Entscheidungsdatum
12.06.2018Norm
AsylG 2005 §10 Abs1 Z3Spruch
W153 2195153-1/7E
IM NAMEN DER REPUBLIK!
Das Bundesverwaltungsgericht hat durch den Richter Mag. Christoph KOROSEC als Einzelrichter über die Beschwerde von XXXX, geb. XXXX, StA. Senegal, gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom 12.04.2018, Zl. 1087998205-151390475, zu Recht erkannt:Das Bundesverwaltungsgericht hat durch den Richter Mag. Christoph KOROSEC als Einzelrichter über die Beschwerde von römisch 40 , geb. römisch 40 , StA. Senegal, gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom 12.04.2018, Zl. 1087998205-151390475, zu Recht erkannt:
A) Die Beschwerde wird als unbegründet abgewiesen.
B) Die Revision ist gemäß Art 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig.B) Die Revision ist gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG nicht zulässig.
Text
ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE:
I. Verfahrensgang:römisch eins. Verfahrensgang:
Der Beschwerdeführer, ein Staatsangehöriger von Senegal, stellte am 20.09.2015 den vorliegenden Antrag auf internationalen Schutz in Österreich und wurde am selben Tag einer niederschriftlichen Erstbefragung unterzogen. Hierbei gab er an, dass er in der Heimat als Mechaniker auf einem Schiff gearbeitet und im Zuge dessen einmal auf dem Schiff versteckte illegale Migranten entdeckt habe. Nachdem er dies herausgefunden habe, habe er Probleme mit seinem Arbeitgeber bekommen, weshalb er geflohen sei. Er habe seine Heimat 2009 verlassen und sei über die Türkei nach Griechenland gereist, wo er sich ungefähr fünf Jahre aufgehalten habe. Danach sei er über Mazedonien und Ungarn nach Österreich gereist. Er habe hier keine Familienangehörigen. Der Beschwerdeführer sei geschieden. Seine Eltern, zwei Brüder, vier Schwestern und seine Tochter seien noch im Senegal aufhältig. Im Falle einer Rückkehr in die Heimat befürchte der Beschwerdeführer, von seinem Arbeitgeber getötet zu werden.
Am 26.02.2018 wurde der Beschwerdeführer vor dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) einvernommen. Hierbei legte er einige Dokumente hinsichtlich seiner Integration vor. Konkret handelt es sich um eine Teilnahmebestätigung an der Dialogveranstaltung "MEN TALK" vom 20.12.2017 sowie an einem Kunstworkshop, eine Teilnahmebestätigung am Steirischen Frühjahrsputz am 22.04.2017 und an Straßenreinigungen (im Zeitraum vom 29.08.2016 bis 02.02.2018 im Ausmaß von 227,5 Stunden) sowie um Teilnahmebestätigungen an Deutschkursen.
Sodann führte er im Wesentlichen Folgendes aus (unkorrigiert und gekürzt durch das Bundesverwaltungsgericht):
"...
LA: Womit haben Sie im Herkunftsland Ihren Lebensunterhalt bestritten?
VP: Ich war Mechaniker.
LA: Wann haben Sie den Entschluss gefasst Ihr Herkunftsland zu verlassen?
VP: Ich war Mechaniker auf einem Schiff und ich habe immer wieder Wartungs- und Reparaturarbeiten gemacht und da habe ich blinde Passagiere gesehen. Das habe ich dann meinen Kollegen gesagt und der sagte wir sollten das auf der senegalesischen Botschaft in Marokko sagen, dass da irgendetwas nicht normal ist, da das Schiff in die Türkei fahren hätte sollen. Der Chef am Schiff hat zu meinem Freund gesagt er solle davon nichts sagen sonst wäre sein Kopf ab und dann habe ich meinen Freund nicht mehr gesehen, das heißt sie haben ihn eliminiert, da habe ich dann beschlossen zu fliehen, ich hatte nicht im Senegal vor den Senegal zu verlassen.
LA: Wann haben Sie schlussendlich Ihr Herkunftsland tatsächlich verlassen?
VP: Ich habe am 13.11.2009 den Senegal verlassen.
LA: Bis wie viele Tage, Wochen, Monate vor Ihrer Ausreise waren Sie als Mechaniker tätig?
VP: Ein Monat hat es gedauert bis ich in die Türkei gekommen bin.
LA: Haben Sie noch Angehörige im Senegal? Wenn ja, welche?
VP: Meine Eltern und meine Geschwister leben noch im Senegal.
LA: Haben Sie Kontakt zu Ihren Angehörigen im Herkunftsland?
VP: Nein
LA: Warum nicht?
VP: Weil ich bedroht war, mein Kollege auf dem Schiff war wie einer von der Familie und sie wussten, dass ich auch reden werde.
LA: Wann und in welcher Form hatten Sie letztmalig Kontakt zu Ihren Angehörigen im Senegal?
VP: 2012 mit dem Telefon.
LA: Warum ist dann ausgerechnet 2012 der Kontakt abgebrochen?
VP: Es ist so, dass ich dann über die Türkei nach Griechenland geflohen bin und mein Vater Ingenieur ist und auch auf Schiffen arbeitet. Ich habe ihm die ganze Sache erklärt und er hat gemeint, dass ich ja nicht zurückkehren soll weil diese Leute die Mittel und Möglichkeiten haben mich zu finden, weil ich ja geredet habe.
LA: Können Sie die Telefonnummer mit welcher Sie letztmalig mit Ihren Angehörigen Kontakt hatten nennen?
VP: Nein es war in Griechenland aus einer Telefonzelle und deshalb weiß ich jetzt die Nummer nicht mehr.
...
LA: Haben Sie somit alle Gründe die Sie veranlasst haben Ihre Heimat, Senegal zu verlassen vollständig und ausführlich wiedergegeben?
VP: Wie ich auf das Schiff gegangen bin hatte ich nicht vor nach Österreich oder Griechenland zu kommen, sondern weil ich einen Vertrag als Mechaniker hatte, aber wie ich dann die blinden Passagiere gesehen habe und wie sie meinen Freund umgebracht haben wusste ich, dass ich fliehen muss, weil sie Angst hatten, dass ich reden werde und mein Leben somit in Gefahr war.
LA: In welchem Zeitraum waren Sie als Mechaniker auf Schiffen unterwegs?
VP: Das weiß ich nicht genau, ich habe nicht lange die Schule besucht und eines Tages hat mich mein Vater mit zum Hafen genommen wo die ganzen Schiffe sind und hat gesagt da kannst du beginnen zu arbeiten und so hat das dann begonnen.
LA: Wie hieß das Schiff auf welchem Sie zuletzt tätig waren?
VP: Ich weiß nicht wie das Schiff geheißen hat, es lag vor der Insel Gorje vor Anker und da es nicht mehr fahrtauglich war, sollten wir es reparieren, damit es in die Türkei fahren kann.
LA: Um welche Art von Schiff handelte es sich hierbei?
VP: Es war ein Tanker.
LA: Wie stark war die Besatzung dieses Schiffes?
VP: Drei Senegalesen und vier Türken.
LA: Was haben Sie genau auf diesem Schiff gemacht?
VP: Ich habe als Mechaniker bzw. als Öler am Schiff gearbeitet.
LA: Welche Details über das Schiff können Sie uns nennen? (Motorisierung, Anzahl der Turbinen, Größe, Besatzung, etc.)
VP: Ich weiß nicht wie stark der Motor war, da waren ja andere dafür zuständig, ich war ja nur der Öler, aber es war ein großes Schiff so wie Tanker nun mal eben sind.
LA: Sie können demnach keine Angaben weder zum Namen noch zu Detail des Schiffes auf welchem Sei arbeiteten machen?
VP: Den Namen kann ich nicht nennen, aber welche Details zum Beispiel?
LA: Sie gaben an, dass das Schiff nicht mehr fahrtauglich war, waren Sie dann tatsächlich dabei beteiligt es wieder fahrtauglich zu bekommen?
VP: Ja
LA: Was haben Sie dabei gemacht?
VP: Ich habe das getan was mein Chef mir gesagt hat, wenn er mir sagte, dass ich etwas abmontieren soll, dann habe ich es gemacht und wenn er gesagt hat, dass ich etwas abmachen soll, dann habe ich das auch gemacht.
LA: Unter welcher Flagge fuhr dieses Schiff?
VP: Meinen Sie davor?
LA: Welcher Landsmann war der Kapitän?
VP: Er war Türke. Es gab zwei Kapitäne, einer war Türke und einer war Senegalese.
LA: Waren Sie legal auf diesem Schiff beschäftigt?
VP: Nein, sie haben mich nur mit meiner Meeresbescheinigung am Schiff arbeiten lassen.
LA: Wie stark war nun die tatsächliche Besatzung dieses Schiffes?
VP: Neun Personen, glaube ich, es ist schon lange her.
LA: Was transportierte dieses Schiff?
VP: Ich habe nur blinde Passagiere gesehen, ich habe nicht gesehen was dieses Schiff transportiert. Ich habe nicht gesehen was dieses Schiff transportierte, das war auch nicht meine Aufgabe, ich hatte nur arbeiten sollen.
LA: Mit welchem Zielhafen hat das Schiff auf Ihrer letzten Reise den Ausgangshafen verlassen?
VP: Ich glaube das war Çanakkale, das war das erste Mal, dass ich aus dem Senegal weggewesen bin. Nachgefragt gebe ich an, dass wir in Gorée, Dakar, Senegal gestartet sind.
LA: Wo haben Sie schlussendlich das Schiff verlassen?
VP: In der Türkei
LA: Wann haben Sie bemerkt, dass sich blinde Passagiere am Schiff befinden?
VP: Als wir Gorée verlassen haben und in Richtung Marokko aufzubrechen, weil der Treibstoff und das Essen ausgingen hat der Chef gesagt, dass wir in Marokko diese Dinge besorgen werden und dann weiter in die Türkei fahren werden.
LA: Was haben Sie unternommen als Sie bemerkten, dass sich blinde Passagiere am Schiff befinden?
VP: Ich habe das meinem Freund gesagt, was ich gesehen habe und mein Freund hat gemeint, dass wir in Marokko zur Botschaft gehen sollen um das zu melden und das hat dann der Chef mitgekriegt.
LA: Können Sie irgendwie belegen, dass Sie je auf einem Schiff gearbeitet haben?
VP: Nein ich habe nichts, ich hatte keine Möglichkeit Fotos zu machen da ich mit dem Tode bedroht war.
LA: Warum hat der Chef dann Ihren Freund umgebracht und Sie am Leben gelassen?
VP: Mein Freund war ein Typ der keine Angst hatte, ich schon, er hat sehr viel geredet und er hat gesagt, dass er das bekannt geben wird, ich habe mich still verhalten.
LA: Wie lange dauerte die Fahrt von Gorée bis in die Türkei wo Sie das Schiff verlassen haben?
VP: Ein Monat.
LA: Wie viele blinde Passagiere befanden sich auf dem Schiff?
VP: Es waren sehr viele, man hat sie dort untergebracht wo normal die Waren untergebracht waren, ich habe sie nur kurz gesehen, ich hatte auch Angst und daher kann ich nicht sagen wie viele es waren.
LA: War es ein Geheimnis, dass sich sehr viele blinde Passagiere über ein Monat lang am Schiff aufgehalten haben?
VP: Ja, aber da ich in vielen Bereichen am Schiff war, habe ich sie dann gesehen.
LA: Wer hat die blinden Passagiere am Schiff mit Lebensmitteln versorgt?
VP: Das weiß ich nicht, ich wusste ja auch nicht, dass sie da sind, das muss der Chef gewusst haben, das haben die ausgemacht.
LA: Woher wusste Ihr Chef, dass Sie von den blinden Passagieren am Schiff wussten?
VP: Wie ich das mit den blinden Passagieren gesehen habe, habe ich mit meinem Freund diskutiert und mein Freund hat gesagt, das muss man bekanntgeben ich war da eher zurückhaltender und das hat der Chef mitbekommen.
LA: Haben somit schlussendlich alle Besatzungsmitglieder am Schiff von den blinden Passagieren gewusst?
VP: Vielleicht das weiß ich nicht, ich habe ja hauptsächlich unter Deck gearbeitet, vielleicht wussten die anderen auch davon.
LA: Hatten Sie je Probleme im Senegal?
VP: Nein
LA: Konnten Sie das Schiff dann schlussendlich in der Türkei problemlos verlassen?
VP: Nein ich war bedroht, habe weder meine Tasche noch meine Bezahlung entgegengenommen und bin geflohen, weil ich ihren Plan verstanden hatte. Sie konnten mich am Schiff während der Fahrt nicht töten, weil sie mich ja noch benötigten und mein Freund ja nicht mehr da war und einmal angekommen hätten sie das tun können und deshalb bin ich dann geflohen.
LA: Haben Sie das Schiff schlussendlich dann gemeinsam mit den blinden Passagieren verlassen?
VP: Ich bin allein aus dem Schiff raus und habe alles hinter mir gelassen so wie es war. Wir haben nach Gorée nur in Marokko einen Zwischenstopp gemacht und dann sind wir in die Türkei.
LA: Wer bedrohte Sie am Schiff?
VP: Der Chef.
LA: In welcher Form hat Sie der Chef bedroht?
VP: Er wusste, dass er ein Problem hatte aus zwei Gründen, weil er ja einerseits meinen Kollegen umgebracht hatte und andererseits die blinden Passagiere an Bord hatte.
LA: Demnach hat er Sie persönlich konkret jedoch nicht bedroht, ist das richtig?
VP: Schon weil wenn er mich nicht direkt bedroht hätte, dann wäre ich nicht geflohen. Mein Kollege und ich wussten ja von den blinden Passagieren und mein Chef wollte nicht, dass wir reden.
LA: Wie wurden Sie nun konkret von Ihrem Chef bedroht?
VP: Er ist eines Tages in den Maschinenraum gekommen und hat gesagt, dass er mich töten würde wenn ich darüber reden würde, dass mein Freund nicht mehr da wäre und dass es blinde Passagiere am Schiff gäbe.
LA: Somit hätte Ihr Chef nach dieser Drohung davon ausgehen müssen, dass Sie das Schiff in der Türkei verlassen werden. Ist das richtig?
VP: Er wusste nichts von meinem Plan aber ich wusste, dass ich fliehen muss weil Sie mich töten würden. In der Art und Weise wie er mich bedroht hat habe ich gesehen, dass ich fliehen muss und ich war dann der Erste der geflohen ist als das Schiff an Land ging.
LA: Wie viele Männer waren auf diesem Tankerschiff im Maschinenraum mit Ihnen tätig?
VP: Wir waren zu viert und einer davon war ein türkischer Elektriker, insgesamt waren wir aber vier.
LA: Somit hätte das Schiff auch ohne Ihre Anwesenheit weiter betrieben werden können oder?
VP: Sie haben die Türken nur zur Überwachung und zur Wartung dort gelassen, die die aber die wirkliche händische Arbeit leisteten waren mein Freund und ich.
LA: Geben Sie ein Beispiel dafür was Sie dermaßen unersetzlich auf dem Schiff gemacht hat, was konnten Sie was sonst keiner konnte?
VP: Ich war nicht unersetzlich, aber während der Fahrt auf dem Meer hätte man mich nicht ersetzen können.
LA: Was haben Sie nun während der Fahrt auf dem Meer gemacht was niemand anders sonst machen hätte können?
VP: Dieses Problem ist ja erst während der Fahrt aufgetaucht.
LA: Was haben Sie während der Fahrt auf dem Schiff im Maschinenraum gemacht? Erklären Sie bitte Ihre Tätigkeit dort im Detail.
VP: Auf Gorée habe ich das Schiff repariert und Sie haben ja gesagt ich soll nicht lügen und das war das was meine Arbeit gewesen ist.
LA: Kennen Sie sich mit Schiffsmotoren aus?
VP: Meine Funktion am Schiff war nicht sehr hoch ich war nur Öler und habe gemacht was der Chef mit gesagt hat.
LA: Hätte eine tatsächliche Tötungsabsicht des Chefs bestanden so ist es nicht nachvollziehbar, dass es Ihnen möglich war unerkannt das Schiff in der Türkei zu verlassen?
VP: Ich habe ja dort gearbeitet nur ich kann das wissen, von hier aus kann man das nicht beurteilen.
LA: Wurden die anderen Besatzungsmitglieder auch bedroht?
VP: Nein, weil Sie die illegalen wahrscheinlich auch nicht gesehen haben.
LA: Wie groß war dieses Schiff?
VP: Ein Tanker war es, kennen Sie Tanker?
LA: Wurden Sie nur von Ihrem Chef bedroht?
VP: Ja nur vom Chef.
LA: Warum hat Sie der Chef bedroht, Sie gaben an, dass Sie ruhig waren und nichts über die blinden Passagiere redeten?
VP: Weil ich die blinden Passagiere gesehen haben und erlebt habe wie sie meinen Freund erledigten.