TE Dok 2019/7/27 102 Ds 5/18v

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Veröffentlicht am 27.07.2019
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Schlagworte

Dienstpflichtverletzung

Text

BESCHEID

(gemäß § 118 Abs 1 BDG 1979)(gemäß Paragraph 118, Absatz eins, BDG 1979)

Die Disziplinarkommission beim Bundesministerium für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz hat durch die Senatsvorsitzende Präsidentin des Landesgerichtes Dr.in Haberl-Schwarz, LL.M, sowie durch die weiteren Mitglieder Richter des Oberlandesgerichts Mag. Riffel und BI Zöhrer in der Disziplinarsache gegen BI *** *** gemäß § 102 Abs 1a BDG beschlossen:Die Disziplinarkommission beim Bundesministerium für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz hat durch die Senatsvorsitzende Präsidentin des Landesgerichtes Dr.in Haberl-Schwarz, LL.M, sowie durch die weiteren Mitglieder Richter des Oberlandesgerichts Mag. Riffel und BI Zöhrer in der Disziplinarsache gegen BI *** *** gemäß Paragraph 102, Absatz eins a, BDG beschlossen:

Das Disziplinarverfahren gegen BI *** *** hinsichtlich der Disziplinaranzeige vom *** (ON *** S *** ff: Vorwurf der Verletzung von Dienstpflichten im Zusammenhang mit der Übernahme einer Rufbereitschaft am ***) wird gemäß § 118 Abs 1 Z 2 BDG eingestellt.Das Disziplinarverfahren gegen BI *** *** hinsichtlich der Disziplinaranzeige vom *** (ON *** S *** ff: Vorwurf der Verletzung von Dienstpflichten im Zusammenhang mit der Übernahme einer Rufbereitschaft am ***) wird gemäß Paragraph 118, Absatz eins, Ziffer 2, BDG eingestellt.

Begründung:

BI *** *** steht als Justizwachebeamter der Verwendungsgruppe ***, Funktionsgruppe 2, in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund. Er ist Justizwachebeamter der Justizanstalt ***; die Ernennung zum dienstführenden Justizwachebeamten erfolgte am ***.

Mit Disziplinaranzeige vom *** wurde gegen BI *** (zusammengefasst) der Vorwurf erhoben, er hätte seine Dienstpflichten verletzt, weil er am *** eine Rufbereitschaft von einem Kollegen übernommen hätte, ohne dies ordnungsgemäß zu melden, und im Anschluss durch einen Aufenthalt in *** seinen Dienst nach Anforderung gegen *** Uhr nicht rechtzeitig (entsprechend der Anstaltsverfügungen Nr *** und ***) binnen ca. 30 Minuten, sondern erst nach ca. eineinhalb Stunden antreten hätte können. Aufgrund dessen habe ein anderer, zum Nachtdienst eingeteilter Justizwachebeamter an der Ausführung eines Strafgefangenen ins Krankenhaus in der Dauer von 20.05 bis 21.30 Uhr mitwirken müssen, wodurch die Nachtdienststärke in der Justizanstalt geschwächt worden sei.

Mit Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom ***, GZ ***, wurde der darüber ergangene Einleitungsbescheid (§ 123 Abs 1 BDG; ON ***) aufgehoben und die Sache in diesem Umfang zu neuer Entscheidung nach Verfahrensergänzung an die Disziplinarkommission verwiesen (ON ***).Mit Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom ***, GZ ***, wurde der darüber ergangene Einleitungsbescheid (Paragraph 123, Absatz eins, BDG; ON ***) aufgehoben und die Sache in diesem Umfang zu neuer Entscheidung nach Verfahrensergänzung an die Disziplinarkommission verwiesen (ON ***).

Aufgrund der ergänzenden Ermittlungen (ON ***) steht fest, dass am Samstag, ***, GI *** zur Rufbereitschaft eingeteilt war. BI *** hatte dagegen dienstfrei (ON *** Antworten 1, 2). Da GI *** über eine Konzerteinladung für den Abend dieses Tages verfügte, ersuchte dieser (den in der Anstalt gar nicht anwesenden) BI *** am Vormittag telefonisch, für die Dauer des Konzerts – nach seiner Erinnerung von ca 19.30/20.00 bis 22.00 Uhr – seine Rufbereitschaft zu übernehmen. Nachdem BI *** zugesagt hatte, informierte GI *** den Nachtdienstkommandanten BI *** kurz vor 12.30 Uhr über diese „Übernahme der Rufbereitschaft“ durch BI *** (ZV GI ***). BI *** war formal nicht zuständig für die Genehmigung einer Dienstübernahme; zuständig dafür wäre der Inspektionsdienstbeamte – damals BI *** – gewesen (ON *** Anfragebeantwortung S 4 zweiter Absatz). BI *** akzeptierte diese – solcherart informell bleibende – Rufbereitschaftsübernahme auf Basis der Mitteilung von GI *** (eine unmittelbare Rückfrage bei BI *** wird nicht behauptet), wobei er nicht mehr weiß, für welchen Zeitraum die Übernahme der Rufbereitschaft gelten sollte. BI *** hielt es damals nicht für erforderlich, den Inspektionsdienstbeamten darüber zu informieren oder dessen Genehmigung einzuholen (ZV BI ***; ZV BI ***; ZV GI ***). Eine formelle Dienstübernahme durch BI *** fand deshalb nicht statt (ON *** Antworten 6 bis 9).

BI *** ging davon aus, ab 20.00 Uhr in Rufbereitschaft zu sein und richtete sich darauf ein, bei einer Anforderung ab diesem Zeitpunkt rechtzeitig, binnen ca. 30 Minuten, den Dienst antreten zu können (Stellungnahme BI *** ON *** S 4). Als BI *** allerdings bereits gegen 19.00 Uhr von BI *** verständigt wurde, musste BI *** mitteilen, dass er wegen eines Aufenthalts in *** und der Verkehrslage erst in eineinhalb Stunden – dh ca. 30 Minuten ab jenem Zeitpunkt, zu dem er nach seiner Vorstellung in Rufbereitschaft war – in der Anstalt sein könne (ZV BI ***; Stellungnahme BI *** ON *** S 4 f). Erst aus Anlass dessen informierte BI *** den damals eingeteilten Inspektionsdienstbeamten BI *** über die Dienstübernahme und den Bedarf, die Ausführung des Häftlings ins Krankenhaus anderweitig zu organisieren (ZV BI ***; ZV BI ***). BI *** erklärte sich in einem folgenden Telefonanruf (nochmals) bereit, bei Bedarf in die Justizanstalt zu kommen und den Dienst anzutreten. Eine diesbezügliche Notwendigkeit bestand aber nicht mehr (ZV BI ***).

Dieser Sachverhalt ergibt sich aus der Disziplinaranzeige samt Unterlagen (ON ***), den Fragebeantwortungen samt Vernehmungen (ON ***) und der Stellungnahme des BI *** (ON ***). Die Beweisergebnisse zum objektiven Geschehen widersprechen einander nicht.

Nach Maßgabe dieses nunmehrigen Sachverhalts liegt (in Orientierung am eingangs angeführten Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts [ON ***]) eine schuldhafte Dienstpflichtverletzung seitens BI *** nicht vor. Er hatte grundsätzlich dienstfrei; eine formelle Übernahme des Rufbereitschaftsdienstes durch BI *** samt daraus resultierender Pflicht iSd Anstaltsverfügungen Nr *** und ***, den Aufenthalt so zu wählen, dass er jederzeit, längstens aber binnen 30 Minuten, den Dienst in der Justizanstalt aufnehmen kann, kam nicht zustande. Mit Blick auf die Aussage von GI ***, es komme seines Wissens an Wochenenden öfters zu nicht schriftlich beantragtem, stundenweisem Diensttausch, ist nach den nunmehrigen Verfahrensergebnissen indiziert, dass BI *** bei Anforderung ab jenem Zeitpunkt, ab dem er (verlässlich feststellbar) zugesagt hatte, gegebenenfalls für GI *** einzuspringen – 20.00 Uhr –, rechtzeitig in der Anstalt gewesen wäre. Ferner ist noch zu bemerken, dass die Meldung an den (in der Anstalt anwesenden) Inspektionsdienstbeamten unterblieb, weil der von GI *** ausdrücklich danach gefragte Nachtdienstkommandant BI *** diese nicht für erforderlich hielt. Daraus vermag die Disziplinarkommission den Verdacht einer von BI *** (der als einziger gar nicht im Dienst und deswegen auch nicht in der Anstalt war) zu vertretenden schuldhaften Dienstpflichtverletzung nicht abzuleiten. Zur in Punkt 11 der Anfragebeantwortung (ON ***) relevierten In-Dienststellungsmöglichkeit bleibt anzumerken, dass BI *** sich nach den Verfahrensergebnissen einer solchen In-Dienststellung nicht entzogen, sondern seine Bereitschaft zum Dienstantritt bekundet hat. Eine mit einer solchen (Spontan-)In- Dienststellung verbundene, aufenthalts- und verkehrsbedingt 30 Minuten überschreitende Anreisedauer stellt aber keine schuldhafte Dienstpflichtverletzung dar. Da offenkundig keine ausreichenden Anhaltspunkte mehr für eine Tat von BI *** vorliegen, die eine schuldhafte Dienstpflichtverletzung darstellen würde, ist das Verfahren einzustellen (§ 118 Abs 1 Z 2 zweiter Fall BDG; VwGH Ra 2014/09/0007; 93/09/0054).Nach Maßgabe dieses nunmehrigen Sachverhalts liegt (in Orientierung am eingangs angeführten Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts [ON ***]) eine schuldhafte Dienstpflichtverletzung seitens BI *** nicht vor. Er hatte grundsätzlich dienstfrei; eine formelle Übernahme des Rufbereitschaftsdienstes durch BI *** samt daraus resultierender Pflicht iSd Anstaltsverfügungen Nr *** und ***, den Aufenthalt so zu wählen, dass er jederzeit, längstens aber binnen 30 Minuten, den Dienst in der Justizanstalt aufnehmen kann, kam nicht zustande. Mit Blick auf die Aussage von GI ***, es komme seines Wissens an Wochenenden öfters zu nicht schriftlich beantragtem, stundenweisem Diensttausch, ist nach den nunmehrigen Verfahrensergebnissen indiziert, dass BI *** bei Anforderung ab jenem Zeitpunkt, ab dem er (verlässlich feststellbar) zugesagt hatte, gegebenenfalls für GI *** einzuspringen – 20.00 Uhr –, rechtzeitig in der Anstalt gewesen wäre. Ferner ist noch zu bemerken, dass die Meldung an den (in der Anstalt anwesenden) Inspektionsdienstbeamten unterblieb, weil der von GI *** ausdrücklich danach gefragte Nachtdienstkommandant BI *** diese nicht für erforderlich hielt. Daraus vermag die Disziplinarkommission den Verdacht einer von BI *** (der als einziger gar nicht im Dienst und deswegen auch nicht in der Anstalt war) zu vertretenden schuldhaften Dienstpflichtverletzung nicht abzuleiten. Zur in Punkt 11 der Anfragebeantwortung (ON ***) relevierten In-Dienststellungsmöglichkeit bleibt anzumerken, dass BI *** sich nach den Verfahrensergebnissen einer solchen In-Dienststellung nicht entzogen, sondern seine Bereitschaft zum Dienstantritt bekundet hat. Eine mit einer solchen (Spontan-)In- Dienststellung verbundene, aufenthalts- und verkehrsbedingt 30 Minuten überschreitende Anreisedauer stellt aber keine schuldhafte Dienstpflichtverletzung dar. Da offenkundig keine ausreichenden Anhaltspunkte mehr für eine Tat von BI *** vorliegen, die eine schuldhafte Dienstpflichtverletzung darstellen würde, ist das Verfahren einzustellen (Paragraph 118, Absatz eins, Ziffer 2, zweiter Fall BDG; VwGH Ra 2014/09/0007; 93/09/0054).

Zusammensetzung des Senates (§ 123 Abs 2 zweiter Satz BDG 1979):Zusammensetzung des Senates (Paragraph 123, Absatz 2, zweiter Satz BDG 1979):

Senatsvorsitzende:                PräsdLG Dr.in Haberl-Schwarz, LL.M.

Stellvertreter der Vorsitzenden:  SPdOLG Dr. Christoph SUTTER

SPdOLG Dr.in Ingrid BRANDSTÄTTER

RidOLG Mag. Marc KOLLER

EOStA HR Dr. Harald SALZMANN

Weiteres Mitglied:                  RidOLG Mag. Riffel

Ersatzmitglieder:                  RidOLG Dr. Nauta

OStA Dr. Strahwald

RidOLG Dr. Urbaner

RidOLG Dr.in Klammer

StAin Dr.in Wander

Weiteres Mitglied:                  BI Mario Zöhrer

Ersatzmitglieder (Exekutivdienst):  ChefInsp. Schöpf

ChefInsp. Kircher

KontrollInsp. Söllner

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Beschluss (Bescheid) ist gemäß Art 130 Abs 1 Z 1, 132 Abs 1 Z 1, Abs 5 (iVm § 103 Abs 4 Z 1 BDG 1979) B-VG eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht zulässig. Die Beschwerde ist binnen vier Wochen (§ 7 Abs 4 VwGVG) nach Zustellung des Bescheides schriftlich, telegrafisch oder fernschriftlich bei der Disziplinarkommission beim Bundesministerium für Justiz einzubringen. Die Beschwerde hat folgende Punkte zu enthalten (§ 9 Abs 1 VwGVG):Gegen diesen Beschluss (Bescheid) ist gemäß Artikel 130, Absatz eins, Ziffer eins, 132, Absatz eins, Ziffer eins,, Absatz 5, in Verbindung mit Paragraph 103, Absatz 4, Ziffer eins, BDG 1979) B-VG eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht zulässig. Die Beschwerde ist binnen vier Wochen (Paragraph 7, Absatz 4, VwGVG) nach Zustellung des Bescheides schriftlich, telegrafisch oder fernschriftlich bei der Disziplinarkommission beim Bundesministerium für Justiz einzubringen. Die Beschwerde hat folgende Punkte zu enthalten (Paragraph 9, Absatz eins, VwGVG):

1. die Bezeichnung des angefochtenen Bescheides,

2. die Bezeichnung der belangten Behörde,

3. die Gründe, auf die sich die Behauptung der Rechtswidrigkeit stützt,

4. das Begehren und

5. die Angaben, die erforderlich sind, um zu beurteilen, ob die Beschwerde rechtzeitig

eingebracht ist.

Eine rechtzeitig eingebrachte und zulässige Beschwerde gemäß Art 130 Abs 1 Z 1 B-VG hat – sofern eine solche nicht ausgeschlossen wird (§ 13 Abs 2 VwGVG) – aufschiebende Wirkung (§ 13 Abs 1 VwGVG).Eine rechtzeitig eingebrachte und zulässige Beschwerde gemäß Artikel 130, Absatz eins, Ziffer eins, B-VG hat – sofern eine solche nicht ausgeschlossen wird (Paragraph 13, Absatz 2, VwGVG) – aufschiebende Wirkung (Paragraph 13, Absatz eins, VwGVG).

Zuletzt aktualisiert am

13.09.2019
Quelle: Disziplinarkommissionen, Disziplinaroberkommission, Berufungskommission Dok, https://www.ris.bka.gv.at/Dok
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