RS Lvwg 2014/10/1 LVwG-780020/14/Gf/Rt

JUSLINE Rechtssatz

Veröffentlicht am 01.10.2014
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Rechtssatznummer

1

Entscheidungsdatum

01.10.2014

Norm

EMRK Art6 Abs1
B-VG Art130 Abs1 Z2
SPG §29
SPG §38a
StGB §107 Abs1
  1. B-VG Art. 130 heute
  2. B-VG Art. 130 gültig ab 01.02.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2019
  3. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.2019 bis 31.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  4. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.2019 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  5. B-VG Art. 130 gültig von 25.05.2018 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  6. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.2015 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2014
  7. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 115/2013
  8. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  9. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  10. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.1998 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/1997
  11. B-VG Art. 130 gültig von 01.01.1991 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  12. B-VG Art. 130 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  13. B-VG Art. 130 gültig von 18.07.1962 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 215/1962
  14. B-VG Art. 130 gültig von 25.12.1946 bis 17.07.1962 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  15. B-VG Art. 130 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  16. B-VG Art. 130 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. SPG § 38a heute
  2. SPG § 38a gültig von 01.09.2021 bis 31.08.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 105/2019
  3. SPG § 38a gültig von 01.09.2021 bis 06.07.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 86/2021
  4. SPG § 38a gültig von 01.09.2021 bis 30.06.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 144/2020
  5. SPG § 38a gültig ab 01.09.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 124/2021
  6. SPG § 38a gültig von 07.07.2021 bis 31.08.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 124/2021
  7. SPG § 38a gültig von 01.07.2021 bis 06.07.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 86/2021
  8. SPG § 38a gültig von 01.01.2020 bis 30.06.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 105/2019
  9. SPG § 38a gültig von 01.08.2016 bis 31.12.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 61/2016
  10. SPG § 38a gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 161/2013
  11. SPG § 38a gültig von 01.09.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 152/2013
  12. SPG § 38a gültig von 04.08.2009 bis 31.08.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 72/2009
  13. SPG § 38a gültig von 01.06.2009 bis 03.08.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 40/2009
  14. SPG § 38a gültig von 01.01.2005 bis 31.05.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 151/2004
  15. SPG § 38a gültig von 01.01.2000 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 146/1999
  16. SPG § 38a gültig von 01.05.1997 bis 31.12.1999 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 759/1996

Anmerkung

Alle Entscheidungsvolltexte sowie das Ergebnis einer gegebenenfalls dazu ergangenen höchstgerichtlichen Entscheidung sind auf der Homepage des Oö LVwG www.lvwg-ooe.gv.at abrufbar.

Rechtssatz

* Davon ausgehend, dass § 38a SPG im Falle von familiären Konflikten von den Exekutivorganen ein umgehendes Einschreiten zwecks Abwehr einer drohenden Gefahr verlangt, kann die Annahme des Polizeibeamten, dass der Bf. seine Töchter zu Beginn des Wochenendes gefährlich bedroht und diese dadurch derart in Furcht und Unruhe versetzt hatte, dass dieser Zustand zum Zeitpunkt der Anzeigeerstattung am folgenden Montag noch andauerte, im Ergebnis als gerade noch vertretbar angesehen werden;* Davon ausgehend, dass Paragraph 38 a, SPG im Falle von familiären Konflikten von den Exekutivorganen ein umgehendes Einschreiten zwecks Abwehr einer drohenden Gefahr verlangt, kann die Annahme des Polizeibeamten, dass der Bf. seine Töchter zu Beginn des Wochenendes gefährlich bedroht und diese dadurch derart in Furcht und Unruhe versetzt hatte, dass dieser Zustand zum Zeitpunkt der Anzeigeerstattung am folgenden Montag noch andauerte, im Ergebnis als gerade noch vertretbar angesehen werden;

* Als bereits grenzwertig erweist sich hingegen, dass der einschreitende Exekutivbeamte dann, als er mehr als vier Stunden später gegenüber dem beruflich in Wien weilenden Bf. telefonisch die Verhängung des Betretungsverbotes aussprach, die von diesem vorgebrachten Einwände mit dem Hinweis ignorierte, dass auf Grund des Vorbringens seiner Töchter jedenfalls ein Betretungsverbot zu verhängen sei. Zu diesem Zeitpunkt wäre nämlich zumindest deshalb eine entsprechende Abwägung geboten gewesen, weil insgesamt besehen eine bloße „Aussage-gegen-Aussage“-Situation vorlag und davon ausgehend jedenfalls theoretisch die Möglichkeit bestanden hätte, dass nicht das Sachvorbringen der Anzeigelegerinnen, sondern tatsächlich jenes des Beschwerdeführers zutrifft;

* Wenn § 38a Abs. 6 SPG festlegt, dass die Behörde das von einem Exekutivorgan ausgesprochene Betretungsverbot binnen 48 Stunden (zwar nicht auf Antrag, aber von Amts wegen) zu überprüfen hat, so ist mit dieser Prüfungsbefugnis bzw.  verpflichtung untrennbar verbunden, dass jedenfalls spätestens in diesem Stadium eine Auseinandersetzung mit den von den Kontrahenden vorgebrachten Argumenten zu erfolgen gehabt hätte; anders lässt sich nämlich gar nicht beurteilen, ob zu diesem Zeitpunkt die weitere Aufrechterhaltung des Betretungsverbotes noch dem in § 38a Abs. 2 i.V.m. § 29 SPG explizit positivierten Verhältnismäßigkeitsprinzip entsprach;* Wenn Paragraph 38 a, Absatz 6, SPG festlegt, dass die Behörde das von einem Exekutivorgan ausgesprochene Betretungsverbot binnen 48 Stunden (zwar nicht auf Antrag, aber von Amts wegen) zu überprüfen hat, so ist mit dieser Prüfungsbefugnis bzw.  verpflichtung untrennbar verbunden, dass jedenfalls spätestens in diesem Stadium eine Auseinandersetzung mit den von den Kontrahenden vorgebrachten Argumenten zu erfolgen gehabt hätte; anders lässt sich nämlich gar nicht beurteilen, ob zu diesem Zeitpunkt die weitere Aufrechterhaltung des Betretungsverbotes noch dem in Paragraph 38 a, Absatz 2, in Verbindung mit Paragraph 29, SPG explizit positivierten Verhältnismäßigkeitsprinzip entsprach;

* Dadurch, dass keine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Frage, ob und aus welchen konkreten Gründen das Vorbringen der Anzeigelegerinnen – und nicht jenes des Beschwerdeführers – als zutreffend erachtet wurde, erfolgte, wurde im Wege der Nichteinräumung jeglichen rechtlichen Gehörs nicht nur der Grundsatz des fairen Verfahrens i.S.d. Art. 6 Abs. 1 EMRK verletzt, sondern es fehlt objektiv besehen auch eine sachliche Rechtfertigung für die weitere Aufrechterhaltung des Betretungsverbotes i.S.d. § 38a Abs. 2 i.V.m. § 29 SPG.* Dadurch, dass keine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Frage, ob und aus welchen konkreten Gründen das Vorbringen der Anzeigelegerinnen – und nicht jenes des Beschwerdeführers – als zutreffend erachtet wurde, erfolgte, wurde im Wege der Nichteinräumung jeglichen rechtlichen Gehörs nicht nur der Grundsatz des fairen Verfahrens i.S.d. Artikel 6, Absatz eins, EMRK verletzt, sondern es fehlt objektiv besehen auch eine sachliche Rechtfertigung für die weitere Aufrechterhaltung des Betretungsverbotes i.S.d. Paragraph 38 a, Absatz 2, in Verbindung mit Paragraph 29, SPG.

Schlagworte

Familienkonflikt; Betretungsverbot, Prüfungskompetenz; fair hearing

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:LVWGOB:2014:LVwG.780020.14.Gf.Rt

Zuletzt aktualisiert am

17.10.2014
Quelle: Landesverwaltungsgericht Oberösterreich LVwg Oberösterreich, http://www.lvwg-ooe.gv.at
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