RS OGH 2026/2/19 11Ns29/18f; 11Ns35/18p; 11Ns3/19h; 11Os148/18a; 14Ns29/19d; 11Os78/19h (11Os86/19k)

JUSLINE Rechtssatz

Veröffentlicht am 19.07.2018
beobachten
merken

Norm

StPO §4 Abs2
StPO §37 Abs3
  1. StPO § 37 heute
  2. StPO § 37 gültig ab 01.01.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 157/2024
  3. StPO § 37 gültig von 01.01.2017 bis 31.12.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 121/2016
  4. StPO § 37 gültig von 01.01.2015 bis 31.12.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 71/2014
  5. StPO § 37 gültig von 01.01.2008 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 19/2004
  6. StPO § 37 gültig von 31.12.1975 bis 30.06.1986 aufgehoben durch BGBl. Nr. 164/1986

Rechtssatz

1. Die Verbindung zweier Hauptverfahren gemäß § 37 Abs 3 StPO setzt – auch im Verfahren vor dem Einzelrichter des Landesgerichts oder dem Bezirksgericht – die Rechtswirksamkeit (§ 4 Abs 2 StPO) beider Anklagen voraus. Im Fall des § 37 Abs 3 zweiter Halbsatz iVm Abs 2 zweiter Satz StPO zuständigkeitsbegründend zuvorgekommen ist jenes Gericht, bei dem die Anklage zuerst rechtswirksam wurde.1. Die Verbindung zweier Hauptverfahren gemäß Paragraph 37, Absatz 3, StPO setzt – auch im Verfahren vor dem Einzelrichter des Landesgerichts oder dem Bezirksgericht – die Rechtswirksamkeit (Paragraph 4, Absatz 2, StPO) beider Anklagen voraus. Im Fall des Paragraph 37, Absatz 3, zweiter Halbsatz in Verbindung mit Absatz 2, zweiter Satz StPO zuständigkeitsbegründend zuvorgekommen ist jenes Gericht, bei dem die Anklage zuerst rechtswirksam wurde.

2. Im einzelrichterlichen Verfahren tritt die Rechtswirksamkeit der Anklage mit dem positiven Abschluss einer amtswegigen Vorprüfung des Strafantrags ein. Sie findet dort jedoch – anders als im kollegialgerichtlichen Verfahren – keinen beschlussförmigen Ausdruck, sondern zeigt sich erst im darauf folgenden Akt der Einleitung des Hauptverfahrens.

3. Die Einleitung des Hauptverfahrens (§ 4 Abs 2 StPO) geschieht im einzelrichterlichen Verfahren durch die Anordnung der Hauptverhandlung (§ 450 und § 485 Abs 1 Z 4 StPO). Unter dieser Anordnung wird (keineswegs nur das "Ausschreiben" einer Hauptverhandlung, sondern) jedes Verhalten des Gerichts verstanden, das die Bejahung der Prozessvoraussetzungen (den positiven Ausgang der amtswegigen Vorprüfung) unmissverständlich erkennen lässt. Dies trifft auf jede Entscheidung zu, deren Ergebnis keines nach (im landesgerichtlichen Verfahren:) § 485 Abs 1 Z 1 bis Z 3 StPO oder (im bezirksgerichtlichen Verfahren:) § 450 erster Satz StPO (beschlussförmiger Ausspruch sachlicher Unzuständigkeit), § 451 Abs 2 StPO (beschlussförmige Verfahrenseinstellung) oder § 38 StPO (Wahrnehmung eigener Unzuständigkeit nach § 36 Abs 3, Abs 5; § 37 Abs 1, Abs 2 StPO) ist, also jeder contrarius actus dazu.3. Die Einleitung des Hauptverfahrens (Paragraph 4, Absatz 2, StPO) geschieht im einzelrichterlichen Verfahren durch die Anordnung der Hauptverhandlung (Paragraph 450 und Paragraph 485, Absatz eins, Ziffer 4, StPO). Unter dieser Anordnung wird (keineswegs nur das "Ausschreiben" einer Hauptverhandlung, sondern) jedes Verhalten des Gerichts verstanden, das die Bejahung der Prozessvoraussetzungen (den positiven Ausgang der amtswegigen Vorprüfung) unmissverständlich erkennen lässt. Dies trifft auf jede Entscheidung zu, deren Ergebnis keines nach (im landesgerichtlichen Verfahren:) Paragraph 485, Absatz eins, Ziffer eins bis Ziffer 3, StPO oder (im bezirksgerichtlichen Verfahren:) Paragraph 450, erster Satz StPO (beschlussförmiger Ausspruch sachlicher Unzuständigkeit), Paragraph 451, Absatz 2, StPO (beschlussförmige Verfahrenseinstellung) oder Paragraph 38, StPO (Wahrnehmung eigener Unzuständigkeit nach Paragraph 36, Absatz 3,, Absatz 5,; Paragraph 37, Absatz eins,, Absatz 2, StPO) ist, also jeder contrarius actus dazu.

4. Bei der amtswegigen Vorprüfung des Strafantrags (noch) außer Betracht zu bleiben hat die Anhängigkeit eines im Sinn des § 37 Abs 3 StPO konnexen Hauptverfahrens bei (irgend-)einem Gericht. Vielmehr hat sich die Vorprüfung – isoliert – auf jenes (Haupt-)Verfahren zu beziehen, das durch die Einbringung dieses (einen) Strafantrags begonnen hat.4. Bei der amtswegigen Vorprüfung des Strafantrags (noch) außer Betracht zu bleiben hat die Anhängigkeit eines im Sinn des Paragraph 37, Absatz 3, StPO konnexen Hauptverfahrens bei (irgend-)einem Gericht. Vielmehr hat sich die Vorprüfung – isoliert – auf jenes (Haupt-)Verfahren zu beziehen, das durch die Einbringung dieses (einen) Strafantrags begonnen hat.

Entscheidungstexte

  • RS0132157">11 Ns 29/18f
    Entscheidungstext OGH 19.07.2018 11 Ns 29/18f
    Beisatz: Im bezirksgerichtlichen Verfahren ist von Rechtswirksamkeit eines Strafantrags (sofern sie bei ein und demselben Gericht eingebracht wurden: beider Strafanträge) bereits dann auszugehen, wenn das damit angerufene Bezirksgericht die Verbindung des Verfahrens über diesen Strafantrag mit jenem über den anderen Strafantrag verfügt, ohne das Vorliegen der Prozessvoraussetzungen infrage zu stellen. Ebenso ist Rechtswirksamkeit eines Strafantrags anzunehmen, wenn das damit angerufene Bezirksgericht „sein“ Verfahren – iSd § 37 Abs 3 StPO – einem anderen Gericht zur Verbindung mit einem dort anhängigen Hauptverfahren überweist. (T1)
  • RS0132157">11 Ns 35/18p
    Entscheidungstext OGH 19.07.2018 11 Ns 35/18p
    Beis wie T1
  • RS0132157">11 Ns 3/19h
    Entscheidungstext OGH 26.02.2019 11 Ns 3/19h
    Beisatz: Die Anordnung der Hauptverhandlung (§ 450 StPO) kann darin bestehen, dass das Bezirksgericht die Hauptverhandlung (erstmalig) „ausschreibt“ (vgl § 221 Abs 1 StPO). Werden aber – ohne dass zunächst die Hauptverhandlung „ausgeschrieben“ wird – sonstige Verfügungen getroffen oder Beschlüsse gefasst, die das Vorliegen der Prozessvoraussetzungen nicht infrage stellen, ist bereits die erste solche Entscheidung des Gerichts als „Anordnung“ der Hauptverhandlung aufzufassen. (T2)
    Beisatz: Hier: Eintragung der Akten in den Geschäftskalender zu dem Zweck, den Eintritt der Rechtskraft eines in einem anderen Verfahren ergangenen Urteil zu überwachen. (T3)
  • RS0132157">11 Os 148/18a
    Entscheidungstext OGH 29.01.2019 11 Os 148/18a
    Beis wie T1
  • RS0132157">14 Ns 29/19d
    Entscheidungstext OGH 21.05.2019 14 Ns 29/19d
    Beis wie T1
  • RS0132157">11 Os 78/19h
    Entscheidungstext OGH 25.06.2019 11 Os 78/19h
    Vgl
  • RS0132157">11 Os 116/19x
    Entscheidungstext OGH 08.10.2019 11 Os 116/19x
    Vgl; Beisatz: Abweichend von §§ 450 und 485 Abs 1 StPO versteht § 491 Abs 8 StPO unter Anordnung der Hauptverhandlung nur die "Ausschreibung". (T4)
  • RS0132157">11 Ns 42/20w
    Entscheidungstext OGH 03.08.2020 11 Ns 42/20w
    Beisatz: Zur ? jedenfalls gebotenen ? Zustellung des Strafantrags an den Angeklagten. (T5)
    Beisatz: Gemäß § 484 zweiter Satz StPO „hat“ der Einzelrichter des Landesgerichts den bei ihm eingebrachten (§ 210 Abs 2 StPO) Strafantrag dem Angeklagten „unverzüglich zuzustellen“ (vgl § 71 Abs 4 erster Satz StPO für das Verfahren über eine Privatanklage und § 451 Abs 1 letzter Halbsatz StPO für das Verfahren vor dem Bezirksgericht). Dieser Gesetzesbefehl gilt unabhängig von einer (idR gleichzeitigen) Vorgangsweise nach § 485 Abs 1 Z 1 bis 3 oder Z 4 StPO. Die betreffende Verfügung ist daher ? für sich allein genommen – nicht schon als Anordnung der Hauptverhandlung (§ 485 Abs 1 Z 4 StPO) aufzufassen. (T6)
  • RS0132157">13 Ns 87/20b
    Entscheidungstext OGH 18.11.2020 13 Ns 87/20b
    Vgl
  • RS0132157">15 Ns 74/20f
    Entscheidungstext OGH 14.01.2021 15 Ns 74/20f
    Vgl
  • RS0132157">13 Os 49/21m
    Entscheidungstext OGH 14.07.2021 13 Os 49/21m
    Vgl
  • RS0132157">12 Ns 64/21i
    Entscheidungstext OGH 22.10.2021 12 Ns 64/21i
    Vgl
  • RS0132157">12 Os 34/23a
    Entscheidungstext OGH 26.04.2023 12 Os 34/23a
    vgl
  • RS0132157">14 Os 36/23k
    Entscheidungstext OGH 23.05.2023 14 Os 36/23k
    vgl
  • RS0132157">14 Os 95/23m
    Entscheidungstext OGH 24.10.2023 14 Os 95/23m
    vgl
  • RS0132157">15 Os 159/23f
    Entscheidungstext OGH 31.01.2024 15 Os 159/23f
    vgl
  • RS0132157">13 Ns 23/24x
    Entscheidungstext OGH 22.05.2024 13 Ns 23/24x
    vgl
  • RS0132157">14 Ns 28/24i
    Entscheidungstext OGH 19.06.2024 14 Ns 28/24i
    vgl; Beisatz wie T1; Beisatz wie T2
  • RS0132157">15 Ns 46/24v
    Entscheidungstext OGH 17.07.2024 15 Ns 46/24v
    vgl; Beisatz: hier: Rechtswirksamkeit des Strafantrags infolge Anordnung der Hauptverhandlung durch den Einzelrichter des Landesgerichts. (T7)
  • RS0132157">14 Ns 43/24w
    Entscheidungstext OGH 31.07.2024 14 Ns 43/24w
    vgl; Beisatz wie T1
  • RS0132157">14 Ns 59/24y
    Entscheidungstext OGH 21.10.2024 14 Ns 59/24y
    vgl; Beisatz wie T1
  • RS0132157">15 Ns 56/24i
    Entscheidungstext OGH 04.09.2024 15 Ns 56/24i
    vgl; Beisatz wie T5; Beisatz wie T6
    Beisatz: hier: Durch die Verfügung der Zustellung einer Note an den Beschuldigten, wonach "ein Verhandlungstermin gesondert bekanntgegeben" werde, unmissverständlich dokumentierte Prüfung des Strafantrags gem § 485 Abs 1 Z 1 bis 3 StPO. (T8)
  • RS0132157">11 Ns 69/24x
    Entscheidungstext OGH 26.11.2024 11 Ns 69/24x
    vgl; Beisatz wie T1; Beisatz wie T2
  • RS0132157">15 Ns 16/25h
    Entscheidungstext OGH 14.05.2025 15 Ns 16/25h
    vgl; Beisatz wie T1: Hier nur: Rechtswirksamkeit des Strafantrags infolge Überweisungsverfügung des Bezirksgerichts. (T9)
  • RS0132157">12 Os 49/25k
    Entscheidungstext OGH 11.06.2025 12 Os 49/25k
    vgl
  • RS0132157">15 Ns 25/25g
    Entscheidungstext OGH 04.06.2025 15 Ns 25/25g
    vgl
  • RS0132157">13 Ns 45/25h
    Entscheidungstext OGH 24.09.2025 13 Ns 45/25h
    vgl; Beisatz wie T2
  • RS0132157">13 Ns 75/25w
    Entscheidungstext OGH 07.01.2026 13 Ns 75/25w
    vgl; Beisatz wie T1
  • RS0132157">14 Ns 1/26x
    Entscheidungstext OGH 19.02.2026 14 Ns 1/26x
    vgl

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2018:RS0132157

Im RIS seit

11.09.2018

Zuletzt aktualisiert am

17.03.2026
Quelle: Oberster Gerichtshof (und OLG, LG, BG) OGH, http://www.ogh.gv.at
Zurück Haftungsausschluss Vernetzungsmöglichkeiten

Sofortabfrage ohne Anmeldung!

Jetzt Abfrage starten