RS Vfgh 2025/9/11 E1734/2025

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Veröffentlicht am 11.09.2025
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Index

72/01 Hochschulorganisation

Norm

B-VG Art7 Abs1, Art81c Abs1, Art144 Abs1
StGG Art2
UniversitätsG 2002 §6, §19, §20, §22, §25, §45, §46, §94
DSG
DSGVO Art4, Art6, Art58
Organisationsplan der Universität Mozarteum Salzburg vom 01.03.2023
RL des Rektorats zu den Kommunikations- und Meinungsbildungsprozessen der Departments an der Universität Mozarteum Salzburg vom 25.08.2023
Verhaltenskodex - Code of Conduct der Universität Mozarteum Salzburg vom 14.09.2023 §3
VfGG §7 Abs2
  1. B-VG Art. 7 heute
  2. B-VG Art. 7 gültig ab 01.08.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 7 gültig von 01.01.2004 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 7 gültig von 16.05.1998 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 68/1998
  5. B-VG Art. 7 gültig von 14.08.1997 bis 15.05.1998 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/1997
  6. B-VG Art. 7 gültig von 01.07.1988 bis 13.08.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  7. B-VG Art. 7 gültig von 01.01.1975 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  8. B-VG Art. 7 gültig von 19.12.1945 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  9. B-VG Art. 7 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VfGG § 7 heute
  2. VfGG § 7 gültig ab 22.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 16/2020
  3. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 21.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2014
  4. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 92/2014
  5. VfGG § 7 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  6. VfGG § 7 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  7. VfGG § 7 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. VfGG § 7 gültig von 01.10.2002 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 123/2002
  9. VfGG § 7 gültig von 01.01.1991 bis 30.09.2002 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 329/1990
  10. VfGG § 7 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 311/1976

Leitsatz

Verletzung im Gleichheitsrecht sowie im Recht auf Achtung der Universitätsautonomie durch Verwarnung der beschwerdeführenden Universität wegen Anfertigung einer Audioaufnahme in einer Departmentsitzung; Regelung des Verhaltens der Universitätsangehörigen durch die im Mitteilungsblatt der Universität veröffentlichte – als Verordnung im Sinne der DSGVO zu qualifizierende – Richtlinie des Rektorats zu Kommunikations- und Meinungsbildungsprozessen

Rechtssatz

Die beschwerdeführende Universität wendet sich in ihrer Beschwerde an das BVwG insbesondere auch gegen Spruchpunkt 4. des angefochtenen Bescheides der Datenschutzbehörde, demzufolge die beschwerdeführende Universität wegen einer rechtsgrundlos angefertigten Audioaufnahme in der Departmentsitzung vom 28.11.2023 gemäß Art58 Abs2 litb DSGVO verwarnt wird und bestätigt diesen Ausspruch des Bescheides der Datenschutzbehörde mit folgender tragenden Begründung: Da die – Audioaufzeichnungen einer Departmentsitzung für Zwecke der Protokollierung für zulässig erklärende – Richtlinie des Rektorats zu den Kommunikations- und Meinungsbildungsprozessen der Departments an der Universität – zum maßgeblichen Zeitpunkt – im Mitteilungsblatt der Universität veröffentlicht war, habe das BVwG zu prüfen, ob diese Vorschrift eine Rechtsgrundlage iSd Art6 Abs3 DSGVO darstelle. Dafür sei notwendig, dass es sich bei dieser Vorschrift um eine Rechtsverordnung handle. Dies verneint das BVwG.

Gemäß Art81c Abs1 B?VG handeln öffentliche Universitäten im Rahmen der Gesetze autonom und können Satzungen erlassen. Dieser Satzungsbegriff des Art81c Abs1 Satz 2 B?VG ist weiter als derjenige des §19 Abs1 UG und erfasst alle, soweit im vorliegenden Fall maßgeblich, vom Rektorat oder Senat auf Grund des Art81c Abs1 B?VG bzw auf Grundlage ausdrücklicher Verordnungsermächtigungen im UG erlassene Verordnungen. Schon aus Art81c Abs1 Satz 2 B?VG folgt dabei, dass sich die von der Universität im Rahmen der Gesetze erlassenen Verordnungen vor allem auch an die Universitätsangehörigen richten, ist doch die autonome Regelung ihrer Angelegenheiten ein wesentlicher Grund für die Satzungsautonomie des Art81c Abs1 Satz 2 B?VG.

Die Universitätsangehörigen sind die geradezu typischen Adressaten von Verordnungen des Rektorats oder des Senats, deren Verhalten von den zuständigen Leitungsorganen der Universität in bestimmter Hinsicht geregelt werden soll. Die der Rechtsansicht des BVwG zugrunde liegende Vorstellung, dass eine Rechtsverordnung im konkreten Fall des Rektorats nur vorliegen könne, wenn "externe Dritte" und nicht mehr Angehörige der Universität durch die Regelung berechtigt oder verpflichtet werden, steht damit in offensichtlichem Widerspruch zu Art81c Abs1 Satz 2 B?VG.

Indem das BVwG somit die Bedeutung der Verordnungsermächtigung des Art81c Abs1 Satz 2 B?VG grundsätzlich verkannt hat, hat es sein Erkenntnis mit Willkür belastet.

Das BVwG wird sich im fortgesetzten Verfahren insbesondere mit der Argumentation der beschwerdeführenden Universität (die sie auch schon vor dem BVwG vorgebracht hat) auseinanderzusetzen haben, dass es sich gerade im Hinblick auf Art6 Abs1 lite DSGVO bei der in Rede stehenden Richtlinie des Rektorats um eine Rechtsverordnung handelt, und in diesem Zusammenhang auch zu prüfen haben, ob der Organisationsplan des Rektorats zulässigerweise eine beratende kollegiale Einrichtung "Departmentsitzung" einrichten darf (oder ob die Einrichtung von Kollegialorganen auch beratender Natur dem Senat vorbehalten ist) und weiters warum durch die (Ermächtigung zur Vornahme von) Audioaufzeichnungen zu Zwecken der Protokollierung in Departmentsitzungen der Universität aus den von der Datenschutzbehörde geltend gemachten Gründen gegen die DSGVO verstoßen wird.

Entscheidungstexte

  • E1734/2025
    Entscheidungstext VfGH Erkenntnis 11.09.2025 E1734/2025

Schlagworte

Universität, Hochschulen Organisation, Verordnungsbegriff, Datenschutz

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2025:E1734.2025

Zuletzt aktualisiert am

16.10.2025
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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