Entscheidungsdatum
16.10.2018Norm
AsylG 2005 §3 Abs1Spruch
W261 2192079-1/12E
IM NAMEN DER REPUBLIK!
Das Bundesverwaltungsgericht erkennt durch die Richterin Mag. Karin Gastinger, MAS als Einzelrichterin über die Beschwerde von XXXX , geboren am XXXX , Staatsangehörigkeit Afghanistan, gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl, Regionaldirektion Niederösterreich, vom 13.03.2018, Zahl XXXX , nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 13.09.2018 zu Recht:Das Bundesverwaltungsgericht erkennt durch die Richterin Mag. Karin Gastinger, MAS als Einzelrichterin über die Beschwerde von römisch 40 , geboren am römisch 40 , Staatsangehörigkeit Afghanistan, gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl, Regionaldirektion Niederösterreich, vom 13.03.2018, Zahl römisch 40 , nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 13.09.2018 zu Recht:
A)
I. Die Beschwerde wird hinsichtlich Spruchpunkt I des angefochtenen Bescheides als unbegründet abgewiesen.römisch eins. Die Beschwerde wird hinsichtlich Spruchpunkt römisch eins des angefochtenen Bescheides als unbegründet abgewiesen.
II. Der Beschwerde gegen Spruchpunkt II. des angefochtenen Bescheides wird stattgegeben und XXXX wird gemäß § 8 Abs. 1 Z. 1 AsylG 2005 der Status des subsidiär Schutzberechtigten in Bezug auf seinen Herkunftsstaat Afghanistan zuerkannt.römisch zwei. Der Beschwerde gegen Spruchpunkt römisch zwei. des angefochtenen Bescheides wird stattgegeben und römisch 40 wird gemäß Paragraph 8, Absatz eins, Ziffer eins, AsylG 2005 der Status des subsidiär Schutzberechtigten in Bezug auf seinen Herkunftsstaat Afghanistan zuerkannt.
III. Gemäß § 8 Abs. 4 AsylG 2005 wird XXXX eine befristete Aufenthaltsberechtigung als subsidiär Schutzberechtigter bis zum 16.10.2019 erteilt.römisch drei. Gemäß Paragraph 8, Absatz 4, AsylG 2005 wird römisch 40 eine befristete Aufenthaltsberechtigung als subsidiär Schutzberechtigter bis zum 16.10.2019 erteilt.
B)
Die Revision ist nicht zulässig.
Text
ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE
I. Gang des Verfahrens:römisch eins. Gang des Verfahrens:
Der Beschwerdeführer (in der Folge BF), ein afghanischer Staatsbürger, reiste nach eigenen Angaben am 30.01.2016 irregulär in Österreich ein und stellte am selben Tag einen Antrag auf internationalen Schutz.
Am 30.01.2016 erfolgte die Erstbefragung durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes in Anwesenheit einer Dolmetscherin in der Sprache Dari. Dabei gab der BF an, afghanischer Staatsangehöriger und schiitischer Moslem zu sein, und der Volksgruppe der Hazara anzugehören. Er sei am XXXX geboren worden. Seinen Fluchtgrund betreffend führte er aus, er wolle nicht im Krieg sterben. Derzeit herrsche in Afghanistan Krieg, und es würden täglich sehr viele Schiiten sterben.Am 30.01.2016 erfolgte die Erstbefragung durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes in Anwesenheit einer Dolmetscherin in der Sprache Dari. Dabei gab der BF an, afghanischer Staatsangehöriger und schiitischer Moslem zu sein, und der Volksgruppe der Hazara anzugehören. Er sei am römisch 40 geboren worden. Seinen Fluchtgrund betreffend führte er aus, er wolle nicht im Krieg sterben. Derzeit herrsche in Afghanistan Krieg, und es würden täglich sehr viele Schiiten sterben.
Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl veranlasste aufgrund von Zweifeln an den Altersangaben des BF in weiter Folge eine Altersfeststellung des BF. In dem aufgrund einer persönlichen Untersuchung des BF erstellten medizinischen Sachverständigengutachten vom XXXX kommt der medizinische Sachverständige kurz zusammengefasst zu dem Ergebnis, dass das höchstmögliche Mindestalter des BF zum Untersuchungszeitpunkt am XXXX mit 17,4 Jahren anzunehmen sei, woraus sich das errechnete "fiktive" Geburtsdatum XXXX ergebe. Es könne damit zum Zeitpunkt der Asylantragstellung am 30.01.2016 von einem Mindestalter von 17,16 Jahren ausgegangen werden.Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl veranlasste aufgrund von Zweifeln an den Altersangaben des BF in weiter Folge eine Altersfeststellung des BF. In dem aufgrund einer persönlichen Untersuchung des BF erstellten medizinischen Sachverständigengutachten vom römisch 40 kommt der medizinische Sachverständige kurz zusammengefasst zu dem Ergebnis, dass das höchstmögliche Mindestalter des BF zum Untersuchungszeitpunkt am römisch 40 mit 17,4 Jahren anzunehmen sei, woraus sich das errechnete "fiktive" Geburtsdatum römisch 40 ergebe. Es könne damit zum Zeitpunkt der Asylantragstellung am 30.01.2016 von einem Mindestalter von 17,16 Jahren ausgegangen werden.
Am 12.03.2018 erfolgte die niederschriftliche Einvernahme des BF vor dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, Regionaldirektion Niederösterreich (in der Folge BFA oder belangte Behörde), im Beisein einer Dolmetscherin für die Sprache Dari. Dabei gab er an, seine Familie stamme aus der Provinz Bamyan, seine Eltern hätten Afghanistan jedoch schon vor etwa 20 Jahren verlassen, den Grund dafür kenne er nicht. Er selbst sei in XXXX im Iran geboren und sei in der Gegend XXXX im Iran aufgewachsen. Der BF habe im Iran fünf Jahre eine afghanische Schule besucht, im Alter von 12 Jahren habe er zu arbeiten begonnen und verschiedenste Hilfsarbeiten auf Baustellen verrichtet. Die Eltern des BF, sowie ein Onkel mütterlicherseits und eine Tante und ein Onkel väterlicherseits würden weiterhin im Iran leben, in Afghanistan habe er keine Verwandten. Er habe den Iran aufgrund seines illegalen Aufenthaltsstatus verlassen. Im Iran gebe es keine Zukunft. Er habe keine Schule besuchen und nicht frei unterwegs sein dürfen. Er habe nicht in eine andere Stadt fahren oder seine Verwandten besuchen dürfen. Iraner würden Afghanen grundlos beleidigen, der BF habe auch oft gesehen, wie Iraner Afghanen geschlagen hätten. Der BF sei zwei Mal von der Polizei festgenommen worden, einmal sei er wieder freigelassen worden, das zweite Mal sei er nach Afghanistan abgeschoben worden. Er sei nach Herat abgeschoben worden, anschließend sei er aus Nimroz mit einem Schlepper wieder zurück in den Iran gekommen. In Afghanistan habe man ihn bestehlen wollen, in einem Schlepperquartier in Nimroz habe er auch Angst gehabt, dass man ihn entführe oder sonst etwas mit ihm mache. Nach seinen Fluchtgründen befragt gab der BF an, er habe in Afghanistan niemanden. Die Leute dort würden anders sprechen als er. Er kleide und verhalte sich anders. Außerdem sei es in Afghanistan nicht sicher, davor würde er sich am meisten fürchten. Im Rahmen der Einvernahme legte der BF Integrationsunterlagen vor.Am 12.03.2018 erfolgte die niederschriftliche Einvernahme des BF vor dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, Regionaldirektion Niederösterreich (in der Folge BFA oder belangte Behörde), im Beisein einer Dolmetscherin für die Sprache Dari. Dabei gab er an, seine Familie stamme aus der Provinz Bamyan, seine Eltern hätten Afghanistan jedoch schon vor etwa 20 Jahren verlassen, den Grund dafür kenne er nicht. Er selbst sei in römisch 40 im Iran geboren und sei in der Gegend römisch 40 im Iran aufgewachsen. Der BF habe im Iran fünf Jahre eine afghanische Schule besucht, im Alter von 12 Jahren habe er zu arbeiten begonnen und verschiedenste Hilfsarbeiten auf Baustellen verrichtet. Die Eltern des BF, sowie ein Onkel mütterlicherseits und eine Tante und ein Onkel väterlicherseits würden weiterhin im Iran leben, in Afghanistan habe er keine Verwandten. Er habe den Iran aufgrund seines illegalen Aufenthaltsstatus verlassen. Im Iran gebe es keine Zukunft. Er habe keine Schule besuchen und nicht frei unterwegs sein dürfen. Er habe nicht in eine andere Stadt fahren oder seine Verwandten besuchen dürfen. Iraner würden Afghanen grundlos beleidigen, der BF habe auch oft gesehen, wie Iraner Afghanen geschlagen hätten. Der BF sei zwei Mal von der Polizei festgenommen worden, einmal sei er wieder freigelassen worden, das zweite Mal sei er nach Afghanistan abgeschoben worden. Er sei nach Herat abgeschoben worden, anschließend sei er aus Nimroz mit einem Schlepper wieder zurück in den Iran gekommen. In Afghanistan habe man ihn bestehlen wollen, in einem Schlepperquartier in Nimroz habe er auch Angst gehabt, dass man ihn entführe oder sonst etwas mit ihm mache. Nach seinen Fluchtgründen befragt gab der BF an, er habe in Afghanistan niemanden. Die Leute dort würden anders sprechen als er. Er kleide und verhalte sich anders. Außerdem sei es in Afghanistan nicht sicher, davor würde er sich am meisten fürchten. Im Rahmen der Einvernahme legte der BF Integrationsunterlagen vor.
Die belangte Behörde wies in weiterer Folge den Antrag des BF auf internationalen Schutz mit dem im Spruch genannten Bescheid vom 13.03.2018 bezüglich der Zuerkennung des Status des Asylberechtigten in Spruchpunkt I. gemäß § 3 Abs. 1 iVm § 2 Abs. 1 Z 13 AsylG 2005, und bezüglich der Zuerkennung des Status des subsidiär Schutzberechtigten in Bezug auf den Herkunftsstaat Afghanistan in Spruchpunkt II. gemäß § 8 Abs. 1 iVm § 2 Abs. 1 Z 13 leg. cit. ab. Weiters erteilte die belangte Behörde dem BF keinen Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen gemäß § 57 leg. cit. (Spruchpunkt III.), erließ ihm gegenüber gemäß § 10 Abs. 1 Z 3 leg. cit. iVm § 9 BFA-VG eine Rückkehrentscheidung gemäß § 52 Abs. 2 Z 2 FPG (Spruchpunkt IV.) und stellte gemäß § 52 Abs. 9 leg. cit. fest, dass seine Abschiebung nach Afghanistan gemäß § 46 leg. cit. zulässig sei (Spruchpunkt V.). Schließlich sprach die belangte Behörde aus, dass gemäß § 55 Abs. 1 bis 3 leg. cit. die Frist für die freiwillige Ausreise 14 Tage ab Rechtskraft der Rückkehrentscheidung betrage (Spruchpunkt VI.).Die belangte Behörde wies in weiterer Folge den Antrag des BF auf internationalen Schutz mit dem im Spruch genannten Bescheid vom 13.03.2018 bezüglich der Zuerkennung des Status des Asylberechtigten in Spruchpunkt römisch eins. gemäß Paragraph 3, Absatz eins, in Verbindung mit Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 13, AsylG 2005, und bezüglich der Zuerkennung des Status des subsidiär Schutzberechtigten in Bezug auf den Herkunftsstaat Afghanistan in Spruchpunkt römisch zwei. gemäß Paragraph 8, Absatz eins, in Verbindung mit Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 13, leg. cit. ab. Weiters erteilte die belangte Behörde dem BF keinen Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen gemäß Paragraph 57, leg. cit. (Spruchpunkt römisch drei.), erließ ihm gegenüber gemäß Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 3, leg. cit. in Verbindung mit Paragraph 9, BFA-VG eine Rückkehrentscheidung gemäß Paragraph 52, Absatz 2, Ziffer 2, FPG (Spruchpunkt römisch vier.) und stellte gemäß Paragraph 52, Absatz 9, leg. cit. fest, dass seine Abschiebung nach Afghanistan gemäß Paragraph 46, leg. cit. zulässig sei (Spruchpunkt römisch fünf.). Schließlich sprach die belangte Behörde aus, dass gemäß Paragraph 55, Absatz eins bis 3 leg. cit. die Frist für die freiwillige Ausreise 14 Tage ab Rechtskraft der Rückkehrentscheidung betrage (Spruchpunkt römisch sechs.).
Die belangte Behörde führte begründend aus, dass der BF keine persönliche Verfolgung in Afghanistan vorgebracht habe. Es liege keine allgemeine Gefährdungslage in Bezug auf seine Herkunftsprovinz oder für Gesamt-Afghanistan allgemein vor. Der BF sei jung, gesund und arbeitsfähig. Im Falle einer Rückkehr sei es ihm daher zuzumuten, selbst für seinen Lebensunterhalt aufzukommen. Ein schützenswertes Privat- und Familienleben liege nicht vor.
Mit Verfahrensanordnung vom 13.03.2018 teilte die belangte Behörde dem BF mit, dass er verpflichtet sei, ein Rückkehrberatungsgespräch in Anspruch zu nehmen. Mit Verfahrensanordnung vom selben Tag stellte die belangte Behörde dem BF den Verein Menschenrechte Österreich als Rechtsberater amtswegig zur Seite.
Mit Eingabe vom 06.04.2018 erhob der BF, bevollmächtigt vertreten durch den Verein Menschenrechte Österreich, Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (in der Folge BVwG). Darin brachte er vor, die Behörde habe mangelhafte Feststellungen getroffen, es sei gänzlich außer Acht gelassen worden, dass der BF zum Zeitpunkt seiner Flucht aus Afghanistan ein Kind gewesen sei. Die Feststellung der Behörde, dass dem BF eine Rückkehr jedenfalls in die Stadt Kabul zumutbar sei, sei nicht nachvollziehbar. Da er die meiste Zeit seines Lebens im Iran verbracht habe, verfüge der BF über keine Sozialisierung in Afghanistan. Für Rückkehrer, die ihr Leben im Iran verbracht haben, sei eine Rückkehr mit erheblichen Schwierigkeiten und Diskriminierungen verbunden und daher unzumutbar. Die Sicherheitslage habe sich verschlechtert, die Bevölkerung Kabuls steige und die Versorgungskapazitäten würden durch die Binnenflüchtlinge und zwangsweise Rückführungen aus Pakistan und dem Iran vor immer größere Herausforderungen gestellt werden. Der BF habe keine sozialen Anknüpfungspunkte in Afghanistan und verfüge somit über kein Auffangnetz. Eine Rückkehr nach Afghanistan sei unter diesen Voraussetzungen nicht zumutbar. Der BF bemühe sich, sich in Österreich zu integrieren, was auch die Unterlagen, die er bei der niederschriftlichen Einvernahme vorgelegt habe, bestätigen würden. Er habe einen österreichischen Freundeskreis aufgebaut. Der Beschwerde wurden Integrationsunterlagen angeschlossen.
Die belangte Behörde legte den Aktenvorgang mit Schreiben vom 09.04.2018 dem BVwG vor, wo dieser am 11.04.2018 einlangte.
Mit Fax vom 04.07.2018 teilte der Verein Menschenrechte Österreich mit, dass die Vollmacht vom BF widerrufen worden sei.
Am 13.09.2018 fand vor dem BVwG eine öffentliche mündliche Verhandlung im Beisein einer Dolmetscherin für die Sprache Dari statt, zu der der BF persönlich gemeinsam mit seiner Rechtsvertreterin der Caritas, welcher er jedoch keine Zustellvollmacht erteilte, erschien. Die belangte Behörde verzichtete mit Schreiben vom 09.04.2018 auf die Teilnahme an der mündlichen Verhandlung.
Der BF führte in dieser mündlichen Beschwerdeverhandlung zu seinen persönlichen Verhältnissen aus. Dabei brachte er im Wesentlichen vor, was er bereits in der niederschriftlichen Einvernahme vor dem BFA ausgesagt hatte. In der Beschwerde sei fälschlicherweise angeführt, der BF sei als kleines Kind von Afghanistan in den Iran eingereist, tatsächlich sei der BF jedoch in der Stadt XXXX im Iran geboren. Die Familie des BF stamme aus dem Distrikt Yakawlang in der Provinz Bamyan, diese Region sei Ende der 1990er Jahre Schauplatz mehrerer Massaker gewesen, an denen mehrere teils iranisch-schiitische Milizen und Kämpfer der Taliban beteiligt gewesen seien. Die Rechtsvertreterin des BF habe ihn aus diesem Grund aufgefordert, bei seinem Vater nachzufragen, ob dieser vielleicht bei damals vom Iran unterstützten Hazara-Milizen militärisch tätig gewesen sei. Der Anführer der damaligen Hezbe-Wadat habe seine ideologische Ausbildung nämlich in der Stadt XXXX erhalten. Der BF habe daraufhin seinen Vater angerufen und zu den Vorfällen befragt. Die Eltern des BF hätten ihm erzählt, dass es einen Bürgerkrieg geben habe, in dem sein Vater gefangen genommen und misshandelt worden sei. Man habe ihm zwei oder drei seiner Zehennägel herausgezogen, sein Bein und seinen Arm gebrochen, und er habe am ganzen Körper Flecken gehabt. Er sei auch mit dem Tod bedroht worden, würde er wiederkommen, weshalb die Familie in den Iran gegangen sei. Der Vater des BF habe aus diesem Grund psychische Beschwerden. Der BF habe bis dahin von den Vorfällen nichts gewusst, seine Eltern hätten ihm nichts darüber erzählt, weil sie nicht gewollt haben, dass seine Psyche darunter leide. Der Vater habe dem BF bis dahin zur Ursache seiner Verletzungen gesagt, er habe sich diese bei der Arbeit zugezogen. Der BF zeigte dem Gericht Fotos seines Vaters, auf welchen seine zum Teil verstümmelten und fehlenden Zehen zu sehen sind. Weiters legte der BF ein Schreiben einer Psychotherapeutin vor, in welchem diese beim BF eine Traumafolgestörung diagnostiziert habe. Die Therapeutin sei im Verein " XXXX " tätig, in dem Psychotherapeuten mit Flüchtlingen arbeiten und spielerisch die traumatischen Erlebnisse aufarbeiten würden. Befragt, was dem BF bei seiner Abschiebung vom Iran nach Afghanistan passiert sei, und ob dies auch ein Grund sei, warum der BF nicht nach Afghanistan zurückwolle, habe der BF angegeben, dass man ihn in Nimroz vergewaltigen habe wollen. Sie hätten Geld von ihm gewollt und ihn entführen wollen. Er fürchte sehr, dass dies im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan wieder passieren könne. Der BF legte im Rahmen der Beschwerdeverhandlung weitere Integrationsunterlagen vor.Der BF führte in dieser mündlichen Beschwerdeverhandlung zu seinen persönlichen Verhältnissen aus. Dabei brachte er im Wesentlichen vor, was er bereits in der niederschriftlichen Einvernahme vor dem BFA ausgesagt hatte. In der Beschwerde sei fälschlicherweise angeführt, der BF sei als kleines Kind von Afghanistan in den Iran eingereist, tatsächlich sei der BF jedoch in der Stadt römisch 40 im Iran geboren. Die Familie des BF stamme aus dem Distrikt Yakawlang in der Provinz Bamyan, diese Region sei Ende der 1990er Jahre Schauplatz mehrerer Massaker gewesen, an denen mehrere teils iranisch-schiitische Milizen und Kämpfer der Taliban beteiligt gewesen seien. Die Rechtsvertreterin des BF habe ihn aus diesem Grund aufgefordert, bei seinem Vater nachzufragen, ob dieser vielleicht bei damals vom Iran unterstützten Hazara-Milizen militärisch tätig gewesen sei. Der Anführer der damaligen Hezbe-Wadat habe seine ideologische Ausbildung nämlich in der Stadt römisch 40 erhalten. Der BF habe daraufhin seinen Vater angerufen und zu den Vorfällen befragt. Die Eltern des BF hätten ihm erzählt, dass es einen Bürgerkrieg geben habe, in dem sein Vater gefangen genommen und misshandelt worden sei. Man habe ihm zwei oder drei seiner Zehennägel herausgezogen, sein Bein und seinen Arm gebrochen, und er habe am ganzen Körper Flecken gehabt. Er sei auch mit dem Tod bedroht worden, würde er wiederkommen, weshalb die Familie in den Iran gegangen sei. Der Vater des BF habe aus diesem Grund psychische Beschwerden. Der BF habe bis dahin von den Vorfällen nichts gewusst, seine Eltern hätten ihm nichts darüber erzählt, weil sie nicht gewollt haben, dass seine Psyche darunter leide. Der Vater habe dem BF bis dahin zur Ursache seiner Verletzungen gesagt, er habe sich diese bei der Arbeit zugezogen. Der BF zeigte dem Gericht Fotos seines Vaters, auf welchen seine zum Teil verstümmelten und fehlenden Zehen zu sehen sind. Weiters legte der BF ein Schreiben einer Psychotherapeutin vor, in welchem diese beim BF eine Traumafolgestörung diagnostiziert habe. Die Therapeutin sei im Verein " römisch 40 " tätig, in dem Psychotherapeuten mit Flüchtlingen arbeiten und spielerisch die traumatischen Erlebnisse aufarbeiten würden. Befragt, was dem BF bei seiner Abschiebung vom Iran nach Afghanistan passiert sei, und ob dies auch ein Grund sei, warum der BF nicht nach Afghanistan zurückwolle, habe der BF angegeben, dass man ihn in Nimroz vergewaltigen habe wollen. Sie hätten Geld von ihm gewollt und ihn entführen wollen. Er fürchte sehr, dass dies im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan wieder passieren könne. Der BF legte im Rahmen der Beschwerdeverhandlung weitere Integrationsunterlagen vor.
Das erkennende Gericht legte dem BF in der mündlichen Beschwerdeverhandlung das aktuelle Länderinformationsblatt der Staatendokumentation mit Stand 11.09.2018 vor. Dem BF wurde die Bedeutung dieser Berichte erklärt, insbesondere, dass auf Grund dieser Berichte die Feststellungen zu seinem Herkunftsstaat getroffen werden, sowie deren Zustandekommen. Dem BF wurde eine Frist zur schriftlichen Stellungnahme eingeräumt.
Der BF gab mit Eingabe vom 05.10.2018, durch seine bevollmächtigte Vertretung eine Stellungnahme ab, mit welcher die bereits in der mündlichen Beschwerdeverhandlung gezeigten Fotos der Folterverletzungen des Vaters des BF vorgelegt wurden. Weiters wurden Fotos, die den Vater des BF als Flickschuster bzw. Schuhputzer in den Straßen von XXXX zeigen, vorgelegt. Der BF legte zum weiteren Nachweis seiner psychischen Erkrankung einen psychologischen Befund vor, in welchem eine bestehende und behandlungsbedürftige Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert werde. Die Psychologin hält darin auch ihre Beobachtung fest, wonach der BF über die traumatisierenden Erlebnisse in Afghanistan nicht sprechen möchte. Laut Stellungnahme vom 05.10.2018 ergebe sich aus dem psychologischen Befund auch, dass der BF weiterhin therapeutische Unterstützung im täglichen Leben brauche, und wohl ohne diese aufgrund seiner Diagnose in seiner sozialen und beruflichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei. In der Herkunftsprovinz des BF, Bamyan, im Distrikt Yakawlang, stehe eine solche Behandlung nicht zur Verfügung. Der BF müsste wohl nach Kabul reisen, was angesichts der dortigen, die Schwelle von Artikel 3 EMRK übersteigenden Sicherheitslage, aber auch wegen der immanenten Gefährdung, die der BF ausgesetzt wäre, wenn er die von den Taliban kontrollierten Straßen nach Kabul oder in andere Großstädte Afghanistans benutzen müsste, wohl nicht zumutbar sei. Die psychische Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen im täglichen Leben müssten in Anbetracht der bereits bisher geltenden VwGH-Judikatur jedenfalls dazu führen, dass eine innerstaatliche Fluchtalternative in welcher Großstadt Afghanistans auch immer für den BF nicht gegeben sei. Es werde auf die aktuelle UNHCR-Einschätzung zur Verletzung von Artikel 3 EMRK in Bezug auf Kabul verwiesen. Auch in Bezug auf andere Großstädte in Afghanistan verweise derselbe Bericht darauf, dass kaum Städte von Angriffen und Attentaten durch Antiregierungsgruppen verschont würden. Laut UNHCR seien gerade ZivilistInnen im Rahmen ihrer alltäglichen jobbezogenen und sozialen Aktivitäten im urbanen Raum dem Risiko solcher Gewalt ausgesetzt. Des Weiteren weise das UNHCR auf die extrem hohe Anzahl von Binnenvertriebenen in den Provinzhauptstädten hin, die zu zunehmender Konkurrenz um Ressourcen führe, sowie auf die Rekorddürre unter anderem in Herat und Balkh (Hauptstadt Mazar-e Sharif), infolge derer die Landwirtschaft zusammenbreche. Die Situation werde weiters durch fast zwei Millionen RückkehrerInnen aus Iran und Pakistan weiter extrem belastet. Der BF verfüge über keinerlei soziales Netzwerk in Afghanistan, von dem er sich die überlebensnotwendige Unterstützung holen könnte. UNHCR halte ein solches, soziales Netzwerk für grundsätzlich unerlässlich, wobei Ausnahmen bei alleinstehenden gesunden Männern (und verheirateten Paaren) nur in speziellen Umständen und nur ohne spezifische Vulnerabilitäten möglich seien. Der BF sei aber, wie oben dargelegt, psychisch erkrankt und behandlungsbedürftig.Der BF gab mit Eingabe vom 05.10.2018, durch seine bevollmächtigte Vertretung eine Stellungnahme ab, mit welcher die bereits in der mündlichen Beschwerdeverhandlung gezeigten Fotos der Folterverletzungen des Vaters des BF vorgelegt wurden. Weiters wurden Fotos, die den Vater des BF als Flickschuster bzw. Schuhputzer in den Straßen von römisch 40 zeigen, vorgelegt. Der BF legte zum weiteren Nachweis seiner psychischen Erkrankung einen psychologischen Befund vor, in welchem eine bestehende und behandlungsbedürftige Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert werde. Die Psychologin hält darin auch ihre Beobachtung fest, wonach der BF über die traumatisierenden Erlebnisse in Afghanistan nicht sprechen möchte. Laut Stellungnahme vom 05.10.2018 ergebe sich aus dem psychologischen Befund auch, dass der BF weiterhin therapeutische Unterstützung im täglichen Leben brauche, und wohl ohne diese aufgrund seiner Diagnose in seiner sozialen und beruflichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei. In der Herkunftsprovinz des BF, Bamyan, im Distrikt Yakawlang, stehe eine solche Behandlung nicht zur Verfügung. Der BF müsste wohl nach Kabul reisen, was angesichts der dortigen, die Schwelle von Artikel 3 EMRK übersteigenden Sicherheitslage, aber auch wegen der immanenten Gefährdung, die der BF ausgesetzt wäre, wenn er die von den Taliban kontrollierten Straßen nach Kabul oder in andere Großstädte Afghanistans benutzen müsste, wohl nicht zumutbar sei. Die psychische Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen im täglichen Leben müssten in Anbetracht der bereits bisher geltenden VwGH-Judikatur jedenfalls dazu führen, dass eine innerstaatliche Fluchtalternative in welcher Großstadt Afghanistans auch immer für den BF nicht gegeben sei. Es werde auf die aktuelle UNHCR-Einschätzung zur Verletzung von Artikel 3 EMRK in Bezug auf Kabul verwiesen. Auch in Bezug auf andere Großstädte in Afghanistan verweise derselbe Bericht darauf, dass kaum Städte von Angriffen und Attentaten durch Antiregierungsgruppen verschont würden. Laut UNHCR seien gerade ZivilistInnen im Rahmen ihrer alltäglichen jobbezogenen und sozialen Aktivitäten im urbanen Raum dem Risiko solcher Gewalt ausgesetzt. Des Weiteren weise das UNHCR auf die extrem hohe Anzahl von Binnenvertriebenen in den Provinzhauptstädten hin, die zu zunehmender Konkurrenz um Ressourcen führe, sowie auf die Rekorddürre unter anderem in Herat und Balkh (Hauptstadt Mazar-e Sharif), infolge derer die Landwirtschaft zusammenbreche. Die Situation werde weiters durch fast zwei Millionen RückkehrerInnen aus Iran und Pakistan weiter extrem belastet. Der BF verfüge über keinerlei soziales Netzwerk in Afghanistan, von dem er sich die überlebensnotwendige Unterstützung holen könnte. UNHCR halte ein solches, soziales Netzwerk für grundsätzlich unerlässlich, wobei Ausnahmen bei alleinstehenden gesunden Männern (und verheirateten Paaren) nur in speziellen Umständen und nur ohne spezifische Vulnerabilitäten möglich seien. Der BF sei aber, wie oben dargelegt, psychisch erkrankt und behandlungsbedürftig.
Das BVwG führte am 11.09.2018 eine Auskunft im Strafregister durch, wonach für den BF im Strafregister der Republik Österreich keine Verurteilung aufscheint.
Das BVwG führte am selben Tag eine Abfrage im Betreuungsinformationssystem durch, wonach der BF seit seiner Ankunft in Österreich Leistungen aus der vorübergehenden Grundversorgung bezieht.
Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen:
1. Feststellungen:
o Zur Person des Beschwerdeführers:
Der BF trägt den Namen XXXX und ist in XXXX , Iran geboren. Er ist Staatsangehöriger von Afghanistan, Angehöriger der Volksgruppe der Hazara und schiitischer Muslim. Das Geburtsdatum wird mit XXXX festgelegt.Der BF trägt den Namen römisch 40 und ist in römisch 40 , Iran geboren. Er ist Staatsangehöriger von Afghanistan, Angehöriger der Volksgruppe der Hazara und schiitischer Muslim. Das Geburtsdatum wird mit römisch 40 festgelegt.
Die Muttersprache des BF ist Dari. Er spricht auch Farsi und etwas Deutsch.
Die Eltern des BF haben Ende der 1990-er Jahre Afghanistan aufgrund des Bürgerkrieges in der Herkunftsprovinz Bamyan verlassen. Der Vater des BF wurde damals gefangen genommen, bedroht und gefoltert.
Die Familie des BF hielt sich illegal im Iran auf.
Die Familie des BF besteht aus seinem Vater XXXX und seiner Mutter XXXX , welche weiterhin im Iran leben. Sein Vater arbeitet als Flickenschuster und Schuhputzer auf der Straße. Der BF hat auch noch zwei Onkel und eine Tante im Iran. Der BF steht in regelmäßigem telefonischen Kontakt mit seiner Familie.Die Familie des BF besteht aus seinem Vater römisch 40 und seiner Mutter römisch 40 , welche weiterhin im Iran leben. Sein Vater arbeitet als Flickenschuster und Schuhputzer auf der Straße. Der BF hat auch noch zwei Onkel und eine Tante im Iran. Der BF steht in regelmäßigem telefonischen Kontakt mit seiner Familie.
Der BF hat keine Verwandten in Afghanistan.
Der BF besuchte im Iran einige Jahre lang eine afghanische Schule im Iran. Er hat keine Berufsausbildung. Seit seinem 12. Lebensjahr arbeitete der BF als Hilfsarbeiter, vor allem auf Baustellen.
Der BF ist ledig und hat keine Kinder.
Der BF ist grundsätzlich arbeitsfähig. Er leidet an einer Traumafolgestörung bzw. Posttraumatischen Belastungsstörung. Er leidet unter Schlafstörungen, sich aufdrängenden Erinnerungen und Konzentrationsstörungen. Er neigt zu Dissoziationen, leidet unter großem Stress, einer nervösen Unruhe und einem unbestimmten Angstgefühl. Der BF versucht, Erinnerungen zu vermeiden, in dem er das Alleinsein vermeidet, und sobald er allein ist, ständig Musik hört. Ihm wird eine psychotherapeutische Behandlung empfohlen.
Der BF reiste Ende 2015 aus dem Iran aus und gelangte über die Türkei, Griechenland und weitere Staaten nach Österreich, wo er am 30.01.2016 illegal einreiste und einen Antrag auf internationalen Schutz stellte.
o Zu den Fluchtgründen des Beschwerdeführers
Der BF hat den Iran aufgrund seines illegalen Aufenthaltsstatus und den damit verbundenen Schwierigkeiten und Diskriminierungen sowie der Angst vor einer weiteren Abschiebung nach Afghanistan verlassen.
Der BF war in seinem Herkunftsstaat Afghanistan keiner aus politischen, ethnischen, religiösen oder sonstigen Gründe konkret gegen ihn als Person gerichteten psychischen und/oder physischen Gewalt ausgesetzt, und es droht ihm mit maßgeblicher Wahrscheinlichkeit keine solche Verfolgung.
Der BF hat im Fall einer Rückkehr in seinen Herkunftsstaat Afghanistan keine konkret gegen seine Person gerichtete Verfolgung von staatlicher oder privater Seite zu befürchten.
Dem BF droht konkret auf Grund der Tatsache, dass er sich einen Großteil seines bisherigen Lebens im Iran sowie in Europa aufgehalten hat im Falle seiner Rückkehr nach Afghanistan, in Afghanistan keine psychische und/oder physische Gewalt. Dem BF droht bei einer Rückkehr nach Afghanistan auf Grund seiner "westlichen Wertehaltung" keine psychische und/oder physische Gewalt.
o Zum (Privat)Leben des Beschwerdeführers in Österreich:
Der BF befindet sich seit seiner Antragstellung im August 2015 auf Grund einer vorübergehenden Aufenthaltsberechtigung nach dem AsylG 2005 durchgehend rechtmäßig im Bundesgebiet. Er bezieht seit seiner Einreise Leistungen aus der vorübergehenden Grundversorgung.
Der BF besuchte Deutschkurse, derzeit auf Niveau B1, und verfügt über gute Kenntnisse der deutschen Sprache. Der BF besucht ein Jugendcollege. Er plant den Hauptschulabschluss zu machen und würde gerne Arzt werden. Der BF ist Mitglied in einem Fußballverein. In seiner Freizeit spielt der BF Fußball und trifft sich mit Freunden. Neben Freundschaften konnten keine weiteren substantiellen Anknüpfungspunkte im Bereich des Privatlebens des BF in Österreich festgestellt werden.
Der BF ist in Österreich strafrechtlich unbescholten.
o Zu einer möglichen Rückkehr des Beschwerdeführers in den Herkunftsstaat:
Dem BF ist eine Rückkehr und (Wieder-)Ansiedlung in seine Herkunftsprovinz Bamyan oder in eine andere Provinz Afghanistans aufgrund seiner individuellen Umstände nicht zumutbar. Der BF verfügt in Afghanistan über kein familiäres oder soziales Netzwerk, mit dessen Unterstützung er - trotz seiner psychischen Krankheit - eine Existenzgrundlage aufbauen könnte. Der BF ist im Iran geboren, hat sich - bis auf einige Tage nach seiner Abschiebung aus dem Iran - nie in Afghanistan aufgehalten und ist mit den örtlichen und infrastrukturellen Gegebenheiten sowie den dortigen Lebensgewohnheiten nicht vertraut. Er ist als Hazara und schiitischer Moslem, der ein Dari mit einem iranischen Akzent spricht, mit maßgeblicher Wahrscheinlichkeit Diskriminierungen ausgesetzt. Bedingt durch seine Krankheit und durch den Umstand, dass der BF im Iran sozialisiert ist, wird es für ihn, im Vergleich zur übrigen dort lebenden Bevölkerung, ungleich schwieriger sein, eine Wohnung und einen Arbeitsplatz zu finden, und sich seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.
Die beim BF vorgenommene Einzelfallprüfung ergibt, dass aufgrund der oben dargelegten individuellen Umstände nicht davon ausgegangen werden kann, dass es ihm möglich ist, nach allfälligen anfänglichen Schwierigkeiten in Afghanistan, insbesondere auch in seiner Herkunftsprovinz Bamyan, Fuß zu fassen und dort ein Leben ohne unbillige Härten zu führen, wie es auch andere Landsleute führen können. Bei einer dortigen Ansiedlung liefe der BF vielmehr Gefahr, grundlegende und notwendige Lebensbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung sowie Unterkunft nicht befriedigen zu können und in eine ausweglose bzw. existenzbedrohende Situation zu geraten. Dies gilt auch für eine Neuansiedlung des BF in einer der Großstädte Afghanistans, wie beispielsweise Mazar- e Sharif oder Herat.
o Feststellungen zur Lage im Herkunftsstaat:
Auszüge aus dem Länderinformationsblatt der Staatendokumentation Afghanistan in der Gesamtaktualisierung vom 29.06.2018, in der Fassung der letzten eingefügten Kurzinformation vom 11.09.2018:
"...
3. Sicherheitslage
Wegen einer Serie von öffentlichkeitswirksamen (high-profile) Angriffen in städtischen Zentren, die von regierungsfeindlichen Elementen ausgeführt wurden, erklärten die Vereinten Nationen (UN) im Februar 2018 die Sicherheitslage für sehr instabil (UNGASC 27.2.2018).
Für das Jahr 2017 registrierte die Nichtregierungsorganisation INSO (International NGO Safety Organisation) landesweit 29.824 sicherheitsrelevante Vorfälle. Im Jahresvergleich wurden von INSO 2016 landesweit 28.838 sicherheitsrelevante Vorfälle registriert und für das Jahr 2015 25.288. Zu sicherheitsrelevanten Vorfällen zählt INSO Drohungen, Überfälle, direkter Beschuss, Entführungen, Vorfälle mit IEDs (Sprengfallen/ Unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtung - USBV) und andere Arten von Vorfällen (INSO o.D.).
Für das Jahr 2017 registrierte die UN insgesamt 23.744 sicherheitsrelevante Vorfälle in Afghanistan (UNGASC 27.2.2018); für das gesamte Jahr 2016 waren es 23.712 (UNGASC 9.3.2017). Landesweit wurden für das Jahr 2015 insgesamt 22.634 sicherheitsrelevanter Vorfälle registriert (UNGASC 15.3.2016).
Im Jahr 2017 waren auch weiterhin bewaffnete Zusammenstöße Hauptursache (63%) aller registrierten sicherheitsrelevanten Vorfälle, gefolgt von IEDs (Sprengfallen/ Unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtung - USBV) und Luftangriffen. Für das gesamte Jahr 2017 wurden 14.998 bewaffnete Zusammenstöße registriert (2016: 14.977 bewaffnete Zusammenstöße) (USDOD 12.2017). Im August 2017 stuften die Vereinten Nationen (UN) Afghanistan, das bisher als "Post-Konflikt-Land" galt, wieder als "Konfliktland" ein; dies bedeute nicht, dass kein Fortschritt stattgefunden habe, jedoch bedrohe der aktuelle Konflikt die Nachhaltigkeit der erreichten Leistungen (UNGASC 10.8.2017).
Die Zahl der Luftangriffe hat sich im Vergleich zum Jahr 2016 um 67% erhöht, die gezielter Tötungen um 6%. Ferner hat sich die Zahl der Selbstmordattentate um 50% erhöht. Östlichen Regionen hatten die höchste Anzahl an Vorfällen zu verzeichnen, gefolgt von südlichen Regionen. Diese beiden Regionen zusammen waren von 55% aller sicherheitsrelevanten Vorfälle betroffen (UNGASC 27.2.2018). Für den Berichtszeitraum 15.12.2017 - 15.2.2018 kann im Vergleich zum selben Berichtszeitraum des Jahres 2016, ein Rückgang (-6%) an sicherheitsrelevanten Vorfällen verzeichnet werden (UNGASC 27.2.2018).
Afghanistan ist nach wie vor mit einem aus dem Ausland unterstützten und widerstandsfähigen Aufstand konfrontiert. Nichtsdestotrotz haben die afghanischen Sicherheitskräfte ihre Entschlossenheit und wachsenden Fähigkeiten im Kampf gegen den von den Taliban geführten Aufstand gezeigt. So behält die afghanische Regierung auch weiterhin Kontrolle über Kabul, größere Bevölkerungszentren, die wichtigsten Verkehrsrouten und den Großteil der Distriktzentren (USDOD 12.2017). Zwar umkämpften die Taliban Distriktzentren, sie konnten aber keine Provinzhauptstädte (bis auf Farah-Stadt; vgl. AAN 6.6.2018) bedrohen - ein signifikanter Meilenstein für die ANDSF (USDOD 12.2017; vgl. UNGASC 27.2.2018); diesen Meilenstein schrieben afghanische und internationale Sicherheitsbeamte den intensiven Luftangriffen durch die afghanische Nationalarmee und der Luftwaffe sowie verstärkter Nachtrazzien durch afghanische Spezialeinheiten zu (UNGASC 27.2.2018).Afghanistan ist nach wie vor mit einem aus dem Ausland unterstützten und widerstandsfähigen Aufstand konfrontiert. Nichtsdestotrotz haben die afghanischen Sicherheitskräfte ihre Entschlossenheit und wachsenden Fähigkeiten im Kampf gegen den von den Taliban geführten Aufstand gezeigt. So behält die afghanische Regierung auch weiterhin Kontrolle über Kabul, größere Bevölkerungszentren, die wichtigsten Verkehrsrouten und den Großteil der Distriktzentren (USDOD 12.2017). Zwar umkämpften die Taliban Distriktzentren, sie konnten aber keine Provinzhauptstädte (bis auf Farah-Stadt; vergleiche AAN 6.6.2018) bedrohen - ein signifikanter Meilenstein für die ANDSF (USDOD 12.2017; vergleiche UNGASC 27.2.2018); diesen Meilenstein schrieben afghanische und internationale Sicherheitsbeamte den intensiven Luftangriffen durch die afghanische Nationalarmee und der Luftwaffe sowie verstärkter Nachtrazzien durch afghanische Spezialeinheiten zu (UNGASC 27.2.2018).
Die von den Aufständischen ausgeübten öffentlichkeitswirksamen (high-profile) Angriffe in städtischen Zentren beeinträchtigten die öffentliche Moral und drohten das Vertrauen in die Regierung zu untergraben. Trotz dieser Gewaltserie in städtischen Regionen war im Winter landesweit ein Rückgang an Talibanangriffen zu verzeichnen (UNGASC 27.2.2018). Historisch gesehen gehen die Angriffe der Taliban im Winter jedoch immer zurück, wenngleich sie ihre Angriffe im Herbst und Winter nicht gänzlich einstellen. Mit Einzug des Frühlings beschleunigen die Aufständischen ihr Operationstempo wieder. Der Rückgang der Vorfälle im letzten Quartal 2017 war also im Einklang mit vorangegangenen Schemata (LIGM 15.2.2018).
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Zivilist/innen
Im Jahr 2017 registrierte die UNAMA 10.453 zivile Opfer (3.438 Tote und 7.015 Verletzte) - damit wurde ein Rückgang von 9% gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres 2016 (11.434 zivile Opfer mit 3.510 Toten und 7.924 Verletzen) festgestellt. Seit 2012 wurde zum ersten Mal ein Rückgang verzeichnet: im Vergleich zum Jahr 2016 ist die Anzahl ziviler Toter um 2% zurückgegangen, während die Anzahl der Verletzten um 11% gesunken ist. Seit 1.1.2009-31.12.2017 wurden insgesamt 28.291 Tote und 52.366 Verletzte von der UNAMA registriert. Regierungsfeindliche Gruppierungen waren für 65% aller zivilen Opfer im Jahr 2017 verantwortlich; Hauptursache dabei waren IEDs, gefolgt von Selbstmordangriffen und komplexen Attacken (UNAMA 2.2018). Im Zeitraum 1.1.2018 - 31.3.2018 registriert die UNAMA
2.258 zivile Opfer (763 Tote und 1.495 Verletzte). Die Zahlen reflektieren ähnliche Werte wie in den Vergleichsquartalen für die Jahre 2016 und 2017. Für das Jahr 2018 wird ein neuer Trend beobachtet: Die häufigste Ursache für zivile Opfer waren IEDs und komplexe Angriffe. An zweiter Stelle waren Bodenoffensiven, gefolgt von gezielten Tötungen, Blindgängern (Engl. UXO, "Unexploded Ordnance") und Lufteinsätzen. Die Bewohner der Provinzen Kabul, Helmand, Nangarhar, Faryab und Kandahar waren am häufigsten vom Konflikt betroffen (UNAMA 12.4.2018).
Regierungsfeindlichen Gruppierungen wurden landesweit für das Jahr 2017 6.768 zivile Opfer (2.303 Tote und 4.465 Verletzte) zugeschrieben - dies deutet auf einen Rückgang von 3% im Vergleich zum Vorjahreswert von 7.003 zivilen Opfern (2.138 Tote und 4.865 Verletzte). Der Rückgang ziviler Opfer, die regierungsfeindlichen Gruppierungen zugeschrieben werden, ist auf einen Rückgang ziviler Opfer, die durch Bodenkonfrontation, IED und ferngezündete Bomben zu Schaden gekommen sind, zurückzuführen. Im Gegenzug dazu hat sich die Anzahl ziviler Opfer aufgrund von Selbstmordangriffen und komplexen Attacken erhöht. Die Anzahl ziviler und nicht-ziviler Opfer, die aufgrund gezielter Tötungen durch regierungsfeindliche Elemente zu Schaden gekommen sind, ist ähnlich jener aus dem Jahr 2016 (UNAMA 2.2018).
Im Jänner 2018 waren 56.3% der Distrikte unter der Kontrolle bzw. dem Einfluss der afghanischen Regierung, während Aufständische 14.5% der Distrikte kontrollierten bzw. unter ihrem Einfluss hatten. Die übriggebliebenen 29.2% der Distrikte waren umkämpft. Die Provinzen mit der höchsten Anzahl an Distrikten, die von Aufständischen kontrolliert werden, waren mit Stand Jänner 2018 Uruzgan, Kunduz und Helmand. Alle Provinzhauptstädte befanden sich unter der Kontrolle bzw. dem Einfluss der afghanischen Regierung (SIGAR 30.4.2018).
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Zu den regierungsfreundlichen Kräften zählten: ANDSF, Internationale Truppen, regierungsfreundliche bewaffnete Gruppierungen sowie nicht näher identifizierte regierungsfreundliche Kräfte. Für das Jahr 2017 wurden 2.108 zivile Opfer (745 Tote und 1.363 Verletzte) regierungsfreundlichen Kräften zugeschrieben, dies deutet einen Rückgang von 23% gegenüber dem Vorjahreswert 2016 (2.731 zivile Opfer, 905 Tote und 1.826 Verletzte) an (UNAMA 2.2018; vgl. HRW 26.1.2018). Insgesamt waren regierungsfreundliche Kräfte für 20% aller zivilen Opfer verantwortlich. Hauptursache (53%) waren Bodenkonfrontation zwischen ihnen und regierungsfeindlichen Elementen - diesen fielen 1.120 Zivilist/innen (274 Tote und 846 Verletzte) zum Opfer; ein Rückgang von 37% gegenüber dem Vorjahreswert 2016 (UNAMA 2.2018). Luftangriffe wurden zahlenmäßig als zweite Ursache für zivile Opfer registriert (UNAMA 2.2018; vgl. HRW 26.1.2018); diese waren für 6% ziviler Opfer verantwortlich - hierbei war im Gegensatz zum Vorjahreswert eine Zunahme von 7% zu verzeichnen gewesen. Die restlichen Opferzahlen 125 (67 Tote und 58 Verletzte) waren auf Situationen zurückzuführen, in denen Zivilist/innen fälschlicherweise für regierungsfeindliche Elemente gehalten wurden. Suchaktionen forderten 123 zivile Opfer (79 Tote und 44 Verletzte), Gewalteskalationen 52 zivile Opfer (18 Tote und 34 Verletzte), und Bedrohungen und Einschüchterungen forderten 17 verletzte Zivilist/innen (UNAMA 2.2018).Zu den regierungsfreundlichen Kräften zählten: ANDSF, Internationale Truppen, regierungsfreundliche bewaffnete Gruppierungen sowie nicht näher identifizierte regierungsfreundliche Kräfte. Für das Jahr 2017 wurden 2.108 zivile Opfer (745 Tote und 1.363 Verletzte) regierungsfreundlichen Kräften zugeschrieben, dies deutet einen Rückgang von 23% gegenüber dem Vorjahreswert 2016 (2.731 zivile Opfer, 905 Tote und 1.826 Verletzte) an (UNAMA 2.2018; vergleiche HRW 26.1.2018). Insgesamt waren regierungsfreundliche Kräfte für 20% aller zivilen Opfer verantwortlich. Hauptursache (53%) waren Bodenkonfrontation zwischen ihnen und regierungsfeindlichen Elementen - diesen fielen 1.120 Zivilist/innen (274 Tote und 846 Verletzte) zum Opfer; ein Rückgang von 37% gegenüber dem Vorjahreswert 2016 (UNAMA 2.2018). Luftangriffe wurden zahlenmäßig als zweite Ursache für zivile Opfer registriert (UNAMA 2.2018; vergleiche HRW 26.1.2018); diese waren für 6% ziviler Opfer verantwortlich - hierbei war im Gegensatz zum Vorjahreswert eine Zunahme von 7% zu verzeichnen gewesen. Die restlichen Opferzahlen 125 (67 Tote und 58 Verletzte) waren auf Situationen zurückzuführen, in denen Zivilist/innen fälschlicherweise für regierungsfeindliche Elemente gehalten wurden. Suchaktionen forderten 123 zivile Opfer (79 Tote und 44 Verletzte), Gewalteskalationen 52 zivile Opfer (18 Tote und 34 Verletzte), und Bedrohungen und Einschüchterungen forderten 17 verletzte Zivilist/innen (UNAMA 2.2018).
Ein besonderes Anliegen der ANDSF, der afghanischen Regierung und internationaler Kräfte ist das Verhindern ziviler Opfer. Internationale Berater/innen der US-amerikanischen und Koalitionskräfte arbeiten eng mit der afghanischen Regierung zusammen, um die Anzahl ziviler Opfer zu reduzieren und ein Bewusstsein für die Wichtigkeit der Reduzierung der Anzahl von zivilen Opfern zu schaffen. Die afghanische Regierung hält auch weiterhin ihre vierteljährliche Vorstandssitzung zur Vermeidung ziviler Opfer (Civilian Casualty Avoidance and Mitigation Board) ab, um u. a. Präventivmethoden zu besprechen (USDOD 12.2017). Die UNAMA bemerkte den Einsatz und die positiven Schritte der afghanischen Regierung, zivile Opfer im Jahr 2017 zu reduzieren (UNAMA 2.2018).
Im gesamten Jahr 2017 wurden 3.484 zivile Opfer (823 Tote und 2.661 Verletzte) im Rahmen von 1.845 Bodenoffensiven registriert - ein Rückgang von 19% gegenüber dem Vorjahreswert aus 2016 (4.300 zivile Opfer, 1.072 Tote und 3.228 Verletzte in 2.008 Bodenoffensiven). Zivile Opfer, die aufgrund bewaffneter Zusammenstöße zwischen regierungsfreundlichen und regierungsfeindlichen Kräften zu beklagen waren, sind zum ersten Mal seit 2012 zurückgegangen (UNAMA 2.2018).
Im Jahr 2017 forderten explosive Kampfmittelrückstände (Engl. "explosive remnants of war", Anm.) 639 zivile Opfer (164 Tote und 475 Verletzte) - ein Rückgang von 12% gegenüber dem Jahr 2016. 2017 war überhaupt das erste Jahr seit 2009, in welchem ein Rückgang verzeichnet werden konnte. Der Rückgang ziviler Opfer ist möglicherweise u.a. auf eine Verminderung des indirekten Beschusses durch Mörser, Raketen und Granaten in bevölkerten Gegenden von regierungsfreundlichen Kräfte zurückzuführen (UNAMA 2.2018).Im Jahr 2017 forderten explosive Kampfmittelrückstände (Engl. "explosive remnants of war", Anmerkung 639 zivile Opfer (164 Tote und 475 Verletzte) - ein Rückgang von 12% gegenüber dem Jahr 2016. 2017 war überhaupt das erste Jahr seit 2009, in