RS Vfgh 2023/6/15 G137/2023 (G137/2023-12)

JUSLINE Rechtssatz

Veröffentlicht am 15.06.2023
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Index

60/01 Arbeitsvertragsrecht

Norm

B-VG Art7 Abs1 / Gesetz
B-VG Art140 Abs1 Z1 lita
StGG Art2
Bauarbeiter-SchlechtwetterentschädigungsG §1 Abs5, §4, §6, §8, §12 Abs4
Bauarbeiter-Urlaubs- und AbfertigungsG §1, §2
ArbeitskräfteüberlassungsG §10
Kollektivvertrag vom 10.06.2005 für das Bauhilfsgewerbe betreffend Schlechtwetterregelung
VfGG §7 Abs1, §62 Abs1
  1. B-VG Art. 7 heute
  2. B-VG Art. 7 gültig ab 01.08.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 7 gültig von 01.01.2004 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 7 gültig von 16.05.1998 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 68/1998
  5. B-VG Art. 7 gültig von 14.08.1997 bis 15.05.1998 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/1997
  6. B-VG Art. 7 gültig von 01.07.1988 bis 13.08.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  7. B-VG Art. 7 gültig von 01.01.1975 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  8. B-VG Art. 7 gültig von 19.12.1945 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  9. B-VG Art. 7 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 140 heute
  2. B-VG Art. 140 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.2008 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  5. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  6. B-VG Art. 140 gültig von 06.06.1992 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
  7. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.1991 bis 05.06.1992 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  8. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1988 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  9. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1976 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  10. B-VG Art. 140 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 140 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VfGG § 7 heute
  2. VfGG § 7 gültig ab 22.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 16/2020
  3. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 21.03.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2014
  4. VfGG § 7 gültig von 01.01.2015 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 92/2014
  5. VfGG § 7 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  6. VfGG § 7 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  7. VfGG § 7 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. VfGG § 7 gültig von 01.10.2002 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 123/2002
  9. VfGG § 7 gültig von 01.01.1991 bis 30.09.2002 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 329/1990
  10. VfGG § 7 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 311/1976

Leitsatz

Verstoß der Verpflichtung zur Entrichtung von Schlechtwetterentschädigungsbeiträgen für Stuckateur- und Trockenausbauerbetriebe ausschließlich im Falle der Arbeitskräfteüberlassung gegen den Gleichheitssatz; Ungleichbehandlung mit Stuckateur- und Trockenausbauerbetrieben, die vom Anwendungsbereich des Bauarbeiter-SchlechtwetterentschädigungsG – im Gegensatz zu Arbeitskräfteüberlassungsbetrieben – nicht (mehr) erfasst sind

Rechtssatz

Aufhebung der §1 Abs5 des Bauarbeiter-SchlechtwetterentschädigungsG 1957 (BSchEG), idF BGBl I 113/1998 und des §12 Abs4 letzter Satz leg cit idF BGBl I 68/2014. Fristsetzung: Inkrafttreten mit Ablauf des 30.11.2024.Aufhebung der §1 Abs5 des Bauarbeiter-SchlechtwetterentschädigungsG 1957 (BSchEG), in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 113 aus 1998, und des §12 Abs4 letzter Satz leg cit in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 68 aus 2014,. Fristsetzung: Inkrafttreten mit Ablauf des 30.11.2024.

Ziel des BSchEG ist die Verringerung des Schlechtwetterrisikos im Interesse der Erhaltung der Vollbeschäftigung im Baugewerbe und der Eindämmung der Winterarbeitslosigkeit. Durch das vom Gesetz vorgesehene System von Entgeltfortzahlung und Rückerstattung soll den Arbeitgebern das Offenhalten der Baustellen auch während der Schlechtwetterperioden erleichtert werden, wodurch die Arbeitnehmer vor einer durch die Einstellung von Baustellen bedingten Arbeitslosigkeit bewahrt werden sollen. Die Einbeziehung von Arbeitskräfteüberlassungsbetrieben in das BSchEG erfolgte – obwohl gleichheitsrechtlich nicht geboten –, um für Arbeitnehmer von Arbeitskräfteüberlassungsbetrieben "die Gleichbehandlung mit Bauarbeitern" zu erreichen.

Durch den Verweis in §1 Abs5 und §12 Abs4 letzter Satz BSchEG auf §2 Abs1 lith BUAG ergibt sich jedoch auf Grund des nicht (mehr) deckungsgleichen Anwendungsbereiches der beiden Gesetze eine Ungleichbehandlung von Bauarbeitern, die (bezogen auf den konkreten Fall) in Stuckateur- und Trockenausbauerbetrieben beschäftigt sind: Denn Betriebe der Stuckateure und Trockenausbauer müssen hinsichtlich ihrer eigenen Arbeitnehmer keine Schlechtwetterentschädigungsbeiträge entrichten, wohingegen Arbeitskräfteüberlassungsbetriebe, die Arbeitnehmer an Betriebe der Stuckateure und Trockenausbauer überlassen, zur Entrichtung von Schlechtwetterentschädigungsbeiträgen verpflichtet sind.

Nicht tragfähig ist die Rechtfertigung der Bundesregierung, Arbeitskräfteüberlassungsbetriebe seien im Fall der Überlassung von Arbeitskräften an Betriebe der Stuckateure und Trockenausbauer deshalb weiterhin vom Anwendungsbereich des BSchEG erfasst, um zu verhindern, dass für überlassene Arbeitskräfte keine Schlechtwetterregelungen bestehen (während für die eigenen Arbeitnehmer der Stuckateur- und Trockenausbauerbetriebe auf Grund der kollektivvertraglichen Schlechtwetterregelung ein Anspruch bestehe). Denn gemäß §10 Abs1 AÜG sind sämtliche Entgeltregelungen (§6 Abs2 BSchEG: die Schlechtwetterentschädigung gilt "als Entgelt") des Beschäftiger-Kollektivvertrages auf überlassene Arbeitskräfte anzuwenden. Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern Arbeitnehmer von Arbeitskräfteüberlassungsbetrieben, die an Stuckateur- und Trockenausbauerbetriebe überlassen werden – nur konkret bezogen auf diese sind im Anlassfall Schlechtwetterentschädigungsbeiträge durch die ÖGK vorgeschrieben worden –, stärker vom Schlechtwetterrisiko betroffen wären als eigene Arbeitnehmer von Betrieben der Stuckateur- und Trockenausbauer, zumal beide Arbeitnehmergruppen im selben Betrieb beschäftigt sind. Es handelt sich auch nicht um bloße "Härtefälle": Im vorliegenden Fall sind die beschriebenen Auswirkungen nicht nur zufällige Folge einer an sich sachlichen Regelung im Härtefall, sondern in §1 Abs5 BSchEG und §12 Abs4 letzter Satz BSchEG (durch den Verweis auf §2 Abs1 lith BUAG) gerade angelegt.

Entscheidungstexte

Schlagworte

Bauarbeiter, Verweisung, VfGH / Gerichtsantrag, VfGH / Fristsetzung, VfGH / Verwerfungsumfang, Geltungsbereich (sachlicher) eines Gesetzes, Geltungsbereich (persönlicher) eines Gesetzes, Arbeitsrecht, Anwendbarkeit eines Gesetzes

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2023:G137.2023

Zuletzt aktualisiert am

09.01.2025
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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