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10/11 Vereins- und VersammlungsrechtNorm
EMRK Art11Leitsatz
Verletzung im Recht auf Versammlungsfreiheit durch die Zurückweisung von Versammlungsanzeigen zum Thema Klimagerechtigkeit; Verkennung der maßgeblichen Kriterien für eine Versammlung hinsichtlich der im Rahmen der Klimacamps angebotenen Aktivitäten; Überwiegen des Versammlungscharakters nach Abwägung aller Aspekte wie der räumlichen Nähe der an unterschiedlichen Orten stattfindenden Workshops und Summer Schools, das Abhalten von Debatten und Diskussionen, das Aufstellen von Infotischen sowie die Absicht, die Anwesenden zu einem gemeinsamen Wirken zu bringenRechtssatz
Die im Rahmen der Klimacamps ("Zukunftshof" und Helmut-Zilk-Park ua) angebotenen Workshops dienen weder ausschließlich der Information oder Belehrung der Teilnehmenden, noch steht der Unterhaltungs- bzw Vergnügungscharakter im Vordergrund der Zusammenkünfte. Die Themenschwerpunkte des Versammlungsprogrammes und die Kurzbeschreibung von einigen Workshops belegen vielmehr, dass damit ein kollektives Verhalten in demonstrativem Zusammenwirken zur Betreibung eines gemeinsamen Zieles intendiert ist, sodass eine gewisse Assoziation der Zusammengekommenen entsteht.
Die an unterschiedlichen Orten in räumlicher Nähe zueinander in einem südlichen Bezirk Wiens angezeigten Aktivitäten – ua die Durchführung von Workshops und "Summer Schools", das Abhalten von Debatten und Diskussionen, das Aufstellen von Infotischen und Hissen von Transparenten – und deren Zielsetzung stellen ein kollektives politisches Wirken dar. Mag es auch Elemente einer Veranstaltung geben, überwiegt bei einer Gesamtbetrachtung der vorliegenden Konstellation das gemeinsame Wirken der Zusammengekommenen unter dem Generalthema "Klimagerechtigkeit", sodass im Ergebnis – bei Abwägung aller Aspekte – der Versammlungscharakter der angezeigten Aktivitäten zu bejahen ist.
Indem die Versammlungsbehörde zu Unrecht ihre Zuständigkeit verneint und das Verwaltungsgericht Wien – ohne sich jedoch mit den maßgeblichen Sachverhaltselementen der angezeigten Zusammenkünfte umfassend auseinanderzusetzen – die Zurückweisung der Versammlungsanzeigen durch die LPD Wien bestätigt hat, wurde die Beschwerdeführerin in ihrem verfassungsgesetzlich gewährleisteten Recht auf Versammlungsfreiheit verletzt.
Es ist der pauschaliert bemessene (einfache) Beschwerdeaufwand zuzusprechen, weil es sowohl in zeitlicher als auch in sachverhaltsmäßiger und rechtlicher Hinsicht möglich gewesen wäre, eine gemeinsame Beschwerde gegen mehrere vom Sachverhalt und der rechtlichen Beurteilung her gleichgelagerte Entscheidungen einzubringen.
Entscheidungstexte
Schlagworte
Versammlungsrecht, Veranstaltungswesen, Entscheidungsbegründung, VfGH / Kosten, Klima, UmweltschutzEuropean Case Law Identifier (ECLI)
ECLI:AT:VFGH:2023:E1142.2022Zuletzt aktualisiert am
09.01.2025