RS Vfgh 2023/12/5 G265/2023 (G265/2023-9)

JUSLINE Rechtssatz

Veröffentlicht am 05.12.2023
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Index

37/05 Sonstiges

Norm

B-VG Art140 Abs1 Z1 litb
EU-Grundrechte-Charta Art7, Art8
DSG §1
EMRK Art8
Wirtschaftliche Eigentümer RegisterG §10, §10a
Geldwäscherichtlinie 2018/843/EU Art1, Art2, Art5, Art8, Art10, Art11, Art30, Art31
VfGG §7 Abs1
  1. B-VG Art. 140 heute
  2. B-VG Art. 140 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.2008 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  5. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  6. B-VG Art. 140 gültig von 06.06.1992 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
  7. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.1991 bis 05.06.1992 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  8. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1988 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  9. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1976 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  10. B-VG Art. 140 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 140 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VfGG § 7 heute
  2. VfGG § 7 gültig ab 22.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 16/2020
  3. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 21.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2014
  4. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 92/2014
  5. VfGG § 7 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  6. VfGG § 7 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  7. VfGG § 7 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. VfGG § 7 gültig von 01.10.2002 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 123/2002
  9. VfGG § 7 gültig von 01.01.1991 bis 30.09.2002 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 329/1990
  10. VfGG § 7 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 311/1976

Leitsatz

Verstoß des – mit der vom EuGH für ungültig erklärten Bestimmung der Geldwäsche-RL übereinstimmenden – §10 Wirtschaftliche Eigentümer RegisterG betreffend den Zugang der Öffentlichkeit zu Daten aus dem Register gegen §1 DSG iVm Art8 EMRK

Rechtssatz

Gesetzwidrigkeit des §10 Wirtschaftliche Eigentümer RegisterG (WiEReG) idF BGBl I 62/2019. Keine Gesetzwidrigkeit des §10a WiEReG BGBl I 62/2018.Gesetzwidrigkeit des §10 Wirtschaftliche Eigentümer RegisterG (WiEReG) in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 62 aus 2019,. Keine Gesetzwidrigkeit des §10a WiEReG Bundesgesetzblatt Teil eins, 62 aus 2018,.

Der VfGH hegte im Prüfungsbeschluss das Bedenken, dass §10 und §10a WiEReG betreffend die Möglichkeit der öffentlichen Einsicht in das Wirtschaftliche Eigentümer Register für jedermann bzw betreffend die Einschränkung der Einsicht bei Vorliegen von außergewöhnlichen Umständen gegen die verfassungsgesetzlich gewährleisteten Rechte auf Datenschutz gemäß §1 DSG und auf Achtung des Privatlebens gemäß Art8 EMRK sowie gegen die verfassungsgesetzlich gewährleisteten Rechte gemäß Art7 und Art8 GRC verstoßen könnten. Der VfGH hat ausgeführt, dass er bei der Prüfung der Verfassungsmäßigkeit des §10 WiEReG (und des damit in einem Zusammenhang stehenden §10a WiEReG) darauf einzugehen haben werde, ob und inwieweit sich die innerstaatliche Rechtslage von der vom EuGH behandelten Geldwäsche-RL unterscheidet.

In der vom EuGH mit Urteil vom 22.11.2022, C-37/20 und C-601/20, WM ua, für ungültig erkannten Richtlinienbestimmung des Art30 Abs5 Unterabs 1 litc Geldwäsche-RL war vorgesehen, dass alle Mitglieder der Öffentlichkeit Zugang "mindestens" zum Namen, Monat und Jahr der Geburt, zu dem Wohnsitzland und der Staatsangehörigkeit des wirtschaftlichen Eigentümers sowie zu Art und Umfang des wirtschaftlichen Interesses haben müssen. Die im Register zugänglichen Daten waren somit nach dieser Richtlinienbestimmung nicht taxativ festgelegt. §10 WiEReG enthält eine taxative Regelung in Bezug auf jene Daten, die der öffentlichen Einsicht durch jedermann unterliegen. Der Offenlegung unterlagen Daten über den Rechtsträger (Name und Adressmerkmale, Stammzahl und Stammregister, Rechtsform und Information über den Bestandszeitraum des Rechtsträgers) und Daten über direkte bzw indirekte wirtschaftliche Eigentümer (Vor- und Zuname, Geburtsdatum, Staatsbürgerschaft, Wohnsitzland). Aus dem öffentlichen Registerauszug ergaben sich zudem die Art und der Umfang des wirtschaftlichen Interesses eines wirtschaftlichen Eigentümers (Bestehen einer Kapitalbeteiligung, Zugehörigkeit zur obersten Führungsebene bei subsidiären Meldungen, Ausübung einer Funktion bei einem Trust, bei Privatstiftungen, Stiftungen, vergleichbaren juristischen Personen und trustähnlichen Rechtsvereinbarungen sowie Stiftungen und Fonds gemäß Bundes- oder Landesgesetz, Ausüben von Kontrolle). Im Übrigen weichen die Regelungen im Wirtschaftlichen Eigentümer Registergesetz nicht von der vom EuGH für ungültig erklärten Bestimmung der Geldwäsche-RL ab. Nach Auffassung des VfGH stimmen die im Wirtschaftliche Eigentümer Register Gesetz verankerten Regelungen in §10a WiEReG im Wesentlichen mit den Bestimmungen der Geldwäsche-RL überein, welche der EuGH in seinem zitierten Urteil mit zu berücksichtigen hatte.

Da §10 WiEReG mit BGBl I 97/2023 geändert wurde, hat der VfGH festzustellen, dass die Bestimmung verfassungswidrig war. Es reicht aus, die Verfassungswidrigkeit des §10 WiEReG festzustellen. Eine entsprechende Feststellung der Verfassungswidrigkeit des §10a WiEReG in der Fassung BGBl I 62/2018 ist hingegen zur Beseitigung der Verfassungswidrigkeit nicht vonnöten.Da §10 WiEReG mit Bundesgesetzblatt Teil eins, 97 aus 2023, geändert wurde, hat der VfGH festzustellen, dass die Bestimmung verfassungswidrig war. Es reicht aus, die Verfassungswidrigkeit des §10 WiEReG festzustellen. Eine entsprechende Feststellung der Verfassungswidrigkeit des §10a WiEReG in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 62 aus 2018, ist hingegen zur Beseitigung der Verfassungswidrigkeit nicht vonnöten.

(Anlassfall E3129/2022, E v 06.12.2023, Aufhebung des angefochtenen Erkenntnisses).

Entscheidungstexte

Schlagworte

Datenschutz, Privat- und Familienleben, Offenlegungspflicht, EU-Recht Richtlinie, VfGH / Verwerfungsumfang

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2023:G265.2023

Zuletzt aktualisiert am

15.01.2026
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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