RS OGH 2022/12/1 6Ob139/63, 8Ob237/63 (8Ob238/63), 4Ob541/64, 6Ob42/65, 6Ob237/65, 5Ob184/65, 6Ob27/

JUSLINE Rechtssatz

Veröffentlicht am 12.06.1963
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Norm

BGB §1708
BGB §1711
4.DVEheG §18

Rechtssatz

Bei der Frage, ob die Anwendung einer fremden Rechtsbestimmung gegen den österreichischen "ordre public" verstößt, kommt es immer auf die Umstände des einzelnen Falles, die Folgen der Anwendung ausländischen Rechtes gerade in dem zu entscheidenden Fall an. Eine Anwendung des § 1711 BGB (Unterhalt pro praeterito) verstößt nicht gegen den "ordre public". Eine starre Anwendung der Bestimmung des § 1708 Abs 1 BGB kann gegen den "ordre public" verstoßen, wenn der danach Berechtigte Anspruchskonkurrenten hat, die österreichischem Recht unterliegen und sich die Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit des Verpflichteten gefallen lassen müssen.Bei der Frage, ob die Anwendung einer fremden Rechtsbestimmung gegen den österreichischen "ordre public" verstößt, kommt es immer auf die Umstände des einzelnen Falles, die Folgen der Anwendung ausländischen Rechtes gerade in dem zu entscheidenden Fall an. Eine Anwendung des Paragraph 1711, BGB (Unterhalt pro praeterito) verstößt nicht gegen den "ordre public". Eine starre Anwendung der Bestimmung des Paragraph 1708, Absatz eins, BGB kann gegen den "ordre public" verstoßen, wenn der danach Berechtigte Anspruchskonkurrenten hat, die österreichischem Recht unterliegen und sich die Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit des Verpflichteten gefallen lassen müssen.

Entscheidungstexte

  • RS0054080">6 Ob 139/63
    Entscheidungstext OGH 12.06.1963 6 Ob 139/63
    Veröff: EvBl 1963/404 S 547 = JBl 1964,465 (Scheucher,450) = ZfRV 1963,106
  • 8 Ob 237/63
    Entscheidungstext OGH 24.09.1963 8 Ob 237/63
    Gegenteilig; nur: Eine starre Anwendung der Bestimmung des § 1708 Abs 1 BGB kann gegen den "ordre public" verstoßen, wenn der danach Berechtigte Anspruchskonkurrenten hat, die österreichischem Recht unterliegen und sich die Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit des Verpflichteten gefallen lassen müssen. (T1)
    Beisatz: Auf den Einzelfall abgestellt. (T2)
    Veröff: EvBl 1964/25 S 42 = JBl 1964,467 (Scheucher,450) = ZfRV 1964,175
  • 4 Ob 541/64
    Entscheidungstext OGH 08.06.1964 4 Ob 541/64
    Beisatz: Dabei ist auf den Einzelfall abzustellen. Die Untersuchung der Umstände des konkreten Falles kann aber keinesfalls so weit gehen, daß auch die Bemessungsgrundlagen vom OGH zu überprüfen sind, weil zu der vom OGH nicht überprüfbaren Bemessung des gesetzlichen Unterhaltes - gleichgültig, ob die Bemessung nach inländischem oder ausländischem Recht erfolgt - die Frage gehört, welche Mittel dem Unterhaltsverpflichteten zur Befriedigung der Unterhaltsansprüche zur Verfügung stehen. (T3)
  • 6 Ob 42/65
    Entscheidungstext OGH 17.03.1965 6 Ob 42/65
    Gegenteilig; nur T1; Beisatz: Mit Rücksicht auf die besonders strenge Formulierung der Vorbehaltsklausel des Art 4 Haager Unterhaltsübereinkommen BGBl Nr 1961/293 sind die Voraussetzungen für eine Anwendung dieser Vorbehaltsklausel nur abstrakt durch Vergleich der inländischen Normen über die Bemessung des Unterhaltes außerehelicher Kinder und die Hereinbringung dieser Unterhaltsforderung mit den entsprechenden deutschen Normen (§§ 1708, 1711 BGB, §§ 850 c, 850 d dZPO) zu prüfen. (T4)
    Veröff: EvBl 1965/446 S 658
  • 6 Ob 237/65
    Entscheidungstext OGH 15.09.1965 6 Ob 237/65
    Beis wie T4; Veröff: RZ 1966,128
  • 5 Ob 184/65
    Entscheidungstext OGH 16.12.1965 5 Ob 184/65
    Vgl auch
  • 6 Ob 27/66
    Entscheidungstext OGH 02.02.1966 6 Ob 27/66
    Beis wie T4; Veröff: JBl 1966,428
  • 1 Ob 238/65
    Entscheidungstext OGH 27.01.1966 1 Ob 238/65
    Beis wie T4
  • 8 Ob 207/66
    Entscheidungstext OGH 20.09.1966 8 Ob 207/66
    Beis wie T4; Beisatz: Die Vorbehaltsklausel des Art 4 des Haager Übereinkommens berechtigt, nur in abstracto auf die Auswirkungen der Anwendung ausländischer Gesetze auf die inländische Rechtsordnung, nicht aber auf die Nachteile, die dem Inländer im konkreten Einzelfall entstehen könnten, Bedacht zu nehmen. (T5)
    Veröff: RZ 1967,71
  • 5 Ob 17/67
    Entscheidungstext OGH 25.01.1967 5 Ob 17/67
    Veröff: JBl 1968,619 = EFSlg 8827 = EFSlg 8830 = ZfRV 1969,57
  • 6 Ob 85/67
    Entscheidungstext OGH 29.03.1967 6 Ob 85/67
    Ähnlich; Beis wie T4; Beisatz: Wenn zwischen der österreichischen und deutschen Regelung des Unterhaltsrechtes auch erhebliche Unterschiede bestehen und die Anwendung des deutschen Rechtes fallweise zu Härten führen könnte sind sie doch nicht so schwerwiegend, dass sie als mit dem ordre public unvereinbar bezeichnet werden könnten, umsoweniger, als dies dem Sinn und Zweck des Unterhaltsübereinkommens zuwiderspräche und es praktisch wirkungslos machen würde. (T6)
    Veröff: JBl 1968,620 = EFSlg 8831 = RZ 1968,94 = ZfRV 1969,59 (mit Glosse von Hoyer)
  • 1 Ob 148/68
    Entscheidungstext OGH 27.06.1968 1 Ob 148/68
    Beis wie T4; Beisatz: Abstrakter Vergleich der Rechtsnormen. (T7)
    Veröff: RZ 1969,33
  • 4 Ob 561/68
    Entscheidungstext OGH 05.11.1968 4 Ob 561/68
    Beis wie T4; Beisatz: § 1711 BGB verstößt nicht gegen den ordre public. (T8)
    Veröff: EvBl 1969/180 S 268
  • 6 Ob 203/69
    Entscheidungstext OGH 10.09.1969 6 Ob 203/69
    Beis wie T4
  • 6 Ob 214/69
    Entscheidungstext OGH 04.03.1970 6 Ob 214/69
    Beis wie T4; Beis wie T5
    Veröff: ZfRV 1970,282 (Anmerkung von Hoyer)
  • RS0054080">2 Ob 9/12f
    Entscheidungstext OGH 28.03.2012 2 Ob 9/12f
    Auch; nur: Bei der Frage, ob die Anwendung einer fremden Rechtsbestimmung gegen den österreichischen "ordre public" verstößt, kommt es immer auf die Umstände des einzelnen Falles an. (T9)
  • RS0054080">3 Ob 46/13f
    Entscheidungstext OGH 21.08.2013 3 Ob 46/13f
    Auch; nur T9
  • RS0054080">5 Ob 42/22w
    Entscheidungstext OGH 01.12.2022 5 Ob 42/22w
    nur T9

Schlagworte

*D*

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1963:RS0054080

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

19.01.2023
Quelle: Oberster Gerichtshof (und OLG, LG, BG) OGH, http://www.ogh.gv.at
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