RS Vfgh 2025/9/12 V90/2025 ua

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Veröffentlicht am 12.09.2025
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Index

90/01 Straßenverkehrsrecht

Norm

B-VG Art139 Abs1 Z1
StVO 1960 §20 Abs2a, §43, §94d
GeschwindigkeitsbeschränkungsV der Gemeinde Seiersberg vom 16.12.1997
VfGG §7 Abs2
  1. B-VG Art. 139 heute
  2. B-VG Art. 139 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  5. B-VG Art. 139 gültig von 30.11.1996 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 659/1996
  6. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.1991 bis 29.11.1996 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  7. B-VG Art. 139 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  8. B-VG Art. 139 gültig von 21.07.1962 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 205/1962
  9. B-VG Art. 139 gültig von 19.12.1945 bis 20.07.1962 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 139 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. StVO 1960 § 20 heute
  2. StVO 1960 § 20 gültig ab 01.07.2005 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 52/2005
  3. StVO 1960 § 20 gültig von 22.07.1998 bis 30.06.2005 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 92/1998
  4. StVO 1960 § 20 gültig von 01.10.1994 bis 21.07.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 518/1994
  5. StVO 1960 § 20 gültig von 01.03.1989 bis 30.09.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 86/1989
  6. StVO 1960 § 20 gültig von 01.10.1988 bis 28.02.1989 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 573/1987
  1. VfGG § 7 heute
  2. VfGG § 7 gültig ab 22.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 16/2020
  3. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 21.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2014
  4. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 92/2014
  5. VfGG § 7 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  6. VfGG § 7 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  7. VfGG § 7 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. VfGG § 7 gültig von 01.10.2002 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 123/2002
  9. VfGG § 7 gültig von 01.01.1991 bis 30.09.2002 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 329/1990
  10. VfGG § 7 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 311/1976

Leitsatz

Keine Gesetzwidrigkeit einer GeschwindigkeitsbeschränkungsV durch die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit für das gesamte (ausgenommen Vorrangstraßen) Ortsgebiet auf 30 km/h zur Erhöhung der Verkehrssicherheit; Gesetzmäßigkeit der Verordnung trotz falsch zitierter Rechtsgrundlage

Rechtssatz

Abweisung des Gerichtsantrags auf Aufhebung der Z 47 der Verordnung des Regierungskommissärs für die Gemeinde Seiersberg-Pirka vom 02.01.2015, Z 003-3/VOWiederverlautbarung/1, sowie der Verordnung des Gemeinderates der Gemeinde Seiersberg vom 16.12.1997, Z 1-120-20/-/Verkehrsberuhigung/44150/1997/150/Bgmstr/St.Abweisung des Gerichtsantrags auf Aufhebung der Ziffer 47, der Verordnung des Regierungskommissärs für die Gemeinde Seiersberg-Pirka vom 02.01.2015, Z 003-3/VOWiederverlautbarung/1, sowie der Verordnung des Gemeinderates der Gemeinde Seiersberg vom 16.12.1997, Ziffer eins -, 120 -, 20 /, -, /, römisch fünf e, r, k, e, h, r, s, b, e, r, u, h, i, g, u, n, g, /, 44150 /, 1997 /, 150 /, B, g, m, s, t, r, /, S, t,

Im Unterschied zu §43 StVO 1960 räumt §20 Abs2a StVO 1960 der Behörde einen weiten Spielraum ein, um für ein gesamtes Ortsgebiet Geschwindigkeitsbeschränkungen erlassen. Die Geschwindigkeitsbeschränkung muss (lediglich) geeignet sein, zur Erhöhung der Verkehrssicherheit oder zur Fernhaltung von Gefahren oder Belästigungen, insbesondere durch Lärm, Geruch oder Schadstoffe und zum Schutz der Bevölkerung oder der Umwelt oder aus anderen wichtigen Gründen, beizutragen. Bei der Erlassung von Geschwindigkeitsbeschränkungen gemäß §20 Abs2a StVO 1960 gelten daher nicht die strengen Anforderungskriterien an die Erforderlichkeit nach §43 StVO 1960.

Auf Grund des durch §20 Abs2a StVO 1960 eingeräumten – weiten – Spielraumes für den Verordnungsgeber ist dem Verordnungsgeber nicht entgegen zu treten, wenn er (nicht zuletzt gestützt auf die ergänzende gutachterliche Stellungnahme im Anhörungsverfahren) davon ausgeht, dass die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit für das gesamte Ortsgebiet auf 30 km/h zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beizutragen geeignet ist.

Die Verordnung des Gemeinderates der Gemeinde Seiersberg vom 16.12.1997 ist von §20 Abs2a StVO 1960 gedeckt. Sie entspricht nicht den in §43 StVO 1960 aufgestellten Anforderungen, obwohl sie sich ausdrücklich auf diese – falsche – Rechtsgrundlage stützt; die Angabe der falschen Rechtsgrundlage bewirkt jedoch nicht die Gesetzwidrigkeit der Verordnung. Es ist auch nicht ersichtlich, dass sich durch die Überleitung dieser Verordnung in den Rechtsbestand der Gemeinde Seiersberg-Pirka durch Z 47 der Verordnung des Regierungskommissärs der Gemeinde Seiersberg-Pirka vom 02.01.2015 daran etwas geändert hat.Die Verordnung des Gemeinderates der Gemeinde Seiersberg vom 16.12.1997 ist von §20 Abs2a StVO 1960 gedeckt. Sie entspricht nicht den in §43 StVO 1960 aufgestellten Anforderungen, obwohl sie sich ausdrücklich auf diese – falsche – Rechtsgrundlage stützt; die Angabe der falschen Rechtsgrundlage bewirkt jedoch nicht die Gesetzwidrigkeit der Verordnung. Es ist auch nicht ersichtlich, dass sich durch die Überleitung dieser Verordnung in den Rechtsbestand der Gemeinde Seiersberg-Pirka durch Ziffer 47, der Verordnung des Regierungskommissärs der Gemeinde Seiersberg-Pirka vom 02.01.2015 daran etwas geändert hat.

Gemäß §94d Z1 StVO 1960 sind Verordnungen nach §20 Abs2a StVO 1960 von der Gemeinde im eigenen Wirkungsbereich zu erlassen, sofern die Verordnungen nur für das Gebiet der betreffenden Gemeinde wirksam werden und sich auf Straßen, die nach den Rechtsvorschriften weder als Autobahnen, Autostraßen, Bundesstraßen oder Landesstraßen gelten noch diesen Straßen gleichzuhalten sind, beziehen sollen.

Der vom LVwG Stmk bemängelte Umstand, dass die Feldkirchner Straße im Zeitpunkt der Erlassung der Verordnung des Gemeinderates der Gemeinde Seiersberg im Jahr 1997 eine Vorrang- und Landesstraße gewesen sei, jedoch seit dem Jahr 2013 (teilweise) keine Vorrangstraße mehr sei, führt nicht zur Ausweitung des örtlichen Anwendungsbereiches der Verordnung auf eine Landesstraße (und in Folge zur Unzuständigkeit der Gemeinde im eigenen Wirkungsbereich gemäß §94d StVO 1960), weil die Feldkirchner Straße nach Angaben des LVwG Stmk bereits seit dem Jahr 2009 keine Landesstraße ist.

Zum Vorbringen des LVwG Stmk, die angefochtenen Verordnungen seien gesetzwidrig, weil der Gemeinderat keine Überprüfungen gemäß §96 Abs2 StVO 1960 durchgeführt habe, ist darauf zu verweisen, dass die Verletzung der Überprüfungspflicht für sich alleine keine Gesetzwidrigkeit der Verordnung zur Regelung oder Sicherung des Verkehrs begründet.

Entscheidungstexte

  • V90/2025 ua
    Entscheidungstext VfGH Erkenntnis 12.09.2025 V90/2025 ua

Schlagworte

Geschwindigkeitsbeschränkung, Verordnungserlassung, Entscheidungsbegründung, Straßenpolizei, Geltungsbereich (örtlicher) einer Verordnung, Grundlagenforschung, Verordnung Kundmachung, Gemeinderecht, VfGH / Gerichtsantrag

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2025:V90.2025

Zuletzt aktualisiert am

09.10.2025
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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