Entscheidungsdatum
20.11.2018Norm
AsylG 2005 §10 Abs1 Z3Spruch
W123 2188884-1/9E
IM NAMEN DER REPUBLIK!
Das Bundesverwaltungsgericht erkennt durch den Richter Dr. Michael ETLINGER über die Beschwerde des XXXX , geb. XXXX , StA. Afghanistan, gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom 31.01.2018, Zl. 1090559702-151522903, nach Durchführung einer öffentlich mündlichen Verhandlung zu Recht:Das Bundesverwaltungsgericht erkennt durch den Richter Dr. Michael ETLINGER über die Beschwerde des römisch 40 , geb. römisch 40 , StA. Afghanistan, gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom 31.01.2018, Zl. 1090559702-151522903, nach Durchführung einer öffentlich mündlichen Verhandlung zu Recht:
A)
Die Beschwerde wird als unbegründet abgewiesen.
B)
Die Revision ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig.Die Revision ist gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG nicht zulässig.
Text
ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE:
I. Verfahrensgang:römisch eins. Verfahrensgang:
1. Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger, stellte am 09.10.2015 den gegenständlichen Antrag auf internationalen Schutz.
2. Im Rahmen der am selben Tag durchgeführten Erstbefragung durch ein Organ des öffentlichen Sicherheitsdienstes gab der Beschwerdeführer, befragt zu seinem Fluchtgrund an, dass der Cousin des Beschwerdeführers die Schwester des Beschwerdeführers heiraten wollte, aber der Beschwerdeführer dagegen gewesen wäre. Der Onkel des Beschwerdeführers sei Kommandant bei der afghanischen Armee gewesen. Der Beschwerdeführer habe mit seinem Onkel Probleme bekommen; er habe den Beschwerdeführer geschlagen und auch mit dem Tode bedroht. Einmal, als der Beschwerdeführer zuhause gewesen war, sei der Onkel gekommen und habe den Beschwerdeführer mitnehmen wollen. Der Beschwerdeführer habe aber von zuhause flüchten können. Bei einer Rückkehr in die Heimat habe der Beschwerdeführer Angst vor seinem Onkel.
3. Am 30.11.2017 erfolgte die Einvernahme vor der belangten Behörde.
Die Niederschrift lautet auszugsweise:
[...]
Fluchtgrund
LA: Schildern Sie die Gründe, warum Sie Ihr Heimatland verlassen und einen Asylantrag gestellt haben, detailliert, von sich aus, vollständig und wahrheitsgemäß.
Soweit Sie auf Ereignisse Bezug nehmen, werden Sie auch aufgefordert, den Ort und die Zeit zu nennen, wann diese stattfanden und die Personen, die daran beteiligt waren.
VP: Ich habe familiäre Probleme gehabt. Meine ältere Schwester ist 24 Jahre alt. Die jüngere ist ca. 21 Jahre alt. Mein Bruder ist 19 Jahre und der Ältere ist 26 Jahre alt. Mein Onkel väterlicherseits ist Kommandant. Er wollte meine Schwester seinem Sohn zur Heirat geben. Wir haben die Schwester nicht hergegeben, da sein Sohn nicht in Ordnung ist. Er hat nicht gearbeitet. Er war drogensüchtig und Alkoholiker. Damit wir die Zukunft meiner Schwester nicht zerstören, gaben wir unsere Schwester nicht her. Mein Onkel hat gestritten. Ich bin der Älteste in der Familie. Ich sagte meinem Onkel, dass sein Sohn nicht in Ordnung wäre. Wir haben einander gestritten. Er ging von zuhause raus und sagte, dass ich mit seiner Ehre spiele. Nach dem Streit, ca. 2-3 Monate später, kam ich von der Arbeit gegen 3-4 Uhr heim. Ich war zuhause und unser Haus wurde angegriffen. Sie sind über die Mauer in den Hof gekommen und wollten mich angreifen. Die wollten mir irgendetwas antun, aber ich weiß nicht genau was, da ich entkommen konnte. Ich lief über den Dachweg und sie haben ein paar Mal auf mich geschossen. Ich habe es mitbekommen, dass es von meinem Onkel war. In dieser Nacht bin ich geflüchtet und hab ein Ticket nach XXXX gebucht und bin direkt nach XXXX geflüchtet.VP: Ich habe familiäre Probleme gehabt. Meine ältere Schwester ist 24 Jahre alt. Die jüngere ist ca. 21 Jahre alt. Mein Bruder ist 19 Jahre und der Ältere ist 26 Jahre alt. Mein Onkel väterlicherseits ist Kommandant. Er wollte meine Schwester seinem Sohn zur Heirat geben. Wir haben die Schwester nicht hergegeben, da sein Sohn nicht in Ordnung ist. Er hat nicht gearbeitet. Er war drogensüchtig und Alkoholiker. Damit wir die Zukunft meiner Schwester nicht zerstören, gaben wir unsere Schwester nicht her. Mein Onkel hat gestritten. Ich bin der Älteste in der Familie. Ich sagte meinem Onkel, dass sein Sohn nicht in Ordnung wäre. Wir haben einander gestritten. Er ging von zuhause raus und sagte, dass ich mit seiner Ehre spiele. Nach dem Streit, ca. 2-3 Monate später, kam ich von der Arbeit gegen 3-4 Uhr heim. Ich war zuhause und unser Haus wurde angegriffen. Sie sind über die Mauer in den Hof gekommen und wollten mich angreifen. Die wollten mir irgendetwas antun, aber ich weiß nicht genau was, da ich entkommen konnte. Ich lief über den Dachweg und sie haben ein paar Mal auf mich geschossen. Ich habe es mitbekommen, dass es von meinem Onkel war. In dieser Nacht bin ich geflüchtet und hab ein Ticket nach römisch 40 gebucht und bin direkt nach römisch 40 geflüchtet.
LA: Gibt es noch andere Gründe, warum Sie Afghanistan verlassen haben?
VP: Erstens haben wir in Afghanistan sehr viele Probleme, weil wir Schiiten sind. Wir können nicht in andere Städte oder Provinzen gehen, da Kabul doch nicht sicherer ist. Wenn man in andere Städte reisen will, werden die Autos kontrolliert und als Hazara wird man aufgehalten.
LA: Was würde Sie konkret erwarten, wenn jetzt Sie in Ihren Herkunftsstaat zurückkehren müssten?
VP: Mein Onkel väterlicherseits wird mir irgendetwas antun. Er ist mein Feind.
[...]
LA: Wieso sollte Ihr Onkel Sie töten wollen?
VP: Der Onkel ist der Älteste von unseren Verwandten. Er hat die Tochter seines Bruders seinem Sohn versprochen und hat dies auch seinen Freunden gesagt. Als er mit mir sprach sagte er, dass alle davon Bescheid wüssten. Ich habe niemals zugesagt und fragte ihm, warum er jeden davon erzählt hätte. Da er der Älteste war, nahm er an, dass ich nicht nein sagen würde. Ich wollte aber die Zukunft meiner Schwester nicht zerstören. Er bestand darauf, da er der Ältere war. Ich sollte darüber nachdenken und ich bekam eine Woche Zeit zum Nachdenken. Ich brauche keine Bedenkzeit und gebe meine Schwester nicht seinem Sohn zur Frau.
LA: Wie heißt die betroffene Schwester und wo wohnt diese?
VP: XXXX und lebt in Kabul bei meiner Mutter.VP: römisch 40 und lebt in Kabul bei meiner Mutter.
LA: Wer lebt noch alles dort
VP: Zwei Brüder, 2 Schwestern, meine Frau und meine Mutter.
LA: Wer waren die Leute, welche bei Ihrem Haus über die Mauer kletterten?
VP: Ich kenne diese nicht.
LA: Schildern Sie den Vorfall lebensnahe.
VP: Der Vorfall passierte plötzlich. Nachgefragt: Ich kam von der Arbeit heim und ich war beim Tee trinken. Plötzlich haben die angegriffen und sind über die Hofmauer eingedrungen. Die waren keine Diebe, ihre Gesichter waren verdeckt. Ich bin mir sicher, dass die Leute von meinem Onkel waren. Die Gesichter waren verdeckt, damit mein Onkel keine Probleme am nächsten Tag bekommt.
LA: Ist das Ihre lebensnahe Schilderung über den Vorfall?
VP: Ja.
LA: Haben Sie Kontakt mit Ihrer Familie in Afghanistan?
VP: Ja.
LA: Wo buchten Sie ein Ticket nach XXXX ?LA: Wo buchten Sie ein Ticket nach römisch 40 ?
VP: In Kabul auf der Station wo die Busse nach Kandahar fahren.
LA: Hatten Sie Geld dabei?
VP: Ich habe meine Freunde angerufen und diese brachten mit 2000 Afghani zum Busbahnhof, wo die Busse nach Kandahar fuhren. Mit diesem Geld schaffte ich es nach XXXX . Dort sprach ich mit dem Schlepper und dieser brachte mich in den Iran.VP: Ich habe meine Freunde angerufen und diese brachten mit 2000 Afghani zum Busbahnhof, wo die Busse nach Kandahar fuhren. Mit diesem Geld schaffte ich es nach römisch 40 . Dort sprach ich mit dem Schlepper und dieser brachte mich in den Iran.
LA: Sie gaben an, dass Sie von Kabul direkt nach XXXX gefahren sind, was sagen Sie dazu?LA: Sie gaben an, dass Sie von Kabul direkt nach römisch 40 gefahren sind, was sagen Sie dazu?
VP: Dort stehen die Busse, welche auch nach XXXX fahren. Dort kauft man ein Ticket.VP: Dort stehen die Busse, welche auch nach römisch 40 fahren. Dort kauft man ein Ticket.
LA: Wie konnten Sie die weitere Reise bezahlen, wenn Sie ohne Geld in XXXX standen?LA: Wie konnten Sie die weitere Reise bezahlen, wenn Sie ohne Geld in römisch 40 standen?
VP: Als ich in XXXX ankam, rief ich meine Freunde im Iran an, und erzählte meine Probleme. Die Kosten von dort übernahmen meine Freunde aus dem Iran, welche ich von zuhause kannte.VP: Als ich in römisch 40 ankam, rief ich meine Freunde im Iran an, und erzählte meine Probleme. Die Kosten von dort übernahmen meine Freunde aus dem Iran, welche ich von zuhause kannte.
LA: Haben Sie den Vorfall bei der Polizei angezeigt?
VP: Nein, Nachgefragt: Mein Onkel väterlicherseits ist ein großer Kommandant und hat viel Macht dort. Wenn man ihn anzeigt, dann bringt es nichts.
LA: Wurden Sie persönlich aufgrund Ihrer Volksgruppe oder Religion bedroht?
VP: Nein
LA: Wo ist Ihr Onkel väterlicherseits Kommandant?
VP: Zum Beispiel in XXXX - XXXX . Nachgefragt: Er hat keine bestimmte Position, überall wo Krieg ist geht er hin. Er ist bei der Polizei Kommandant.VP: Zum Beispiel in römisch 40 - römisch 40 . Nachgefragt: Er hat keine bestimmte Position, überall wo Krieg ist geht er hin. Er ist bei der Polizei Kommandant.
LA: Bei der Erstbefragung gaben Sie an, dass Ihr Onkel väterlicherseits Kommandant bei der afghanischen Armee sei, was sagen Sie dazu?
VP: Es ist dasselbe. Es macht keinen Unterschied.
LA: Wurden Ihre Familienangehörige bedroht oder verfolgt?
VP: Nein
LA: Wie geht es Ihrer Familie zuhause (Mutter, Brüder, Schwestern)?
VP: Meine Mutter hat Probleme, sie ist schwach und krank. Den Brüdern sind gesund und arbeiten fleißig. Den Schwestern geht auch gut und sind zuhause und knüpfen Teppich.
LA: Sind Ihre Schwestern verheiratet?
VP: