/2023

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Veröffentlicht am 12.06.2023
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Index

22/01 Jurisdiktionsnorm
29/11 Anerkennung und Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen

Norm

B-VG Art140 Abs1 Z1 litd, Art140 Abs1b
EMKR Art6
EU-Grundrechte-Charta Art47
Haager Kindesentführungsübereinkommen
JN §110 Abs2
VfGG §7 Abs2
  1. B-VG Art. 140 heute
  2. B-VG Art. 140 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.2008 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  5. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  6. B-VG Art. 140 gültig von 06.06.1992 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
  7. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.1991 bis 05.06.1992 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  8. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1988 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  9. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1976 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  10. B-VG Art. 140 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 140 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. JN § 110 heute
  2. JN § 110 gültig ab 01.07.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 59/2017
  3. JN § 110 gültig von 01.05.1983 bis 30.06.2018 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 135/1983
  1. VfGG § 7 heute
  2. VfGG § 7 gültig ab 22.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 16/2020
  3. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 21.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2014
  4. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 92/2014
  5. VfGG § 7 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  6. VfGG § 7 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  7. VfGG § 7 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. VfGG § 7 gültig von 01.10.2002 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 123/2002
  9. VfGG § 7 gültig von 01.01.1991 bis 30.09.2002 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 329/1990
  10. VfGG § 7 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 311/1976

Leitsatz

Ablehnung eines Parteiantrags auf Aufhebung des Haager Kindesentführungsübereinkommens sowie einer Bestimmung der JN

Spruch

Die Behandlung des Antrages wird abgelehnt.

Begründung

Begründung

1. Mit dem vorliegenden, auf Art140a iVm Art140 Abs1 Z1 litd B-VG sowie Art140 Abs1 Z1 litd B-VG gestützten Antrag begehren die Antragstellerinnen, das Übereinkommen über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung (Haager Kindesentführungsübereinkommen) zur Gänze sowie §110 Abs2 JN als verfassungswidrig aufzuheben.1. Mit dem vorliegenden, auf Art140a in Verbindung mit Art140 Abs1 Z1 litd B-VG sowie Art140 Abs1 Z1 litd B-VG gestützten Antrag begehren die Antragstellerinnen, das Übereinkommen über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung (Haager Kindesentführungsübereinkommen) zur Gänze sowie §110 Abs2 JN als verfassungswidrig aufzuheben.

2. Der Verfassungsgerichtshof kann die Behandlung eines Antrages gemäß Art140a iVm Art140 Abs1 Z1 litd B-VG ablehnen, wenn er keine hinreichende Aussicht auf Erfolg hat (Art140a Abs1 iVm 140 Abs1b B VG).2. Der Verfassungsgerichtshof kann die Behandlung eines Antrages gemäß Art140a in Verbindung mit Art140 Abs1 Z1 litd B-VG ablehnen, wenn er keine hinreichende Aussicht auf Erfolg hat (Art140a Abs1 in Verbindung mit 140 Abs1b B VG).

3. Der Verfassungsgerichtshof hat sich in einem auf Antrag eingeleiteten Verfahren zur Prüfung der Verfassungsmäßigkeit eines Staatsvertrages gemäß Art140a iVm Art140 B-VG (vgl VfSlg 19.750/2013) sowie zur Prüfung der Verfassungsmäßigkeit eines Gesetzes gemäß Art140 B-VG auf die Erörterung der geltend gemachten Bedenken zu beschränken (vgl VfSlg 12.691/1991, 13.471/1993, 14.895/1997, 16.824/2003). Er hat sohin ausschließlich zu beurteilen, ob die angefochtene Bestimmung aus den im Antrag dargelegten Gründen verfassungswidrig ist (VfSlg 15.193/1998, 16.374/2001, 16.538/2002, 16.929/2003).3. Der Verfassungsgerichtshof hat sich in einem auf Antrag eingeleiteten Verfahren zur Prüfung der Verfassungsmäßigkeit eines Staatsvertrages gemäß Art140a in Verbindung mit Art140 B-VG vergleiche VfSlg 19.750 aus 2013,) sowie zur Prüfung der Verfassungsmäßigkeit eines Gesetzes gemäß Art140 B-VG auf die Erörterung der geltend gemachten Bedenken zu beschränken vergleiche , VfSlg 12.691 aus 1991,, 13.471 aus 1993,, 14.895 aus 1997,, 16.824 aus 2003,). Er hat sohin ausschließlich zu beurteilen, ob die angefochtene Bestimmung aus den im Antrag dargelegten Gründen verfassungswidrig ist (VfSlg 15.193 aus 1998,, 16.374 aus 2001,, 16.538 aus 2002,, 16.929 aus 2003,).

4. Die Antragstellerinnen behaupten zum einen die – nicht näher konkretisierte – Verfassungswidrigkeit des Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung (Haager Kindesentführungsübereinkommen) zur Gänze sowie zum anderen die Verfassungswidrigkeit des §110 Abs2 JN wegen Verstoßes gegen Art6 EMRK und Art47 GRC.

5. Entgegen der Auffassung der Antragstellerinnen kann der Verfassungsgerichtshof nicht erkennen, dass §110 Abs2 JN gegen Art6 EMRK und Art47 GRC verstößt. Nach der ständigen Rechtsprechung wird durch §110 Abs2 JN der Zugang zu einem Gericht nicht verwehrt: Das Gericht darf nur dann von der Einleitung oder Fortsetzung des Verfahrens absehen, wenn gesichert ist, dass die Rechte und Interessen des Minderjährigen oder der sonstigen schutzberechtigten Personen durch die Behörden des ausländischen Staates ausreichend gewahrt sind (zB OGH 29.1.2013, 10 Ob 45/12h; 8.11.2000, 7 Ob 238/00a). Mit einer Vorgangsweise nach §110 Abs2 JN erlischt die österreichische internationale Zuständigkeit nicht; sie wird lediglich nicht ausgeübt, soweit und solange durch ausländische Maßnahmen das Wohl des Pflegebefohlenen in inhaltlicher und verfahrensrechtlicher Hinsicht ausreichend gewahrt ist. Soweit und sobald dies nicht mehr zutrifft, ist das inländische Verfahren einzuleiten bzw fortzusetzen (OGH 24.6.2010, 6 Ob 98/10w; 16.4.2013, 3 Ob 55/13d.).

6. Auf den Antrag auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit des gesamten Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung (Haager Kindesentführungsübereinkommen) kann der Verfassungsgerichtshof schon deswegen nicht eingehen, weil zum einen keine Konkretisierung der behaupteten Verfassungswidrigkeit erfolgt und zum anderen die Anfechtung des gesamten Übereinkommens nicht zulässig ist (vgl sinngemäß zur Anfechtung eines gesamten Gesetzes zB VfGH 29.9.2015, G324/2015; VfSlg 20.112/2016). 6. Auf den Antrag auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit des gesamten Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung (Haager Kindesentführungsübereinkommen) kann der Verfassungsgerichtshof schon deswegen nicht eingehen, weil zum einen keine Konkretisierung der behaupteten Verfassungswidrigkeit erfolgt und zum anderen die Anfechtung des gesamten Übereinkommens nicht zulässig ist vergleiche sinngemäß zur Anfechtung eines gesamten Gesetzes zB VfGH 29.9.2015, G324/2015; VfSlg 20.112 aus 2016,).

7. Demgemäß wurde beschlossen, von einer Behandlung des – nicht auf das Vorliegen sämtlicher Formerfordernisse und Prozessvoraussetzungen geprüften – Antrages abzusehen (§19 Abs3 Z1 iVm §31 letzter Satz VfGG).7. Demgemäß wurde beschlossen, von einer Behandlung des – nicht auf das Vorliegen sämtlicher Formerfordernisse und Prozessvoraussetzungen geprüften – Antrages abzusehen (§19 Abs3 Z1 in Verbindung mit §31 letzter Satz VfGG).

Schlagworte

Zivilprozess, Staatsverträge, VfGH / Parteiantrag, VfGH / Ablehnung, Gericht Zuständigkeit

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2023:G203.2023

Zuletzt aktualisiert am

14.09.2023
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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