RS Vfgh 2010/10/9 U1046/10

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Veröffentlicht am 09.10.2010
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Index

41 Innere Angelegenheiten
41/02 Staatsbürgerschaft, Paß- und Melderecht, Fremdenrecht

Norm

B-VG Art11 Abs2
B-VG Art18 Abs1
EMRK Art2, Art3
EMRK Art8
EMRK Art13
AsylG 2005 §12a Abs2, §22 Abs10, §29 Abs4, §41a
AVG §62 Abs2, Abs3
BVG-Rassendiskriminierung ArtI Abs1
  1. B-VG Art. 11 heute
  2. B-VG Art. 11 gültig ab 01.05.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 47/2024
  3. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2020 bis 30.04.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2019
  4. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  5. B-VG Art. 11 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  6. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2005 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 118/2004
  7. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2005 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2005 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2000
  9. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  10. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2001 bis 31.12.2000 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 508/1993
  11. B-VG Art. 11 gültig von 01.12.2000 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  12. B-VG Art. 11 gültig von 01.12.2000 bis 30.11.2000 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2000
  13. B-VG Art. 11 gültig von 01.07.1994 bis 30.11.2000 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 508/1993
  14. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.1989 bis 30.06.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  15. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.1988 bis 31.12.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 640/1987
  16. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.1985 bis 31.12.1987 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 490/1984
  17. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.1975 bis 31.12.1984 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  18. B-VG Art. 11 gültig von 29.05.1974 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 287/1974
  19. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.1961 bis 28.05.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 148/1960
  20. B-VG Art. 11 gültig von 19.12.1945 bis 31.12.1960 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  21. B-VG Art. 11 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 18 heute
  2. B-VG Art. 18 gültig ab 01.07.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  3. B-VG Art. 18 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 18 gültig von 01.01.2002 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 121/2001
  5. B-VG Art. 18 gültig von 01.01.1999 bis 31.12.2001 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 121/2001
  6. B-VG Art. 18 gültig von 01.01.1999 bis 31.12.1996 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 8/1999
  7. B-VG Art. 18 gültig von 01.01.1997 bis 31.12.1998 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 121/2001
  8. B-VG Art. 18 gültig von 19.12.1945 bis 31.12.1996 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  9. B-VG Art. 18 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. AsylG 2005 § 12a gültig von 01.11.2017 bis 11.06.2026 aufgehoben durch BGBl. I Nr. 39/2026
  2. AsylG 2005 § 12a gültig von 01.11.2017 bis 31.10.2017 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 84/2017
  3. AsylG 2005 § 12a gültig von 20.07.2015 bis 31.10.2017 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 70/2015
  4. AsylG 2005 § 12a gültig von 19.06.2015 bis 19.07.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 70/2015
  5. AsylG 2005 § 12a gültig von 01.01.2014 bis 18.06.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 144/2013
  6. AsylG 2005 § 12a gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/2012
  7. AsylG 2005 § 12a gültig von 01.08.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 144/2013
  8. AsylG 2005 § 12a gültig von 01.07.2011 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 38/2011
  9. AsylG 2005 § 12a gültig von 01.01.2010 bis 30.06.2011 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 122/2009

Leitsatz

Keine Verletzung verfassungsgesetzlich gewährleisteter Rechte durch Aufhebung des faktischen Abschiebeschutzes eines Asylwerbers; kein Verstoß der Regelungen des Asylgesetzes 2005 über den faktischen Abschiebeschutz bei Folgeanträgen gegen das Recht auf eine wirksame Beschwerde und das Rechtsstaatsprinzip

Rechtssatz

Keine Bedenken gegen §12a Abs2 iVm §41a AsylG 2005 im Hinblick auf Art13 EMRK und das rechtsstaatliche Prinzip.Keine Bedenken gegen §12a Abs2 in Verbindung mit §41a AsylG 2005 im Hinblick auf Art13 EMRK und das rechtsstaatliche Prinzip.

Keine einseitige Belastung des Berufungswerbers mit den Folgen einer potentiell unrichtigen Entscheidung wie in VfSlg 14374/1995 und 17340/2004; rechtsstaatliches Asylverfahren im Fall von Folgeanträgen bereits durchgeführt (mit rechtskräftiger negativer Entscheidung und damit verbundener Ausweisung beendet), Refoulement-Prüfung bzw Interessenabwägung daher bereits vor Stellung eines Zweitantrages vorgenommen; Aufhebung des faktischen Abschiebeschutzes daher nur bei Vorliegen einer aufrechten Ausweisung. Prognoseentscheidung über voraussichtliche Antragszurückweisung erforderlich; Sachentscheidung über den Folgeantrag selbst nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Darüber hinaus sind vor Aufhebung des faktischen Abschiebeschutzes und damit vor der möglichen Effektuierung einer Ausweisung erneut eine Refoulement-Prüfung nach Art2 und Art3 EMRK sowie eine Interessenabwägung iSv Art8 EMRK vorzunehmen.Keine einseitige Belastung des Berufungswerbers mit den Folgen einer potentiell unrichtigen Entscheidung wie in VfSlg 14374 aus 1995, und 17340 aus 2004,; rechtsstaatliches Asylverfahren im Fall von Folgeanträgen bereits durchgeführt (mit rechtskräftiger negativer Entscheidung und damit verbundener Ausweisung beendet), Refoulement-Prüfung bzw Interessenabwägung daher bereits vor Stellung eines Zweitantrages vorgenommen; Aufhebung des faktischen Abschiebeschutzes daher nur bei Vorliegen einer aufrechten Ausweisung. Prognoseentscheidung über voraussichtliche Antragszurückweisung erforderlich; Sachentscheidung über den Folgeantrag selbst nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Darüber hinaus sind vor Aufhebung des faktischen Abschiebeschutzes und damit vor der möglichen Effektuierung einer Ausweisung erneut eine Refoulement-Prüfung nach Art2 und Art3 EMRK sowie eine Interessenabwägung iSv Art8 EMRK vorzunehmen.

"Automatische" und rasche Überprüfung der Entscheidung des Bundesasylamtes (BAA) durch den Asylgerichtshof (AsylGH) durch Aktenübermittlung. Der Überprüfung kommt an sich keine aufschiebende Wirkung zu. Jedoch hat der Gesetzgeber mit der - ab Einlangen des Verwaltungsaktes bei der zuständigen Gerichtsabteilung beginnenden - Frist von drei Arbeitstagen, innerhalb derer mit der Effektuierung der Ausweisung zuzuwarten ist, in einem erforderlichen Maß sichergestellt, dass der AsylGH in der Lage ist, den Fall zu prüfen und gegebenenfalls die Entscheidung des BAA zu beheben, bevor es zu einer Abschiebung kommt.

Unbedenklichkeit auch der von der dreitägigen Zuwartefrist abweichenden achtwöchigen Entscheidungsfrist des AsylGH gemäß §41a Abs3 leg cit aufgrund des Inhalts und des Zweckes der Regelung, nämlich die möglichst rasche Erledigung von aussichtslosen Folgeanträgen.

Die gegenüber dem Allgemeinen Verwaltungsverfahren abweichenden Vorschriften des §22 Abs10 Satz 2 AsylG 2005 (betr die Qualifikation der Beurkundung gem §62 Abs2 AVG als schriftliche Ausfertigung des Bescheides des BAA über die Aufhebung des Abschiebeschutzes) und des §29 Abs4 AsylG 2005 sind "erforderlich" iSd Art11 Abs2 B-VG.

Die Anrufbarkeit des VfGH mittels Beschwerde gemäß Art144a B-VG gegen die Entscheidung des AsylGH stellt ein wirksames Rechtsmittel iSv Art13 EMRK dar.

Keine Verletzung des Beschwerdeführers im Recht auf eine wirksame Beschwerde, im Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens sowie im Recht auf Gleichbehandlung von Fremden untereinander.

Ausreichende Auseinandersetzung mit der Frage der Gefährdung des Beschwerdeführers (nigerianischer Staatsangehöriger) und Darstellung der vorgebrachten Integrationsaspekte sowie Einbeziehung in die Interessenabwägung. Vertretbare Annahme des Überwiegens des öffentlichen Interesses an der Beendigung des Aufenthalts von Fremden ohne Aufenthaltstitel über das Interesse am Verbleib im Bundesgebiet (hier: Begründung einer Beziehung mit einer österreichischen Staatsbürgerin und Beginn eines Musikstudiums nach rechtskräftigem Abschluss des Asylverfahrens und nach Ablehnung der Beschwerdebehandlung durch den VwGH).

Entscheidungstexte

Schlagworte

Asylrecht, Fremdenrecht, Ausweisung, Rechtsschutz, Rechtsstaatsprinzip, Verwaltungsverfahren, Bescheiderlassung, Bescheid mündlicher, Bedarfskompetenz, Privat- und Familienleben

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2010:U1046.2010

Zuletzt aktualisiert am

21.11.2011
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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