TE Vfgh Beschluss 2005/12/1 V68/05

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Veröffentlicht am 01.12.2005
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Index

83 Natur- und Umweltschutz
83/01 Natur- und Umweltschutz

Norm

B-VG Art139 Abs1 / Individualantrag
UVP-G 2000 §24 Abs11
VfGG §57 Abs3
VfGG §85 Abs2 / Allg
  1. B-VG Art. 139 heute
  2. B-VG Art. 139 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  5. B-VG Art. 139 gültig von 30.11.1996 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 659/1996
  6. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.1991 bis 29.11.1996 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  7. B-VG Art. 139 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  8. B-VG Art. 139 gültig von 21.07.1962 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 205/1962
  9. B-VG Art. 139 gültig von 19.12.1945 bis 20.07.1962 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 139 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. UVP-G 2000 § 24 heute
  2. UVP-G 2000 § 24 gültig ab 24.07.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 35/2025
  3. UVP-G 2000 § 24 gültig von 23.03.2023 bis 23.07.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 26/2023
  4. UVP-G 2000 § 24 gültig von 01.12.2018 bis 22.03.2023 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 80/2018
  5. UVP-G 2000 § 24 gültig von 24.02.2016 bis 30.11.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2016
  6. UVP-G 2000 § 24 gültig von 01.01.2014 bis 23.02.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 95/2013
  7. UVP-G 2000 § 24 gültig von 03.08.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 77/2012
  8. UVP-G 2000 § 24 gültig von 19.08.2009 bis 02.08.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/2009
  9. UVP-G 2000 § 24 gültig von 01.07.2005 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 84/2004
  10. UVP-G 2000 § 24 gültig von 01.01.2005 bis 18.08.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 153/2004
  11. UVP-G 2000 § 24 gültig von 01.01.2002 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 151/2001
  12. UVP-G 2000 § 24 gültig von 11.08.2000 bis 31.12.2001 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 89/2000
  13. UVP-G 2000 § 24 gültig von 01.01.1997 bis 10.08.2000 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 773/1996
  14. UVP-G 2000 § 24 gültig von 01.07.1994 bis 31.12.1996
  1. VfGG § 57 heute
  2. VfGG § 57 gültig von 01.01.2015 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 92/2014
  3. VfGG § 57 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2014
  4. VfGG § 57 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 122/2013
  5. VfGG § 57 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  6. VfGG § 57 gültig von 01.08.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 122/2013
  7. VfGG § 57 gültig von 01.03.2013 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  8. VfGG § 57 gültig von 01.01.2004 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  9. VfGG § 57 gültig von 01.01.1991 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 329/1990
  10. VfGG § 57 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 311/1976
  1. VfGG § 85 heute
  2. VfGG § 85 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VfGG § 85 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 122/2013
  4. VfGG § 85 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  5. VfGG § 85 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  6. VfGG § 85 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  7. VfGG § 85 gültig von 01.08.1981 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 353/1981

Leitsatz

Zurückweisung des Antrags auf Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung für den Antrag einer Bürgerinitiative auf Aufhebung einer Trassenverordnung betreffend die Inntal Autobahn, Anschlussstelle Innsbruck Mitte; keine Befugnis des VfGH zur Erlassung einer einstweiligen Anordnung zur Durchsetzung von Gemeinschaftsrecht

Spruch

Der Antrag wird zurückgewiesen.

Begründung

Begründung:

1. Die antragstellende Bürgerinitiative beantragt, ihrem auf Art139 B-VG iVm §24 Abs11 UVP-G 2000 (idF vor BGBl. I 153/2004) gestützten Antrag auf Aufhebung der Verordnung des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend die Bestimmung des Straßenverlaufes der A 12 Inntal Autobahn - Anschlussstelle Innsbruck Mitte im Bereich der Stadt Innsbruck, BGBl. II 71/2005, (im Folgenden: TrassenVO) aufschiebende Wirkung zuzuerkennen. 1. Die antragstellende Bürgerinitiative beantragt, ihrem auf Art139 B-VG in Verbindung mit §24 Abs11 UVP-G 2000 in der Fassung vor Bundesgesetzblatt Teil eins, 153 aus 2004,) gestützten Antrag auf Aufhebung der Verordnung des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend die Bestimmung des Straßenverlaufes der A 12 Inntal Autobahn - Anschlussstelle Innsbruck Mitte im Bereich der Stadt Innsbruck, Bundesgesetzblatt Teil 2, 71 aus 2005,, (im Folgenden: TrassenVO) aufschiebende Wirkung zuzuerkennen.

Die antragstellende Bürgerinitiative führt zur Begründung dieses Antrages aus, dass zwar weder im VfGG noch im §24 Abs11 UVP-G 2000 die Möglichkeit vorgesehen sei, einem Verordnungsprüfungsantrag aufschiebende Wirkung iSd §85 VfGG zuzuerkennen. Der vorliegende Fall stelle sich jedoch aufgrund der Besonderheiten des UVP-G idF vor BGBl. I 153/2004 iVm BStG anders dar. Nach Ansicht der antragstellenden Bürgerinitiative liege aufgrund des bescheidähnlichen Charakters der TrassenVO eine planwidrige Unvollständigkeit des §24 Abs11 UVP-G aF vor, die durch Analogie zu schließen sei, sodass einem nach §24 Abs11 UVP-G aF eingebrachten Antrag auf Verordnungsprüfung auf Antrag der im §19 Abs3 und 4 leg.cit. geregelten Parteien unter den in §85 Abs2 VfGG normierten Voraussetzungen eine aufschiebende Wirkung zuzuerkennen sei. Die antragstellende Bürgerinitiative führt zur Begründung dieses Antrages aus, dass zwar weder im VfGG noch im §24 Abs11 UVP-G 2000 die Möglichkeit vorgesehen sei, einem Verordnungsprüfungsantrag aufschiebende Wirkung iSd §85 VfGG zuzuerkennen. Der vorliegende Fall stelle sich jedoch aufgrund der Besonderheiten des UVP-G in der Fassung vor Bundesgesetzblatt Teil eins, 153 aus 2004, in Verbindung mit BStG anders dar. Nach Ansicht der antragstellenden Bürgerinitiative liege aufgrund des bescheidähnlichen Charakters der TrassenVO eine planwidrige Unvollständigkeit des §24 Abs11 UVP-G aF vor, die durch Analogie zu schließen sei, sodass einem nach §24 Abs11 UVP-G aF eingebrachten Antrag auf Verordnungsprüfung auf Antrag der im §19 Abs3 und 4 leg.cit. geregelten Parteien unter den in §85 Abs2 VfGG normierten Voraussetzungen eine aufschiebende Wirkung zuzuerkennen sei.

Zum selben Ergebnis gelange man nach Auffassung der antragstellenden Bürgerinitiative aufgrund gemeinschaftsrechtlicher Vorgaben: "Die Effektivität des Gemeinschaftsrechts wäre ernsthaft in Frage gestellt, wenn einer Überprüfung einer Entscheidung im Rahmen eines UVP-Verfahrens nicht aufschiebende Wirkung zuerkannt werden könnte, weil damit die Öffentlichkeit vor vollendete Tatsachen gestellt würde." Als derartige auf ihre Gemeinschaftsrechtswidrigkeit zu prüfende "Entscheidung" im Rahmen eines Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahrens wird von der Antragstellerin offenkundig die bekämpfte TrassenVO verstanden.

2. Der Antrag ist unzulässig.

Das VfGG erkennt bei Regelung des Verfahrens über die Anfechtung der Gesetzmäßigkeit von Verordnungen einem Antrag iSd Art139 B-VG eine aufschiebende Wirkung nicht zu und sieht in diesem Fall auch eine Zuerkennung durch den Verfassungsgerichtshof nicht vor. Dies ist, wie die Regelung des §57 Abs3 VfGG, welche den Antrag eines Gerichts iSd Art139 Abs1 erster Satz B-VG betrifft, zeigt und wie auch die gleichzeitige Neuregelung der aufschiebenden Wirkung von Beschwerden durch §85 VfGG erkennen lässt, keine Gesetzeslücke, sondern eine beabsichtigte, sich aus den Besonderheiten des Art139 B-VG erklärende Regelung. Wo aber die gesetzlichen Bestimmungen eine eindeutige Regelung treffen, ist für eine Gesetzesanalogie kein Raum (VfSlg. 8717/1979, 13.706/1994).

Da im Verfahren nach Art139 B-VG sohin die Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung weder gegenüber der antragstellenden Bürgerinitiative noch gegenüber der Allgemeinheit vorgesehen ist und eine analoge Anwendung des §85 VfGG im Normenprüfungsverfahren nach Art139 B-VG nicht in Betracht kommt, war der Antrag auf Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung zurückzuweisen.

Daran vermag auch die Berufung der Antragstellerin auf das Gemeinschaftsrecht schon aus folgendem Grund nichts zu ändern: Der Verfassungsgerichtshof verweist diesbezüglich auf die Überlegungen, die ihn in VfSlg. 16.127/2001 im Zusammenhang mit einem Individualantrag auf Aufhebung eines Gesetzes veranlassten, einen in jenem Verfahren gestellten Antrag auf Erlassung einer einstweiligen Anordnung keine Folge zu geben. Ebenso wie aufgrund der damals zu beurteilenden Rechtslage zielt nämlich die von der antragstellenden Bürgerinitiative als Grundlage ihres Antrages auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes behauptete Gemeinschaftsrechtswidrigkeit der bekämpften TrassenVO auf ein dem Verfassungsgerichtshof weder nach Art139 noch nach Art140 B-VG (noch aufgrund einer anderen bundesverfassungsgesetzlichen Vorschrift) zugängliches Prozessthema. Hat er doch weder nach Art139 noch nach Art140 B-VG über die Gemeinschaftsrechtskonformität einer innerstaatlichen generellen Norm zu befinden. Wenn er aber diesbezüglich einer Zuständigkeit ermangelt, fehlt ihm auch die Befugnis, im Zuge des zur Durchsetzung der behaupteten Gemeinschaftsrechtswidrigkeit gestellten Antrages eine einstweilige Anordnung zu erlassen. In diesem Sinne sprach auch der EuGH in den Rs. C-143/88 und C-92/89, Zuckerfabrik Süderdithmarschen, Slg. 1991, I-414 (Rz 30), sowie C-92/89, Atlanta Fruchthandelsgesellschaft mbH, Slg. 1995, I-3761 (Rz 42), aus, dass die grundsätzliche Verpflichtung des nationalen Gerichts, bei der Anwendung des Gemeinschaftsrechts dessen "volle Wirkung" auch im Wege des Provisorialrechtsschutzes sicherzustellen, lediglich "im Rahmen seiner Zuständigkeit" besteht.

3. Dieser Beschluss konnte gemäß §19 Abs3 Z2 lita VfGG in nichtöffentlicher Sitzung getroffen werden.

Schlagworte

EU-Recht, Rechtsschutz, Analogie, Trassierungsverordnung, Straßenverwaltung, Straßenverlaufsfestlegung, Umweltschutz, VfGH / Individualantrag, VfGH / Verfügung einstweilige, VfGH / Wirkung aufschiebende, Umweltverträglichkeitsprüfung

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2005:V68.2005

Dokumentnummer

JFT_09948799_05V00068_00
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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