RS Vfgh 2009/10/2 B1579/08 ua

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Veröffentlicht am 02.10.2009
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Index

60 Arbeitsrecht
60/03 Kollektives Arbeitsrecht

Norm

B-VG Art7 Abs1 / Verwaltungsakt
B-VG Art83 Abs2
B-VG Art144 Abs1 / Bescheid
EMRK Art6 Abs1 / Tribunal
ArbeitszeitG §4
ArbVG §97, §144, §145, §146
AVG §7, §62 Abs4
Schlichtungsstellen-GeschäftsO, BGBl 444/1987 §7
  1. B-VG Art. 7 heute
  2. B-VG Art. 7 gültig ab 01.08.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 7 gültig von 01.01.2004 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 7 gültig von 16.05.1998 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 68/1998
  5. B-VG Art. 7 gültig von 14.08.1997 bis 15.05.1998 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/1997
  6. B-VG Art. 7 gültig von 01.07.1988 bis 13.08.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  7. B-VG Art. 7 gültig von 01.01.1975 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  8. B-VG Art. 7 gültig von 19.12.1945 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  9. B-VG Art. 7 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 83 heute
  2. B-VG Art. 83 gültig ab 01.02.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2019
  3. B-VG Art. 83 gültig von 01.01.2014 bis 31.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 83 gültig von 29.02.1968 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 73/1968
  5. B-VG Art. 83 gültig von 19.12.1945 bis 28.02.1968 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  6. B-VG Art. 83 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 144 heute
  2. B-VG Art. 144 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  3. B-VG Art. 144 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 144 gültig von 01.01.1991 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 8/1999
  5. B-VG Art. 144 gültig von 01.01.1991 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  6. B-VG Art. 144 gültig von 01.08.1984 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 296/1984
  7. B-VG Art. 144 gültig von 01.08.1981 bis 31.07.1984 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 350/1981
  8. B-VG Art. 144 gültig von 01.07.1976 bis 31.07.1981 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  9. B-VG Art. 144 gültig von 25.12.1946 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  10. B-VG Art. 144 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 144 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. ArbVG § 97 heute
  2. ArbVG § 97 gültig ab 01.01.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 110/2024
  3. ArbVG § 97 gültig von 01.04.2021 bis 31.12.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 61/2021
  4. ArbVG § 97 gültig von 01.01.2011 bis 31.03.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2010
  5. ArbVG § 97 gültig von 23.09.2005 bis 31.12.2010 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 8/2005
  6. ArbVG § 97 gültig von 01.07.2002 bis 22.09.2005 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2002
  7. ArbVG § 97 gültig von 16.05.1998 bis 30.06.2002 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 69/1998
  8. ArbVG § 97 gültig von 01.01.1993 bis 15.05.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 833/1992
  1. AVG § 7 heute
  2. AVG § 7 gültig ab 01.08.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 58/2018
  3. AVG § 7 gültig von 01.01.2008 bis 31.07.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2008
  4. AVG § 7 gültig von 01.02.1991 bis 31.12.2007

Leitsatz

Keine Verletzung verfassungsgesetzlich gewährleisteter Rechte durch einen Bescheid der Schlichtungsstelle betreffend Erlassung einer Betriebsvereinbarung über die Arbeitszeiteinteilung im Betrieb der beschwerdeführenden Gesellschaft; keine Bedenken gegen die Tribunalqualität der Schlichtungsstelle bzw die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit ihrer Mitglieder; keine Willkür bei der zur Schlichtung des Regelungsstreites erforderlichen Interessenabwägung; keine Verletzung im Recht auf ein Verfahren vor dem gesetzlichen Richter mangels Vorliegens einer erzwingbaren Betriebsvereinbarung wegen Erlassung einer Arbeitszeitregelung mit mehrwöchigem Durchrechnungszeitraum

Rechtssatz

Gegenstand der zu B1579/08 erhobenen Beschwerde ist der Bescheid der - mit Bescheid des Präsidenten des Arbeits- und Sozialgerichts Wien vom 08.10.07 zu Jv 3394-07/07 errichteten - Schlichtungsstelle am Arbeits- und Sozialgericht Wien vom 18.06.08 in seiner berichtigten Fassung.

Der Berichtigungsbescheid bildet mit dem von ihm berichtigten Bescheid eine Einheit.

Zurückweisung der gesonderten - nicht gegen die Berichtigung gerichteten - Beschwerde gegen den Berichtigungsbescheid.

Keine Verletzung des Art6 EMRK.

Tribunalqualität der Schlichtungsstellen nach dem ArbVG (vgl VfSlg 15177/1998, 15058/1997).Tribunalqualität der Schlichtungsstellen nach dem ArbVG vergleiche VfSlg 15177 aus 1998,, 15058 aus 1997,).

Keine Bedenken gegen die Ernennung der Mitglieder durch die Parteien bei gleichem Einfluss beider Parteien; Position der Beisitzer rechtlich oder faktisch nicht ungleichgewichtig; Schlichtungsstellen für einen Einzelfall eingerichtet; Ernennung der Mitglieder daher nicht für eine bestimmte Zeit.

Der Ausschluss der Anwendbarkeit von §7 AVG für Beisitzer, die nicht auf Grund der Beisitzerliste nominiert wurden (§146 Abs3 ArbVG, §7 Abs1 Schlichtungsstellen-GeschäftsO) stellt gewissermaßen die notwendige Folge ihrer Ernennung durch die Parteien dar.

Auch keine Bedenken gegen die Regelung, dass der Vorsitzende der Schlichtungsstelle gem §146 Abs1 ArbVG an der Beschlussfassung erst teilnimmt, wenn eine Stimmenmehrheit oder eine einvernehmliche Lösung zwischen den Beisitzern nicht zustande kommt.

Keine Verletzung des Gleichheitsrechtes.

Der angefochtene Bescheid entspricht den allgemeinen Anforderungen an die Schlichtung eines Regelungsstreits iSd §146 Abs2 ArbVG (Ermittlung und Abwägung der Interessen beider Teile; nähere Darlegung der Beweggründe; vgl VfSlg 17472/2005).Der angefochtene Bescheid entspricht den allgemeinen Anforderungen an die Schlichtung eines Regelungsstreits iSd §146 Abs2 ArbVG (Ermittlung und Abwägung der Interessen beider Teile; nähere Darlegung der Beweggründe; vergleiche VfSlg 17472 aus 2005,).

Auf Grund des durchgeführten Ermittlungsverfahrens ist die belangte Behörde jedenfalls denkmöglich davon ausgegangen, dass die beschwerdeführende Gesellschaft durch die Betriebsvereinbarung keine - im Verhältnis zum Interesse der Belegschaft an der Arbeitszeitregelung - übermäßigen wirtschaftlichen, organisatorischen oder sonstigen bedeutenden Nachteile für ihren Betrieb zu erwarten hätte.

Ausreichende Ermittlungstätigkeit zur Frage des wirtschaftlichen Nachteils der Betriebsvereinbarung für den Betrieb (Bezugnahme auf das vorgelegte Geschäftsergebnis und die Situation bei Konkurrenzunternehmen).

Keine Verletzung im Recht auf ein Verfahren vor dem gesetzlichen Richter.

Betriebsvereinbarung auf §97 Abs1 Z2 ArbVG gestützt (nach Erläuterungen zur Regierungsvorlage Ermöglichung der Gestaltung aller Arbeitszeitfragen, soweit nicht durch zwingende gesetzliche oder kollektivvertragliche Bestimmungen Grenzen gesetzt sind). Aus §146 Abs2a ArbVG schließt die belangte Behörde, dass der Gesetzgeber von §97 Abs1 Z2 ArbVG explizit auch sämtliche Arbeitszeitregelungen erfasst wissen wollte, bei welchen durch Kollektivvertrag zugelassen werden kann, dass auf betrieblicher Ebene innerhalb eines mehrwöchigen Zeitraumes die Normalarbeitszeit so verteilt wird, dass sie im wöchentlichen Schnitt die gesetzliche oder kollektivvertragliche Normalarbeitszeitgrenze nicht überschreitet (kollektivvertragliche Ausdehnung des Durchrechnungszeitraumes gem §4 Abs6 ArbeitszeitG). Damit hat die belangte Behörde das Vorliegen einer erzwingbaren Betriebsvereinbarung aber begründet. Ermächtigungen betr wochenübergreifende Durchrechnung der Normalarbeitszeit in allen auf die Dienstverhältnisse bei der beschwerdeführenden Gesellschaft anzuwendenden Kollektivverträgen (betr Metallindustrie und Metallgewerbe).

Entscheidungstexte

  • B 1579/08 ua
    Entscheidungstext VfGH Erkenntnis 02.10.2009 B 1579/08 ua

Schlagworte

Arbeitsverfassung, Schlichtungsstelle, Behördenzusammensetzung, Kollegialbehörde, Befangenheit, Tribunal, fair trial, Arbeitszeit, Behördenzuständigkeit, Bescheidberichtigung

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2009:B1579.2008

Zuletzt aktualisiert am

01.03.2011
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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