TE OGH 2002/5/23 12Os14/01

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Veröffentlicht am 23.05.2002
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Der Oberste Gerichtshof hat am 23. Mai 2002 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Rzeszut als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Schindler, Dr. Adamovic, Dr. Holzweber und Dr. Philipp als weitere Richter, in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Dr. Steindl als Schriftführerin, in der Strafsache gegen Dr. Bernd Franz Sch***** und weitere Angeklagte wegen des Verbrechens der Untreue nach § 153 Abs 1 und Abs 2 zweiter Fall StGB, teils als Beteiligte nach §§ 12 zweiter und dritter Fall StGB, über die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten Dr. Bernd Franz Sch*****, DDr. Dietrich Josef R*****, Dvw Helmut Jakob S*****, Georg Hans G*****, Dr. Hans Jürgen Go***** und Herbert Johannes N*****, und über die Berufungen der Privatbeteiligten Christiana und Rudolf Z*****, Rainer Sc*****, Herbert S*****, Bartolomäus P*****, Petra M*****, Johann M*****, Franz H*****, Verlassenschaft nach Gerhard F*****, Wolfgang E***** Rosina D*****, Gabriele A*****, Ida S*****, Dkfm Erika P*****, Barbara R*****, Johann H*****, Maria F*****, Prof. Lorenz S***** und Josef W*****, gegen das Urteil des Landesgerichtes Salzburg als Schöffengericht vom 14. Juni 1999, GZ 35 Vr 3036/95-6524, sowie über die Anträge auf Erneuerung des Strafverfahrens gemäß § 363a Abs 1 StPO der Angeklagten Dr. Bernd Franz Sch*****, DDr. Dietrich Josef R***** und Herbert Johannes N*****, nach öffentlicher Verhandlung am 13., 14., 15., 16. und 23. Mai 2002, in Anwesenheit des Vertreters der Generalprokuratur, Generalanwalt Dr. Schroll, der Angeklagten, deren Verteidiger Dr. Salpius, Dr. Asenbauer, Dr. Hüttinger, Dr. Ainedter, Dr. Reymann und Univ. Doz. Dr. Soyer sowie der Vertreterin der Privatbeteiligten Dr. Haberl, zu Recht erkannt:

Spruch

 

Die Nichtigkeitsbeschwerden werden verworfen.

Die Anträge der Angeklagten Dr. Bernd Franz Sch*****, DDr. Dietrich Josef R***** und Herbert Johannes N***** auf Erneuerung des Strafverfahrens gemäß § 363a Abs 1 StPO werden zurückgewiesen.

Den Berufungen der Angeklagten wird nicht Folge gegeben.

Den Berufungen der Privatbeteiligten Christiana und Rudolf Z***** wird zur Gänze, jenen der Privatbeteiligten Rainer S*****, Herbert S*****, Bartolomäus P*****, Petra M*****, Johann M*****, Franz H*****, Verlassenschaft nach Gerhard F*****, Wolfgang E*****, Rosina D***** und Gabriele A***** teilweise, insoweit unter Aufhebung des Verweisungsausspruches Folge gegeben und die Angeklagten wie folgt, jeweils zur ungeteilten Hand, zur Zahlung nachstehender Geldbeträge samt 4 % Zinsen seit 1. Juli 1989 binnen vierzehn Tagen bei sonstiger Exekution verurteilt:

Dr. Bernd Franz SCH*****, DDr. Dietrich Josef R*****, Dvw Helmut Jakob S*****, Georg Hans G*****, Dr. Hans Jürgen GO***** und Herbert Johannes N*****

3.062,36 EUR (42.139 S) an Johann M*****

3.944,9 EUR (54.283 S) an Franz H*****

12.661,21 EUR (174.222 S) an Christiana Z*****

12.661,21 EUR (174.222 S) an Rudolf Z***** und

582,23 EUR (8.011,69 S) an Gabriele A*****

Dr. Bernd Franz SCH*****, DDr. Dietrich Josef R*****, Dvw Helmut Jakob S*****, Georg Hans G***** und Dr. Hans Jürgen GO*****

667,86 EUR (9.190 S) an Petra M***** und

10.894,84 EUR (149.916,33 S) an Rosina D*****

Dr. Bernd Franz SCH*****, DDr. Dietrich Josef R*****, Dr. Hans Jürgen GO***** und Herbert Johannes N*****

11.991,02 EUR (165.000 S) anWolfgang E*****

Dr. Bernd SCH*****, DDr. Dietrich Josef R***** und Dr. Hans Jürgen GO*****

92,08 EUR (1.267 S) an die Verlassenschaft nach Gerhard F*****, sowie weitere

3.052,25 EUR (42.000 S) an Franz H***** und

1.126,43 EUR (15.500 S) an Herbert S*****

Dr. Bernd SCH***** und DDr. Dietrich Josef R*****

10.666,56 EUR (146.775S)an Bartolomäus P***** sowie weitere

338,22 EUR (4.654 S) an Rainer S*****

6.540,56 EUR (90.000 S) an Johann M*****

1.090,1 EUR (15.000 S) an Gabriele A***** und

2.180,18 EUR (30.000 S) an die Verlassenschaft nach Gerhard F*****

Dvw Helmut Jakob S***** und Georg Hans G***** weitere

1.308,11 EUR (18.000 S) an Johann M*****

1.308,11 EUR (18.000 S) an Franz H***** und

218,02 EUR (3.000 S) an Gabriele A*****

Dr. Hans Jürgen G***** weitere

3.924,33 EUR (54.000 S) an Johann M***** und

654,06 EUR (9.000 S) an Gabriele A*****.

Im Übrigen wird den Berufungen dieser Privatbeteiligten und jenen der Privatbeteiligten Ida S*****, Dkfm. Erika P*****, Barbara R***** (vormals P*****), Johann H*****, Maria F*****, Prof. Lorenz S***** und Josef W***** (insoweit zur Gänze) nicht Folge gegeben.

Gemäß § 390a StPO fallen den Angeklagten auch die Kosten des Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Text

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil wurden die Angeklagten Dr. Bernd Franz Sch*****, DDr. Dietrich Josef R*****, Dvw Helmut Jakob S*****, Georg Hans G*****, Dr. Hans Jürgen Go***** und Herbert Johannes N***** des Verbrechens der Untreue nach § 153 Abs 1 und Abs 2 zweiter Fall StGB, Dr. Bernd Franz Sch***** als Bestimmungstäter nach § 12 zweiter Fall StGB, DDr. Dietrich Josef R*****, Dr. Hans Jürgen Go***** und Herbert Johannes N***** (auch) teilweise sowie Georg Hans G***** zur Gänze als Beteiligte nach § 12 dritter Fall StGB schuldig erkannt.

Darnach haben sie in Salzburg und an anderen Orten die vertraglich eingeräumte Befugnis, über das Vermögen der Anleger in den Hausanteilgesellschaften (Serien), welche Teil des aus den Firmengruppen W*****, B***** und I***** bestehenden Konzerns waren, demnach über fremdes Vermögen zu verfügen, wissentlich mißbraucht und dadurch den Hausanteilscheinzeichnern einen 500.000 S übersteigenden Schaden zugefügt, indem sie, bei spätestens ab Ende des Jahres 1983 absehbarem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Konzerns und der Unerfüllbarkeit der den Hausanteilscheinzeichnern vertraglich gegebenen Versprechen infolge ständiger wirtschaftlicher Defizite, zur Lösung dieser finanziellen Probleme nach Art eines Schneeballsystems weitere Anlegergelder von mehr als zwei Milliarden Schilling unter unrealistischen Rücklöse- und Renditeversprechen bei fortwährender Behauptung einer geordneten Vermögens-, Finanz- und Liquiditätslage aufnahmen und Seriengesellschaften dotierten und dadurch eine weitere Kapitalverdünnung und Unterdeckung durch den schon zuvor zu geringen und nicht ausreichend leistungsfähigen Immobilienbestand herbeiführten, wobei sie fortwährend die getrennt zu haltenden Vermögen der einzelnen Serien untereinander und mit Gesellschaften des übrigen Konzerns vermischten und sowohl Letzteren, die per Saldo vom Geld der Hausanteilscheinzeichner abhängig waren, als auch Ersteren noch zusätzlich auf verschiedene Weise Mittel entzogen,

insbesondere dadurch, dass sie entgegen den vertraglichen Bedingungen und Versprechen

Anlegergelder nicht in Immobilien bzw anderen Werten anlegten,

Anlegergelder zur Auszahlung an andere Anleger sowie zur Abdeckung von Krediten, Darlehen und sonstiger Verbindlichkeiten anderer Serien bzw Konzerngesellschaften verwendeten,

weitestgehend die in Immobilien bestehende Sachwertdeckung entzogen, indem sie die Immobilien im Konzern verkauften und die Erlöse teilweise neuerlich in zweifelhaften Beteiligungen an anderen Konzerngesellschaften anlegten oder für Kreditierungen an solche verwendeten,

Beteiligungen an anderen Serien oder sonstigen Konzerngesellschaften eingingen sowie Kredite und Darlehen aufnahmen oder gewährten,

wertlose Garantien für die den Anlegern gegebenen Rückzahlungsversprechen akzeptierten oder gaben, auf hypothekarische Sicherstellung von Anlegergeldern verzichteten,

bei großteils unwirtschaftlichen gegenseitigen Beteiligungen innerhalb des Konzerns teils unbegründete, teils überhöhte Provisionen verrechneten,

große Summen ohne wahren Rechtsgrund unter Inkaufnahme großen Aufwandes, wie Zinsverlusten, verschoben,

sonst Serienvermögen auf verschiedene Art zum eigenen oder fremden Vorteil abzogen,

und zwar

Dr. Bernd Franz Sch***** vom 1. Jänner 1984 bis Mitte 1989 als Miteigentümer und Leiter dieses Konzerns dadurch, dass er Organe der Treuhänder der Anleger zu diesem Verhalten bestimmte;

zu verantwortender Schaden 151,159.495 EUR (= 2.080,000.000,-- S);

DDr. Dietrich Josef R***** vom 1. Jänner 1984 bis 30. November 1984 als Vorstand der C***** AG als unmittelbarer Täter sowie anschließend bis 19. März 1986 als Aufsichtsrat derselben als Beteiligter, insoweit durch Missachtung seiner Aufsichtsratspflichten (US 381, 813, 852), insbesondere durch Zustimmung zum Komplementärwechsel bei den Hausanteilscheingesellschaften (US 377) und Mitgestaltung und Akzeptierung des Immobilienkaufvertrages mit schädigender Folgewirkung über den 19. März 1986 hinaus bis zum Ende des Deliktszeitraums (US 377 f, 380, 603, 811, 822, 1087) sowie durch Verfassung irreführender Bilanzhochwertungen für das Jahr 1984 (US 850) und Verschleierung der Pfandrechtseinlösung für die I***** (US 272 f, 643 f);

zu verantwortender Schaden 37,499.182 EUR (= 516 Millionen Schilling) sowie darüber hinaus (durch die Mitwirkung am Immobilienkaufvertrag) mehr als 36.336,42 EUR (= 500.000 S);

Dvw Helmut Jakob S***** von Oktober 1985 bis Ende Juni 1989 als Vorstand der C***** AG als unmittelbarer Täter;

zu verantwortender Schaden 75,797.966,04 EUR (= 1.043,000.000,-- S);

Georg Hans G***** von Oktober 1985 bis Mitte 1989 als verdeckter Treuhänder der Konzerneigentümer bei der C***** AG und der C***** GesmbH (US 417 f, 1087 f), Verfasser unrichtiger Jahresabschlüsse bei der Serie 10, der H***** und der S***** OHG, sowie einer unrichtigen Buchhaltung bei der Serie 30 und als Mitplaner des Verrechnungsrades vom 21. März 1989 (US 420 f), weiters als Aufsichtsrat der I***** AG und der C***** AG durch Missachtung seiner Aufsichtsratspflichten (US 416 f), insbesondere durch Billigung der zur Täuschung der Neuanleger herausgegebenen Anlegerschutzerklärung (US 419) sowie schließlich als enger Wirtschaftsberater der Konzernleitung (US 420 f, 920, 1087 f),

zu verantwortender Schaden 75,797.766 EUR (= 1.043,000.000,-- S);

Dr. Hans Jürgen Go***** von Anfang 1985 (US 436 f, 681 f) bis Mitte 1989 als Vorstand, Aufsichtsrat und Geschäftsführer von Konzernfirmen und insoweit als oberster Verantwortlicher für Marketing und Vertrieb durch falsche Prospektinformationen (US 464 f), Dementierung von Medienberichten über die schlechte Finanzlage des Konzerns (US 415 f, 457 f, 459) und durch den Zustrom neuer Gelder fördernde Täuschung der Anleger, insbesondere durch Unterzeichnung der Anlegerschutzerklärung (US 440, 457, 665, 994, 1012), weiters indem er den Generalmietvertrag (US 444 f, 471, 1088 f) sowie die Treuhandverträge an der I***** II und der C***** AG für die Konzernfirmen unterzeichnete (US 440, 471);

zu verantwortender Schaden rund 135,898.199 EUR (= 1.870,000.000,-- S);

Herbert Johannes N***** von Ende 1985 bis Mitte 1988 als Vorstand, Geschäftsführer und Aufsichtsrat von Konzernfirmen und insoweit als für das Rechnungswesen, die Mittelveranlagung und die Finanz- und Liquiditätsplanung zuständiges Organ der I***** AG und der G*****, insbesondere durch Durchführung der von ihm geplanten Verrechnungsräder (US 479 f, 1089 f), Steuerung der anlegerschädigenden Zahlungsflüsse über die als Finanzdrehscheibe verwendete S***** OHG (US 203) in die zur Sammlung von Verlusten eingesetzte H***** (US 490 f iVm US 195 f), weiters durch Mitwirkung an der Entziehung von Zinsen (US 491 f), den Scheinbeteiligungen (US 492) und den Vorausdotierungen (US 492 f) sowie schließlich, indem er den Immobilienkaufvertrag, den Generalmietvertrag (US 484 f) und die Anlegerschutzerklärung (US 493) unterzeichnete;

zu verantwortender Schaden rund 79,940.117 EUR (= 1.100,000.000,-- S),

wobei Georg Hans G*****, Dr. Hans Jürgen Go***** und Herbert Johannes N***** durch die angeführten Handlungen und Unterlassungen zur Ausführung der Tat durch den Treuhänder beitrugen, sowie Dr. Hans Jürgen Go***** und Herbert N***** darüber hinaus dadurch, dass sie als zeitweilige Geschäftsführer von Direktanlegergesellschaften (Serien 20 und 30) teils als unmittelbare Täter handelten.

Sämtliche Angeklagten bekämpfen das Urteil mit Nichtigkeitsbeschwerde aus den Gründen der Z 4, 5 und 9 lit a des § 281 Abs 1 StPO, darüberhinaus Dr. Bernd Franz Sch***** aus Z 1, 3, 5a, DDr. Dietrich Josef R***** Z 1, 3, 5a, 9 lit b, 10 und 11, Dvw Helmut Jakob S***** Z 1, 3, 5a, 9 lit b und 11, Georg Hans G***** Z 3, 5a und 11, Dr. Hans Jürgen Go***** Z 1, 5a und 10 sowie Herbert Johannes N***** aus Z 1, 1a, 2 und 3 leg cit.

Jenem Rechtsmittelvorbringen, mit dem DDr. R*****, gestützt auf ein Gutachten von Univ. Prof. DDr. Heinz M*****, die vom EGMR für diesen Angeklagten festgestellte unangemessen lange Verfahrensdauer als Nichtigkeitsgrund der Z 9 lit b des § 281 Abs 1 StPO geltend macht und deshalb einen Freispruch gemäß § 259 Z 3 StPO reklamiert, schlossen sich die übrigen Angeklagten im Gerichtstag an. Mit den von ihnen insoweit formell allein gestellten Anträgen auf Freispruch wurde der Sache nach somit der bezeichnete materiellrechtliche Nichtigkeitsgrund geltend gemacht, weshalb eine gesonderte Antragserledigung schon im Spruch dieser Rechtsmittelentscheidung vorweg nicht in Betracht kam.

Der Angeklagte DDr. R***** beantragte zudem die Erneuerung des Strafverfahrens gemäß § 363a StPO. Diesem Antrag schlossen sich Dr. Sch***** und Herbert N***** im Gerichtstag an.

Ein zielführendes Eingehen auf die von mehreren Angeklagten gemeinsam geltend gemachten Beschwerdeeinwände und sodann auf das verbleibende Vorbringen der einzelnen Beschwerdeführer erfordert zunächst in sachverhaltsmäßiger und darauf aufbauend in rechtlicher Hinsicht nachangeführte Klarstellungen:

Nach den wesentlichen Urteilsannahmen war die Gemeinnützige W***** Ende 1983 in finanziellen Schwierigkeiten und die Unternehmensgruppe - Wohnungseigentum Bautreuhand GmbH (UG), eine Art Holdinggesellschaft des nicht gemeinnützigen Firmenbereiches und Garant der Alt-Serien, konkursreif. Bei Letzteren handelte es sich um vermögensverwaltende Kommanditgesellschaften, welche den Zeichnern sogenannter Hausanteilscheine mittelbare, dh über einen Treuhänder gehaltene Kommanditbeteiligungen am Immobilienvermögen dieser Gesellschaften anboten. Die bei seriöser wirtschaftlicher Gebarung allein gebotene Maßnahme, eine weitere Bedienung der Alt-Serien für die den Anlegern gegebenen Rendite- und Rückkaufsgarantien auf Grund der laufend zu geringen Ertragskraft ihrer Immobilien und der Überschuldung des Garanten Ende 1983 zu stoppen, hätte unausweichlich zum Zusammenbruch des gesamten UG-Bereiches geführt. Ein Insolvenzverfahren wäre jedoch regional - vor allem für mehrere mit beträchtlichen Kreditobligos belastete Banken - mit nicht absehbaren negativen Konsequenzen verbunden gewesen und war deshalb auch politisch hochgradig inopportun. Überdies hätte es den Ruf des in führender politischer Funktion tätig gewesenen Hans Z***** als einer der damaligen Eigentümer des W*****-Konzerns zerstört. Angesichts der ihn und Siegfried S***** als Komplementäre der Seriengesellschaften treffenden persönlichen Haftung bedeutete die Aussicht eines Konkurses außerdem eine finanzielle Bedrohung, woran auch der Umstand nichts änderte, dass die Komplementäre zuvor vorsorglich ihre Haftung im Innenverhältnis - bei einer Insolvenz unwirksam - auf die UG überwälzt hatten (US 157, 158 iVm Gutachten 1, S 449).

Um diesem Szenario zu entgehen, wurde Ende 1983 auf der Eigentümerebene unter Einbindung von Dr. Sch***** und dem gesondert verfolgten Dr. G***** der Entschluss gefasst, den Konzern weiterzuführen. Unter den gegebenen Bedingungen war dies nur durch die vertragswidrige Heranziehung von neu aufzunehmendem Anlegerkapital zur Verlustabdeckung des Konzerns möglich. Zu diesem Zweck erarbeiteten Dr. Sch***** und Dr. G***** mit dem sogenannten offenen Immobilienfonds im I*****-Bereich ein Konzept scheinbarer Sanierung. Es bedeutete im Ergebnis nichts anderes als die Fortführung des im UG-Bereich zahlungsunfähigen Konzerns mit laufend vertragswidrig zu verwendenden und nach Art eines Schneeballsystems in immer größer werdendem Ausmaß notwendigen Mitteln von Neuanlegern.

Erreicht sollte dies durch die Einbringung des schon bis dahin renditemäßig nicht entsprechenden Immobilienvermögens der B*****-Serien in einen offenen Fonds unter Vortäuschung von nicht den Tatsachen entsprechenden Werten und Mieterträgen (Immobilienkaufvertrag und Generalmietvertrag) werden, um sich solcherart nach Aufbringung des Stammkapitals der I***** AG überwiegend durch Verrechnungsräder, mit der Einführung der I*****-Aktie und durch die Auflage der I*****-Serien (14, 16), in der Folge auch von steuerlich nicht anerkennbaren Verlustserien, Zugang zu einem nicht limitierten Volumen an Anlegerkapital zu verschaffen.

Diese Mittel sollten a priori zweckwidrig und anlegerschädigend zur Abdeckung von vor allem im Touristikbereich bedeutenden Verlusten der UG und - bei der notorischen Sensibilität des Anlagemarktes für die Planverwirklichung unerlässlich - für die Abschichtungsansprüche der Alt-Anleger Verwendung finden. Dabei war einkalkuliert, dass zwangsläufig die Mittel für die Vornahme werthaltiger und zu lukrativen Renditen führender Investitionen, welche den Anlegern versprochen waren und die - auch bei den Verlustserien - den einzigen Grund ihrer Investitionsentscheidung bildeten, fehlen mussten (US 87 bis 95, 142 f, 168 f, 233 f, 377 f, 733 f).

Exakt diesen Vorgaben entsprach auch die schrittweise Verwirklichung des vorerwähnten von Anfang an verbrecherischen Planes, welcher unabdingbar einen laufend begangenen Befugnismissbrauch durch die Organe der Treuhand-Unternehmen erforderte.

Das Untreuekonzept wurde auf drei Ebenen umgesetzt:

I) Durch Schaffung der wesentlichen rechtlichen und tatsächlichen Rahmenbedingungen, das waren

1. der der zentralen Entscheidungskompetenz und Finanzdisposition dienende Holdingvertrag von Mitte 1984, mit dem Dr. Sch***** und Dr. G***** zusammen mit Hans Z***** und Siegfried S***** als Gesellschaft bürgerlichen Rechts eine Konzernholding gründeten und der die beiden Erstgenannten als Gegenleistung für den so verhinderten Konkurs in die Stellung von Holdingpartnern ohne die Erbringung von Eigenmitteln aufrücken ließ (US 121 f);

2. die Erreichung des Bankenmoratoriums unter Präsentation des sogenannten I*****-Konzeptes zum Zwecke der Überbrückung der Zeit bis zum Einsetzen des vollen Zustroms neuen Anlegerkapitals, vor allem durch die Verlustserien (US 218 f, 666 f, 720, 728 f);

3. der Austausch der Komplementäre Hans Z***** und Siegfried S***** in den B*****-Serien gegen die vermögenslose S*****OHG (US 199 f, 228 f, 677 f);

4. die vollständige Eingliederung sämtlicher Treuhandfirmen in Form von Treuhandschaften in den Konzern zur Ausschaltung eines effektiven Treuhänders (US 109 f, 118 f, 508 f);

5. der Abschluss des Immobilienkaufvertrages, mit welchem der Immobilienbestand der B*****-Serien in einen offenen Fonds zur scheinbaren Darstellung eines für ein nicht limitiertes Anlegerkapitalvolumen werthaltigen, in Wahrheit aber von Anfang an ungenügenden und sich in der Folge stetig vermindernden Haftungsstockes eingebracht wurde, sowie des der Darstellung tatsächlich nicht vorhandener Liegenschaftserträge dienenden Generalmietvertrages (US 168 f, 189 f, 600 f);

6. die Einsetzung von Strohmännern als Geschäftsführer der Seriengesellschaften und sonstiger wichtiger Unternehmen des Anlagesektors (US 204, 490, 491) sowie

7. die Entscheidung über die Auflage von Verlustserien ohne auf einen Gesamtgewinn gerichtete Geschäftstätigkeit (US 313 f, 405 f, 692 f);

II. durch wissentlich missbräuchliche Weiterleitung der auf den Konten der Treuhandgesellschaften einlangenden Anlegergelder an die Seriengesellschaften bei nachfolgender konsequenter Unterlassung der nach den Treuhandverträgen verpflichtend vorgeschriebenen Kontroll-, Sicherungs- und Verständigungsmaßnahmen durch die Befugnisträger;

III. durch zentral von der Holdingebene aus gesteuerte Disposition über das Anlegerkapital, welches einerseits in den UG-Bereich zur Abdeckung dortiger Verluste und der Ansprüche der Altanleger und andererseits in den Privatbereich der Holdingpartner transferiert wurde (US 475 f).

An der Verwirklichung dieses anlegerschädigenden Programms wirkten die Angeklagten zu unterschiedlichen Zeiten jeweils in voller Kenntnis der wahren Sachlage durch mannigfaltige, im Urteil jeweils genau bezeichnete Handlungen und Unterlassungen (siehe deren oben wiedergegebene Zusammenfassung), teils als unmittelbare Täter, teils als sonstige Beteiligte (§ 12 zweiter und dritter Fall StGB) mit.

 

Rechtliche Beurteilung

Als unmittelbare Tathandlungen im Sinne des § 153 StGB sind dabei alle jene Maßnahmen zu werten, mit denen die Organe der Treuhand- und Direktanlegergesellschaften gemeinsam mit Dr. G***** (siehe unten) über das treuhändig übergebene Vermögen missbräuchlich verfügten, indem sie das Anlegerkapital laufend - seitens der Treuhandgesellschaften im Umweg über die Seriengesellschaften, an welche sie die Gelder im Wissen um die nachfolgende schädigende Verwendung weiterleiteten - der UG und deren Tochterfirmen überließen, wo seitens der Beitragstäter, aber auch durch Dr. G***** und von diesem eingesetzte Strohmänner darüber in schädigender Weise verfügt wurde. Einer genauen Auflistung jeder einzelnen dieser Vermögensverfügungen bedurfte es nicht; genug daran, dass sie jeweils der Treuhandbindung einer werthältigen Investition widersprachen, die Anleger dadurch der Gefahr des Totalverlustes aussetzten und solcherart schädigend wirkten (siehe unten die detaillierten Ausführungen zur Schadensberechnung).

Die Tatsache, dass der Schaden bereits mit diesen Überweisungen eintrat, nimmt den im Urteil darüber hinaus dargestellten Handlungen, etwa dem Abschluss des die Serien benachteiligenden Immobilienkaufvertrages oder den sogenannten Verrechnungsrädern mit rechtsgrundlosen Zahlungen, jedoch keineswegs die strafrechtliche Relevanz, weil dadurch entscheidend zum Fortbestehen des Konzerns unter Vorspiegelung der für den kontinuierlichen Zustrom neuer Anlegergelder unerlässlichen Liquidität beigetragen wurde (US 1087 bis 1090).

Sämtliche dieser von den einzelnen Angeklagten tatplangemäß vorgenommenen und detailliert festgestellten Maßnahmen waren daher für die jeweils zeitlich nachfolgenden Vermögensbeeinträchtigungen mitursächlich. Damit lagen insoweit kausale Tatbeiträge vor.

Der vom Erstgericht gewählten Konstruktion eines fortgesetzten Deliktes - mag dessen grundsätzliche Bedeutung nach dem derzeitigen dogmatischen Diskussionsstand auch nicht als generell entbehrlich anzusehen sein - bedarf es bei dieser Sachverhaltskonstellation zur Begründung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit der Angeklagten für den ihnen während der Zeit ihrer Mitwirkung jeweils angelasteten Untreueschaden nicht. Es liegt vielmehr eine durch eine einheitliche Tatsituation und gleiche Motivlage gekennzeichnete Aufeinanderfolge von Untreuehandlungen im Sinne einer fortlaufenden Tatbestandsverwirklichung vor (Ratz in WK2 Vorbem zu §§ 28 bis 31 Rz 104). Dass allfällige Rückzahlungen während des Deliktszeitraumes (US 1093) ungeachtet dessen jedenfalls (auch - siehe unten) unter dem Aspekt tätiger Reue (§ 167 StGB) irrelevant sind, ist zwangsläufige Folge ihrer unredlichen Herkunft (Leukauf/Steininger Komm3 § 167 RN 34).

Als unmittelbare Täterschaft durch wissentlichen Missbrauch der rechtsgeschäftlich eingeräumten Verfügungsmacht über fremdes Vermögen bewertete das Erstgericht - von den Direktanlagegesellschaften abgesehen - lediglich das Verhalten von DDr. R***** und Dvw S***** als jeweiligem Vorstand der C***** AG.

Diese Beurteilung wird dem Urteilsinhalt allerdings nicht gerecht.

Nach dem festgestellten Inhalt des Holdingvertrages (US 121 f) oblag der Holdingversammlung die Entscheidungskompetenz in den im Punkt 3 genannten wirtschaftlichen Grundsatzfragen des Konzerns, zu denen beispielsweise auch die Auflage von Verlustserien, bedeutende finanzielle Dispositionen und die Bestellung und Abberufung von Geschäftsführern der Holdingfirmen (von Privatfirmen abgesehen praktisch der gesamte Konzernbereich) zählten. Darüber hinaus nahm die Holdingversammlung bei Bedarf neben der strategischen auch die operative, das Tagesgeschäft betreffende Leitung des Konzerns aktiv wahr, wobei vor allem die Erörterung der Liquiditätssituation regelmäßiger Tagesordnungspunkt war (US 501). Der Holdingvertrag gab den Holdingpartnern zudem das Recht, in ihrem vertraglich festgelegten Kompetenzbereich auf die Geschäftsführung der Konzerngesellschaften, insbesondere durch die Erteilung von Weisungen (US 126 iVm Gutachten 1, S 307), bestimmenden Einfluss auszuüben oder sie überhaupt ganz an sich zu ziehen (US 507, 756).

Dies ist im Anlagebereich durchgehend auch geschehen, indem zu Geschäftsführern der an den anlegerschädigenden Aktionen beteiligten Konzernfirmen, nämlich sämtlicher Seriengesellschaften, der H***** und der S***** OHG, über welche die Anlegerkapitalien im Konzern beliebig verteilt wurden, - von einer zeitweiligen Organfunktion in den Serien 20 und 30 durch die Angeklagten Dr. Go***** und N***** abgesehen (US 491, 492) - Strohmänner bestellt wurden (US 204, 490, 491, 645, 776). Diesen entzog Dr. G***** als für den Anlagebereich zuständiger Holdingpartner generell die Entscheidungskompetenz über Finanzdispositionen. Er nahm diese vielmehr im bewussten Zusammenwirken mit dem Angeklagten N***** als Leiter des Konzernrechnungswesens durch Schaffung von Zeichnungsberechtigungen auf den hier in Rede stehenden Konten unter Zwischenschaltung der G***** als zentrale Konzerndienstleistungs- und Verrechnungsstelle selbst vor. Auf diese Weise disponierte er insbesondere über die bei den Verlustserien einfließenden Mittel, auf welche der größte Teil des Anlegerschadens entfällt (US 488, 476 f, 492, 624 f, 1022).

Die dazu unabdingbar vorausgesetzte Ausschaltung eines die Interessen der Anleger wahrenden Treuhänders verschaffte sich die Konzernholding durch Eingliederung der C***** AG mittels Treuhandschaften in den Konzern.

Zwischen 1. Jänner 1984 und 16. Oktober 1985 hielt der tatplangemäß mitwirkende (US 375 f, 501, 510 f, 862 f, 1080) Angeklagte DDr. R***** 80 % des Aktienkapitals (davon 49 % treuhändig und damit nach außen nicht erkennbar für die UG). Ab 17. Oktober 1985 übernahmen Georg G***** und Dr. L***** für die Konzernfirmen I***** bzw I*****-Bautreuhand in Form von Aktien und stillen Beteiligungen 100 % der Anteile (US 108 f, 114 f, 511 f, 739). Damit kam der Holding auch nach dem Ausscheiden des DDr. R***** als Vorstand eine die C*****AG wirtschaftlich und rechtlich beherrschende Stellung zu (US 55 f, 107, 115, 222 f, 501, 771), welche ihr, vertreten durch den für den Anlagebereich zuständigen Holdingpartner Dr. G*****, eine direkte Ausübung der von Seiten der Anleger der juristischen Person eingeräumten Verfügungsmacht ermöglichte (wirtschaftliche Beherrschungstatsache iS von Schick, LJZ 1993, 17).

Auch die neben der C***** AG bestehenden Treuhandunternehmen, nämlich die Sparkasse ***** Gesellschaften und die C***** GesmbH wurden durch eine sukzessive Beteiligung der I***** AG und der C***** AG sowie - hinsichtlich der C***** GesmbH - ab 7. Dezember 1987 durch für den Konzern von Georg G*****, Mag. P***** und Dkfm. H***** übernommene Treuhandschaften zunächst mehrheitlich und schließlich zu 100 % vom Konzern beherrscht (US 120 f, 222 f, 501, 771).

Nicht anders ist die Geschäftsführung der Verlustseriengesellschaften 20 und 30 (US 79 f) mit Direktanlagemöglichkeiten zu beurteilen. Selbst wenn hier nämlich, nach den Urteilsannahmen unklar, nicht durchgehend im Sinne des Tatplanes vorsätzlich handelnde Organe tätig gewesen sein sollten, lag die Geschäftsführung jedenfalls über die Eigentümerverhältnisse bei den Komplementären, der U***** und der I***** AG, sowie bei der Kommanditistin C***** AG in den Händen von Dr. G***** als zuständigem Vertreter der Holding (US 469). Überdies bekleidete Dr. G***** bei der Serie 20 zeitweise selbst Organfunktionen (US 491).

Eine Gesamtschau dieser faktischen und rechtlichen Gegebenheiten führt zum Ergebnis, dass fallbezogen die rechtsgeschäftliche Verfügungsmacht über das Anlegerkapital im Umweg über vorgelagerte konzernabhängige Kapitalgesellschaften in Wahrheit Dr. G***** als zuständiger Repräsentant der Konzernspitze innehatte.

Der Umstand, dass die C***** AG als von der Holding beherrschte Gesellschaft rechtlich in der Lage gewesen wäre, eigenständige Entscheidungen zu treffen, ist dabei insofern unbeachtlich, als die festgestellte Entscheidungshierarchie innerhalb der über eine Holding gelenkten Firmengruppe die faktische wie auch - über Eigentumsverhältnisse im Wege der Hauptversammlung und des Aufsichtsrats gegenüber einem theoretisch widerstrebenden Vorstand - die rechtliche Durchsetzbarkeit der konkret von Dr. G***** vorgegebenen Entscheidungen über den Einsatz der neu hereinkommenden Anlegergelder im Vorstand der C***** AG sicherstellte. Bezeichnend dafür sind jene Urteilsfeststellungen, wonach die Vorstandstätigkeit in der C***** AG zumindest ab Übernahme dieser Funktion durch Dvw S***** bloß deklarative Bedeutung hatte (US 386 f; vgl insbesondere US 887 f) und damit eine allfällige konträre Beschlussfassung lediglich als rein theoretische Variante offenstand (US 130, 901, 904: Weisungsgebundenheit des Treunehmers C*****AG).

Der Holdingvertrag- er wurde nach dem im materiellrechtlichen Anfechtungsbereich bindenden Urteilssachverhalt entgegen dem von DDr. R***** in seiner Äußerung vertretenen Standpunkt Mitte 1984 geschlossen - verschaffte Dr. G***** somit die von § 153 StGB geforderte Rechtsposition als allein- bzw mitentscheidungsbefugter Machthaber (in diesem Sinne auch 12 Os 184/95; vgl überdies Schick, LJZ 1993, 17 f), welche er plangemäß laufend zum Nutzen des Konzerns und zum Schaden der Anleger missbrauchte. Dass die rechtsgeschäftliche Vertretungsmacht unmittelbar durch den Machtgeber eingeräumt sein muss, ist nicht erforderlich (Leukauf/Steininger Komm3 § 153 RN 13). Dies gilt insbesondere dann, wenn sie über eine Treuhänderfunktion einer juristischen Person eingeräumt wird, deren Organe die ihnen obliegende Geschäftsführung im Umfang der Treuhandtätigkeit einer anderen Person übertragen.

Bereits 1978 hatte die C*****AG in einer mit der UG getroffenen Vereinbarung die gesamte Investitionspolitik für die Hausanteilscheingesellschaften in den ausschließlichen Verantwortungsbereich des letztgenannten Unternehmens und zudem die Investitionsplanung und Bewirtschaftung der Investitionen der jeweiligen Beteiligungsgesellschaft und damit Kraft deren Konzernzugehörigkeit wieder der UG bzw den diese beherrschenden späteren Holdingpartnern überantwortet (US 112 f iVm US 389 f; vgl auch US 116 f). Auf diese Weise gab der Vorstand der T***** AG die ihm erteilte Verfügungsmacht über die Anlegergelder zunächst an die UG und folglich ab Sommer 1984 (dem Zeitpunkt des Zustandekommens des Holdingvertrages) an die Organe der insoweit von Dr. G***** vertretenen Holding weiter. Diese Vorgangsweise wurde nach dem Urteilssachverhalt während des gesamten Deliktszeitraumes in Bezug auf alle vom Schuldspruch betroffenen Serien praktiziert, womit ungeachtet dessen, dass die betreffende Vereinbarung nicht für alle Altserien geschlossen und in der hier relevanten Zeit nicht ausdrücklich auf die neu aufgelegten Serien übertragen wurde, von einer exakt ihrem Inhalt entsprechenden konkludenten Unterbevollmächtigung im Deliktszeitraum auszugehen ist.

Dr. G***** war demnach durchgehend auch dann dolos handelnder unmittelbarer Allein- oder seine Komplizen bestimmender Mittäter, wenn ihm in der C*****AG keine Organschaft nach dem Aktiengesetz zukam.

Angesichts dieser Rolle geht der in der Äußerung zum Croquis erhobene Einwand von DDr. R*****, wonach die limitierte Akzessorietät der Beitragstäterschaft ein Beitragshandeln eines de-facto Geschäftsführers nur ermögliche, wenn das de-iure Organ zumindest vorsätzlich missbräuchlich handle, ins Leere.

Auf dieser rechtlichen Basis steht der Umstand, dass nach dem Urteilssachverhalt in den Treuhand- bzw möglicherweise auch den Direktanlegergesellschaften partiell vorsatzlos handelnde Organe tätig waren - in Ansehung der C***** AG war dies in der Zeit von November 1984 bis September 1985 der Fall (US 395, 869, 1081 f) - der strafrechtlichen Zuordnung der den Angeklagten auch in diesem Umfang angelasteten Tatbeteiligung (§ 12 zweiter und dritter Fall iVm § 14 Abs 1 zweiter Satz zweite Alternative StGB) nicht entgegen (Leukauf/Steininger aaO RN 46 und 47).

Das dazu für die Beitragstäter subjektiv erforderliche Wissen um einen objektiv gegebenen und wenigstens vorsätzlich vorgenommenen Befugnismissbrauch seitens Dr. G***** selbst und der von ihm namens des Konzerns dirigierten Organe der Treuhandgesellschaften (Leukauf/Steininger aaO RN 48) hat das Erstgericht für alle insoweit belasteten Angeklagten - im Übrigen mängelfrei begründet (siehe die einzelnen Beschwerdevorbringen) - festgestellt.

Der Auffassung der Generalprokuratur, wonach der Urteilssachverhalt darüber hinaus eine sichere Deutung im Sinne einer unmittelbaren Täterschaft auch des Dr. Sch***** zuließe, vermag sich der Oberste Gerichtshof hingegen nicht anzuschließen. Wenn auch das Urteil diesem Angeklagten durchgehend einen umfassenden Wissensstand und das mit Dr. G***** gemeinsame Fassen des Verbrechensplanes anlastet, fehlen dennoch klare Konstatierungen für gemeinsam getroffene Anweisungen zu schädigenden Vermögensverfügungen - auch solche dem Grunde nach - als hier relevante unmittelbare Tathandlungen; umso mehr gilt dies, als das Erstgericht von einem in erster Linie nur hinsichtlich des Wissensstandes, nicht aber des Tätigkeitsgebietes durchbrochenen Kompetenzplan zu Lasten des Dr. Sch***** ausgeht und die Feststellungen über den Inhalt der regelmäßigen Liquiditätsbesprechungen in den Holdingversammlungen eher vage gehalten sind.

Aus der solcherart in Grundzügen dargestellten Sachverhaltskonstellation ergeben sich folgende Kriterien für die (mit Ausnahme von Dr. Sch*****) von allen Angeklagten gerügte (Z 9 lit a, teilweise - nominell - auch Z 11) Schadensberechnung:

Auf Grund der zu geringen Ertragskraft der Immobilien der Altserien (Serien 1, 2, 3, 5, 7, 9 und 12), der Überschuldung des Konzerns und der Insolvenz des Garantiegebers UG bedingte die Entscheidung der Weiterführung des Anlagesektors in Ermangelung wirklicher Sanierungschancen durch die Verschaffung von (echtem) Eigenkapital von vornherein die laufende Heranziehung der neu einlangenden Anlagegelder zur Verlustabdeckung des Konzerns und - für die Planverwirklichung unerlässlich - zur vollen Erfüllung der aktuellen Abschichtungsansprüche von Zeichnern der Altserien. Demgemäß wurden nicht nur die in die Serien 6, 8/II, 14 und 16 einbezahlten Gelder in diesem Sinne verwendet, jene der beiden zuletzt genannten Gesellschaften vor allem zur Finanzierung des überhöhten Preises des Immobilienkaufvertrages, sondern auch die Mittel der Serien 17 (US 99 f), vor allem aber jene der Verlustserien 10, 20 und 30 (US 314, 320 f, 703).

Diese fortgesetzte Umleitung des Anlegerkapitals in insolvente Konzernfirmen hatte in Ermangelung einer dadurch bewirkten werthaltigen Geldanlage das Auftreten einer durch den Wert der vorhandenen Immobilien nicht mehr schließbaren, sondern (bis auf eine verrechnungsbedingte Sondersituation im Jahr 1985 - siehe die Ausführungen zur Nichtigkeitsbeschwerde des DDr. R*****) ständig größer werdenden Deckungslücke zur Folge (siehe insbesondere US 135 f, 143 f).

Bei Feststellung dieser für die Schadensberechnung entscheidenden wirtschaftlichen Daten, nämlich der Differenz zwischen der Anlegernettoinvestition als Saldo der Einzahlungen von und Auszahlungen an die Anleger und dem Konzernreinvermögen (US 132, 135) kam allen dagegen - vor allem seitens DDr. R*****- erhobenen Einwänden zuwider zur Erlangung eines aussagekräftigen Ergebnisses nur eine dynamische und durch eine konsolidierende Gesamtschau gewonnene Beurteilung in Frage:

Eine statische Einzelbewertung der von der Holding zentral gesteuerten Konzernfirmen und damit die reklamierte serienweise getrennte Schadenserfassung zu einem bestimmten Stichtag innerhalb des den jeweiligen Angeklagten angelasteten Deliktszeitraumes hätte nämlich in zweifacher Hinsicht ein falsches Bild ergeben:

Einerseits wären die im Zeitpunkt der jeweiligen Abschichtung fälligen, zur Steigerung des Anlegerkapitalvolumens über-pari vereinbarten und seitens des Konzerns garantierten Rücklöseansprüche mit der Konsequenz einer verzerrten Darstellung unberücksichtigt geblieben, weil diese während des inkriminierten Zeitraumes planbedingt nicht nur in vollem Umfang, wenn auch mit Geldern der neuen Investoren, erfüllt wurden, sondern die Anleger darauf auch einen Anspruch hatten. Die C***** AG als Treuhandgesellschaft war ja gerade deswegen mit der Ermächtigung zwischengeschaltet worden, die einlangenden Gelder in Wahrung der Anlegerinteressen zur werthaltigen Vermögensinvestition zu verwenden (US 105, 389 f, 1078 f), um die Geldanlage von einer sonstigen Firmenbeteiligung zu unterscheiden, bei welcher der Investor dem wirtschaftlichen Geschick der Firmenleitung vertraut und im Fall einer wirtschaftlichen Fehlentscheidung auch mit Verlusten bis hin zur Abschreibung des gesamten Nominales bzw je nach Beteiligungsart eventuell auch mit Nachschussverpflichtungen rechnen muss (vgl US 146 f, 389 f, 498 f).

Darüber hinaus erforderte eine realitätsbezogene Beurteilung der Vermögenslage des Konzerns wegen der wechselseitigen, in ihrer Werthaltigkeit nicht mehr überprüfbaren (US 845) Beteiligungen der Konzerngesellschaften und ihrer vielfältigen finanziellen, leistungsmäßigen sowie gesellschafts- und haftungsrechtlichen Verflechtungen unabdingbar eine konsolidierende Sicht (US 836 f iVm HV-Protokoll 5019 f). Nur so war es nämlich möglich, sowohl Vermögen als auch Erfolg analog einem einzelnen Unternehmen in ihrem Entstehen aus den Außenbeziehungen darzustellen sowie substanzlose Transaktionen und wechselseitige Zirkelbezüge durch interne Umsätze und Gewinnrealisierungen oder durch Vermögensverschiebungen zu eliminieren (US 131, 518 f, 836, 845; vgl HV-Protokoll 14223 f).

Den wiederholten Beschwerdeeinwänden entgegen wurden dabei die Rücklösegarantien in den Einzelserien ohnehin gesondert erfasst und für jede Serie eigens bewertet (vgl die Aufstellung in US 77 f). Dies ändert aber nichts daran, dass sich bei allen Serien eine Deckungslücke auftat, weil die Abschichtung auch dann noch über-pari vorgenommen wurde, als klar war, dass eine diese Rücklöseversprechen sichernde Rendite aus dem Serienvermögen nicht erzielbar war (US 134 f und 143 f).

Auf Grund des sich nach der solcherart seitens der Sachverständigen vorgenommenen Berechnung irreversibel kontinuierlich verkleinernden Haftungsfonds (US 131 f, insbesondere US 142, 143, 152, 153) stellte das Erstgericht den Anlegerschaden - ohne die behauptete Einbeziehung garantierter Gewinne - rechtsrichtig mit der Summe der einbezahlten Nominalbeträge fest (US 146 iVm US 360, 381, 412 f, 435, 470 f, 494 f).

Wie beim Betrug besteht auch bei der Untreue der Schaden in einem effektiven Verlust an Vermögenssubstanz, welcher durch Vergleich der Vermögenslage vor und nach der missbräuchlichen Handlung im Wege der Gesamtsaldierung unter Berücksichtigung einer allfälligen unmittelbaren Schadenskompensation zu ermitteln ist (14 Os 123/00). Als ein den Schaden mindernder Vermögensvorteil kommt aber nur eine im wohlverstandenen Interesse des Machtgebers liegende Gegenleistung in Betracht (Kirchbacher/Presslauer in WK2 § 153 Rz 39).

Die dargestellte vorsätzliche Missachtung der seitens der C***** AG übernommenen Treuhandverpflichtung, für die Investition der Anlagegelder in ausreichend ertragreiche Immobilien oder werthaltige Beteiligungen Sorge zu tragen, ermöglichte es, das fortlaufend hereinkommende Kapital der Neuanleger während des gesamten Deliktszeitraumes in insolvente Unternehmen weiterzuleiten. Diese plangemäß und laufend vorgenommene Mittelverwendung führte dazu, dass sich mit jeder weiteren widmungswidrigen Veranlagung die Verlustsituation verschärfte und der Anlagebetrieb im Deliktszeitraum zu einem den Mittelbedarf potenzierenden Schneeballsystem mutierte, bei dem die Gelder der jeweils letzten Einzahler zur Befriedigung der schon bestehenden Abschichtungsansprüche von Altanlegern verwendet werden mussten (US 146, 799 f), weil über den gesamten inkriminierten Zeitraum lediglich Verluste erwirtschaftet wurden (US 143).

Bei dieser Sachlage wird der Investor bereits mit der widmungswidrigen Verwendung in Höhe des Nominalkapitals geschädigt. Dass die Dotierung der Seriengesellschaft dem Anleger zugleich einen rechnerischen, über die C***** AG gehaltenen, und daher nur dieser gegenüber auch einforderbaren Anteil an der jeweiligen Kommanditgesellschaft vermittelte, konnte angesichts der im Zeitverlauf systembedingt stetig zunehmenden Schmälerung des Deckungsgrades (US 146, 1080) keine im wohlverstandenen Interesse des Machtgebers liegende Gegenleistung darstellen. Der Anleger erwarb vielmehr mit dieser Beteiligung lediglich einen aus dem teils (vgl US 217 f, 264) noch verbliebenen Serienvermögen zu deckenden, im Fall des Konkurses oder der Liquidation der Seriengesellschaften über die ebenfalls im Konkurs befindliche (US 218) C***** AG zu realisierenden Abschichtungsanspruch. Ein solcher im Serienvermögen verbleibender, nur über einen ebenfalls insolventen Treuhänder einforderbarer, aber nicht präsenter und nur einen Bruchteil des Nominales deckender Haftungsfonds ist für die Schadensberechnung unbeachtlich. Dass der Vermögensnachteil ein dauernder sein muss, wird von § 153 StGB nicht vorausgesetzt.

Weder eine - hier ohnehin nicht realistische - Tätererwägung, den Schaden später abdecken zu können, noch eine vom Täter miteingeplante teilweise Schadensreduktion ist für die Berechnung des Anlegerschadens relevant (vgl 15 Os 18/97). Auch wenn die Angeklagten daher mit keinem bleibenden Schaden im Sinne eines das gesamte Nominale umfassenden Vermögensverlustes gerechnet haben sollten, wirkt sich dies in Ansehung der Deliktsverwirklichung nicht schadensmindernd aus (Kienapfel BT II3 § 153 RN 73). Eine in ferner Zukunft liegende und angesichts der ungewissen Dauer bis zum unvermeidlichen Zusammenbruch des Schneeballsystems in immer geringerem Ausmaß mögliche Schadensminderung im Wege der beim Zusammenbruch des Konzerns erzielbaren Konkurs- oder Liquidierungsquoten hat bei der Schadensberechnung demgemäß außer Betracht zu bleiben (vgl 12 Os 53, 54/90).

Damit scheidet auch die von Dr. Go***** subsidiär geforderte Versuchsqualifikation (Z 10) ebenso wie die von Dvw S***** und Georg G***** behauptete Notwendigkeit von Feststellungen über das genaue Ausmaß der Liquidationsquoten aus.

Der von den Angeklagten, insbesondere DDr. R***** und Herbert N*****, relevierten Subsumtionsprüfung primär in Richtung einer - nach Beschwerdeauffassung wegen ungenügender Feststellungen fallspezifisch aber nicht möglichen - Unterstellung des Urteilssachverhaltes unter §§ 146 f StGB ist zu erwidern:

Auch wenn Anklage- und Urteilssachverhalt im Ergebnis von einer Täuschung der Anleger ausgehen, weil sowohl die Organe der Treuhandunternehmen als auch die Geschäftsführer der Direktanlagegesellschaften auf Grund einer sie im besonderen treffenden Rechtspflicht (§ 2 StGB) angesichts des festgestellten Wissens um die nachfolgende schädigende Mittelverwendung den Investoren gegenüber zur Aufklärung über die wahre Sachlage verpflichtet gewesen wären (Kirchbacher/Presslauer in WK2 § 146 Rz 23-26), schränkt dieser Umstand die denkmögliche Subsumtionsbandbreite keineswegs allein auf §§ 146 f StGB ein. Gerade wegen der von massiver Problematisierung jedweder Bereicherungstendenz gekennzeichneten Verfahrenseinlassung der Angeklagten entschied sich die Anklagebehörde vielmehr in ersichtlich zurückhaltender Beurteilung der darauf bezogenen Beweislage rechtsrichtig für die Beurteilungsvariante der Untreue, wofür das Schöffengericht - solcherart mit Orientierung am Anklagevorwurf - alle objektiven und subjektiven Voraussetzungen mängelfrei (siehe unten) feststellte. Eine Verpflichtung des erkennenden Gerichtes, von sich aus den Boden der Anklage zu verlassen und zu dem dort - wie dargelegt gezielt - ausgeklammerten betrugsspezifischen Bereicherungsvorsatz ein Beweisverfahren durchzuführen, ist dem Gesetz nicht zu entnehmen.

Dass die von den Beschwerden hier angestrebte Urteilsaufhebung wegen des insoweit dann offenen Verfahrensausganges auch in Richtung § 148 zweiter Fall StGB als zusätzlich erschwerende Qualifikationsvariante dem Angeklagten gar nicht zum Vorteil gereichte, sei nur der Vollständigkeit halber hinzugefügt.

Entgegen den Einwänden der Angeklagten DDr. R***** und N***** (Z 9 lit a) ist die zur Tatbestandsverwirklichung nach § 153 StGB im Sinne der gesetzesinhärenten Missbrauchstheorie (Leukauf/Steininger Komm3 § 153 RN 2) erforderliche Rechtsmacht zum Abschluss von Verfügungs- und Verpflichtungsgeschäften über fremdes Vermögen nicht ausschließlich der Vollmacht, sondern auch dem Rechtsinstitut der Treuhand eigen:

Einem Treuhänder ist durch Rechtsgeschäft das Vollrecht an den ihm zur Verfügung gestellten Sachen bzw Forderungen übertragen, welches er im Außenverhältnis unter eigenem Namen, im Innenverhältnis beschränkt durch den ihm vom Treugeber erteilten Auftrag, somit in fremdem Interesse, ausüben kann. Solcherart ist er zur Verwaltung (wirtschaftlich) fremden Vermögens berufen. Damit erfüllt auch das Treuhandverhältnis die rechtlichen Ausgangsvoraussetzungen zum Verbrechen der Untreue (Kirchbacher/Presslauer in WK2 § 153 Rz 11; Foregger in Apathy, Die Treuhandschaft, 265 f; Fuchs, StPdG XI, 217; 11 Os 162/95; 14 Os 123/00).

Maßstab für die Zulässigkeit der Befugnisausübung ist die Ausgestaltung des Innenverhältnisses (SSt 56/88). Da im inkriminierten Zeitraum gerade die das Innenverhältnis bestimmende Zielvorstellung der Anleger permanent missachtet wurde, indem die der C***** AG zu treuen Handen überlassenen Gelder im Wege der nach dem Vertriebskonzept des Konzerns dazu vorgesehenen Seriengesellschaften nicht mehr vereinbarungsgemäß zur Investition in Liegenschaften und werthaltige Beteiligungen eingesetzt (US 147), sondern entsprechend den Vorgaben der Holding dem garantierten Beteiligungs- und Zahlungszweck zuwider zur Aufrechterhaltung des Konzerns verwendet und dazu in die UG weitergeleitet wurden (US 145 f, 270 f, 294 f, 314, 328 f), missbrauchten mit der Dotierung der Seriengesellschaften zunächst DDr. R***** und in der Folge Dvw S***** als jeweilige Vorstände der C*****AG wissentlich die dieser Treuhandgesellschaft eingeräumte Befugnis.

Abgesehen davon, dass diese Geldtransfers zumeist ohnehin aktiv über Konten der C***** AG bewirkt wurden (US 145 f, 194 f, 223 f, 863 f, 1079 f) und alle Beteiligten nach einem insoweit von der Konzernholding ausgearbeiteten Gesamtplan vorgingen, womit ein jedenfalls komplex fassbares Verhalten vorliegt, welches zum Vorrang des Tuns führt (Kienapfel/Höpfel AT9 Z 28 Rz 25), wäre selbst ein dieser Treuhandpflicht widerstreitendes bloßes Untätigbleiben bei der Weiterleitung von Geldern über die Seriengesellschaften in die insolvente UG einem Tun gleichwertig und damit tatbestandstauglich, bestand doch die fallbezogen wesentliche Aufgabe des Treuhänders in der - bei einem passiven Verhalten unmöglich gemachten - Kontrolle der Anlagepolitik der Seriengesellschaften.

Dies gilt in gleicher Weise für die Geschäftsführer der Direktanlagegesellschaften, der Serien 20 und 30 (US 79 f und 902 iVm HV-Protokoll 11665 f sowie ON 2368, S 92 und ON 4897, S 243), welche nach den jeweiligen Hausanteilscheinverträgen die Gelder der als stille oder atypisch stille Gesellschafter beteiligten Anleger mit der Treuhandbindung einer entsprechend werthaltigen Anlage übernahmen (US 79 iVm US 498 f) und demnach durch die Weiterleitung dieser Gelder in die UG (vgl etwa US 145, 313 f) wissentlich die im Wege der Direktanlage in diesem Fall der jeweiligen Seriengesellschaft eingeräumte Befugnis missbräuchlich ausübten.

Geschäftsführer der Serien 20 und 30 waren - wie erwähnt - im Wege ihrer jeweiligen Komplementäre zeitweise die Angeklagten Dr. Go***** und N***** (US 471, 491). Die weiters gegen die Gerichtsbesetzung - mit Ausnahme von Georg G***** - von allen Angeklagten erhobenen Einwände (Z 1) sind unzulässig: Die hier aufgeworfene Frage, ob seit dem Inkrafttreten des § 28a GOG, anders als bis dahin (SSt 56/31; 41/71; JBl 1994, 345), die Befassung eines anderen als des nach der konkreten Geschäftsverteilung eines Gerichtes berufenen Richters mit einer Strafsache - von hier nicht in Frage kommenden Sonderfällen abgesehen - Nichtigkeit nach § 281 Abs 1 Z 1 StPO bewirkt, stellt sich im konkreten Fall nicht, weil von den Beschwerden inhaltlich gar keine nicht gehörige Besetzung des Gerichtes dargetan wird:

Auszugehen ist davon, dass weder der Inhalt einer Entscheidung über eine Ausgeschlossenheit anfechtbar ist (§ 22 Abs 1 und 3 GOG iVm §§ 71 Abs 2 bzw 74 Abs 3 StPO; 15 Os 1, 2/00), noch außerhalb der Hauptverhandlung ergangene Beschlüsse über das Vorliegen einer Befangenheit (§ 74 Abs 4 StPO). Gleiches gilt gemäß § 27a Abs 5 GOG für Entscheidungen des Personalsenates im Sinne des Art 87 Abs 3 B-VG, dessen Mitglieder in Ausübung des richterlichen Amtes und damit in unabhängiger Position tätig werden (vgl Piska in Kommentar zum B-VG, Art 83 Abs 3 Rz 27).

Selbst bei hypothetischer Bejahung einer durch § 28a GOG geschaffenen Anfechtungserweiterung auf eine der Geschäftsverteilung widersprechende Gerichtsbesetzung ist es demnach jedenfalls unzulässig, mit § 281 Abs 1 Z 1 StPO eine mit den Rechtsmittelausschlüssen der §§ 71 Abs 2, 74 Abs 3 StPO, § 27a Abs 5 GOG kollidierende Überprüfung solcher richterlicher Verfügungen im Vorfeld der Hauptverhandlung herbeizuführen, die indirekt in die Verteilung des Geschäftsanfalls eingreifen, indem durch den Entscheidungsinhalt ein nach der Geschäftsverteilung an sich berufener Richter von der konkreten Fallbearbeitung wegen Ausschluss-, Befangenheits-, Verhinderungs- oder Überlastungsgründen entbunden wird (vgl 15 Os 73/00).

Die in einer solchen Entscheidung allenfalls ausgesprochene "Zuteilung" des konkreten Straffalls an den nach der Vertretungsregelung der Geschäftsverteilung zuständigen nächstfolgenden Richter ist zwar bloß eine deklarative Klarstellung, die vom unanfechtbaren Entscheidungsinhalt nicht mehr umfasst ist. Angesichts der dargestellten Anfechtungseinschränkung kann sie im Nichtigkeitsverfahren - wenn überhaupt (§ 28a GOG) - aber nur dann bekämpft werden, wenn damit eine Gerichtsbesetzung verfügt wird, die die Vertretungsreihenfolge der Geschäftsverteilung missachtet.

Genau das wird aber von den Beschwerden nicht behauptet.

Mit der Entscheidung vom 16. November 1995 hielt sich der Personalsenat - auch von den Beschwerden konzediert - an die nach der Geschäftsverteilung des Landesgerichtes Salzburg im Zeitpunkt des Anfalls der Strafsache in der Gerichtsabteilung 35 vorgegebene Vertretungsreihenfolge, indem er zunächst auf die beiden Leiter der Geschäftsabteilungen 2 (Dr. S*****) und 6 (Dr. M*****) zurückgriff, welche nach den zuvor durch richterliche, nicht weiter anfechtbare Entscheidungen (§§ 74 StPO, 22 GOG) als befangen oder ausgeschlossen befundenen Richtern zur Vertretung berufen waren. Bei Dr. S***** stellte er allerdings einen Verhinderungsfall wegen einer zuvor am 5. September 1995 bewilligten Karenz fest, die ab 1. Juli 1996 und damit im Zeitpunkt des voraussichtlichen Verhandlungsbeginns wirksam werden sollte. Bei der diesem nachfolgenden Richterin Dr. M***** wiederum nahm das Richterkollegium im Hinblick auf die ihr zu einem früheren Zeitpunkt bewilligte Herabsetzung der Auslastung eine mit dem Anfall der nunmehrigen Strafsache eingetretene Arbeitsüberlastung im Sinne des Art 87 Abs 3 B-VG an, welche der gebotenen zügigen Weiterführung des auch bei Einsatz der vollen Arbeitskraft besonders aufwendigen Verfahrens hindernd im Wege stand. Damit waren die nach der Vertretungsregelung nächstfolgenden Berufsrichter Dr. G***** als Vorsitzender im Zwischenverfahren und für die Hauptverhandlung sowie Dr. P***** als Beisitzer für die Hauptverhandlung vorgegeben. Allein anfechtbare Verstöße gegen die Vertretungsregelung der Geschäftsverteilung lagen damit nicht vor.

Nur der Vollständigkeit halber sei festgehalten, dass entgegen den Beschwerdevorbringen auch eine partielle Verhinderung, wie die Teilauslastung bei Dr. M*****, und die einjährige, wenn auch zum Entscheidungszeitpunkt noch nicht aktuelle Karenz bei Dr. S***** einen gerechtfertigten Grund für eine Entscheidung nach Art 87 Abs 3 B-VG bildet (Piska in Kommentar zum B-VG, Art 87 Abs 3 Rz 37). Im Fall der Richterin Dr. M***** lag mit der evidenten Unmöglichkeit, das Strafverfahren bei einer Teilauslastung in angemessener Dauer zu bewältigen, ein Sonderfall einer Arbeitsüberlastung vor (Piska aaO Rz 40 f).

Soweit mehrere Beschwerdeführer die behauptete nicht gehörige Gerichtsbesetzung auch mit Verfahrensrügen (Z 4) bekämpfen, sind diese wegen der Spezialität des insoweit vorgehenden Nichtigkeitsgrunds nach § 281 Abs 1 Z 1 StPO unzulässig (Mayerhofer StPO4 § 281 Z 4 E 14).

Dass der Präsident des Landesgerichtes Salzburg in seiner Entscheidung vom 14. November 1995 über die von zahlreichen Richtern geltend gemachte Befangenheit oder Ausgeschlossenheit in fallbezogen durchaus realistischer Vorwegnahme eines Vertretungsfalles auch für Dr. S***** und Dr. M***** auf die dann nach der Geschäftsverteilung für den konkreten Straffall zuständigen Richter Dr. G***** und Dr. P***** verwies, blieb ohne Relevanz auf die konstitutiv erst mit der Personalsenatsentscheidung vom 16. November 1995 tatsächlich bestimmte Vertretungsfolge, sodass von einer rückwirkenden Entscheidung, wie sie von Dr. Sch***** behauptetet wird, keine Rede sein kann.

Die weiteren Einwände dieses Angeklagten gegen die Bestellung von Ersatzrichtern und Ersatzschöffen gehen von vornherein ins Leere, da diese am angefochtenen Urteil nicht mitwirkten.

Auf der Basis der dargestellten Rechtslage erweist sich auch das darüber hinausgehende Beschwerdevorbringen des Angeklagten N*****, teilweise auch des Dr. Go***** als unzulässig, mit dem insoferne in widersprüchlicher Argumentation der Sache nach eine Überprüfung der Beschlüsse nach § 74 StPO, § 22 GOG iVm § 74 StPO begehrt wird, als bei den für befangen oder ausgeschlossen erklärten Richtern die dafür herangezogenen Gründe als nicht tragfähig bezeichnet und gleichzeitig genau diese Kriterien

Quelle: Oberster Gerichtshof (und OLG, LG, BG) OGH, http://www.ogh.gv.at
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