TE Vfgh Erkenntnis 1986/9/26 A1/86

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Veröffentlicht am 26.09.1986
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Index

30 Finanzverfassung, Finanzausgleich
30/01 Finanzverfassung

Norm

B-VG Art10 Abs1 Z2
B-VG Art15 Abs1
B-VG Art137 / Klage zw Gebietsk
MRK Art50
F-VG 1948 §2
VfGG §27
VfGG §41
  1. B-VG Art. 10 heute
  2. B-VG Art. 10 gültig ab 01.01.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2019
  3. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2019 bis 31.12.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  4. B-VG Art. 10 gültig von 01.08.2016 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 62/2016
  5. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 115/2013
  6. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 59/2013
  7. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2014 bis 30.04.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  8. B-VG Art. 10 gültig von 01.05.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 59/2013
  9. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.2012 bis 30.04.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  10. B-VG Art. 10 gültig von 01.04.2012 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 12/2012
  11. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2012 bis 31.03.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 58/2011
  12. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.2008 bis 31.12.2011 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  13. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2008 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  14. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2006 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 106/2005
  15. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2005 bis 31.12.2005 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 153/2004
  16. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  17. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1999 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 8/1999
  18. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1995 bis 31.12.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 1013/1994
  19. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.1994 bis 31.12.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 508/1993
  20. B-VG Art. 10 gültig von 31.07.1993 bis 30.06.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 508/1993
  21. B-VG Art. 10 gültig von 01.05.1993 bis 30.07.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
  22. B-VG Art. 10 gültig von 01.05.1993 bis 30.04.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 565/1991
  23. B-VG Art. 10 gültig von 06.06.1992 bis 30.04.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
  24. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.1990 bis 05.06.1992 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 445/1990
  25. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1989 bis 30.06.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  26. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1985 bis 31.12.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 490/1984
  27. B-VG Art. 10 gültig von 01.07.1983 bis 31.12.1984 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 175/1983
  28. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1975 bis 30.06.1983 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  29. B-VG Art. 10 gültig von 29.05.1974 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 287/1974
  30. B-VG Art. 10 gültig von 22.01.1969 bis 28.05.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 27/1969
  31. B-VG Art. 10 gültig von 01.01.1961 bis 21.01.1969 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 148/1960
  32. B-VG Art. 10 gültig von 17.12.1958 bis 31.12.1960 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 271/1958
  33. B-VG Art. 10 gültig von 31.12.1954 bis 16.12.1958 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 8/1955
  34. B-VG Art. 10 gültig von 19.12.1945 bis 30.12.1954 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  35. B-VG Art. 10 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 15 heute
  2. B-VG Art. 15 gültig ab 19.07.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 89/2024
  3. B-VG Art. 15 gültig von 27.02.2024 bis 18.07.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2024
  4. B-VG Art. 15 gültig von 01.02.2019 bis 26.02.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2019
  5. B-VG Art. 15 gültig von 01.01.2014 bis 31.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  6. B-VG Art. 15 gültig von 01.09.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  7. B-VG Art. 15 gültig von 01.09.2012 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 49/2012
  8. B-VG Art. 15 gültig von 01.07.2012 bis 31.08.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  9. B-VG Art. 15 gültig von 01.10.2011 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 60/2011
  10. B-VG Art. 15 gültig von 01.01.2004 bis 30.09.2011 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  11. B-VG Art. 15 gültig von 01.01.1999 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 8/1999
  12. B-VG Art. 15 gültig von 01.07.1983 bis 31.12.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 175/1983
  13. B-VG Art. 15 gültig von 28.04.1975 bis 30.06.1983 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 316/1975
  14. B-VG Art. 15 gültig von 01.01.1975 bis 27.04.1975 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  15. B-VG Art. 15 gültig von 21.07.1962 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 205/1962
  16. B-VG Art. 15 gültig von 18.07.1962 bis 20.07.1962 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 215/1962
  17. B-VG Art. 15 gültig von 01.01.1961 bis 17.07.1962 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 148/1960
  18. B-VG Art. 15 gültig von 19.12.1945 bis 31.12.1960 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 232/1945
  19. B-VG Art. 15 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 137 heute
  2. B-VG Art. 137 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  3. B-VG Art. 137 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 137 gültig von 01.01.1998 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/1997
  5. B-VG Art. 137 gültig von 01.01.1991 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  6. B-VG Art. 137 gültig von 25.12.1946 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  7. B-VG Art. 137 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  8. B-VG Art. 137 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VfGG § 27 heute
  2. VfGG § 27 gültig ab 19.07.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/2024
  3. VfGG § 27 gültig von 01.08.1984 bis 18.07.2024 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 297/1984
  1. VfGG § 41 heute
  2. VfGG § 41 gültig ab 01.03.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VfGG § 41 gültig von 08.02.1958 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 18/1958

Leitsatz

Art137 B-VG; Klage des Bundes gegen das Land Tir. wegen eines Ersatzanspruches; vom EuGH festgestellte Konventionsverletzung in einer Grundverkehrssache (Art6 MRK) und Verpflichtung der belangten Republik Österreich, der Bf. in der Grundverkehrssache gemäß Art50 MRK eine Entschädigung zu leisten; Betrag vorläufig vom Bund ausgelegt; Konventionsverletzung unterlief ausschließlich im Vollzugsbereich des Landes (Art15 Abs1 B-VG), das jedenfalls (auch) für Entschädigungen aufzukommen hat, die aus derartigen rechtswidrigen Vollzugsakten resultieren; Stattgebung der Klage, jedoch kein Kostenzuspruch, da die Kosten nicht ziffernmäßig verzeichnet waren

Spruch

Die beklagte Partei ist schuldig, der klagenden Partei 100000 S samt 4% Zinsen seit 1. März 1985 binnen vierzehn Tagen bei sonstiger Exekution zu bezahlen.

Prozeßkosten werden nicht zugesprochen.

Begründung

Entscheidungsgründe:

1.1.1. Im Rechtsstreit der klagenden Partei Bund, vertreten durch die Finanzprokuratur, wider die beklagte Partei Land Tirol, vertreten durch den Landeshauptmann, wegen Zahlung eines Betrags von 100000 S sA - beim VfGH protokolliert zur Z A1/86 - wurde die Fällung des folgenden Urteils begehrt:

"Die beklagte Partei ist schuldig, der klagenden Partei den Betrag von 100.000 S samt 4% Zinsen seit 1. März 1985 und die Kosten dieses Rechtsstreites binnen vierzehn Tagen bei Exekution zu bezahlen."

1.1.2. In der Klagserzählung heißt es ua.:

"Mit Urteil vom 22. Oktober 1984 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Beschwerdefall Viera Sramek gegen die Republik Österreich eine Verletzung des Art6 EMRK durch die Art der Zusammensetzung der Tiroler Landesgrundverkehrskommission festgestellt und der Beschwerdeführerin gemäß Art50 EMRK eine Entschädigungssumme von 100.000 S zugesprochen. Da sich das Land Tirol zur Bezahlung dieser Summe nicht bereit zeigte, hat das Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten zur Wahrung des Ansehens der Republik Österreich diese Summe am 13. Februar 1985 vorläufig für das Land Tirol ausgelegt, der Beschwerdeführerin überwiesen und das Land Tirol mit Schreiben vom 26. Februar 1985 um Rückersatz ersucht. Der Rückersatzanspruch ist darin begründet, daß die Menschenrechtsverletzung, aus der sich die Ersatzpflicht ergab, im Vollzugsbereich des Landes erfolgte, woraus sich nach Auffassung des Bundes auf Grund des §2 F-VG die Kostentragungspflicht des Landes ergibt ..."

1.2.1. Das Land Tirol als beklagte Partei erstattete eine Klagebeantwortung und beantragte darin die kostenpflichtige Klagsabweisung.

1.2.2. Zur Begründung wurde ua. ausgeführt:

"... Nach §2 F-VG 1948 tragen der Bund und die übrigen Gebietskörperschaften, sofern die zuständige Gesetzgebung nichts anderes bestimmt, den Aufwand, der sich aus der Besorgung ihrer Aufgaben ergibt. Unter 'ihren Aufgaben' iS des §2 F-VG 1948 ist der Bereich der Vollziehung des Bundes und der Länder zu verstehen. Daher ist der Aufwand für die Aufgaben, die in die Vollziehung des Bundes fallen, grundsätzlich vom Bund, der Aufwand für die Vollziehung von Aufgaben, die in der Vollziehung Landessache sind, grundsätzlich von den Ländern zu tragen (in diesem Sinn etwa VfSlg. 935/1928, 2604/1953, 6617/1971, modifiziert durch VfSlg. 9507/1982).

Bei einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen die Republik Österreich handelt es sich um eine Sache der 'äußeren Angelegenheiten ...' iS des Art10 Abs1 Z2 B-VG, somit um eine Sache, die in die Vollziehungszuständigkeit des Bundes fällt. Auch die im Schreiben des Bundesministers für Auswärtige Angelegenheiten vom 26. Februar 1985 angeführte völkerrechtliche Verpflichtung zur Bezahlung der der Beschwerdeführerin zugesprochenen Kosten spricht für diese Auffassung; das Land Tirol war mangels Völkerrechtsfähigkeit nicht am Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte beteiligt.

Wenn man davon ausgeht, daß es sich um eine Angelegenheit der Vollziehungszuständigkeit des Bundes handelt, so ist - mangels einer anderen gesetzlichen Bestimmung - der Bund nach §2 F-VG 1948 zur Tragung der Kosten verpflichtet, auch wenn der Anlaßfall im Bereich der Vollziehung eines Landesgesetzes gelegen ist ...

Der (nicht amtlichen) deutschen Übersetzung der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte vom 22. Oktober 1984 ist zu entnehmen, daß der Tenor dieser Entscheidung dahin ging, daß der belangte Staat der Beschwerdeführerin 100.000 S für 'Kosten und Auslagen' ('costs and expenses') zu bezahlen hat, daß aber im übrigen der Antrag auf 'gerechte Entschädigung' ('just satisfaction') abgewiesen wurde. Bei den der Beschwerdeführerin zugesprochenen 'Kosten und Auslagen' handelt es sich daher nicht um eine Entschädigung, die ihr im Hinblick auf eine rechtswidrige Vollziehung landesrechtlicher Vorschriften zuerkannt wurde und die demnach vom Land zu leisten wäre. Die Verpflichtung, der obsiegenden Verfahrenspartei die ihr zugesprochenen 'Kosten und Auslagen' zu ersetzen, scheint im Gegensatz dazu den Bund zu treffen, weil es sich bei einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte über eine gegen die Republik Österreich gerichtete Beschwerde - wie bereits ausgeführt - um eine 'äußere Angelegenheit' iS des Art10 Abs1 Z2 B-VG handelt ..."

2. Über die Klage wurde erwogen:

2.1.1. Nach Art137 B-VG erkennt der VfGH über vermögensrechtliche Ansprüche an den Bund, die Länder, die Bezirke, die Gemeinden und Gemeindeverbände, die weder im ordentlichen Rechtsweg auszutragen, noch durch Bescheid einer Verwaltungsbehörde zu erledigen sind.

2.1.2. Ein derartiger Anspruch wurde geltend gemacht. Die Klage ist darum zulässig.

2.2.1. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sprach mit Urteil vom 22. Oktober 1984 aus, daß - im Beschwerdefall der Viera Sramek gegen die Republik Österreich (5/1983/61/95) - die personelle Zusammensetzung der Tir. Landesgrundverkehrsbehörde in der dem Rechtsstreit zugrundeliegenden Grundverkehrssache der Bf. die Bestimmung des Art6 MRK verletzt hatte. Zugleich wurde entschieden, daß die belangte Republik Österreich der Bf. gemäß Art50 MRK eine Entschädigung in der Höhe von 100000 S ("for costs and expenses") zu leisten habe. Dieser Betrag, den der Bf. zu bezahlen das Land Tir. sich weigerte, wurde - wie unbestritten blieb - vom Bund "in Wahrung des Ansehens der Republik Österreich" vorläufig ausgelegt.

Nach §2 F-VG haben der Bund und die übrigen Gebietskörperschaften jenen Aufwand zu tragen, der sich aus der Besorgung ihrer Aufgaben ergibt. Die Regelung des Verkehrs mit land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken (sog. Grundverkehr) steht nun gemäß Art15 Abs1 B-VG in Gesetzgebung und Vollziehung den Ländern zu (VfSlg. 2658/1954, 2820/1955, 4027/1961, 5375/1966): Die festgestellte Konventionsverletzung in der Grundverkehrssache der Bf. unterlief also ausschließlich im Vollzugsbereich des Landes (Tir.), das jedenfalls (auch) für Entschädigungen aufzukommen hat, die aus derartigen rechtswidrigen Vollzugsakten resultieren.

Die beklagte Partei wendet ein, es handle sich bei einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof um eine Sache der "äußeren Angelegenheiten" iS des Art10 Abs1 Z2 B-VG, die in die Vollziehungskompetenz des Bundes falle. Dies trifft zwar an sich zu, doch geht es hier nicht um eine prozessuale Kostenentscheidung im Straßburger Gerichtsverfahren, sondern um eine "gerechte Entschädigung" nach Art50 MRK, die der Europäische Gerichtshof der verletzten Partei des dortigen Prozesses - hier: die im Tir. Grundverkehrsverfahren verletzte Viera Sramek - unter bestimmten Voraussetzungen zubilligt. Daß im konkreten Fall "Entschädigung" - und nichts anderes darf der Europäische Gerichtshof in Handhabung des Art50 MRK zuerkennen - nur unter dem Aspekt der "Kosten und Auslagen" (in der Hauptsache für Aufwand vor österreichischen Behörden) gewährt und das Mehrbegehren abschlägig beschieden wurde, vermag daran nichts zu ändern: Zu einer spezifischen Prozeßkostenentscheidung im Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof - in welchem der Bund als Vertreter des Völkerrechtssubjekts Republik Österreich freilich alle Vertretungskosten zu tragen hatte (Art10 Abs1 Z2 B-VG) - wird das ("Entschädigungs-")Erkenntnis nach Art50 MRK dadurch nicht.

2.2.2. Zusammenfassend ergibt sich, daß der vom Bund eingeklagte Ersatzanspruch dem Grund und der Höhe nach zu Recht besteht; dem Klagebegehren war vollinhaltlich stattzugeben.

2.3. Kosten werden nicht zugesprochen, weil der obsiegende Kläger Kosten zwar begehrt, aber nicht ziffernmäßig verzeichnet hatte (vgl. VfSlg. 9280/1981). Wohl besagt §27 VerfGG 1953 idF der Nov. BGBl. 297/1984, daß "regelmäßig anfallende Kosten, insbesondere für den Antrag (die Beschwerde) und für die Teilnahme an Verhandlungen, nicht ziffernmäßig verzeichnet werden" müssen, doch bezieht sich diese Ergänzung des Gesetzes nach Wortlaut und Sinngehalt nicht auf Klagen nach §§37 ff. VerfGG 1953 (vgl. VfGH 1. Oktober 1984, A1/82).2.3. Kosten werden nicht zugesprochen, weil der obsiegende Kläger Kosten zwar begehrt, aber nicht ziffernmäßig verzeichnet hatte vergleiche VfSlg. 9280/1981). Wohl besagt §27 VerfGG 1953 in der Fassung der Nov. Bundesgesetzblatt 297 aus 1984,, daß "regelmäßig anfallende Kosten, insbesondere für den Antrag (die Beschwerde) und für die Teilnahme an Verhandlungen, nicht ziffernmäßig verzeichnet werden" müssen, doch bezieht sich diese Ergänzung des Gesetzes nach Wortlaut und Sinngehalt nicht auf Klagen nach §§37 ff. VerfGG 1953 vergleiche VfGH 1. Oktober 1984, A1/82).

Schlagworte

VfGH / Klagen, Entschädigung (Konventionsverletzung-MRK), Kompetenz Bund - Länder Grundverkehr, Finanzverfassung, Kompetenz Bund - Länder Äußere Angelegenheiten, VfGH / Kosten

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:1986:A1.1986

Dokumentnummer

JFT_10139074_86A00001_00
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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