TE Dok 2015/7/29 1 Ds 18/14

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Veröffentlicht am 29.07.2015
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Norm

BDG 1979 §43
  1. BDG 1979 § 43 heute
  2. BDG 1979 § 43 gültig ab 10.10.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 143/2024
  3. BDG 1979 § 43 gültig von 31.12.2009 bis 09.10.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 153/2009
  4. BDG 1979 § 43 gültig von 29.05.2002 bis 30.12.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/2002
  5. BDG 1979 § 43 gültig von 01.07.1997 bis 28.05.2002 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 61/1997
  6. BDG 1979 § 43 gültig von 01.01.1980 bis 30.06.1997

Schlagworte

Dienstpflichtverletzung

Text

DISZIPLINARERKENNTNIS

Die Disziplinarkommission beim Bundesministerium für Justiz hat am 26.März 2015 durch den Senatsvorsitzenden VPräsdOLG Dr.Haidacher als Vorsitzenden und durch die weiteren Mitglieder des Disziplinarsenats RidOLG Mag.Redtenbacher und ADir RR Scheucher im Beisein der RiAA DI Maga.Mülllner als Schriftführerin nach der in Gegenwart des Disziplinaranwalts Dr.Kirschenhofer sowie in Anwesenheit des Disziplinarbeschuldigten *** und seiner Vertrauensperson *** durchgeführten öffentlichen Verhandlung zu Recht erkannt:

*** wird vom Vorwurf, er habe am ***, *** Uhr, die allgemeinen Dienstpflichten nach § 43 Abs 1 und Abs 2 BDG 1979, seine dienstlichen Aufgaben unter Beachtung der geltenden Rechtsordnung treu, gewissenhaft, engagiert und unparteiisch mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln aus eigenem zu besorgen und in seinem gesamten Verhalten darauf Bedacht zu nehmen, dass das Vertrauen der Allgemeinheit in die sachliche Wahrnehmung seiner dienstlichen Aufgaben erhalten bleibt, schuldhaft verletzt, indem er im Rahmen der ihm nur für dienstliche Zwecke eingeräumten Befugnis, VJ-Registerabfragen durchzuführen, ohne dienstliche Rechtfertigung mit seinem eigenen Bedienerkennzeichen in die in der VJ-Justiz gespeicherten Daten des Verfahrens AZ *** St ***/*** der Staatsanwaltschaft *** Einsicht genommen hat, *** wird vom Vorwurf, er habe am ***, *** Uhr, die allgemeinen Dienstpflichten nach Paragraph 43, Absatz eins und Absatz 2, BDG 1979, seine dienstlichen Aufgaben unter Beachtung der geltenden Rechtsordnung treu, gewissenhaft, engagiert und unparteiisch mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln aus eigenem zu besorgen und in seinem gesamten Verhalten darauf Bedacht zu nehmen, dass das Vertrauen der Allgemeinheit in die sachliche Wahrnehmung seiner dienstlichen Aufgaben erhalten bleibt, schuldhaft verletzt, indem er im Rahmen der ihm nur für dienstliche Zwecke eingeräumten Befugnis, VJ-Registerabfragen durchzuführen, ohne dienstliche Rechtfertigung mit seinem eigenen Bedienerkennzeichen in die in der VJ-Justiz gespeicherten Daten des Verfahrens AZ *** St ***/*** der Staatsanwaltschaft *** Einsicht genommen hat,

freigesprochen.

RECHTSMITTELBELEHRUNG:

Gegen dieses Disziplinarerkenntnis ist gemäß Art 130 Abs 1 Z 1, 132 Abs 1 Z 1, Abs 5 (iVm § 103 Abs 4 Z 1 BDG 1979) B-VG eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht zulässig. Die Beschwerde ist binnen vier Wochen (§ 7 Abs 4 VwGVG) nach Zustellung des Bescheides schriftlich, telegrafisch oder fernschriftlich bei der Disziplinarkommission beim Bundesministerium für Justiz einzubringen. Die Beschwerde hat folgende Punkte zu enthalten (§ 9 Abs 1 VwGVG):Gegen dieses Disziplinarerkenntnis ist gemäß Artikel 130, Absatz eins, Ziffer eins, 132, Absatz eins, Ziffer eins,, Absatz 5, in Verbindung mit Paragraph 103, Absatz 4, Ziffer eins, BDG 1979) B-VG eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht zulässig. Die Beschwerde ist binnen vier Wochen (Paragraph 7, Absatz 4, VwGVG) nach Zustellung des Bescheides schriftlich, telegrafisch oder fernschriftlich bei der Disziplinarkommission beim Bundesministerium für Justiz einzubringen. Die Beschwerde hat folgende Punkte zu enthalten (Paragraph 9, Absatz eins, VwGVG):

           1. die Bezeichnung des angefochtenen Bescheides,

           2. die Bezeichnung der belangten Behörde,

           3. die Gründe, auf die sich die Behauptung der Rechtswidrigkeit stützt,

           4. das Begehren und

           5. die Angaben, die erforderlich sind, um zu beurteilen, ob die Beschwerde rechtzeitig eingebracht ist.

           Eine rechtzeitig eingebrachte und zulässige Beschwerde gemäß Art 130 Abs 1 Z 1 B-VG hat – sofern eine solche nicht ausgeschlossen wird (§ 13 Abs 2 VwGVG) – aufschiebende Wirkung (§ 13 Abs 1 VwGVG). Eine rechtzeitig eingebrachte und zulässige Beschwerde gemäß Artikel 130, Absatz eins, Ziffer eins, B-VG hat – sofern eine solche nicht ausgeschlossen wird (Paragraph 13, Absatz 2, VwGVG) – aufschiebende Wirkung (Paragraph 13, Absatz eins, VwGVG).

BEGRÜNDUNG:

Zur Person:

Der am *** in *** geborene österreichische Staatsangehörige *** trat am *** in den Dienst der *** für Wien, Niederösterreich und Burgenland ein. Ab dem *** wurde er als vollbeschäftigter Vertragsbediensteter geführt. Mit Wirkung vom *** wurde der Disziplinarbeschuldigte nach § 83 BGD 1979 auf die Planstelle des *** in Wien in der Verwendungsgruppe ***, Dienstzulagengruppe ***, ernannt. Der am *** in *** geborene österreichische Staatsangehörige *** trat am *** in den Dienst der *** für Wien, Niederösterreich und Burgenland ein. Ab dem *** wurde er als vollbeschäftigter Vertragsbediensteter geführt. Mit Wirkung vom *** wurde der Disziplinarbeschuldigte nach Paragraph 83, BGD 1979 auf die Planstelle des *** in Wien in der Verwendungsgruppe ***, Dienstzulagengruppe ***, ernannt.

Im Jahr *** wechselte *** beruflich in den Justizdienst, legte am *** die Kanzleiprüfung (v4) ab und bestand am *** die Fachdienstprüfung (v3) mit dem Kalkül „ausgezeichnet“. Mit Wirkung vom *** wurde er auf eine Planstelle des allgemeinen Verwaltungsdienstes in der Verwendungsgruppe ***, Funktionsgruppe ***, im Planstellenbereich Justizbehörden in den Ländern ernannt. Am *** trat der Disziplinarbeschuldigte den (Kanzlei-) Dienst bei der *** an.

Seit *** wird er zu 100% seiner Arbeitskraft im *** der genannten Staatsanwaltschaft (Jv-Kanzlei) verwendet. In dieser Funktion bezieht er ein monatliches Nettoeinkommen von ca EUR ***. Der Disziplinarbeschuldigte ist *** und hat weder Sorgepflichten noch Schulden.

Zur Sache:

Die Staatsanwaltschaft *** führte zu AZ *** St ***/*** ein Ermittlungsverfahren gegen die *** wegen des Verdachts des Verbrechens des Missbrauchs der Amtsgewalt nach § 302 Abs 1 StGB. Wegen des diesem Ermittlungsverfahren zugrundeliegenden Sachverhalts ist zu *** Ds ***/*** der Disziplinarkommission beim Bundesministerium für Justiz gegen *** auch ein Disziplinarverfahren anhängig, in welchem *** ausgesprochen wurde. Seit diesem Zeitpunkt wurde *** von Frau *** als *** vertreten. In Abwesenheitsfällen der Frau *** wiederum oblag dem Disziplinarbeschuldigten die vertretungsweise Wahrnehmung der Leitung der ***. Die Staatsanwaltschaft *** führte zu AZ *** St ***/*** ein Ermittlungsverfahren gegen die *** wegen des Verdachts des Verbrechens des Missbrauchs der Amtsgewalt nach Paragraph 302, Absatz eins, StGB. Wegen des diesem Ermittlungsverfahren zugrundeliegenden Sachverhalts ist zu *** Ds ***/*** der Disziplinarkommission beim Bundesministerium für Justiz gegen *** auch ein Disziplinarverfahren anhängig, in welchem *** ausgesprochen wurde. Seit diesem Zeitpunkt wurde *** von Frau *** als *** vertreten. In Abwesenheitsfällen der Frau *** wiederum oblag dem Disziplinarbeschuldigten die vertretungsweise Wahrnehmung der Leitung der ***.

Am *** um *** Uhr nahm der Disziplinarbeschuldigte in die VJ-Registerdaten des Verfahrens AZ *** St ***/*** der Staatsanwaltschaft *** Einsicht. Es kann nicht festgestellt werden, dass dieser VJ-Registerabfrage keine dienstliche Notwendigkeit zugrunde lag.

Diese Feststellungen gründen sich auf die Verhandlungsergebnisse, dabei insbesondere auf die konstante und mit dem am *** erstellten Zugriffsprotokoll übereinstimmende Verantwortung des Disziplinarbeschuldigten. Auf der Basis der Angaben des Disziplinarbeschuldigten und seiner Vorgesetzten *** (***) ist nicht auszuschließen, dass dem Disziplinarbeschuldigten die Durchführung der verfahrensgegenständlichen VJ-Registerabfrage zur kurz- und mittelfristigen Personalplanung im Bereich des *** der *** aufgetragen wurde. Demgemäß ist im Zweifel zugunsten des Disziplinarbeschuldigten eine dienstlich unbegründete Durchführung der VJ-Registerabfrage nicht anzunehmen.

Da die Durchführung einer (allenfalls) dienstlich erforderlichen VJ-Registerabfrage keine Dienstpflicht iSd § 43 Abs 1 und Abs 2 BDG 1979 verletzt, ist der Disziplinarbeschuldigte nach § 126 Abs 2 BDG 1979 freizusprechen.Da die Durchführung einer (allenfalls) dienstlich erforderlichen VJ-Registerabfrage keine Dienstpflicht iSd Paragraph 43, Absatz eins und Absatz 2, BDG 1979 verletzt, ist der Disziplinarbeschuldigte nach Paragraph 126, Absatz 2, BDG 1979 freizusprechen.

Lediglich der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass das BDG 1979 eine Bindung der Disziplinarkommission an die von der Staatsanwaltschaft *** im Verfahren AZ *** St ***/*** aus Anlass des Vorgehens nach dem 11. Hauptstück der StPO als geklärt angesehenen Sachverhaltsannahmen nicht vorsieht (§ 95 BDG 1979).Lediglich der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass das BDG 1979 eine Bindung der Disziplinarkommission an die von der Staatsanwaltschaft *** im Verfahren AZ *** St ***/*** aus Anlass des Vorgehens nach dem 11. Hauptstück der StPO als geklärt angesehenen Sachverhaltsannahmen nicht vorsieht (Paragraph 95, BDG 1979).

Zuletzt aktualisiert am

02.10.2015
Quelle: Disziplinarkommissionen, Disziplinaroberkommission, Berufungskommission Dok, https://www.ris.bka.gv.at/Dok
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