TE OGH 2010/5/26 15Os43/10b

JUSLINE Entscheidung

Veröffentlicht am 26.05.2010
beobachten
merken

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 26. Mai 2010 durch die Senatspräsidentin des Obersten Gerichtshofs Dr. Schmucker als Vorsitzende sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Dr. Danek, Dr. T. Solé und Mag. Lendl sowie die Hofrätin des Obersten Gerichtshofs Dr. Bachner-Foregger als weitere Richter in Gegenwart des Richteramtsanwärters Mag. Gotsmy als Schriftführer in der Strafsache gegen Johann L***** und Silvana H***** wegen Verbrechen des Beischlafs mit Unmündigen nach § 206 Abs 1 StGB und weiterer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der beiden Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Graz als Schöffengericht vom 13. November 2009, GZ 16 Hv 75/09s-75, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:Der Oberste Gerichtshof hat am 26. Mai 2010 durch die Senatspräsidentin des Obersten Gerichtshofs Dr. Schmucker als Vorsitzende sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Dr. Danek, Dr. T. Solé und Mag. Lendl sowie die Hofrätin des Obersten Gerichtshofs Dr. Bachner-Foregger als weitere Richter in Gegenwart des Richteramtsanwärters Mag. Gotsmy als Schriftführer in der Strafsache gegen Johann L***** und Silvana H***** wegen Verbrechen des Beischlafs mit Unmündigen nach Paragraph 206, Absatz eins, StGB und weiterer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der beiden Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Graz als Schöffengericht vom 13. November 2009, GZ 16 Hv 75/09s-75, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

In Stattgebung der Nichtigkeitsbeschwerde der Silvana H***** und aus deren Anlass wird das angefochtene Urteil aufgehoben und die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Erstgericht zurückverwiesen.

Johann L***** wird mit seiner Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ebenso auf diese Entscheidung verwiesen wie Silvana H***** mit ihrer Berufung.

Text

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil wurden Johann L***** und Silvana H***** der Verbrechen des Beischlafs mit Unmündigen nach §§ 206 Abs 1 (richtig: in der geltenden Fassung), 15 StGB (I.1.; Silvana H***** als Beteiligte nach § 12 dritter Fall StGB), der Verbrechen der Unzucht mit Unmündigen nach § 207 Abs 1 StGB idF BGBl 1974/60 (I.2.) sowie der Vergehen des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses nach § 212 Abs 1 StGB (richtig: in der geltenden Fassung, Johann L***** nach Z 2, Silvana H***** nach Z 1; I.3.) und Johann L***** weiters der Verbrechen der Vergewaltigung nach § 201 Abs 2 StGB idF BGBl 1989/242 (II.) schuldig erkannt.Mit dem angefochtenen Urteil wurden Johann L***** und Silvana H***** der Verbrechen des Beischlafs mit Unmündigen nach Paragraphen 206, Absatz eins, (richtig: in der geltenden Fassung), 15 StGB (römisch eins.1.; Silvana H***** als Beteiligte nach Paragraph 12, dritter Fall StGB), der Verbrechen der Unzucht mit Unmündigen nach Paragraph 207, Absatz eins, StGB in der Fassung BGBl 1974/60 (römisch eins.2.) sowie der Vergehen des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses nach Paragraph 212, Absatz eins, StGB (richtig: in der geltenden Fassung, Johann L***** nach Ziffer 2,, Silvana H***** nach Ziffer eins,; römisch eins.3.) und Johann L***** weiters der Verbrechen der Vergewaltigung nach Paragraph 201, Absatz 2, StGB in der Fassung BGBl 1989/242 (römisch zwei.) schuldig erkannt.

Danach haben

I. Johann L***** und Silvana H*****, teils im bewussten und gewollten Zusammenwirken, teils Johann L***** alleine in Weinitzen und Graz in wiederholten Angriffenrömisch eins. Johann L***** und Silvana H*****, teils im bewussten und gewollten Zusammenwirken, teils Johann L***** alleine in Weinitzen und Graz in wiederholten Angriffen

1. von 1994 bis 10. März 1997 mit der am 11. März 1983 geborenen Cornelia F***** „den außerehelichen Beischlaf unternommen bzw zu unternehmen versucht, wobei Silvana H***** ab einem nicht mehr eruierbaren Zeitpunkt 1994 in zahlreichen Angriffen bis etwa 1999 zur Tatausführung von Johann L***** beitrug, indem sie Cornelia F***** durch Androhung von Konsequenzen dazu brachte, den durch Johann L***** zu vollziehenden Beischlaf zu dulden und so die Tatausführungen erst ermöglichte;

2. von 1994 bis 10. März 1997 Cornelia F***** auf andere Weise als durch Beischlaf zur Unzucht missbraucht, um sich geschlechtlich zu erregen, indem Johann L***** sie mit seinem Finger vaginal penetrierte und sowohl Johann L***** als auch Silvana H***** den Oralverkehr bei der Genannten durchführten bzw von ihr an sich selbst durchführen ließen;

3. im Zeitraum 1994 bis 10. März 2001 durch die unter Punkt I.1. und I.2. angeführten Tathandlungen die bis dahin minderjährige, deren Aufsicht unterstehende Cornelia F***** unter Ausnützung ihrer Stellung zur Unzucht missbraucht, um sich geschlechtlich zu erregen und zu befriedigen“.3. im Zeitraum 1994 bis 10. März 2001 durch die unter Punkt römisch eins.1. und römisch eins.2. angeführten Tathandlungen die bis dahin minderjährige, deren Aufsicht unterstehende Cornelia F***** unter Ausnützung ihrer Stellung zur Unzucht missbraucht, um sich geschlechtlich zu erregen und zu befriedigen“.

II. Johann L***** zu nicht näher bekannten Zeitpunkten im Jahr 1997, 1999 und 2000 bis 2002 in mehrfachen Angriffen in Weinitzen und Graz Cornelia F***** mit Gewalt, indem er sie an den Handgelenken oder Schultern packte und ins Bett drückte, zur Duldung des Beischlafs genötigt.römisch zwei. Johann L***** zu nicht näher bekannten Zeitpunkten im Jahr 1997, 1999 und 2000 bis 2002 in mehrfachen Angriffen in Weinitzen und Graz Cornelia F***** mit Gewalt, indem er sie an den Handgelenken oder Schultern packte und ins Bett drückte, zur Duldung des Beischlafs genötigt.

Rechtliche Beurteilung

Johann L***** bekämpft diesen Schuldspruch mit einer auf Z 5 und 5a, Silvana H***** mit einer auf Z 4, 5, 5a, 9 lit a, 10 und 11 des § 281 Abs 1 StPO gestützten Nichtigkeitsbeschwerde. Dem Rechtsmittel der Zweitangeklagten kommt Berechtigung zu.Johann L***** bekämpft diesen Schuldspruch mit einer auf Ziffer 5 und 5 a, Silvana H***** mit einer auf Ziffer 4, 5, 5 a, 9, Litera a,, 10 und 11 des Paragraph 281, Absatz eins, StPO gestützten Nichtigkeitsbeschwerde. Dem Rechtsmittel der Zweitangeklagten kommt Berechtigung zu.

Denn zutreffend weist die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Rechtsrüge darauf hin, dass in den Urteilsgründen bezüglich der Schuldsprüche I.1. und 2. jegliche Feststellungen zur subjektiven Tatseite fehlen. Eine Absicht, sich geschlechtlich zu erregen oder zu befriedigen (US 8 f), verlangen die vorliegenden Tatbestandsvarianten gerade nicht (vgl zu den Vorsatzerfordernissen Schick in WK2 § 206 Rz 21, § 207 Rz 17; Kienapfel/Schmoller StudB BT III § 206 bis 207 Rz 32 ff).Denn zutreffend weist die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Rechtsrüge darauf hin, dass in den Urteilsgründen bezüglich der Schuldsprüche römisch eins.1. und 2. jegliche Feststellungen zur subjektiven Tatseite fehlen. Eine Absicht, sich geschlechtlich zu erregen oder zu befriedigen (US 8 f), verlangen die vorliegenden Tatbestandsvarianten gerade nicht vergleiche zu den Vorsatzerfordernissen Schick in WK2 Paragraph 206, Rz 21, Paragraph 207, Rz 17; Kienapfel/Schmoller StudB BT römisch drei Paragraph 206 bis 207 Rz 32 ff).

Lediglich zum Schuldspruch I.3. findet sich die Konstatierung, dass die beiden Angeklagten wussten dass sie ihr Autoritätsverhältnis bei den sexuellen Übergriffen ausnützten (US 15).Lediglich zum Schuldspruch römisch eins.3. findet sich die Konstatierung, dass die beiden Angeklagten wussten dass sie ihr Autoritätsverhältnis bei den sexuellen Übergriffen ausnützten (US 15).

Damit ist das Urteil mit einem Mangel an Feststellungen behaftet (zum Begriff s Ratz, WK-StPO § 281 Rz 605), der die Nichtigkeit der Schuldsprüche I.1. und 2. bewirkt und die Aufhebung des Urteils in diesem Umfang unvermeidlich macht. Dieser Umstand kommt auch dem Erstangeklagten Johann L*****, zu statten, der die Nichtigkeitsbeschwerde in dieser Richtung nicht ergriffen hat (§ 290 Abs 1 zweiter Satz StPO),Damit ist das Urteil mit einem Mangel an Feststellungen behaftet (zum Begriff s Ratz, WK-StPO Paragraph 281, Rz 605), der die Nichtigkeit der Schuldsprüche römisch eins.1. und 2. bewirkt und die Aufhebung des Urteils in diesem Umfang unvermeidlich macht. Dieser Umstand kommt auch dem Erstangeklagten Johann L*****, zu statten, der die Nichtigkeitsbeschwerde in dieser Richtung nicht ergriffen hat (Paragraph 290, Absatz eins, zweiter Satz StPO),

Aus Anlass der Nichtigkeitsbeschwerde hat sich der Oberste Gerichtshof weiters davon überzeugt, dass das angefochtene Urteil hinsichtlich des Angeklagten Johann L***** auch zum Schuldspruch II. mit einem amtswegig wahrzunehmenden Rechtsfehler (Z 9 lit a) in Ansehung der subjektiven Tatseite behaftet ist, enthalten doch die Urteilsgründe auch zu diesem Schuldspruchfaktum keinerlei Konstatierungen (zu dem von § 201 StGB geforderten Vorsatz s neuerlich Schick in WK2 § 201 Rz 35; Kienapfel/Schmoller StudB BT III §§ 201 bis 202 Rz 34). Es war daher auch dieser Schuldspruch zu kassieren.Aus Anlass der Nichtigkeitsbeschwerde hat sich der Oberste Gerichtshof weiters davon überzeugt, dass das angefochtene Urteil hinsichtlich des Angeklagten Johann L***** auch zum Schuldspruch römisch zwei. mit einem amtswegig wahrzunehmenden Rechtsfehler (Ziffer 9, Litera a,) in Ansehung der subjektiven Tatseite behaftet ist, enthalten doch die Urteilsgründe auch zu diesem Schuldspruchfaktum keinerlei Konstatierungen (zu dem von Paragraph 201, StGB geforderten Vorsatz s neuerlich Schick in WK2 Paragraph 201, Rz 35; Kienapfel/Schmoller StudB BT römisch drei Paragraphen 201 bis 202 Rz 34). Es war daher auch dieser Schuldspruch zu kassieren.

Im Hinblick auf die Aufhebung der Schuldsprüche I.1. und 2. war auch der idealkonkurrierende Taten betreffende Schuldspruch I.3. zu beheben (§ 289 StPO; Ratz; WK-StPO § 289 Rz 3).Im Hinblick auf die Aufhebung der Schuldsprüche römisch eins.1. und 2. war auch der idealkonkurrierende Taten betreffende Schuldspruch römisch eins.3. zu beheben (Paragraph 289, StPO; Ratz; WK-StPO Paragraph 289, Rz 3).

Mit ihren weiteren Rechtsmittel sind die Angeklagten auf diese Entscheidung zu verweisen.

Schlagworte

Strafrecht

Textnummer

E94146

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2010:0150OS00043.10B.0526.000

Im RIS seit

09.07.2010

Zuletzt aktualisiert am

09.07.2010
Quelle: Oberster Gerichtshof (und OLG, LG, BG) OGH, http://www.ogh.gv.at
Zurück Haftungsausschluss Vernetzungsmöglichkeiten

Sofortabfrage ohne Anmeldung!

Jetzt Abfrage starten