Entscheidungsdatum
20.06.2018Norm
AsylG 2005 §10 Abs1 Z3Spruch
W192 2178936-1/6E
IM NAMEN DER REPUBLIK!
Das Bundesverwaltungsgericht hat durch den Richter Dr. Ruso als Einzelrichter über die Beschwerde von XXXX , geb. XXXX , StA. Afghanistan, gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom 15.11.2017, Zahl 1102452807-160082074, zu Recht erkannt:Das Bundesverwaltungsgericht hat durch den Richter Dr. Ruso als Einzelrichter über die Beschwerde von römisch 40 , geb. römisch 40 , StA. Afghanistan, gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom 15.11.2017, Zahl 1102452807-160082074, zu Recht erkannt:
A) Die Beschwerde wird gemäß den §§ 3 Abs. 1, 8 Abs. 1, 10 Abs. 1 Z. 3, 57 AsylG 2005 i. d. g. F., § 9 BFA-VG i. d. g. F. und §§ 52, 55 FPG i. d. g. F. als unbegründet abgewiesen.A) Die Beschwerde wird gemäß den Paragraphen 3, Absatz eins, 8, Absatz eins, 10, Absatz eins, Ziffer 3, 57, AsylG 2005 i. d. g. F., Paragraph 9, BFA-VG i. d. g. F. und Paragraphen 52, 55, FPG i. d. g. F. als unbegründet abgewiesen.
B) Die Revision ist gemäß Art 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig.B) Die Revision ist gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG nicht zulässig.
Text
ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE:
I. Verfahrensgangrömisch eins. Verfahrensgang
1. Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger, stellte nach illegaler Einreise am 17.01.2016 einen Antrag auf internationalen Schutz.
Bei der Erstbefragung am gleichen Tag durch ein Organ des öffentlichen Sicherheitsdienstes gab der Beschwerdeführer an, in Kabul geboren zu sein und dem islamischen Glauben sunnitischer Ausrichtung anzugehören, seine Volksgruppenzugehörigkeit wurde als "unbekannt" protokolliert. Im Herkunftsstaat oder einem Drittstaat hielten sich die Eltern, zwei Schwestern und drei Brüder des Beschwerdeführers auf, ein weiterer Bruder befinde sich seit fünf Jahren in Österreich. Der Beschwerdeführer habe sich vor etwa zwei Monaten zur Ausreise aus seinem Herkunftsstaat entschlossen und sei über Pakistan, den Iran, die Türkei, Bulgarien und weitere ihm unbekannte Länder schlepperunterstützt nach Österreich gelangt. Seine Flucht aus dem Herkunftsstaat begründete der Beschwerdeführer mit einer Tätigkeit eines seiner Brüder als Polizist in Kabul. Die Taliban würden alle Polizisten und Regierungsangestellten töten und hätten den Beschwerdeführer immer unter Druck gesetzt, bei ihnen mitzumachen. Aus diesem Grund habe sein Vater die Flucht des Beschwerdeführers nach Europa organisiert.
Aus einem durch das Bundesamt eingeholten Sachverständigen-Gutachten zur forensischen Alterseinschätzung vom 29.04.2016 ergibt sich im Wesentlichen, dass das vom Beschwerdeführer behauptete Geburtsdatum mit dem festgestellten Mindestalter nicht vereinbar wäre (Differenz 1,25 Jahre); eine Minderjährigkeit zum Antragszeitpunkt jedoch mit dem höchstmöglichen Beweismaß angenommen werden könne.
Nach Zulassung seines Verfahrens erfolgte am 12.10.2017 eine niederschriftliche Einvernahme des Beschwerdeführers vor dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl. Der Beschwerdeführer gab eingangs an, sich psychisch und physisch zur Durchführung der Einvernahme in der Lage zu fühlen, er sei gesund und benötige keine Medikamente.
Der Beschwerdeführer legte eine Kopie seiner Tazkira sowie diverse Unterlagen zum Beleg seiner Integrationsbemühungen vor. Weiters führte er aus, der tadschikischen Volksgruppe anzugehören, er sei in Kabul geboren, nach seiner Geburt sei seine Familie jedoch nach Wardak gezogen, wo der Beschwerdeführer bis zu seiner Flucht gelebt hätte. Der Beschwerdeführer sei ledig und habe bis zur neunten Klasse die Schule in Wardak besucht. Die Eltern des Beschwerdeführers hielten sich, ebenso wie dessen drei Schwestern, Onkeln und Tanten, unverändert in Wardak auf. Ein Bruder arbeite bei einer Sicherheitsbehörde und sei in dieser Funktion immer in ganz Afghanistan unterwegs, die beiden anderen Brüder des Beschwerdeführers würden sich in Kabul und im Iran aufhalten. Die Familie des Beschwerdeführers besitze in Afghanistan Grundstücke und ein Haus. Seine Familie, mit welcher er nach wie vor telefonisch in Kontakt stünde, hätte die Grundstücke bewirtschaftet, nebenbei hätte der Vater des Beschwerdeführers noch gearbeitet.
Zum Grund seiner Flucht führte der Beschwerdeführer aus, sie seien in Wardak wohnhaft gewesen, wo die Taliban den Beschwerdeführer sowie einen seiner Brüder immer wieder gedrängt hätten, mit ihnen in den Dschihad zu ziehen. Jeden Tag seien die Taliban ihnen auf dem Weg zur Schule im Weg gestanden und hätten ihnen gesagt, sie sollten mit ihnen gehen. Sie hätten den Beschwerdeführer mit dem Gewehrkolben der Kalaschnikow immer wieder geschlagen, weil er nicht mit ihnen ziehen habe wollen. Die Taliban seien immer wieder in unterschiedlicher Anzahl - zwischen sieben und zehn Personen - gekommen und hätten den Beschwerdeführe mehrmals wöchentlich angehalten und geschlagen. Sie seien auch zu ihnen nach Hause gekommen und hätten gewollt, dass der Beschwerdeführer mit ihnen komme. Sein Vater habe ihn immer versteckt. Hätten die Taliban ihn gefunden, hätten sie ihn mitgenommen. Einer seiner Brüder sei bei der Sicherheitsbehörde und habe ebenfalls Probleme. Dieser sei einbis zweimal monatlich nach Hause gekommen, doch sie hätten diesen immer versteckt mitten in der Nacht nach Hause holen müssen. Hätten die Taliban dies herausgefunden, hätten sie ein Problem gehabt. Auch ein weiterer Bruder, welcher bei der Regierung arbeite, habe Probleme. Dieser sei ein- oder zweimal nach Hause gekommen und habe ebenfalls versteckt werden müssen. Sie hätten auch immer wieder Drohbriefe erhalten, in denen gestanden wäre, dass der Beschwerdeführer mit ihnen in den Kampf ziehen und sich ihrer Gruppe anschließen solle. Sein Vater habe dann beschlossen, dass der Beschwerdeführer nach Europa - genauer gesagt nach Österreich, zumal hier sein Bruder leben würde - ziehen solle. Ein oder zwei Monate nach der Ausreise des Beschwerdeführers sei auch sein Bruder geflohen, welcher jetzt im Iran leben würde. Wäre der Beschwerdeführer in Afghanistan verblieben, so wäre er mittlerweile sicherlich tot. Weitere Fluchtgründe habe er nicht. Seine Probleme mit den Taliban hätten im Jahr 2015 ihren Anfang genommen, Ende des Jahres sei er dann geflohen. Sein Heimatdorf stünde unter Herrschaft der Taliban; um welche Gruppierung der Taliban es sich dabei konkret handeln würde, sei dem Beschwerdeführer nicht bekannt. Seine beiden anderen Brüder seien deshalb nicht aus Afghanistan geflohen, da sie beide Arbeit hätten und für die Regierung tätig wären. Er habe insgesamt circa fünf Drohbriefe erhalten, diese seien jeweils nachts vor das Eingangstor gebracht worden. Der Inhalt dieser Briefe habe gelautet: "Ihr sollt mit unserer Gruppe ziehen, ihr sollt mit uns kämpfen. Macht ihr das nicht, werden wir euch schlagen." Der Beschwerdeführer und sein Bruder seien in diesen Botschaften nicht namentlich erwähnt worden. Jene Briefe habe sein Vater gefunden, welcher diese bei sich aufgehoben und nach der Flucht der Brüder verbrannt hätte. Die Bedrohung durch die Taliban habe etwa eineinhalb Monate gedauert, in diesem Zeitraum seien sie etwa dreimal zu ihnen nach Hause gekommen. Sein Vater habe sie oft im Kuhstall versteckt, jedoch seien sie auch dort gefunden worden; alternativ habe er sie im Heustall versteckt. Es seien auch andere Jugendliche im Heimatdorf von den Taliban bedroht worden, viele hätten dann jedoch mitgemacht. Zu den Vorfällen auf dem Schulweg schilderte der Beschwerdeführer, dass sie auf dem Heimweg immer an einem kleinen Platz vorbei hätten müssen, an dem sieben oder acht Angehörige der Taliban gestanden wären, zu welchen sie höflich sein, diese begrüßen und ihnen die Hand geben hätten müssen. Diese hätten dann immer mit ihnen geredet und sie aufgefordert, mit ihnen zu kämpfen. Wenn sie dies abgelehnt hätten, seien sie immer extrem geschlagen worden, sodass sie oft nicht nach Hause gehen hätten können. Sie hätten dann immer ihre Eltern anrufen müssen und entweder der Vater oder die Mutter des Beschwerdeführers hätten sie abgeholt. Seine Eltern hätten die Taliban angefleht, sie in Ruhe zu lassen und viel geweint, es habe jedoch nichts geholfen. Irgendwann hätten sie sie so geschlagen, dass sie wahrscheinlich gestorben wären. Von den Misshandlungen habe er einen Bruch seines rechten Handgelenks sowie Probleme mit dem rechten Knie davongetragen. In Österreich habe er sich diesbezüglich noch nicht in Behandlung begeben. Im Herkunftsstaat habe es nur eine kleine Klink gegeben, wo sie eine Tablette erhalten, jedoch nicht weiter versorgt worden wären. Im Heimatdorf des Beschwerdeführers hätten rund 80 bis 90 Personen gelebt.
Auf die Frage, ob für ihn die Möglichkeit bestanden hätte, in einer Großstadt wie Kabul, Mazar-e Sharif oder Herat in Sicherheit zu leben, entgegnete der Beschwerdeführer, in ganz Afghanistan würde Unruhe herrschen. In jedem "Bundesland" gebe es Taliban, wobei es sich nicht um unterschiedliche Gruppen, sondern um eine große Gruppe handeln würde, welche sich untereinander nur verständigen bräuchte und schon wäre man tot. Im Falle einer Rückkehr würde der Beschwerdeführer mit Sicherheit getötet werden.
Mit den Behörden seines Heimatlandes habe er nie Probleme gehabt, er habe sich nie in Haft befunden, sich nicht politisch betätigt und sei von keinen persönlichen Problemen aufgrund seiner Religions- oder Volksgruppenzugehörigkeit betroffen gewesen.
In Österreich besuche er die Schule, in seiner Freizeit lerne er Deutsch und spiele Fußball, zu seinem in Österreich aufhältigen Bruder, mit welchem er in keinem gemeinsamen Haushalt wohne, habe er ein gutes Verhältnis. Der Beschwerdeführer würde in Österreich gerne weiter lernen und künftig als Sanitäter oder Automechaniker arbeiten. Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Möglichkeit zur Abgabe einer schriftlichen Stellungnahme zu den durch die
Behörde herangezogenen Herkunftslandinformationen.
Abschließend merkte der Beschwerdeführer an, bereits zu Protokoll gegeben zu haben, dass einige Angaben in der Erstbefragung nicht stimmen würden. Er wolle explizit anmerken, dass es sich hierbei um eine falsche Niederschrift handle und er nicht wolle, dass ihm diese Fehler in der Erstbefragung vorgeworfen würden.
Der bei der Einvernahme anwesende Bruder des Beschwerdeführers gab an, dass die vom Beschwerdeführer getätigten Angaben stimmen würden. Als er 2011 nach Österreich gekommen wäre, hätte er angegeben, dass sein Bruder 12 Jahre alt wäre.
2. Mit dem angefochtenen Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl wurde der Antrag des Beschwerdeführers auf internationalen Schutz gemäß § 3 Abs. 1 iVm § 2 Abs. 1 Z 13 AsylG bezüglich der Zuerkennung des Status des Asylberechtigten (Spruchpunkt I.) und gemäß § 8 Abs. 1 iVm § 2 Abs. 1 Z 13 AsylG bezüglich der Zuerkennung des Status des subsidiär Schutzberechtigten in Bezug auf den Herkunftsstaat Afghanistan (Spruchpunkt II.) abgewiesen, ein Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen gem. § 57 AsylG nicht erteilt (Spruchpunkt III.), gem. § 10 Abs. 1 Z 3 AsylG iVm § 9 BFA-VG gegen den Beschwerdeführer eine Rückkehrentscheidung gem. § 52 Abs. 2 Z 2 FPG erlassen (Spruchpunkt IV.) sowie festgestellt, dass seine Abschiebung gem. § 46 FPG nach Afghanistan zulässig ist (Spruchpunkt V.) und gem. § 55 Abs. 1 bis 3 FPG die Frist für seine freiwillige Ausreise zwei Wochen ab Rechtskraft der Rückkehrentscheidung beträgt (Spruchpunkt VI.).2. Mit dem angefochtenen Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl wurde der Antrag des Beschwerdeführers auf internationalen Schutz gemäß Paragraph 3, Absatz eins, in Verbindung mit Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 13, AsylG bezüglich der Zuerkennung des Status des Asylberechtigten (Spruchpunkt römisch eins.) und gemäß Paragraph 8, Absatz eins, in Verbindung mit Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 13, AsylG bezüglich der Zuerkennung des Status des subsidiär Schutzberechtigten in Bezug auf den Herkunftsstaat Afghanistan (Spruchpunkt römisch zwei.) abgewiesen, ein Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen gem. Paragraph 57, AsylG nicht erteilt (Spruchpunkt römisch drei.), gem. Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 3, AsylG in Verbindung mit Paragraph 9, BFA-VG gegen den Beschwerdeführer eine Rückkehrentscheidung gem. Paragraph 52, Absatz 2, Ziffer 2, FPG erlassen (Spruchpunkt römisch vier.) sowie festgestellt, dass seine Abschiebung gem. Paragraph 46, FPG nach Afghanistan zulässig ist (Spruchpunkt römisch fünf.) und gem. Paragraph 55, Absatz eins bis 3 FPG die Frist für seine freiwillige Ausreise zwei Wochen ab Rechtskraft der Rückkehrentscheidung beträgt (Spruchpunkt römisch sechs.).
Die Behörde stellte die Staatsangehörigkeit, Religion und Volksgruppenzugehörigkeit, nicht jedoch die präzise Identität des Beschwerdeführers fest. Die von ihm angegebenen Gründe für das Verlassen des Heimatlandes erwiesen sich als nicht glaubhaft, es habe demnach nicht festgestellt werden können, dass der Beschwerdeführer sein Herkunftsland aus wohlbegründeter Furcht vor Verfolgung durch die Taliban verlassen hätte. Das Vorbringen des Beschwerdeführers hätte sich - etwa was dessen zeitliche Einordnung betrifft - als wenig detailliert und nicht nachvollziehbar erwiesen. So erscheine es nicht verständlich, weshalb die Taliban - wäre der Beschwerdeführer tatsächlich einer Verfolgung durch diese ausgesetzt gewesen - diesen nicht sogleich auf seinem Schulweg entführt hätte, anstatt ihn (darüber hinaus) wiederholt daheim aufzusuchen, um ihn mitzunehmen. Die beiden für die Regierung tätigen Brüder des Beschwerdeführers sowie dessen Eltern und Schwestern würden sich unverändert und offenbar ohne von Problemen mit den Taliban betroffen zu sein, im Heimatland aufhalten. Weshalb gerade der Beschwerdeführer von den Taliban verfolgt werden sollte, erscheine nicht nachvollziehbar. Ebensowenig erscheine es verständlich, weshalb der - angeblich der gleichen Bedrohungslage ausgesetzte - Bruder des Beschwerdeführers nicht gemeinsam mit diesem geflüchtet wäre, sondern sein Heimatland erst rund zwei Monate später verlassen hätte. Die tatsächliche Existenz der vom Beschwerdeführer angeblich erhaltenen Drohbriefe der Taliban werde angezweifelt, im Übrigen sei auf den Inhalt einer Anfragebeantwortung der Staatendokumentation vom 28.07.2016 zu verweisen, demzufolge die Versendung von Drohbriefen nicht zu den Methoden der Taliban zählen würde. Entgegen dem Einwand des Beschwerdeführers sei grundsätzlich keine landesweite Vernetzung der Taliban gegeben und würden Personen in der Regel nicht über die Grenzen ihrer Heimatprovinz hinaus verfolgt werden. Im Übrigen bestünde in Afghanistan kein Meldewesen, sodass dem Beschwerdeführer jedenfalls die Möglichkeit offen stünde, sich an einem anderen Ort seines Herkunftsstaats niederzulassen um den geschilderten Problemen zu entgehen. Demnach sei seinem Vorbringen auch bei theoretisch angenommener Glaubwürdigkeit keine Asylrelevanz abzugewinnen. Der Beschwerdeführer habe im Verfahren einen gänzlich unglaubwürdigen Eindruck hinterlassen, welcher auch dadurch bestärkt worden wäre, dass er anlässlich seiner Erstbefragung einen gänzlich anderen Namen angeführt hätte und sein nunmehr geführter Familienname nicht jenem seines Bruders entsprechen würde. Auch die Angaben zu seiner Muttersprache und seinem Alter hätten sich im Verfahren als widersprüchlich bzw. unrichtig erwiesen.
Der Beschwerdeführer leide an keinen schwerwiegenden Erkrankungen, verfüge über neunjährige Schulbildung und befinde sich in einem arbeitsfähigen Alter, sodass es ihm zumutbar wäre, seinen Lebensunterhalt in Afghanistan durch eigene Arbeit sowie Unterstützung seiner Angehörigen zu sichern. Der Beschwerdeführer stamme aus der Provinz Wardak, wo sich unverändert dessen Eltern, Geschwister und weitere Verwandte aufhielten. Die finanzielle Lage seiner Familie sei durchschnittlich, in ihrem Besitz stünden ein Haus sowie landwirtschaftliche Grundstücke. Entsprechend den Länderfeststellungen sei dem Beschwerdeführer eine Rückkehr in sein Heimatdorf in Wardak nicht zumutbar. Als innerstaatliche Fluchtalternative stünde dem Beschwerdeführer Kabul offen, wo einer seiner Brüder leben würde, bei welchem der Beschwerdeführer Unterkunft beziehen könnte. Die Stadt Kabul sei vergleichsweise sicher und über den angrenzenden Flughafen gut erreichbar. Die afghanische Regierung habe die Kontrolle über Kabul, größere Transitrouten, Provinzhauptstädte und fast alle Distriktzentren. In einer Gesamtschau sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Afghanistan nicht in eine Notlage entsprechend Artikel 2 oder 3 EMRK gelangen würde, dieser habe bezüglich einer Rückkehrgefährdung keine exzeptionellen Umstände glaubhaft machen können. Trotz der als instabil zu bezeichnenden allgemeinen Sicherheitslage in Afghanistan sei eine Rückkehr bzw. Ansiedelung in Afghanistan im Hinblick auf die regional unterschiedliche Sicherheitslage nicht grundsätzlich ausgeschlossen und dem Beschwerdeführer aufgrund seiner individuellen Situation auch zumutbar. Dem Beschwerdeführer stünde es auch offen, sich an in Kabul ansässige nationale und internationale Hilfseinrichtungen, im Speziellen solche für Rückkehrer, zu wenden, überdies bestünde für seine in Wardak ansässige Familie auch die Möglichkeit dem Beschwerdeführer im Falle einer Neiderlassung in Kabul finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen.
Mit seinem in Österreich als anerkannter Flüchtling aufhältigen Bruder lebe der Beschwerdeführer nicht im gemeinsamen Haushalt und sei auch darüber hinaus keine besondere Bindungsintensität respektive ein Abhängigkeitsverhältnis zu erkennen. Da der Beschwerdeführer angesichts der kurzen Dauer seines Aufenthaltes auch darüber hinaus keine schützenswerten privaten Anknüpfungspunkte begründet habe, würden keine Hinderungsgründe gegen eine Rückkehrentscheidung vorliegen.
3. Gegen diesen Bescheid brachte der Beschwerdeführer durch seine nunmehrige Rechtsvertretung mit Schriftsatz vom 04.12.2017 fristgerecht Beschwerde ein. Begründend wurde nach zusammenfassender Wiedergabe des Verfahrensverlaufs im Wesentlichen ausgeführt, dass Personen, welche als "westlich" wahrgenommen würden, laut UNHCR-Richtlinien vom 19.04.2016 zu den besonderen Risikogruppen in Afghanistan zählen würden. Da der Bruder des Beschwerdeführers im Dienst der nationalen Sicherheit als Polizist für den Staat Afghanistan arbeiten würde, werde der Beschwerdeführer als "westlich" wahrgenommen und würde bei einer Rückkehr Opfer von Angriffen, insbesondere durch die Taliban, werden. Der Beschwerdeführer habe sein Heimatland aus Furcht vor Zwangsrekrutierung bzw. Gefährdung an Leib und Leben durch die Taliban verlassen und wäre dieser Verfolgungssituation im Falle einer Rückkehr nach wie vor ausgesetzt, wobei der afghanische Staat nicht willens und nicht in der Lage wäre, ihm diesbezüglich Schutz zu gewähren. Aufgrund seiner Weigerung, sich der Taliban anzuschließen, drohe dem Beschwerdeführer Verfolgung aus politischen Gründen. Zur Situation von Rückkehrenden sei auszuführen, dass die in Afghanistan tätigen Hilfseinrichtungen nur beschränkt Unterstützung leisten könnten und sich die Erwerbsmöglichkeiten für RückkehrerInnen als unzureichend erweisen würden. Hierzu sei auf den Artikel von Friederike Stahlmann mit dem Titel "Überleben in Afghanistan" (Asylmagazin 3/2017) hinzuweisen, aus welchem sich im Wesentlichen ergeben würde, dass afghanische Städte durch eine hohe Zahl von RückkehrerInnen mit immenser Zuwanderung konfrontiert wären, welche für zusehends prekäre Lebensbedingungen, insbesondere für Personen ohne soziales Netz, führen würden. Der Beschwerdeführer verfüge außerhalb seines Heimatdorfs weder über Verwandte, noch über ein sonstiges soziales Netz, welches ihm bei einer Rückkehr eine Unterkunft oder Arbeit vermitteln könnte und würde in eine mit jener von urbanen Binnenvertriebenen vergleichbare Situation geraten, welchen oftmals der Zugang zu sauberem Trinkwasser, Sanitäreinrichtungen und medizinischen Diensten fehlen würde. Die Beweiswürdigung der belangten Behörde zur fehlenden Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers erweise sich als nicht schlüssig, zumal der Beschwerdeführer sein Vorbringen nachvollziehbar, detailliert und in Einklang mit den vorliegenden landeskundlichen Berichten geschildert hätte.
Im Rahmen einer am 19.03.2018 eingelangten schriftlichen Stellungnahme führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er stamme aus einer Familie, welche bereits ins Blickfeld der Taliban geraten wäre. Der Vater des Beschwerdeführers sei Mitarbeiter des Finanzamtes in Wardak gewesen, einer seiner Brüder sei Polizist im Geheimdienst, ein anderer Bruder lebe als Regierungsmitarbeiter in Kabul. Ein weiterer Bruder sei bereits im Jahr 2011 aus Afghanistan ausgereist und in Österreich asylberechtigt, darüber hinaus halte sich ein Bruder derzeit im Iran auf. Der Beschwerdeführer sei von den Taliban mehrfach aufgesucht und aufgefordert worden, sich ihnen anzuschließen. Da er dies nicht gewollt hätte, sei er aus Afghanistan geflüchtet. Die im Rahmen der Beweiswürdigung angeführten Argumente zur Unglaubwürdigkeit des Beschwerdeführers seien jeweils einer - näher angeführten - Erklärung zugänglich. Hätte die Behörde die Länderberichte zu Talibanpräsenz und -aktivitäten gewürdigt und den Beschwerdeführer zu den Lebensumständen seiner Brüder befragt, hätte sie feststellen müssen, dass für den Beschwerdeführer eine Verfolgung ebenso in Kabul bestünde und ihm eine innerstaatliche Fluchtalternative bei seinem dort lebenden Bruder nicht offen stünde. Aus diversen näher angeführten Berichten ergebe sich, dass Zwangsrekrutierungen durch die Taliban unverändert stattfänden und Personen, welche sich einer solchen verweigern würden, einem Verfolgungsrisiko unterliegen würden, welches sich für aus dem westlichen Ausland zurückkehrende Personen als zusätzlich erhöht erweisen würde. In näher angeführten Entscheidungen der Höchstgerichte sowie des Bundesverwaltungsgerichts sei in gleichgelagerten Fällen Asylrelevanz erkannt worden. Aufgrund der beruflichen Tätigkeit seines Vaters und seiner Brüder sei der Beschwerdeführer - wie in näher angeführten Berichten belegt werde - zudem als Familienangehöriger von Personen, die tatsächlich oder vermeintlich mit der Regierung oder internationalen Gemeinschaft verbunden wären bzw. diese tatsächlich oder vermeintlich unterstützen würden, Verfolgung aufgrund seiner Zugehörigkeit zur sozialen Gruppe der Familie ausgesetzt. Den vorliegenden Länderberichten ließen sich eine volatile Sicherheitslage und sich intensivierende Aktivitäten der Taliban entnehmen, was auch zu einem erhöhten Risiko von Zwangsrekrutierungen führe. Das Länderinformationsblatt ginge von einem landesweiten, traditionellen innerstaatlichen Konflikt mit zunehmender Intensität und hohen zivilen Opferzahlen aus. Das Europäische Parlament habe in einer Entschließung vom 14.12.2017 die Völkerrechtswidrigkeit von Abschiebungen nach Afghanistan festgestellt. Die UNO hätte zuletzt im Tagesschnitt 80 "Konfliktvorfälle" im Land gezählt. Der Beschwerdeführer erweise sich dabei aus mehreren Gründen als besonders vulnerabel. Dieser sei bereits seit zweieinhalb Jahren im Ausland aufhältig und seine Familie stelle aufgrund der beschriebenen beruflichen Tätigkeit für ihn eher eine Gefahr als eine Sicherheit dar. Eine Zuflucht bei seinen Brüdern, welche selbst einer extremen Gefährdung ausgesetzt wären, würde für den Beschwerdeführer eine zusätzliche Gefährdung bewirken und wäre diesem aufgrund der beruflichen Rahmenbedingungen seiner Brüder gar nicht möglich. Dem Beschwerdeführer stehe keine interne Flucht- oder Schutzalternative offen, da dieser überall im Land Verfolgung durch die Taliban ausgesetzt wäre, welche landesweit über extensive Spitzelnetzwerke verfügen würde und ein "Untertauchen" in Afghanistan nicht möglich wäre. Eine Rückkehr nach Kabul würde aufgrund der dort prekären Sicherheitsverhältnissen jedenfalls gegen das Refoulement-Verbot verstoßen.
II. Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen:römisch zwei. Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen:
1. Feststellungen (Sachverhalt):
1.1. zur Person des Beschwerdeführers:
Der volljährige Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger von Afghanistan, gehört der Volksgruppe der Tadschiken an und ist Muslim sunnitischer Ausrichtung. Seine Identität steht nicht fest. Er wurde in Kabul geboren, wuchs jedoch in der Provinz Wardak auf, wo er neun Jahre lang die Schule besuchte. Der damals minderjährige Beschwerdeführer reiste im Jänner 2016 illegal ins Bundesgebiet ein, wo er am 17.01.2016 gegenständlichen Antrag auf internationalen Schutz stellte. Im Herkunftsstaat lebte der Beschwerdeführer zuletzt gemeinsam mit seinen Eltern und Geschwistern. In der Herkunftsprovinz des Beschwerdeführers halten sich unverändert seine Eltern und Schwestern sowie Tanten und Onkeln auf. Die Familie des Beschwerdeführers besitzt ein Haus sowie landwirtschaftliche Grundstücke, welche von ihr bewirtschaftet werden. Ein Bruder des Beschwerdeführers lebt in Kabul, wo er den Angaben des Beschwerdeführers zufolge als Regierungsmitarbeiter tätig ist, ein weiterer Bruder ist den Angaben des Beschwerdeführers zufolge als Polizist tätig und hält sich in dieser Funktion an wechselnden Orten innerhalb Afghanistans auf, ein weiterer Bruder ist im Iran aufhältig. Einem seit 2011 in Österreich aufhältigen Bruder des Beschwerdeführers wurde mit Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts vom 30.09.2014, Zl. W116 1426882-1/15E, der Status eines Asylberechtigten zuerkannt.
Der Beschwerdeführer hat den Herkunftsstaat verlassen, um in Europa bessere Lebensbedingungen vorzufinden. Die als fluchtkausal geltend gemachte Verfolgung durch die Taliban aufgrund der beruflichen Tätigkeit seiner Brüder respektive seines Vaters ist nicht glaubhaft, ebensowenig ist eine dem Beschwerdeführer aufgrund seiner Weigerung, sich einem Rekrutierungsversuch einer Talibangruppierung zu beugen, gezielt drohende landesweite Verfolgung durch die Taliban glaubhaft. Der Beschwerdeführer hätte im Falle seiner Rückkehr keine Verfolgung seitens einer Talibangruppierung zu befürchten.
Es kann auch sonst nicht festgestellt werden, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan aus Gründen der Rasse, der Religion, der Nationalität, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Ansichten von staatlicher Seite oder von Seiten Dritter bedroht wäre.
Es wird zugrunde gelegt, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in seine Herkunftsprovinz in Afghanistan ein Eingriff in seine körperliche Unversehrtheit drohen würde. Bei einer Rückkehr nach Afghanistan und einer Ansiedelung außerhalb seiner Heimatprovinz, insbesondere in der Stadt Kabul, besteht für den Beschwerdeführer als alleinstehenden gesunden leistungsfähigen Mann im berufsfähigen Alter ohne festgestellten besonderen Schutzbedarf keine solche Bedrohungssituation und liefe der Beschwerdeführer auch nicht Gefahr, grundlegende und notwendige Lebensbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung sowie Unterkunft nicht befriedigen zu können und in eine ausweglose bzw. existenzbedrohende Situation zu geraten. Der Beschwerdeführer leidet an keinen Erkrankungen.
Der unbescholtene Beschwerdeführer ist seit seiner Antragstellung im Jänner 2016 durchgehend auf Grund des vorläufigen Aufenthaltsrechts in seinem Asylverfahren rechtmäßig im Bundesgebiet aufhältig und bestreitet den Lebensunterhalt im Rahmen der Grundversorgung. Der Beschwerdeführer ist ledig und hat keine Kinder. Er ist gesund und arbeitsfähig, besuchte zuletzt einen Vorbereitungslehrgang für den Pflichtschulabschluss, absolvierte Deutschkurse und legte eine Sprachprüfung auf dem Niveau A2 mit gutem Erfolg ab. Mit seinem in Österreich als anerkannter Flüchtling aufhältigen Bruder lebt der Beschwerdeführer in keinem gemeinsamen Haushalt und es bestehen keine wechselseitigen persönlichen oder finanziellen Abhängigkeiten. Darüber hinaus hat der Beschwerdeführer in Österreich keine Verwandten und keine sonstigen engen familienähnlichen Bindungen.
1.2. Zur Lage im Herkunftsstaat:
...
Politische Lage
Nach dem Sturz des Taliban-Regimes im Jahr 2001 wurde eine neue Verfassung erarbeitet (IDEA o.D.), und im Jahre 2004 angenommen (Staatendokumentation des BFA 7.2016; vgl. auch: IDEA o.D.). Sie basiert auf der Verfassung aus dem Jahre 1964. Bei Ratifizierung sah diese Verfassung vor, dass kein Gesetz gegen die Grundsätze und Bestimmungen des Islam verstoßen darf und alle Bürger Afghanistans, Mann und Frau, gleiche Rechte und Pflichten vor dem Gesetz haben (BFA Staatendokumentation des BFA 3.2014; vgl. Max Planck Institute 27.1.2004).Nach dem Sturz des Taliban-Regimes im Jahr 2001 wurde eine neue Verfassung erarbeitet (IDEA o.D.), und im Jahre 2004 angenommen (Staatendokumentation des BFA 7.2016; vergleiche auch: IDEA o.D.). Sie basiert auf der Verfassung aus dem Jahre 1964. Bei Ratifizierung sah diese Verfassung vor, dass kein Gesetz gegen die Grundsätze und Bestimmungen des Islam verstoßen darf und alle Bürger Afghanistans, Mann und Frau, gleiche Rechte und Pflichten vor dem Gesetz haben (BFA Staatendokumentation des BFA 3.2014; vergleiche Max Planck Institute 27.1.2004).
Die Innenpolitik ist seit der Einigung zwischen den Stichwahlkandidaten der Präsidentschaftswahl auf eine Regierung der Nationalen Einheit (RNE) von mühsamen Konsolidierungsbemühungen geprägt. Nach langwierigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern der Regierung unter Führung von Präsident Ashraf Ghani und dem Regierungsvorsitzenden (Chief Executive Officer, CEO) Abdullah Abdullah sind kurz vor dem Warschauer NATO-Gipfel im Juli 2016 schließlich alle Ministerämter besetzt worden (AA 9.2016). Das bestehende Parlament bleibt erhalten (CRS 12.1.2017) - nachdem die für Oktober 2016 angekündigten Parlamentswahlen wegen bisher ausstehender Wahlrechtsreformen nicht am geplanten Termin abgehalten werden konnten (AA 9.2016; vgl. CRS 12.1.2017).Die Innenpolitik ist seit der Einigung zwischen den Stichwahlkandidaten der Präsidentschaftswahl auf eine Regierung der Nationalen Einheit (RNE) von mühsamen Konsolidierungsbemühungen geprägt. Nach langwierigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern der Regierung unter Führung von Präsident Ashraf Ghani und dem Regierungsvorsitzenden (Chief Executive Officer, CEO) Abdullah Abdullah sind kurz vor dem Warschauer NATO-Gipfel im Juli 2016 schließlich alle Ministerämter besetzt worden (AA 9.2016). Das bestehende Parlament bleibt erhalten (CRS 12.1.2017) - nachdem die für Oktober 2016 angekündigten Parlamentswahlen wegen bisher ausstehender Wahlrechtsreformen nicht am geplanten Termin abgehalten werden konnten (AA 9.2016; vergleiche CRS 12.1.2017).
Parlament und Parlamentswahlen
Generell leidet die Legislative unter einem kaum entwickelten Parteiensystem und mangelnder Rechenschaft der Parlamentarier gegenüber ihren Wähler/innen. Seit Mitte 2015 ist die Legislaturperiode des Parlamentes abgelaufen. Seine fortgesetzte Arbeit unter Ausbleiben von Neuwahlen sorgt für stetig wachsende Kritik (AA 9.2016). Im Jänner 2017 verlautbarte das Büro von CEO Abdullah Abdullah, dass Parlaments- und Bezirksratswahlen im nächsten Jahr abgehalten werden (Pajhwok 19.1.2017).
Die afghanische Nationalversammlung besteht aus dem Unterhaus, Wolesi Jirga, und dem Oberhaus, Meshrano Jirga, auch Ältestenrat oder Senat genannt. Das Unterhaus hat 249 Sitze, die sich proportional zur Bevölkerungszahl auf die 34 Provinzen verteilen. Verfassungsgemäß sind für Frauen 68 Sitze und für die Minderheit der Kutschi 10 Sitze im Unterhaus reserviert (USDOS 13.4.2016 vgl. auch: CRS 12.1.2017).Die afghanische Nationalversammlung besteht aus dem Unterhaus, Wolesi Jirga, und dem Oberhaus, Meshrano Jirga, auch Ältestenrat oder Senat genannt. Das Unterhaus hat 249 Sitze, die sich proportional zur Bevölkerungszahl auf die 34 Provinzen verteilen. Verfassungsgemäß sind für Frauen 68 Sitze und für die Minderheit der Kutschi 10 Sitze im Unterhaus reserviert (USDOS 13.4.2016 vergleiche auch: CRS 12.1.2017).
Das Oberhaus umfasst 102 Sitze. Zwei Drittel von diesen werden von den gewählten Provinzräten vergeben. Das verbleibende Drittel, wovon 50% mit Frauen besetzt werden müssen, vergibt der Präsident selbst. Zwei der vom Präsidenten zu vergebenden Sitze sind verfassungsgemäß für die Kutschi-Minderheit und zwei weitere für Behinderte bestimmt. Die verfassungsmäßigen Quoten gewährleisten einen Frauenanteil von 25% im Parlament und über 30% in den Provinzräten. Ein Sitz im Oberhaus ist für einen Sikh- oder Hindu-Repräsentanten reserviert (USDOS 13.4.2016).
Die Rolle des Zweikammern-Parlaments bleibt trotz mitunter erheblichem Selbstbewusstsein der Parlamentarier begrenzt. Zwar beweisen die Abgeordneten mit der kritischen Anhörung und auch Abänderung von Gesetzentwürfen in teils wichtigen Punkten, dass das Parlament grundsätzlich funktionsfähig ist. Zugleich nutzt das Parlament seine verfassungsmäßigen Rechte, um die Regierungsarbeit destruktiv zu behindern, deren Personalvorschläge z. T. über längere Zeiträume zu blockieren und sich Zugeständnisse teuer abkaufen zu lassen. Insbesondere das Unterhaus spielt hier eine unrühmliche Rolle und hat sich dadurch sowohl die RNE als auch d