RS Vfgh 2024/3/13 G838/2023 ua, V350/2023 ua (G838/2023-21)

JUSLINE Rechtssatz

Veröffentlicht am 13.03.2024
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Index

36 Wirtschaftstreuhänder

Norm

B-VG Art139 Abs1 Z1
B-VG Art140 Abs1 Z1 lita
Abschlussprüfer-AufsichtsG §3, §4, §14, §56, §65
WirtschaftstreuhandberufsG §32, §34, §35
WirtschaftstreuhandberufsG 2017 §21, §22, §23, §236
Fortbildungsrichtlinie Abschlussprüfer (APAB-FRL)
VfGG §7 Abs1
  1. B-VG Art. 139 heute
  2. B-VG Art. 139 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  5. B-VG Art. 139 gültig von 30.11.1996 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 659/1996
  6. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.1991 bis 29.11.1996 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  7. B-VG Art. 139 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  8. B-VG Art. 139 gültig von 21.07.1962 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 205/1962
  9. B-VG Art. 139 gültig von 19.12.1945 bis 20.07.1962 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 139 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 140 heute
  2. B-VG Art. 140 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.2008 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  5. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  6. B-VG Art. 140 gültig von 06.06.1992 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
  7. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.1991 bis 05.06.1992 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  8. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1988 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  9. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1976 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  10. B-VG Art. 140 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 140 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VfGG § 7 heute
  2. VfGG § 7 gültig ab 22.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 16/2020
  3. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 21.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2014
  4. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 92/2014
  5. VfGG § 7 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  6. VfGG § 7 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  7. VfGG § 7 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. VfGG § 7 gültig von 01.10.2002 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 123/2002
  9. VfGG § 7 gültig von 01.01.1991 bis 30.09.2002 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 329/1990
  10. VfGG § 7 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 311/1976

Leitsatz

Aufhebung einer – als Verordnung zu deutenden – Richtlinie der Abschlussprüferaufsichtsbehörde betreffend die kontinuierliche Fortbildung mangels Kundmachung im Bundesgesetzblatt

Rechtssatz

Gesetzwidrigkeit der Richtlinie der Abschlussprüferaufsichtsbehörde über die kontinuierliche Fortbildung (APAB-Fortbildungsrichtlinie – APAB-FRL). Inkrafttreten der Aufhebung mit Ablauf des 30.08.2024. Zurückweisung der Gesetzesprüfungsanträge (wegen zu engen Anfechtungsumfangs angesichts der Bedenken) sowie der Hauptanträge gemäß Art139 B?VG (ebenfalls wegen zu engen Anfechtungsumfangs; es verbliebe ein sprachlich unverständlicher Torso, der inhaltsleer und unanwendbar wäre) des BVwG.

Zur Rechtsqualität der APAB-FRL als Verordnung iSd Art139 B-VG:

Die Abschlussprüferaufsichtsbehörde (APAB) ist gemäß der Verfassungsbestimmung des §3 Abs1 APAG eine Anstalt öffentlichen Rechts mit eigener Rechtspersönlichkeit, die in Ausübung ihres Amtes an keine Weisungen gebunden ist. Nach §14 Abs2 leg cit ist die APAB ermächtigt, Verordnungen zu erlassen. Bei der APAB handelt es sich sohin um eine Verwaltungsbehörde. Die APAB-FRL hat ein Mindestmaß an Publizität erlangt, indem sie im Internet auf der Website der APAB veröffentlicht wurde und dort ohne Zugangsschranken abrufbar ist.

Gemäß §56 Abs6 APAG hat die APAB eine Richtlinie zur kontinuierlichen Fortbildung herauszugeben. Gleichwohl handelt es sich bei der auf diese Bestimmung gestützten APAB?FRL nicht um eine unverbindliche Richtlinie mit schlichten Hinweisen, sondern – entgegen der Intention des Gesetzgebers – um eine Verordnung iSv Art139 B?VG, weil sie normative Anordnungen trifft, die über das APAG hinausgehen. Dies wird insbesondere in §4 Abs2 Z2 und 3 APAB-FRL deutlich, worin die Anrechenbarkeit von Fortbildungsmaßnahmen beschränkt wird: Demnach sind ein facheinschlägiges Selbststudium im Ausmaß von höchstens 10 Stunden und facheinschlägige Tätigkeiten, etwa als Schriftsteller oder Vortragender, im Ausmaß von höchstens 20 Stunden pro Kalenderjahr als Fortbildungsmaßnahmen anrechenbar. Diese Festlegungen sind unmissverständlich imperativ gehalten und richten sich gemäß §2 APAB?FRL an einen nach bestimmten Merkmalen umschriebenen Adressatenkreis. Die APAB-FRL enthält sohin gesetzesergänzende Regelungen, die die Rechtslage der Betroffenen gestalten und auch als Grundlage für die Verhängung von Verwaltungsstrafen gemäß §65 Abs2 Z11 APAG herangezogen werden. Letzteres erfolgt in der Praxis der APAB durch die Erhebung von Tatvorwürfen, die sich in dieser Präzision nur unter Zugrundelegung der APAB-FRL formulieren lassen, weil die Strafbestimmung des §65 Abs2 Z11 APAG nur pauschal auf Verstöße gegen "die Anforderungen gemäß §56 Abs1 bis 3" leg cit Bezug nimmt.

Gesetzwidrigkeit der APAB-FRL mangels Kundmachung im Bundesgesetzblatt:

Bei der APAB-FRL handelt es um eine Verordnung. Gemäß §14 Abs2 letzter Satz APAG sind Verordnungen der APAB im Bundesgesetzblatt kundzumachen. Da eine Kundmachung in dieser Form unterblieben ist, sind die angefochtenen Bestimmungen gesetzwidrig. Gemäß Art139 Abs3 Z3 B?VG hat der VfGH, wenn er im Verordnungsprüfungsverfahren zur Auffassung gelangt, dass die ganze Verordnung in gesetzwidriger Weise kundgemacht wurde, die ganze Verordnung aufzuheben.

Der Gerichtshof sieht keinen Anlass, von Amts wegen ein Verfahren zur Prüfung der Verfassungskonformität der vom BVwG (unzulässigerweise) angefochtenen gesetzlichen Bestimmungen (§56 Abs2 erster und dritter Satz sowie §56 Abs4 zweiter Satz Abschlussprüfer?Aufsichtsgesetz – APAG, in eventu §56 und §65 Abs2 Z11 APAG) einzuleiten, weil dahingehend in Hinblick auf Art18 Abs1 B?VG und Art7 EMRK keine Bedenken bestehen.

Entscheidungstexte

Schlagworte

Verordnung Kundmachung, Wirtschaftstreuhänder, Berufsausbildung, VfGH / Prüfungsgegenstand, VfGH / Prüfungsumfang, VfGH / Verwerfungsumfang, VfGH / Gerichtsantrag, Eventualantrag, Verordnungsbegriff, VfGH / Fristsetzung, Verweisung

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2024:G838.2023

Zuletzt aktualisiert am

04.06.2025
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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