RS Vwgh 2023/6/1 Ra 2022/07/0042

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Veröffentlicht am 01.06.2023
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Index

L10017 Gemeindeordnung Gemeindeaufsicht Gemeindehaushalt Tirol
10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG)
10/07 Verwaltungsgerichtshof
40/01 Verwaltungsverfahren

Norm

AVG §7 Abs1 Z3
B-VG Art116 Abs2
B-VG Art133 Abs4
GdO Tir 2001 §29 Abs1 litc
GdO Tir 2001 §55 Abs1
VStG §24
VwGG §34 Abs1
VwGVG 2014 §38
  1. AVG § 7 heute
  2. AVG § 7 gültig ab 01.08.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 58/2018
  3. AVG § 7 gültig von 01.01.2008 bis 31.07.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2008
  4. AVG § 7 gültig von 01.02.1991 bis 31.12.2007
  1. B-VG Art. 116 heute
  2. B-VG Art. 116 gültig ab 01.02.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2019
  3. B-VG Art. 116 gültig von 01.01.2004 bis 31.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 116 gültig von 01.01.1985 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 490/1984
  5. B-VG Art. 116 gültig von 21.07.1962 bis 31.12.1984 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 205/1962
  6. B-VG Art. 116 gültig von 19.12.1945 bis 20.07.1962 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  7. B-VG Art. 116 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 133 heute
  2. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2019 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  3. B-VG Art. 133 gültig ab 01.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  4. B-VG Art. 133 gültig von 25.05.2018 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  5. B-VG Art. 133 gültig von 01.08.2014 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 164/2013
  6. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  7. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.1975 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  9. B-VG Art. 133 gültig von 25.12.1946 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  10. B-VG Art. 133 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 133 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VStG § 24 heute
  2. VStG § 24 gültig ab 15.08.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 57/2018
  3. VStG § 24 gültig von 01.01.2014 bis 14.08.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. VStG § 24 gültig von 26.03.2009 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 20/2009
  5. VStG § 24 gültig von 20.04.2002 bis 25.03.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 65/2002
  6. VStG § 24 gültig von 01.01.1999 bis 19.04.2002 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 158/1998
  7. VStG § 24 gültig von 01.07.1995 bis 31.12.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 620/1995
  8. VStG § 24 gültig von 01.02.1991 bis 30.06.1995
  1. VwGG § 34 heute
  2. VwGG § 34 gültig ab 01.07.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2021
  3. VwGG § 34 gültig von 01.01.2014 bis 30.06.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. VwGG § 34 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  5. VwGG § 34 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  6. VwGG § 34 gültig von 01.08.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 89/2004
  7. VwGG § 34 gültig von 01.09.1997 bis 31.07.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/1997
  8. VwGG § 34 gültig von 05.01.1985 bis 31.08.1997

Rechtssatz

Es ist dem österreichischen Organisationsrecht immanent, dass juristische Personen des öffentlichen Rechts als Trägerinnen von Privatrechten als herkömmliche Parteien - etwa als Konsenswerberinnen - an Verwaltungsverfahren teilnehmen und diese Verwaltungsverfahren als Trägerinnen von Hoheitsrechten durch die ihnen zugeordneten Behörden entscheiden. Dagegen, dass dies dazu führen kann, dass dasselbe Organ einer juristischen Person des öffentlichen Rechts diese als herkömmliche Partei bei der Wahrnehmung von Privatrechten im Verwaltungsverfahren vertritt sowie in seiner Rolle als Behörde zur Entscheidung zuständig ist, in der es über öffentliche Rechte abzusprechen hat, bestehen keine Bedenken (vgl. VfGH 16.6.2014, G 96/2013; VfGH 10.3.1988, B 874/87). In diesem Sinne hat auch der VwGH im Zusammenhang mit Anträgen einer Gemeinde, über die Gemeindeorgane entschieden, festgehalten, dass Judizieren in eigener Sache nicht unzulässig ist (vgl. VwGH 21.1.1999, 97/06/0202; 27.5.2009, 2008/05/0270). Der Umstand, dass Gemeindeorgane über einen Antrag der Gemeinde entschieden haben, stellt, wenn nicht besondere Umstände hervorkommen, grundsätzlich keinen wichtigen Grund iSd. § 7 Abs. 1 Z 3 AVG dar, der geeignet ist, die Unbefangenheit der Gemeindeorgane in Zweifel zu ziehen (vgl. VwGH 11.12.2020, Ra 2018/06/0247 bis 0249). Der Wortlaut des § 29 Abs. 1 lit. c Tir GdO 2001 entspricht jenem des § 7 Abs. 1 Z 3 AVG. Wenn schon der Umstand, dass Gemeindeorgane über einen Antrag der Gemeinde entschieden haben, grundsätzlich nicht dazu führt, die Unbefangenheit der Gemeindeorgane in Zweifel zu ziehen, dann muss dies vielmehr noch in einem Verfahren gelten, in dem die Gemeinde bloß im Rahmen der Privatwirtschaft als antragstellende Partei auftritt, aber nicht gleichzeitig Gemeindeorganen die Entscheidungsbefugnis zukommt, sondern einer anderen Behörde, wenn nicht besondere Umstände hervorgekommen sind. Derlei besondere Umstände sind nicht in einem zuvor hoheitlichen Tätigwerden des Bürgermeisters in anderen Verwaltungsverfahren, mögen diese auch die gleiche Brücke betreffen, zu sehen.Es ist dem österreichischen Organisationsrecht immanent, dass juristische Personen des öffentlichen Rechts als Trägerinnen von Privatrechten als herkömmliche Parteien - etwa als Konsenswerberinnen - an Verwaltungsverfahren teilnehmen und diese Verwaltungsverfahren als Trägerinnen von Hoheitsrechten durch die ihnen zugeordneten Behörden entscheiden. Dagegen, dass dies dazu führen kann, dass dasselbe Organ einer juristischen Person des öffentlichen Rechts diese als herkömmliche Partei bei der Wahrnehmung von Privatrechten im Verwaltungsverfahren vertritt sowie in seiner Rolle als Behörde zur Entscheidung zuständig ist, in der es über öffentliche Rechte abzusprechen hat, bestehen keine Bedenken vergleiche VfGH 16.6.2014, G 96/2013; VfGH 10.3.1988, B 874/87). In diesem Sinne hat auch der VwGH im Zusammenhang mit Anträgen einer Gemeinde, über die Gemeindeorgane entschieden, festgehalten, dass Judizieren in eigener Sache nicht unzulässig ist vergleiche VwGH 21.1.1999, 97/06/0202; 27.5.2009, 2008/05/0270). Der Umstand, dass Gemeindeorgane über einen Antrag der Gemeinde entschieden haben, stellt, wenn nicht besondere Umstände hervorkommen, grundsätzlich keinen wichtigen Grund iSd. Paragraph 7, Absatz eins, Ziffer 3, AVG dar, der geeignet ist, die Unbefangenheit der Gemeindeorgane in Zweifel zu ziehen vergleiche VwGH 11.12.2020, Ra 2018/06/0247 bis 0249). Der Wortlaut des Paragraph 29, Absatz eins, Litera c, Tir GdO 2001 entspricht jenem des Paragraph 7, Absatz eins, Ziffer 3, AVG. Wenn schon der Umstand, dass Gemeindeorgane über einen Antrag der Gemeinde entschieden haben, grundsätzlich nicht dazu führt, die Unbefangenheit der Gemeindeorgane in Zweifel zu ziehen, dann muss dies vielmehr noch in einem Verfahren gelten, in dem die Gemeinde bloß im Rahmen der Privatwirtschaft als antragstellende Partei auftritt, aber nicht gleichzeitig Gemeindeorganen die Entscheidungsbefugnis zukommt, sondern einer anderen Behörde, wenn nicht besondere Umstände hervorgekommen sind. Derlei besondere Umstände sind nicht in einem zuvor hoheitlichen Tätigwerden des Bürgermeisters in anderen Verwaltungsverfahren, mögen diese auch die gleiche Brücke betreffen, zu sehen.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2023:RA2022070042.L03

Im RIS seit

27.06.2023

Zuletzt aktualisiert am

17.07.2023
Quelle: Verwaltungsgerichtshof VwGH, http://www.vwgh.gv.at
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