RS Vfgh 2011/12/1 G74/11, V63/11

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Veröffentlicht am 01.12.2011
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Index

86 Veterinärrecht
86/01 Veterinärrecht allgemein

Norm

B-VG Art7 Abs1 / Gesetz
B-VG Art11 Abs1 Z8
B-VG Art139 Abs1 / Individualantrag
B-VG Art140 Abs1 / Individualantrag
StGG Art5
StGG Art6 Abs1 / Erwerbsausübung
2. TierhaltungsV, BGBl II 486/2004 §9
Tierschutz-ZirkusV, BGBl II 489/2004 §2
TierschutzG §27 Abs1
  1. B-VG Art. 7 heute
  2. B-VG Art. 7 gültig ab 01.08.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 7 gültig von 01.01.2004 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 7 gültig von 16.05.1998 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 68/1998
  5. B-VG Art. 7 gültig von 14.08.1997 bis 15.05.1998 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 87/1997
  6. B-VG Art. 7 gültig von 01.07.1988 bis 13.08.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  7. B-VG Art. 7 gültig von 01.01.1975 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  8. B-VG Art. 7 gültig von 19.12.1945 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  9. B-VG Art. 7 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 11 heute
  2. B-VG Art. 11 gültig ab 01.05.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 47/2024
  3. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2020 bis 30.04.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2019
  4. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  5. B-VG Art. 11 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  6. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2005 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 118/2004
  7. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2005 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2005 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2000
  9. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  10. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.2001 bis 31.12.2000 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 508/1993
  11. B-VG Art. 11 gültig von 01.12.2000 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  12. B-VG Art. 11 gültig von 01.12.2000 bis 30.11.2000 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2000
  13. B-VG Art. 11 gültig von 01.07.1994 bis 30.11.2000 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 508/1993
  14. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.1989 bis 30.06.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  15. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.1988 bis 31.12.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 640/1987
  16. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.1985 bis 31.12.1987 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 490/1984
  17. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.1975 bis 31.12.1984 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  18. B-VG Art. 11 gültig von 29.05.1974 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 287/1974
  19. B-VG Art. 11 gültig von 01.01.1961 bis 28.05.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 148/1960
  20. B-VG Art. 11 gültig von 19.12.1945 bis 31.12.1960 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  21. B-VG Art. 11 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 139 heute
  2. B-VG Art. 139 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  5. B-VG Art. 139 gültig von 30.11.1996 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 659/1996
  6. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.1991 bis 29.11.1996 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  7. B-VG Art. 139 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  8. B-VG Art. 139 gültig von 21.07.1962 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 205/1962
  9. B-VG Art. 139 gültig von 19.12.1945 bis 20.07.1962 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 139 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 140 heute
  2. B-VG Art. 140 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.2008 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  5. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  6. B-VG Art. 140 gültig von 06.06.1992 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
  7. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.1991 bis 05.06.1992 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  8. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1988 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  9. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1976 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  10. B-VG Art. 140 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 140 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934

Leitsatz

Keine Verfassungswidrigkeit des im Tierschutzgesetz normierten Verbotes der Haltung und Verwendung von Wildtieren in Zirkussen; kein Verstoß gegen die Erwerbsausübungsfreiheit im Hinblick auf das öffentliche Interesse am Tierschutz; Ungleichbehandlung der Haltung von Wildtieren in Zoos sachlich gerechtfertigt; Zurückweisung des Individualantrags betreffend eine Tierhaltungsverordnung mangels unmittelbaren Eingriffs in die Rechtssphäre des antragstellenden Zirkusunternehmens

Rechtssatz

Zulässigkeit des Individualantrags eines Zirkusunternehmens auf Aufhebung des Wortes "Zirkussen," in §27 Abs1 TierschutzG, BGBl I 118/2004 idF BGBl I 80/2010 (im Folgenden: TSchG).Zulässigkeit des Individualantrags eines Zirkusunternehmens auf Aufhebung des Wortes "Zirkussen," in §27 Abs1 TierschutzG, Bundesgesetzblatt Teil eins, 118 aus 2004, in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 80 aus 2010, (im Folgenden: TSchG).

Das in §27 Abs1 TSchG normierte - durch §38 Abs3 TSchG verwaltungsstrafbewehrte - Verbot, in Zirkussen in Österreich Wildtiere zu halten oder zur Mitwirkung zu verwenden, hindert die Antragstellerin daran, ihr - in Deutschland zulässiges - Zirkusprogramm in vollem Umfang, also einschließlich der Nummern mit Wildtieren, darzubieten und die Wildtiere im Rahmen ihres Zirkusunternehmens bei der Tournee durch Österreich mitzuführen.

Unmittelbarer und aktueller Eingriff in die Rechtssphäre der Antragstellerin; kein zumutbarer Umweg (Bewilligungsverfahren nach §27 Abs3 TSchG nur für von Wildtieren verschiedene Tiere); Aufhebungsumfang nicht zu eng gefasst (Unterscheidung des TSchG zwischen "Zirkus" und "Variete"; keine ähnlichen Einrichtungen).

Keine Unzulässigkeit des Antrags im Hinblick auf den Anwendungsvorrang des Unionsrechts; kein der angefochtenen Bestimmung entgegenstehendes unmittelbar anwendbares Unionsrecht (Hinweis auf den 41. Erwägungsgrund zur Dienstleistungsrichtlinie und das in einem Verfahren nach Art258 AEUV ergangene Schreiben der Europäischen Kommission betr die Vereinbarkeit des gegenständlichen Verbots mit der Dienstleistungsfreiheit).

Zurückweisung des Individualantrags auf Aufhebung von Teilen des §9 der 2. TierhaltungsV, BGBl II 486/2004 idFZurückweisung des Individualantrags auf Aufhebung von Teilen des §9 der 2. TierhaltungsV, Bundesgesetzblatt Teil 2, 486 aus 2004, idF

BGBl II 384/2007, (betr das Verbot der Haltung bestimmter Wildtiere) mangels eines unmittelbaren Eingriffs in die Rechtssphäre der Antragstellerin.Bundesgesetzblatt Teil 2, 384 aus 2007,, (betr das Verbot der Haltung bestimmter Wildtiere) mangels eines unmittelbaren Eingriffs in die Rechtssphäre der Antragstellerin.

Spezielles, aber umfassendes Verbot der Haltung von Wildtieren in Zirkussen gemäß §27 Abs1 TSchG; 2. TierhaltungsV für Zirkusse nur insoweit relevant, als §2 Abs1 der (aufgrund des §27 Abs2 TSchG ergangenen) Tierschutz-ZirkusV ua für die Haltung von Tieren in Zirkussen auf die Mindestanforderungen der 2. TierhaltungsV verweist (insbes für Wirbeltiere, die zur Haltung in menschlicher Obhut geeignet sind); Verbot der Haltung bestimmter Wildtiere in §9 der 2. TierhaltungsV vom Verweis nicht erfasst.

Abweisung des (zulässigen) Antrags.

Keine Anwendung des Staatsbürgervorbehaltes des Art6 StGG wie jenes des Gleichheitsgrundsatzes nach Art7 Abs1 B-VG im Anwendungsbereich des Unionsrechts; Erstreckung des Schutzes der Erwerbsausübungsfreiheit und des Gleichheitsgrundsatzes auf Unionsbürger mit nicht-österreichischer Staatsangehörigkeit bzw juristische Personen mit Sitz im EU-Ausland.

Kein Verstoß gegen die Erwerbsausübungsfreiheit.

Eingriff in die Erwerbsausübungsfreiheit durch die gesetzlichen Vorgaben der Gestaltung der zu Erwerbszwecken erfolgenden Zirkustätigkeit, nämlich nur ohne die Verwendung von Wildtieren, im öffentlichen Interesse zum Schutz des Lebens und des Wohlbefindens der Tiere (§1 TSchG).

Keine Unverhältnismäßigkeit dieser Berufsausübungsregel. Eintritt eines Wertewandels; nach heutiger Auffassung weithin anerkanntes und bedeutsames öffentliches Interesse am Tierschutz.

Der VfGH verkennt nicht, dass auch der langen Tradition der Erwerbs- und Lebensform des Zirkusses (einschließlich historisch immer damit verbunden gewesener Darbietungen mit bestimmten Wildtieren) Gewicht zukommt. Angesichts des dem Gesetzgeber hier zukommenden größeren Gestaltungsspielraums kann der VfGH ihm aber nicht entgegentreten, wenn er heute die Verwendung von Wildtieren in Zirkussen und damit für diese Tiere verbundene Beeinträchtigungen und Belastungen zum Zwecke der Zerstreuung und Belustigung von Menschen nicht mehr hinnehmen will.

Generelles Verbot der Haltung und Verwendung von Wildtieren in Zirkussen daher insbesondere im Hinblick auf die Haltungsbedingungen für Wildtiere und die Belastungen, denen sie durch die einem Zirkus eigenen hohen Maß an Mobilität ausgesetzt sind, erforderlich.

Kein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz.

Wesentlicher Unterschied zwischen der Haltung von Wildtieren in Zoos und jener in Zirkussen; den Bedürfnissen von Wildtieren entsprechende Anforderungen hinsichtlich der Haltungsbedingungen an Zoos möglich und durchsetzbar. Auch wesentlicher Unterschied hins der Verwendung; Mitwirkung der Tiere bei Dressurakten im Zirkus. Daher keine sachlich nicht zu rechtfertigende Ungleichbehandlung von Gleichem.

Keine nicht im öffentlichen Interesse gelegene oder unverhältnismäßige Eigentumsbeschränkung.

Keine Verletzung der Pflicht zur gegenseitigen Rücksichtnahme zwischen Bund und Ländern.

Das bundesgesetzliche Verbot, Wildtiere in Zirkussen zu halten und zu verwenden, hindert den Landesgesetzgeber nicht, die Tätigkeit von Zirkussen unter veranstaltungsrechtlichen Gesichtspunkten zu regeln. Auch unterläuft der Bundesgesetzgeber hier keine entgegenstehende Regelungsintention des Landesgesetzgebers.

Entscheidungstexte

  • G 74/11,V 63/11
    Entscheidungstext VfGH Erkenntnis 01.12.2011 G 74/11,V 63/11

Schlagworte

Tierschutz, Tierhaltung, Erwerbsausübungsfreiheit, EU-Recht, Kompetenz Bund - Länder, Berücksichtigungsprinzip, VfGH / Individualantrag

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2011:G74.2011

Zuletzt aktualisiert am

20.09.2012
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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