RS Vfgh 2024/12/2 E1380/2024, E1379/2024

JUSLINE Rechtssatz

Veröffentlicht am 02.12.2024
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Index

10/03 Nationalrat, Bundesrat

Norm

B-VG Art7 Abs1 / Gerichtsakt
B-VG Art20 Abs4
B-VG Art30
B-VG Art32
B-VG Art33
B-VG Art52
StGG Art2
GOG NR §14, §21, §22, §52, §89, §90, §91, §92, §93, §94, §95, §96, §97
AuskunftspflichtG §1, §2, §4, §6
VfGG §7 Abs1
  1. B-VG Art. 7 heute
  2. B-VG Art. 7 gültig ab 01.08.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 7 gültig von 01.01.2004 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 7 gültig von 16.05.1998 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 68/1998
  5. B-VG Art. 7 gültig von 14.08.1997 bis 15.05.1998 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/1997
  6. B-VG Art. 7 gültig von 01.07.1988 bis 13.08.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  7. B-VG Art. 7 gültig von 01.01.1975 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  8. B-VG Art. 7 gültig von 19.12.1945 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  9. B-VG Art. 7 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 20 heute
  2. B-VG Art. 20 gültig ab 01.09.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2024
  3. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2023 bis 31.08.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 141/2022
  4. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2022 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  5. B-VG Art. 20 gültig von 01.10.2010 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 50/2010
  6. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2008 bis 30.09.2010 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  7. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.1988 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 285/1987
  8. B-VG Art. 20 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1987 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  9. B-VG Art. 20 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 20 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 30 heute
  2. B-VG Art. 30 gültig ab 01.09.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2024
  3. B-VG Art. 30 gültig von 01.07.2007 bis 31.08.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 27/2007
  4. B-VG Art. 30 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2007 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  5. B-VG Art. 30 gültig von 01.08.1999 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 148/1999
  6. B-VG Art. 30 gültig von 01.01.1995 bis 31.07.1999 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 1013/1994
  7. B-VG Art. 30 gültig von 23.06.1977 bis 31.12.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 323/1977
  8. B-VG Art. 30 gültig von 01.01.1975 bis 22.06.1977 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  9. B-VG Art. 30 gültig von 10.08.1973 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 391/1973
  10. B-VG Art. 30 gültig von 30.07.1969 bis 09.08.1973 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 269/1969
  11. B-VG Art. 30 gültig von 01.07.1961 bis 29.07.1969 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 155/1961
  12. B-VG Art. 30 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1961 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  13. B-VG Art. 30 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 52 heute
  2. B-VG Art. 52 gültig ab 01.09.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2024
  3. B-VG Art. 52 gültig von 01.08.2013 bis 31.08.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  4. B-VG Art. 52 gültig von 01.01.2008 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  5. B-VG Art. 52 gültig von 01.10.1993 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 508/1993
  6. B-VG Art. 52 gültig von 01.07.1961 bis 30.09.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 155/1961
  7. B-VG Art. 52 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1961 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 232/1945
  8. B-VG Art. 52 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VfGG § 7 heute
  2. VfGG § 7 gültig ab 22.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 16/2020
  3. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 21.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2014
  4. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 92/2014
  5. VfGG § 7 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  6. VfGG § 7 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  7. VfGG § 7 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. VfGG § 7 gültig von 01.10.2002 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 123/2002
  9. VfGG § 7 gültig von 01.01.1991 bis 30.09.2002 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 329/1990
  10. VfGG § 7 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 311/1976

Leitsatz

Verletzung im Gleichheitsrecht betreffend die Zurückweisung eines – an den Bundesminister für Finanzen gerichteten – Auskunftsbegehrens eines Nationalratsabgeordneten hinsichtlich eines internen Revisionsberichts zu einer Meinungsumfrage; Recht auf Auskunftserteilung auch für – nicht in ihrer Organstellung handelnde – Abgeordnete des Nationalrates nach dem Auskunftspflichtgesetz

Rechtssatz

Nach Rsp des VfGH sind bestimmte Akte und Verhaltensweisen von Abgeordneten zum Nationalrat der Gesetzgebung zuzurechnen. Insoweit kommt den Abgeordneten eine Organstellung zu. Der VfGH hat in VfSlg 19.112/2010 aus der Systematik des B?VG abgeleitet, dass schriftliche Anfragen eines Abgeordneten zum Nationalrat an einzelne Bundesminister – ebenso wie jene an die Präsidentin des Nationalrates – eine dem Bereich der Gesetzgebung zuzuzählende Tätigkeit eines gesetzgebenden Organs darstellen. Derartige Anfragen sind gemäß §21 Abs3 iVm §22 GOG-NR Gegenstände bzw Bestandteile der Verhandlungen des Nationalrates. Auch ihre Veröffentlichung auf der Homepage des Parlaments ist mit Blick auf die Art30 Abs3, 32, 33 und 52 B?VG iVm den Bestimmungen §§14 Abs8, 21 Abs3, 22, 52, 89, 90, 91 GOG-NR dem Bereich der Gesetzgebung (und nicht der Verwaltung) zuzurechnen.Nach Rsp des VfGH sind bestimmte Akte und Verhaltensweisen von Abgeordneten zum Nationalrat der Gesetzgebung zuzurechnen. Insoweit kommt den Abgeordneten eine Organstellung zu. Der VfGH hat in VfSlg 19.112/2010 aus der Systematik des B?VG abgeleitet, dass schriftliche Anfragen eines Abgeordneten zum Nationalrat an einzelne Bundesminister – ebenso wie jene an die Präsidentin des Nationalrates – eine dem Bereich der Gesetzgebung zuzuzählende Tätigkeit eines gesetzgebenden Organs darstellen. Derartige Anfragen sind gemäß §21 Abs3 in Verbindung mit §22 GOG-NR Gegenstände bzw Bestandteile der Verhandlungen des Nationalrates. Auch ihre Veröffentlichung auf der Homepage des Parlaments ist mit Blick auf die Art30 Abs3, 32, 33 und 52 B?VG in Verbindung mit den Bestimmungen §§14 Abs8, 21 Abs3, 22, 52, 89, 90, 91 GOG-NR dem Bereich der Gesetzgebung (und nicht der Verwaltung) zuzurechnen.

Gemäß Art52 Abs1 B?VG ist der Nationalrat befugt, die Geschäftsführung der Bundesregierung zu überprüfen, deren Mitglieder über alle Gegenstände der Vollziehung zu befragen und alle einschlägigen Auskünfte zu verlangen. Jedes Mitglied des Nationalrates ist überdies befugt, in den Sitzungen des Nationalrates kurze mündliche Anfragen an die Mitglieder der Bundesregierung zu richten.

Nähere Regelungen über das Interpellationsrecht gemäß Art52 B?VG werden – auf der Grundlage des Art52 Abs4 B?VG – für den Nationalrat in den §§90 ff GOG-NR getroffen. Nur solche Anfragen von Abgeordneten stellen eine der Gesetzgebung zuzuzählende Tätigkeit eines gesetzgebenden Organs dar, die in der im B?VG iVm dem GOG-NR vorgezeichneten Weise gestellt werden. Ein Verhalten eines Abgeordneten ist demnach nicht schlechthin immer schon dann der Gesetzgebung zuzuzählen, wenn der Abgeordnete als solcher auftritt.Nähere Regelungen über das Interpellationsrecht gemäß Art52 B?VG werden – auf der Grundlage des Art52 Abs4 B?VG – für den Nationalrat in den §§90 ff GOG-NR getroffen. Nur solche Anfragen von Abgeordneten stellen eine der Gesetzgebung zuzuzählende Tätigkeit eines gesetzgebenden Organs dar, die in der im B?VG in Verbindung mit dem GOG-NR vorgezeichneten Weise gestellt werden. Ein Verhalten eines Abgeordneten ist demnach nicht schlechthin immer schon dann der Gesetzgebung zuzuzählen, wenn der Abgeordnete als solcher auftritt.

Es ist auszuschließen, dass das vom Beschwerdeführer an den Bundesminister für Finanzen gerichtete und explizit auf das Auskunftspflichtgesetz gestützte schriftliche Begehren um Auskunft bzw der in der Folge gestellte Antrag auf Erlassung eines Bescheides gemäß §4 Auskunftspflichtgesetz in einer im B?VG iVm dem GOG-NR vorgezeichneten Weise und damit in Ausübung der Organstellung als Abgeordneter erfolgte. Daran vermag der Umstand, dass der Beschwerdeführer in seinen Schriftsätzen als Abgeordneter aufgetreten ist und auf die Vorbereitung seiner parlamentarischen Tätigkeit verwiesen hat, nichts zu ändern.Es ist auszuschließen, dass das vom Beschwerdeführer an den Bundesminister für Finanzen gerichtete und explizit auf das Auskunftspflichtgesetz gestützte schriftliche Begehren um Auskunft bzw der in der Folge gestellte Antrag auf Erlassung eines Bescheides gemäß §4 Auskunftspflichtgesetz in einer im B?VG in Verbindung mit dem GOG-NR vorgezeichneten Weise und damit in Ausübung der Organstellung als Abgeordneter erfolgte. Daran vermag der Umstand, dass der Beschwerdeführer in seinen Schriftsätzen als Abgeordneter aufgetreten ist und auf die Vorbereitung seiner parlamentarischen Tätigkeit verwiesen hat, nichts zu ändern.

§2 AuskunftspflichtG räumt das Recht auf Auskunftserteilung – in Übereinstimmung mit Art20 Abs4 B?VG – "jedermann" ein. Das Recht auf Auskunft steht damit sowohl natürlichen als auch juristischen Personen zu. Ein Abgeordneter des Nationalrates, der ein Begehren bzw einen Antrag im Sinn des Auskunftspflichtgesetzes stellt, handelt nicht in seiner Organstellung. Insoweit räumt das Auskunftspflichtgesetz einem Abgeordneten wie "jedermann" das Recht ein, ein Auskunftsbegehren einzubringen und, im Fall der Nichterteilung der Auskunft, einen Antrag auf Erlassung eines Bescheides hierüber zu stellen.

Der Subsidiaritätsklausel des §6 AuskunftspflichtG kommt aus diesem Grund im vorliegenden Fall keine Bedeutung zu, weshalb auch die in der Beschwerde dargelegten Bedenken ob der Verfassungsmäßigkeit dieser Bestimmung von vornherein ins Leere gehen. Das BVwG hätte daher das Auskunftsbegehren des (nunmehrigen) Beschwerdeführers gemäß §4 AuskunftspflichtG nicht wegen dessen Stellung als Abgeordneter als nach §6 leg cit unzulässig ansehen dürfen. Da es die Beschwerde jedoch aus diesem Grund abgewiesen hat, hat es seine Entscheidung mit Willkür belastet.

(Vgl E v 02.12.2024, E1379/2024, betreffend die Zurückweisung eines – an den Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung gerichteten – Auskunftsbegehrens eines Nationalratsabgeordneten hinsichtlich der Aufklärung diverser Korruptionsvorwürfe).

Entscheidungstexte

  • E1380/2024
    Entscheidungstext VfGH Erkenntnis 02.12.2024 E1380/2024
  • E1379/2024
    Entscheidungstext VfGH Erkenntnis 02.12.2024 E1379/2024

Schlagworte

Auskunftsrecht, Auskunftspflicht, Bundesminister, Nationalrat, Datenschutz, Entscheidungsbegründung, Parlament, Mandatare, Organ Organwalter

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2024:E1380.2024

Zuletzt aktualisiert am

24.09.2025
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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