TE Vfgh Beschluss 2011/6/29 A8/11

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Veröffentlicht am 29.06.2011
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Index

10 Verfassungsrecht
10/07 Verfassungsgerichtshof, Verwaltungsgerichtshof

Norm

B-VG Art137 / ord Rechtsweg
B-VG Art142
AHG §2 Abs3
ZPO §63 Abs1 / Aussichtslosigkeit
  1. B-VG Art. 137 heute
  2. B-VG Art. 137 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  3. B-VG Art. 137 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 137 gültig von 01.01.1998 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/1997
  5. B-VG Art. 137 gültig von 01.01.1991 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  6. B-VG Art. 137 gültig von 25.12.1946 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  7. B-VG Art. 137 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  8. B-VG Art. 137 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 142 heute
  2. B-VG Art. 142 gültig ab 01.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  3. B-VG Art. 142 gültig von 01.01.2017 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 41/2016
  4. B-VG Art. 142 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 41/2016
  5. B-VG Art. 142 gültig von 01.01.2010 bis 30.12.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  6. B-VG Art. 142 gültig von 31.12.2009 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 127/2009
  7. B-VG Art. 142 gültig von 01.01.2005 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 1013/1994
  8. B-VG Art. 142 gültig von 01.01.2004 bis 30.12.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  9. B-VG Art. 142 gültig von 01.01.2001 bis 31.12.2000 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 508/1993
  10. B-VG Art. 142 gültig von 01.01.1995 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 1013/1994
  11. B-VG Art. 142 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  12. B-VG Art. 142 gültig von 21.07.1962 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 205/1962
  13. B-VG Art. 142 gültig von 18.07.1962 bis 20.07.1962 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 215/1962
  14. B-VG Art. 142 gültig von 19.12.1945 bis 17.07.1962 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  15. B-VG Art. 142 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. ZPO § 63 heute
  2. ZPO § 63 gültig ab 01.01.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 96/2011
  3. ZPO § 63 gültig von 01.07.2009 bis 31.12.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 52/2009
  4. ZPO § 63 gültig von 01.01.1998 bis 30.06.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 140/1997
  5. ZPO § 63 gültig von 01.05.1983 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 135/1983

Leitsatz

Abweisung eines Verfahrenshilfeantrags zur Einbringung einer Klage gegen den OGH wegen einer Entschädigung bzw in eventu einer Ministeranklage gegen oberste Organe wegen Aussichtslosigkeit der Rechtsverfolgung

Spruch

Der Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe wird abgewiesen.

Begründung

Begründung:

1. Mit dem vorliegenden Antrag begehrt die Einschreiterin die Bewilligung der Verfahrenshilfe zur Erhebung einer Klage nach Art137 B-VG "gegen den Obersten Gerichtshof wegen Entschädigung 5.000.000,- €" sowie einer "eventuelle[n] Klage nach Art142 B-VG gegen Bundespräsidenten, Bundeskanzler, Vizekanzler".

2. Der Oberste Gerichtshof habe nach dem (ihrer Ansicht nach auf strafbares Verhalten zurückzuführenden) Tod ihres Sohnes mit der Entscheidung vom 11. Dezember 2008, AZ 12 Os 172/08y (über die Feststellung einer Gesetzesverletzung durch das Oberlandesgericht Wien iZm der Zurückweisung eines Fortführungsantrages der Antragstellerin in Bezug auf die Einstellung des den Tod ihres Sohnes betreffenden Ermittlungsverfahrens gegen unbekannte Täter) sowie mit (iZm Delegierungsanträgen ergangenen) Beschlüssen vom 24. August 2010 und vom 28. Dezember 2010, AZ 14 Ns 40/10h und 14 Ns 63/10s, "die Vereitelung der Ermittlungen und der gerechten Entschädigung bewirkt". Ein "Appell" an die Präsidentin des Obersten Gerichtshofes sei erfolglos geblieben.

3. Nach Art137 B-VG erkennt der Verfassungsgerichtshof über vermögensrechtliche Ansprüche an den Bund, die Länder, die Gemeinden und Gemeindeverbände, die weder im ordentlichen Rechtsweg auszutragen noch durch Bescheid einer Verwaltungsbehörde zu erledigen sind.

4. Selbst wenn sich die intendierte Klage nach Art137 B-VG nicht gegen "den OGH", sondern gegen den Bund richten würde, hätte eine derartige Klagsführung vor dem Verfassungsgerichtshof keine Aussicht auf Erfolg:

4.1. Dem Vorbringen der Einschreiterin zu Folge ist der geltend gemachte Schadenersatzanspruch auf behauptetermaßen fehlerhafte Gerichtsentscheidungen bzw. auf fehlerhaftes Vorgehen justizieller Organe zurückzuführen. Die in Aussicht genommene Klage knüpft daher an die Tätigkeit von Vollzugsorganen an.

4.2. Nach ständiger Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes ist über Schadenersatzansprüche grundsätzlich - sei es nach den Bestimmungen des ABGB oder nach jenen des Amtshaftungsgesetzes - im ordentlichen Rechtsweg zu erkennen (vgl. zB VfSlg. 13.079/1992, 16.107/2001). Dass gemäß §2 Abs3 AHG u. a. aus einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes ein Ersatzanspruch nicht abgeleitet werden kann, vermag die - lediglich suppletorische - Zuständigkeit des Verfassungsgerichtshofes nach Art137 B-VG nicht zu begründen. 4.2. Nach ständiger Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes ist über Schadenersatzansprüche grundsätzlich - sei es nach den Bestimmungen des ABGB oder nach jenen des Amtshaftungsgesetzes - im ordentlichen Rechtsweg zu erkennen vergleiche zB VfSlg. 13.079 aus 1992,, 16.107 aus 2001,). Dass gemäß §2 Abs3 AHG u. a. aus einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes ein Ersatzanspruch nicht abgeleitet werden kann, vermag die - lediglich suppletorische - Zuständigkeit des Verfassungsgerichtshofes nach Art137 B-VG nicht zu begründen.

5. Soweit die Einschreiterin zudem "eventuell" eine Klage gemäß Art142 B-VG gegen den Bundespräsidenten, den Bundeskanzler und den Vizekanzler erwägt, wäre diese schon deshalb unzulässig, weil Anklage gegen diese Organe vor dem Verfassungsgerichtshof gemäß Art142 Abs2 B-VG nur durch Beschluss der Bundesversammlung (lita leg.cit.) bzw. des Nationalrats (litb leg.cit.) erhoben werden könnte. Der Einschreiterin fehlt daher die Antragslegitimation.

6. Da die von der Einschreiterin beabsichtigte Rechtsverfolgung vor dem Verfassungsgerichtshof somit offenbar aussichtslos erscheint, musste ihr Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe abgewiesen werden (§63 Abs1 ZPO iVm §35 VfGG). 6. Da die von der Einschreiterin beabsichtigte Rechtsverfolgung vor dem Verfassungsgerichtshof somit offenbar aussichtslos erscheint, musste ihr Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe abgewiesen werden (§63 Abs1 ZPO in Verbindung mit §35 VfGG).

7. Dieser Beschluss konnte gemäß §72 Abs1 ZPO iVm §35 VfGG ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung gefasst werden. 7. Dieser Beschluss konnte gemäß §72 Abs1 ZPO in Verbindung mit §35 VfGG ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung gefasst werden.

Schlagworte

VfGH / Zuständigkeit, VfGH / Klagen, VfGH / Anklage, Amtshaftung, VfGH / Verfahrenshilfe

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2011:A8.2011

Zuletzt aktualisiert am

21.05.2012
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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