Am 30. Mai 2000 stellte der beschwerdeführende Verein einen Antrag auf Anerkennung als psychotherapeutische Ausbildungseinrichtung gemäß § 7 Psychotherapiegesetz. Im Hinblick auf einen Formfehler dieses Antrages (statt Originalunterschrift Unterschriftenstempel) reichte die beschwerdeführende Partei mit Schreiben vom 17. August 2000 ein entsprechend gefertigtes Formblatt sowie die Statuten des Vereins "Neuro-Linguistisches Programmieren" und die Publikation "Theorie und Praxis Neuro-Linguistischer Psychotherapie" von Schütz/Schneider-Sommer/Gross/Jelem/Brandstetter-Halberstadt (2001) nach.Am 30. Mai 2000 stellte der beschwerdeführende Verein einen Antrag auf Anerkennung als psychotherapeutische Ausbildungseinrichtung gemäß Paragraph 7, Psychotherapiegesetz. Im Hinblick auf einen Formfehler dieses Antrages (statt Originalunterschrift Unterschriftenstempel) reichte die beschwerdeführende Partei mit Schreiben vom 17. August 2000 ein entsprechend gefertigtes Formblatt sowie die Statuten des Vereins "Neuro-Linguistisches Programmieren" und die Publikation "Theorie und Praxis Neuro-Linguistischer Psychotherapie" von Schütz/Schneider-Sommer/Gross/Jelem/Brandstetter-Halberstadt (2001) nach.
Mit Schreiben vom 25. April 2001 übermittelte die beschwerdeführende Partei Informationen zum Curriculum und zu den Lehrpersonen.
In seiner Sitzung vom 11. Dezember 2001 erstattete der Psychotherapiebeirat zum vorgelegten Ansuchen ein Gutachten nach folgenden Kriterien:
"a) Wissenschaftlich-psychotherapeutische Theorie des Erlebens und menschlichen Handelns und der Veränderung desselben;
Eigenständigkeit der Methodik;
Mehrjährige Erprobung der Methodik in der praktischen Anwendung;
d) Wirksamkeit im Hinblick auf psychosozial oder auch psychosomatisch bedingte Verhaltungsstörungen und Leidenszustände (Wirksamkeitsforschung);
e) Gewährleistung der Erreichung der Ausbildungsziele (§ 6 leg. cit. ausgenommen das Praktikum gemäß § 6 Abs. 2 Z. 2 leg. cit.) durch Inhalt und Umfang des Curriculums; e) Gewährleistung der Erreichung der Ausbildungsziele (Paragraph 6, leg. cit. ausgenommen das Praktikum gemäß Paragraph 6, Absatz 2, Ziffer 2, leg. cit.) durch Inhalt und Umfang des Curriculums;
f) Gewährleistung der Erreichung der Ausbildungsziele (§ 6 leg. cit. ausgenommen das Praktikum gemäß § 6 Abs. 2 Z. 2 leg. cit.) durch Kenntnisse und Fähigkeiten des Lehrpersonals" f) Gewährleistung der Erreichung der Ausbildungsziele (Paragraph 6, leg. cit. ausgenommen das Praktikum gemäß Paragraph 6, Absatz 2, Ziffer 2, leg. cit.) durch Kenntnisse und Fähigkeiten des Lehrpersonals"
Er führte folgendes aus:
"Ad a) Theoretische Grundlagen:
Die Neuro-Linguistische Psychotherapie (NLPt) wird als 'systemische imaginative Psychotherapiemethode mit integrativkognitivem Ansatz und sinnesspezifischer Ausrichtung' bezeichnet. Hervorgehoben werden die ziel- und ressourcenorientierte Arbeit unter besonderer Berücksichtigung der Repräsentationssysteme und Beziehungsmatrizen der Person; Ziel der Methode ist es, Menschen beim Erreichen ökologisch verträglicher Ziele (im Sinne einer Balance) zu begleiten und zu unterstützen, und die den Krankheitssymptomen subjektiv zugrunde liegenden guten Absichten innerlich durch Wertschätzung so zu positionieren, dass alte Fixierungen an inneres und äußeres unproduktives Verhalten und Einstellungen gelöst, und neues subjektiv und intersubjektiv gesundes Verhalten und Einstellungen daraus resultieren können.
Neuro-Linguistisches Programmieren (NLP) und NLPt basieren auf der Theorie der sinnesspezifischen Repräsentationssysteme (Grundbausteine der Informationsverarbeitung und des subjektiven Erlebens) von William James, der Theorie der Transformationsgrammatik von Noam Chomsky, der Annahme einer grundsätzlichen Zielorientiertheit menschlichen Handelns (Miller, Galanter, Pribram), der Kybernetik der Theorie des Geistes von Gregory Bateson, insbesondere der logischen Ebenen des Lernens, der Unified Field Theory von Robert Dilts, der sozial-kognitiven Lerntheorie von Albert Bandura, sowie auf der Grundannahme der Existenz funktionalautonomer Persönlichkeitsanteile mit bewussten und unbewussten Prozesskomponenten. Diese unterschiedlichen Ansätze werden im einzelnen und ausführlich dargestellt.
Die Ansätze - ergänzt durch Anleihen aus verschiedenen Psychotherapieeinrichtungen (Gestalttherapie, Systemische Familientherapie, Hypnotherapie, später auch aus der Jung'schen Psychotherapie und der Bindungstheorie) - sind jedoch nicht miteinander verknüpft. Der rote Faden scheint die Idee der Veränderung des sinnesspezifischen Ausdrucks und die damit mögliche Beeinflussung des Verhaltens durch verbale und nonverbale Zugänge zu sein - ein im wesentlichen lerntheoretischer Ansatz. Dies wird ausführlicher in den Repräsentationssystemen, in den logischen Ebenen des Lernens und in der sozial-kognitiven Lernmethode dargestellt. Im Übrigen fühlt sich die NLPt dem systemisch-kybernetischen Denken verbunden. Ein Exkurs zu einer Umsetzung des Begriffs 'Ökologie' für die Psychotherapie ist eingebunden.
Ein konsistentes oder vernetztes System der theoretischen Grundlagen stellt dies in der vorliegenden Darstellung der Theorien nicht dar. Auf die erkenntnistheoretischen Grundlagen und auf viele inhaltliche Aspekte der mannigfach herangezogenen Theorien oder einzelner Theoreme wird nicht eingegangen, es wird nur der Aspekt beschrieben, der eklektisch zum NLP hinzugefügt wurde. Auch die grundlegende sinnesspezifische Ausrichtung wird in der Folge sehr konkretistisch dargestellt; sie drückt in der vorliegenden Fassung ein verkürztes Körperverständnis aus, das im weiteren methodisch-taktisch, nicht grundsätzlich ausgeführt wird.
Diese Bruchstückhaftigkeit wird in einer 'erkenntnistheoretisch wissenschaftlichen Präambel' auch eingestanden: NLP bzw. NLPt habe 'theoretisch wie praktisch unterschiedliche, jeweils einen Ausschnitt beleuchtende Theoriemodelle integriert'. Dabei ist anzumerken, dass die Theorien in einer sehr vereinfachten, fallweise lehrbuchhaften Darstellung wiedergegeben sind. Möglicherweise könnte in einer aktuelleren, moderneren Fassung der Theorie- und Denkmodelle die gemeinte Verbindung, eine weitergehende Integration - nicht nur auf der pragmatischen Ebene der Techniken - leichter dargestellt werden.
Die Inkonsistenz der verwendeten Begriffe wäre u.a. am Beispiel der Verwendung des Begriffs 'Modell' darzustellen. Oder ebenso an der vielfältigen Verwendung des Begriffs 'unbewusst'.
Persönlichkeitstheorie:
Bateson bezeichnet den Menschen und den Geist als ein kybernetisches System, das inkludiert auch den Körper, das äußere und innere Verhalten und die Umwelt. Die NLPt basiert auf diesem Persönlichkeitsmodell und bezieht die Überlegungen von Korzybski, W. James und Bandura ein. Die psychotherapeutische Modellvorstellung vom Menschen lässt sich dann systemtheoretisch so skizzieren: Jedes Verhalten ist in Beziehung zu allen anderen Verhaltensweisen im spezifischen Kontext und unter bestimmten ökologischen Bindungen gleichzeitig Ursache und Wirkung. Die in der klassischen Psychologie verwendeten Begriffe 'Persönlichkeitsmerkmale' und 'Persönlichkeitseigenschaften' entsprechen dem Begriff 'Meta-Programme'. Die NLPt geht davon aus, dass wesentliche Fragestellungen in der Therapie erst im Kontext größerer Zusammenhänge im persönlichen Lebenslauf und unter der Perspektive mehrerer Generationen analysiert, geklärt und gelöst werden können. Bei der Persönlichkeitsentwicklung bezieht sich die NLPt auf das Modell von Erik H. Erikson. Dabei haben Menschen all das in sich, was sie für ihre Entwicklung brauchen.
Hier ist anzumerken, dass die vielen unterschiedlichen Theoriemodelle, auf die sich die NLPt in ihrer Persönlichkeitstheorie bezieht, weitgehend unverbunden neben einander stehen. Es hat den Anschein, als ginge es darum, viele im Feld der Psychotherapie geläufige Theorien unterzubringen. Für diesen - hochrangigen - Anspruch der Integration und Zuordnung der Theoriemodelle wäre aber eine tiefgreifende Untersuchung der erkenntnistheoretischen Grundlagen der Denkmodelle erforderlich. Ein solcher Anspruch wird nicht eingelöst, es wird auch kein erkennbarer Versuch dazu unternommen, nicht einmal die Unterscheidung von erfahrungsnahen und erfahrungsferneren Theorien und ihrer Sprache wird vorgenommen.
Menschenbild:
Hier wird zuerst auf die Vielfalt der Theoriemodelle Bezug genommen: 'Schulenspezifische Modellbildungen sind in erster Linie Voraussetzung für die fachliche Handlungsfähigkeit des Therapeuten, ersetzen aber nicht das subjektive Menschenbild des handelnden Menschen, der psychotherapeutisch tätig ist.'
Im weiteren geht die NLPt von einem offen orientierten und integrativen Menschenbild aus, es integriert systemischimaginative, phänomenologische und biologisch-kybernetische Anschauungen, insbesondere durch Einbeziehung psychodynamischer und gestaltungspsychologischer Aspekte, sowie die vor allem für psychobiologisches Verständnis notwendigen relevanten Konzeptionen der kognitiven Psychologie und Hirnforschung. Die Integration dieser Menschenbilder und Konzeptionen erfolgt entlang einer spezifischen Organisationsstruktur und einer Orientierung in unterschiedlichen Ebenen (Modell der logischen Ebenen). Das bedeutet, dass auf der Ebene von Verhalten und Fähigkeit behavioristische und kognitive Modelle benützt werden, im Bereich der Glaubens- und Wertsysteme psychodynamische ressourcenorientierte Orientierungsarbeit geleistet wird (Reframing) und bei Fragen der Identität sowie des Miteinanderlebens in der Sozietät systemische Menschenbilder benützt werden (strategische Interventionen sowie diskrete und offene Symbolarbeit). Hinter jedem Verhalten des Menschen steht eine positive Absicht, die NLPt geht also von einem ganzheitlichen positiven Menschenbild aus.
In der Beschreibung des Menschenbildes ist die Darstellung
eklektisch, mehr noch: inselhaft unverknüpft. Die Gründer, Bandler
u. a. 'scheuen (sich), ihr Modell als solches
wissenschaftsgeschichtlich ... zu lokalisieren', die Autoren des
Ansuchens verstehen NLP sehr selbstbewusst in ihrem
'Selbstverständnis als Wissenschaft des subjektiven Erlebens,
(die) ... NLPt gleichsam in eine ergänzende Position zu
konventioneller Wissenschaftlichkeit' stellt. Es wird verständlich, dass NLPt nicht als eine Schule unter anderen verstanden wird, sondern als Container für Theorien aus mehreren (vielen) Schulen. In Bezug auf das Menschenbild bedeutet dies die Quadratur des Kreises, es muss also auf das subjektive Menschenbild des handelnden Psychotherapeuten und des behandelten Klienten rekurriert werden. Es muss daher immer pragmatisch ausgehandelt werden und wird nicht systematisch mitreflektiert. Die Theorie des NLPt vermeidet offenbar absichtlich eine Festlegung, eine Zuordnung zu einem Menschenbild. Dies ist eine klare, aber offenbar systematische Unzulänglichkeit: Mit dem Hinweis auf die Ganzheitlichkeit des Menschen wird die Grundlegung der Loyalität zu einer - für NLPt - gemeinsamen Auffassung dieser Ganzheitlichkeit verhindert.
Zum Ätiologiemodell und zum Gesundheits- und Krankheitsbegriff:
Das theoretische Ätiologiekonzept von NLPt benützt die Prinzipien der Informationstheorie und der Phänomenologie, um die Entstehung von Störungen zu beschreiben. Während die Phänomenologie ein geistiges Ereignis direkt als Erfahrung betrachtet, beschreibt die Informationstheorie, was im Bewusstsein des Menschen geschieht (Verarbeitung, Speicherung und Nutzung sinnlicher Daten, Dynamik von Aufmerksamkeit und Erinnerung). Auffallend und vermutlich charakteristisch dafür ist die Verwendung des Begriffs 'Nützlichkeit': NLPt 'versteht sich als subjektive Wissenschaft mit Nützlichkeitsanspruch auf die menschliche Psyche. Nützlich ist im Sinne des NLP all das, was Menschen hilft, ihre eigenen (Lebens-)Ziele unter Berücksichtigung ihres gesamten Umfelds zu erreichen, bzw. erst einmal zu entdecken und dann zu erreichen.'
Man geht von der Annahme aus, dass genetische Disposition, Persönlichkeitsentwicklung, Prägung (signifikante Erfahrungen), subjektive Bedürfnisse und Ziele, Lebenszyklus, Prozessverläufe, Regeln, Normen und Werte, Wertschätzung und Kongruenz des Einzelnen und systemische Interaktionsmuster an der Entstehung von Störungen mitbeteiligt sind.
Das Symptom ist für die NLPt ein kreativer Versuch, mitzuteilen, dass Loyalitätsbindungen, festgefahrene Glaubenshaltungen und Überzeugungen, fehlende inadäquate oder ineffiziente Ziele sowie alte, oft überholte, starre und inadäquate Verhaltensmuster die Gesundheit blockieren. Die psychische Störung ist eine Unfähigkeit, aktiv, langfristig und zielbewusst zu planen und die entsprechende Handlungskompetenz bzw. Zielangemessenheit zu entwickeln.
Wiederum wird auf mehrere Theorien verwiesen. Die Entwicklungspsychologie ist - in der vorliegenden Darstellung - tiefenpsychologisch, die Theorie der Symptombildung an der Verhaltenstheorie, die Auffassung von der psychischen Störung systemisch orientiert.
Das Selbstverständnis als subjektive Wissenschaft mit Nützlichkeitsanspruch auf die menschliche Psyche lässt erläutern, was hier irritiert: Es ist nicht von einer Wissenschaft vom subjektiven Erleben die Rede, sondern von einer subjektiven Wissenschaft, also einer Wissenschaft, die das Subjekt, der Einzelne (gemeint ist wohl der Psychotherapeut) betreibt, entwirft. Nützlichkeitsanspruch kann dann nur heißen: Der Psychotherapeut weiß, was dem Menschen hilft, seine (Lebens-)Ziele zu entdecken. Zusammen mit dem mehrfach betonten Rekurs auf die Bedeutung des Menschenbildes des handelnden Psychotherapeuten ist damit dem NLPt-Therapeuten die Freiheit gegeben, das Theoriemodell zu wählen, das ihm persönlich am meisten entspricht, wenn er sich nur an die Technik hält.
Anders ausgedrückt: Wegen des Verzichts auf ein verbindliches Menschenbild wird auch kein nachvollziehbares Verständnis von Gesundheit und Krankheit entwickelt, daraus resultierend scheint auch keine Krankheitslehre entwickelt worden zu sein; all das ist der Subjektivität der handelnden Personen überlassen. NLPt ist dementsprechend klinisch nicht verankert.
Zur Umsetzung: Theorie der praktischen Anwendung, Technik und Wirkweise:
Für die praktische Anwendung wird die therapeutische Beziehung genannt, die jedoch nur die Grundlage für spezifische Interventionstechniken bildet, dann Übertragung/Gegenübertragung, der Umgang mit dem Widerstand und die Arbeitsvereinbarungen. Eine der effektivsten Methoden, den Rapport herzustellen ist das Pacing. Hierbei werden Elemente des eigenen Verhaltens dem wahrgenommenen Verhalten des Klienten angeglichen. Hinsichtlich der Glaubens- und Wertsysteme wird auch ein allgemeines Spiegeln angestrebt. Ist genügend Rapport aufgebaut, geht man zum Führen und Lenken mittels innerer Denkprozesse und äußerer Verhaltensweisen über (Leading). Es werden neue Alternativen im Denken und Handeln gesucht. Die NLPt nimmt an, dass sich Therapeut und Klient gegenseitig beeinflussen (Übertragung/Gegenübertragung). Im Gegensatz zur Psychoanalyse wird mit dem Widerstand gearbeitet, nicht gegen ihn (beim Reframing z.B. wird der Prozess der Umdeutung teilweise oder ganz auf unbewusster Ebene durchlaufen). Grundlagen für Veränderungsarbeit und Interventionen in der NLPt sind:
Biographische und systemische Anamnese, Problembestimmung, Zielbestimmung, Ressourcensuche und Umgang mit Ökologie, Planung von Interventionen und Überbrückung in die Zukunft. Bei den Interventionen (Ankern; Meta-Modell; Arbeit mit Trancezuständen, Mustern, Strategien, Metaphern, Geschichten und Submodalitäten, Reframing, Reimprinting) wird auch auf nonverbale Kommunikation geachtet.
Dieser Abschnitt enthält zahlreiche NLP-spezifische Begriffe, die - hier durchaus erläutert - im Einzelnen praktisch nicht immer nachvollziehbar sind. Eine konkrete Falldarstellung mit der Darstellung der Interventionsformen wäre in diesem Zusammenhang nützlich - wie immer bei neuen, im Gesamten der Psychotherapie nicht gemeinhin verwendeten Begriffen.
Der Kern der Technik scheint in der 'wohlgeformten Zielbestimmung' zu liegen; so wird klar, dass 'Leading', also den Patienten/Klienten zu führen das Ziel der psychotherapeutischen Unternehmung ist. Dem entspricht auch der Hinweis auf die Grundhaltungen des NLPt-Therapeuten: Er 'ist zurückhaltend im Bezug auf die Ziele und die inhaltliche Entscheidungsfindung des Klienten, jedoch ein fachkundiger Spezialist innerhalb des formalen Prozesses der Zielerreichung. Dabei kann er auch direktiv vorgehen.' Die der Technik zu Grunde liegenden Annahmen werden nun aber nicht mitreflektiert und bleiben somit verhüllt. Es wird kein
Gedanke an die Ergebnisgebundenheit bei der Verwendung bestimmter Techniken gedacht; die Behauptung lautet: Jedes Ziel des Klienten kann mit den verwendeten Techniken erreicht werden. Jenseits der Zielbestimmung des Klienten kann aber das Ziel der Vermeidung von Leid oder das Ziel der Persönlichkeitsentwicklung nur im Rahmen einer konsistenten theoretischen Überzeugung des Psychotherapeuten, einer 'Weltanschauung', eines Menschenbildes, erreicht werden. Liegt ein Menschenbild nicht vor, oder ist es- aus welchen Gründen immer - nicht in den Rang einer methodentheoretisch relevanten Größe erhoben, so ist der Patient der Zufälligkeit des persönlichen Menschenbildes des jeweiligen Psychotherapeuten ausgesetzt - er kann auf einen anständigen oder auf einen persönlich interessengeleiteten Psychotherapeut stoßen - , im schlimmsten Fall läuft er Gefahr, der Beliebigkeit eines Psychotherapeuten anheim zu fallen. Die Methode selbst ist dann auch nicht mehr an methodenimmanenten ethischen Standards zu messen (die im Einzelfall ja über die Standards des Berufskodexes der Psychotherapeuten hinausgehen oder diesen spezifizieren).
Bewertung der wissenschaftlich-therapeutischen Theorie:
In der Darstellung der Geschichte und der theoretischen Grundlagen der Methode, eigentlich der philosophischen Wurzeln, wird auf zahlreiche Theorie- und Denkmodelle Bezug genommen. Ein philosophisch-anthropologisches Grundkonzept, aus dem die Wesensmerkmale des Menschen, die Organisation und Struktur psychischer Prozesse sowie das Zusammenwirken von menschlicher Natur und den psychosozialen Einflüssen im Rahmen der Entwicklung ersichtlich werden, existiert aber nicht.
Das Menschenbild integriert so verschiedene Ansätze wie systemisch-imaginative, phänomenologische und biologischkybernetische Anschauungen, psychodynamische und gestaltpsychologische und kognitive Aspekte. Die Integration soll so erfolgen, dass auf der Ebene von Verhalten und Fähigkeit behavioristische und kognitive Modelle benützt werden, im Bereich der Glaubens- und Wertsysteme psychodynamische ressourcenorientierte Orientierungsarbeit geleistet wird und bei Fragen der Identität sowie des Miteinanderlebens in der Sozietät systemische Menschenbilder benützt werden. Hinter jedem Verhalten des Menschen steht eine positive Absicht. Die Theorie der NLPt wählt aber offensichtlich aus verschiedenen Theorien das ihr Zusagende aus. Es ist nicht ersichtlich, warum die NLPt z. B. psychodynamische Aspekte in ihr Menschenbild aufnahm, außer vielleicht, um eben auch an Begriffe wie Übertragung und Widerstand anzuschließen, oder um neuere Forschungsergebnisse hineinnehmen zu können.
Aus so unterschiedlichen Menschenbildern wie dem tiefenpsychologischen, dem behavioristischen oder dem systemischen resultiert jeweils eine bestimmte Haltung, auch ein Spektrum von therapeutischem Verhalten in Bezug auf den Klienten. In einer NLPt-Therapiestunde könnten verschiedene Menschenbildaspekte abgerufen wirksam werden, geschweige denn von einer Stunde zur anderen. Es wird nicht dokumentiert, ob der NLPt-Therapeut dann sein Verhaltensspektrum wechselt, wie und warum. Ob dann die geforderte Kongruenz des Pacing noch zu erbringen ist.
Auch die Persönlichkeitstheorie bezieht unterschiedliche Konzepte ein, die nicht zu einer systematischen konsistenten Theorie verarbeitet wurden. Die Bedeutung der einzelnen Elemente für die psychischen Prozesse und ihre Entwicklung sowie in ihrer funktionalen Beziehung zueinander, sind nicht einsichtig.
Es bleiben viele Fragen offen:
Die Antragsteller ordnen dem Unbewussten einen hohen Stellenwert zu, indem sie meinen, das es um so viel klüger als das Bewusstsein ist, aber es bleibt unklar wie das Unbewusste in bezug auf die Konfliktdynamik wirkt.
Auch fehlt eine systematische Darstellung der Genese der unterschiedlichen Formen von Konflikten und ihrer Wechselbeziehungen zueinander.
Unklar bleibt auch was z.B. 'Ökologische Bedingungen' sind. Auf welche Parameter bezieht sich das?
Welche Bedingungen sind maßgebend für eine 'gesunde Balance' und somit für das Entstehen oder Ausbleiben von Störungen, bezogen auf die Entwicklungsphasen?
Welche Bedeutung wird den unterschiedlich verwendeten Begriffen der psychischen Modellbildung oder des Unbewussten zugemessen?
Können die spezifischen NLPt-Interventionsbegriffe in erfahrungsnahe Verhaltensbeschreibungen übersetzt werden (Falldarstellung)?