Entscheidungsdatum
27.08.2018Norm
AsylG 2005 §10 Abs1 Z3Spruch
W123 2180440-1/9E
IM NAMEN DER REPUBLIK!
Das Bundesverwaltungsgericht erkennt durch den Richter Dr. Michael ETLINGER über die Beschwerde des XXXX , geb. XXXX , StA. Afghanistan, gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom 28.11.2017, Zl. 1098085603-151938697, nach Durchführung einer öffentlich mündlichen Verhandlung zu Recht:Das Bundesverwaltungsgericht erkennt durch den Richter Dr. Michael ETLINGER über die Beschwerde des römisch 40 , geb. römisch 40 , StA. Afghanistan, gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom 28.11.2017, Zl. 1098085603-151938697, nach Durchführung einer öffentlich mündlichen Verhandlung zu Recht:
A)
Die Beschwerde wird als unbegründet abgewiesen.
B)
Die Revision ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig.Die Revision ist gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG nicht zulässig.
Text
ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE:
I. Verfahrensgang:römisch eins. Verfahrensgang:
1. Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger, stellte am 05.11.2015 den gegenständlichen Antrag auf internationalen Schutz.
2. Im Rahmen der am 06.12.2015 durchgeführten Erstbefragung durch ein Organ des öffentlichen Sicherheitsdienstes gab der Beschwerdeführer, befragt zu seinem Fluchtgrund, an, dass er als Wachmann und Fahrer für eine ausländische Organisation gearbeitet habe. Aufgrund dieser Tätigkeit sei er von unbekannten Personen mit dem Tode bedroht worden.
3. Am 18.09.2017 erfolgte die Einvernahme vor der belangten Behörde.
Die Niederschrift lautet auszugsweise:
"[...]
LA: Geben Sie einen kurzen Lebenslauf von sich an!
VP: Ich bin im Jahr 1982 geboren. Ich habe sechs Jahre die Schule besucht. Ich war noch sehr klein, als meine Familie nach Pakistan geflüchtet ist. Wir hatten eine private Feindschaft, deswegen wurde mein Vater in Pakistan getötet. Vor zwölf oder dreizehn Jahren, bin ich aus Pakistan nach England gereist. Acht oder neun Jahre habe ich dort gelebt. Danach bin ich nach Afghanistan zurückgekehrt. Von den englischen Behörden wurde mir gesagt, in Kabul leben könnte. Ich ging nach Kabul. Dort habe ich mir ein Haus gekauft und habe begonnen mit XXXX zu arbeiten. Er hat für eine ausländische Organisation gearbeitet. Er hat ausländische Mitarbeiter cheaufiert. Ich hatte ein privates Auto und habe dieses beim Innen und Außenministerium registrieren lassen. So konnte ich auch mit XXXX aus Cheaufeur arbeiten.VP: Ich bin im Jahr 1982 geboren. Ich habe sechs Jahre die Schule besucht. Ich war noch sehr klein, als meine Familie nach Pakistan geflüchtet ist. Wir hatten eine private Feindschaft, deswegen wurde mein Vater in Pakistan getötet. Vor zwölf oder dreizehn Jahren, bin ich aus Pakistan nach England gereist. Acht oder neun Jahre habe ich dort gelebt. Danach bin ich nach Afghanistan zurückgekehrt. Von den englischen Behörden wurde mir gesagt, in Kabul leben könnte. Ich ging nach Kabul. Dort habe ich mir ein Haus gekauft und habe begonnen mit römisch 40 zu arbeiten. Er hat für eine ausländische Organisation gearbeitet. Er hat ausländische Mitarbeiter cheaufiert. Ich hatte ein privates Auto und habe dieses beim Innen und Außenministerium registrieren lassen. So konnte ich auch mit römisch 40 aus Cheaufeur arbeiten.
[...]
LA: Sie haben nunmehr die Möglichkeit, Ihre Beweggründe für das Verlassen Ihrer Heimat zu schildern. Bitte schildern Sie möglichst lebensnahe, also konkret und mit sämtlichen Details, sodass auch unbeteiligte Personen Ihre Darstellung nachvollziehen können.
VP: Ich bin von England nach Kabul zurückgekehrt, mit der Hoffnung, dass ich dort mein Leben weiterführen werde. Ich habe mir dort einen Mercedes gekauft. Ich habe XXXX kennen gelernt. Er hat mir angeboten gemeinsam mit ihm zu arbeiten. Ich habe das Angebot angenommen und habe mich an seinem Projekt beteiligt. Wir haben mit Ausländern zusammen gearbeitet. Einige Personen haben mich telefonisch aufgefordert ihnen Informationen über die Ausländer, die ich cheaufiert habe, zu geben. Außerdem sagten sie mir, dass sie mir einige Waren geben werden, wenn ich außerhalb von Kabul unterwegs bin. Ich soll diese waren nach Kabul schmuggeln, da mein Auto nicht kontrolliert wird. Ich hatte nämlich eine eigene Karte für mein Fahrzeug. Mein Auto wurde zwar gelegentlich kontrolliert, jedoch nicht oft. Ich wollte diesen Leuten nicht helfen oder sie unterstützen. Ich wollte ihnen keine Informaionen über andere Leute geben. Ich wollte auch keine Ware für diese Leute transportieren. Ich wurde einige Male telefonisch an Handy aufgefordert und bedroht, diese Arbeiten zu verrichten. Eines Tages war ich in einem Hotel und habe gegessen. Drei Personen kamen zu mir. Sie waren bewaffnet, hatten Waffen bei sich versteckt. Einer von ihnen zeigte mir seine Waffe und sagte mir, ich soll ruhig bleiben und sie unterstützen, da sie mich ansonsten auf der Stelle erschießen können. Ich war verängstigt und habe sofort gesagt, dass ich bereit bin sie zu unterstützen. Danach habe ich XXXX davon in Kenntnis gesetzt und ihn erzählt, dass ich telefonisch und jetzt auch persönlich bedroht wurde. Er sagte mir, dass es für mich keinen anderen Ausweg gibt. Entweder unterstütze ich diese Leute oder ich flüchte. Das war der Grund warum ich aus Afghanistan weggegangen bin. Ich wollte nicht selbst getötet werden und wollte auch nicht bei Tötung anderer Menschen mitwirken.VP: Ich bin von England nach Kabul zurückgekehrt, mit der Hoffnung, dass ich dort mein Leben weiterführen werde. Ich habe mir dort einen Mercedes gekauft. Ich habe römisch 40 kennen gelernt. Er hat mir angeboten gemeinsam mit ihm zu arbeiten. Ich habe das Angebot angenommen und habe mich an seinem Projekt beteiligt. Wir haben mit Ausländern zusammen gearbeitet. Einige Personen haben mich telefonisch aufgefordert ihnen Informationen über die Ausländer, die ich cheaufiert habe, zu geben. Außerdem sagten sie mir, dass sie mir einige Waren geben werden, wenn ich außerhalb von Kabul unterwegs bin. Ich soll diese waren nach Kabul schmuggeln, da mein Auto nicht kontrolliert wird. Ich hatte nämlich eine eigene Karte für mein Fahrzeug. Mein Auto wurde zwar gelegentlich kontrolliert, jedoch nicht oft. Ich wollte diesen Leuten nicht helfen oder sie unterstützen. Ich wollte ihnen keine Informaionen über andere Leute geben. Ich wollte auch keine Ware für diese Leute transportieren. Ich wurde einige Male telefonisch an Handy aufgefordert und bedroht, diese Arbeiten zu verrichten. Eines Tages war ich in einem Hotel und habe gegessen. Drei Personen kamen zu mir. Sie waren bewaffnet, hatten Waffen bei sich versteckt. Einer von ihnen zeigte mir seine Waffe und sagte mir, ich soll ruhig bleiben und sie unterstützen, da sie mich ansonsten auf der Stelle erschießen können. Ich war verängstigt und habe sofort gesagt, dass ich bereit bin sie zu unterstützen. Danach habe ich römisch 40 davon in Kenntnis gesetzt und ihn erzählt, dass ich telefonisch und jetzt auch persönlich bedroht wurde. Er sagte mir, dass es für mich keinen anderen Ausweg gibt. Entweder unterstütze ich diese Leute oder ich flüchte. Das war der Grund warum ich aus Afghanistan weggegangen bin. Ich wollte nicht selbst getötet werden und wollte auch nicht bei Tötung anderer Menschen mitwirken.
Nachdem ich persönlich bedroht wurde bin ich auch zu der Polizeizone gegangen. Am zweiten Tag bekam ich neuerlich einen Anruf von diesen Leuten. Sie sagten mir, dass sie wissen, dass ich bei der Polizei war und dass sie mich nicht am Leben lassen werden. Sie sagten mir, sie werden mich auf eine Art und Weise töten, dass die ganze Welt staunen wird. Aus diesem Grund bin ich geflüchtet.
LA: Haben Sie dem Vorbringen zur Gefährdungslage etwas hinzuzufügen? Haben Sie noch Details Ihrer Schilderung hinzuzufügen?
VP: Nein, das wars.
LA: Ist XXXX auch bedroht worden?LA: Ist römisch 40 auch bedroht worden?
VP: Er wurde auch bedroht, er musste sein Büro schließen und hat auch die Absicht zu flüchten. Damals als ich noch dort war, hat er eigene Leibwächter gehabt. Ich hatte diese Möglichkeit nicht.
LA: Seit wann haben Sie als Cheaufeur gearbeitet?
VP: Von 07.2012 bis 08.2015.
LA: Wie lange hat Ihre Reise hierher gedauert?
VP: Zweieinhalb Monate.
LA: Wann wurden Sie das erste Mal bedroht?
VP: An das Datum kann ich mich nicht erinnern.
LA: Wie lange vor der Ausreise war das?
VP: Das kann ich nicht sagen, ich wurde am Handy angerufen.
LA: Wie oft wurden Sie angerufen?
VP: Etwa vier Mal.
LA: In welchem Zeitraum?
VP: Das kann ich nicht sagen.
LA: Wie oft wurden angerufen, bevor Sie dann persönlich bedroht worden sind?
VP: Vier Mal, dann wurde ich persönlich bedroht, nach der persönlichen Bedrohung, bin ich dann geflüchtet.
LA: Wie viel Zeit verging von der letzten telefonischen Bedrohung zur persönlichen Bedrohung?
VP: Das kann ich nicht sagen. Aber ich wurde am 17. oder am 16.08.2015 persönlich bedroht.
LA: Wann sind Sie dann genau ausgereist?
VP: Am 20.08..2015.
LA: Was haben Sie diese paar Tage noch gemacht?
VP: Es waren drei Tage. Als nächstes bin ich zu XXXX gegangen. Er hat mir angeraten von hier weg zu gehen. Dann habe ich mir einen Schlepper organisiert. Ich habe mein Auto dem Schlepper übergeben und im Gegenzug hat er mich dann hierher gebracht. Mein Auto hatte für den Schlepper einen Wert von 8.000$.VP: Es waren drei Tage. Als nächstes bin ich zu römisch 40 gegangen. Er hat mir angeraten von hier weg zu gehen. Dann habe ich mir einen Schlepper organisiert. Ich habe mein Auto dem Schlepper übergeben und im Gegenzug hat er mich dann hierher gebracht. Mein Auto hatte für den Schlepper einen Wert von 8.000$.
LA: Was hat Ihre Familie dazu gesagt?
VP: Ich habe mit meiner Familie darüber gesprochen und sie waren einverstanden.
LA: Warum haben Sie diese nicht mitgenommen?
VP: Das war finanziell nicht möglich.
LA: Was wurde bei der ersten Drohung zu Ihnen gesagt?
VP: Ich wurde um Unterstützung gebeten, ich solle diesen Leuten Informationen geben, wann welche Ausländer, wohin gebracht werden.
LA: Was haben Sie geantwortet?
VP: Ich habe das als Scherz gesehen und habe einfach aufgelegt.
LA: Wie viel später ist der zweite Anruf gekommen?
VP: Das kann ich nicht sagen. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Da wurde mir gesagt, dass diese Leute in unser Land eingedrungen sind, sie würden unserem Land Schaden und unser Land hätte keinen Nutzen davon. Sie sagten mir, wenn ich sie unterstütze, würde ich auch Geld bekommen.