RS Vfgh 2015/12/10 V59/2015

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Veröffentlicht am 10.12.2015
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Index

86/02 Tierärzte

Norm

B-VG Art139 Abs1 Z3
B-VG Art139 Abs1 / Prüfungsgegenstand
B-VG Art139 Abs3 Z1
TierärztekammerG §9, §12 Abs2 Z19
TierärzteG §5, §15a
ArbVG §22 Abs3
Mindestlohntarif für angestellte Tierärzt/innen, Änderung vom 30.09.2014, BGBl II 251/2014
  1. B-VG Art. 139 heute
  2. B-VG Art. 139 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  5. B-VG Art. 139 gültig von 30.11.1996 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 659/1996
  6. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.1991 bis 29.11.1996 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  7. B-VG Art. 139 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  8. B-VG Art. 139 gültig von 21.07.1962 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 205/1962
  9. B-VG Art. 139 gültig von 19.12.1945 bis 20.07.1962 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 139 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 139 heute
  2. B-VG Art. 139 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  5. B-VG Art. 139 gültig von 30.11.1996 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 659/1996
  6. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.1991 bis 29.11.1996 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  7. B-VG Art. 139 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  8. B-VG Art. 139 gültig von 21.07.1962 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 205/1962
  9. B-VG Art. 139 gültig von 19.12.1945 bis 20.07.1962 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 139 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 139 heute
  2. B-VG Art. 139 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  5. B-VG Art. 139 gültig von 30.11.1996 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 659/1996
  6. B-VG Art. 139 gültig von 01.01.1991 bis 29.11.1996 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  7. B-VG Art. 139 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  8. B-VG Art. 139 gültig von 21.07.1962 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 205/1962
  9. B-VG Art. 139 gültig von 19.12.1945 bis 20.07.1962 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 139 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. ArbVG § 22 heute
  2. ArbVG § 22 gültig ab 01.07.2011 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 111/2010
  3. ArbVG § 22 gültig von 01.01.1987 bis 30.06.2011 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 563/1986

Leitsatz

Verstoß einer Verordnung des Bundeseinigungsamtes über die Änderung des Mindestlohntarifes für angestellte Tierärzt/innen gegen das Arbeitsverfassungsgesetz angesichts der seit Inkrafttreten des TierärztekammerG bestehenden Kollektivvertragsfähigkeit der Tierärztekammer; jede Änderung zugleich als Festsetzung des Mindestlohntarifs zu qualifizieren; Zulässigkeit des Individualantrags einer Tierärztegesellschaft; Aufhebung der Verordnung mangels gesetzlicher Grundlage

Rechtssatz

Zulässigkeit des Individualantrags einer Tierärztegesellschaft auf Aufhebung der Verordnung des Bundeseinigungsamtes, mit der der Mindestlohntarif für angestellte Tierärzt/innen geändert wird, vom 30.09.2014, BGBl I 251/2014.Zulässigkeit des Individualantrags einer Tierärztegesellschaft auf Aufhebung der Verordnung des Bundeseinigungsamtes, mit der der Mindestlohntarif für angestellte Tierärzt/innen geändert wird, vom 30.09.2014, Bundesgesetzblatt Teil eins, 251 aus 2014,.

Dass es sich bei den durch Einigungsämter erlassenen Mindestlohntarifen um Verordnungen iSd Art139 B-VG handelt, steht außer Zweifel. Es ist auch unstrittig, dass die erstantragstellende Gesellschaft vom bekämpften Mindestlohntarif erfasst wird. Angesichts der arbeitsrechtlichen Folgen einer auch nur teilweisen (rechtswidrigen) Nichtentrichtung des Entgelts, der Ungewissheit der Anspruchsverfolgung durch die betroffenen Arbeitnehmer und der fraglichen Wirkung einer Zahlung unter Vorbehalt der Rückforderung (der sich Arbeitnehmer nicht ohne weiteres fügen müssen) erscheint die Provokation eines gerichtlichen Verfahrens kein zumutbarer Weg, die Gesetzwidrigkeit des Mindestlohntarifs an den VfGH heranzutragen.

Zurückweisung des Individualantrags des Zweitantragstellers.

Der Zweitantragsteller ist zwar Gesellschafter der erstantragstellenden Gesellschaft. Dem Antragsvorbringen zu Folge werden unselbständige Tierärzte zwar von der erstantragstellenden Gesellschaft, nicht aber vom Zweitantragsteller beschäftigt. Da der Zweitantragsteller zwar Tierarzt ist, dem Antragsvorbringen zu Folge aber (selbst) keine unselbständigen Tierärzte beschäftigt, ist er nicht Adressat der angefochtenen Verordnung und auch nicht in seinen Rechten unmittelbar und aktuell betroffen.

Verstoß der angefochtenen Verordnung gegen §22 Abs3 ArbVG.

Das Bundeseinigungsamt geht - in Übereinstimmung mit der erstantragstellenden Gesellschaft - im Einklang mit den Festlegungen in der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes davon aus, dass seit dem Inkrafttreten des TierärztekammerG am 15.08.2012 eine kollektivvertragsfähige Körperschaft auf Arbeitgeberseite iSd §22 Abs3 Z1 ArbVG besteht, ein Umstand, der einer "Festsetzung" eines Mindestlohntarifs für angestellte Tierärztinnen und Tierärzte entgegensteht.

Diese Ansicht ist zutreffend. Die Tierärztekammer ist gem §12 Abs2 Z19 TierärztekammerG zum Abschluss von Kollektivverträgen "als gesetzliche Interessenvertretung auf Arbeitgeberseite" berufen. Damit richtet der Gesetzgeber auf Arbeitgeberseite eine kollektivvertragsfähige Körperschaft ein, die zum Abschluss von Kollektivverträgen mit Wirkung für alle Arbeitgeber zuständig ist, deren Berufsausübung dem TierärzteG unterliegt, unabhängig davon, ob sie ihren Beruf zulässigerweise im Rahmen einer Gesellschaft ausüben. Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass Tierärztegesellschaften zwar Arbeitgeber sein können, nicht aber Mitglieder der Tierärztekammer sind. Im TierärzteG finden sich zahlreiche Regelungen mit Bezug zu oder mit Wirkung auch für Tierärztegesellschaften, aus denen sich ergibt, dass nur Tierärzte Gesellschafter einer Tierärztegesellschaft sein und alle tierärztlichen Leistungen im Rahmen von Tierärztegesellschaften erbracht werden dürfen. Die Gleichstellung von Tierspitälern (die regelmäßig von Kapitalgesellschaften getragen werden) mit Ordinationen (einzelner Tierärzte) in verschiedenen Regelungen hinsichtlich der Berufspflichten zeigt, dass tierärztliche Tätigkeiten ungeachtet der Rechtsform, in der diese erbracht werden, dem TierärzteG unterliegen. Auch das TierärztekammerG nimmt auf Tierärztegesellschaften Bezug, indem es ihre Gesellschafter zu Mitgliedern der Abteilung der Selbstständigen erklärt.

Der VfGH geht davon aus, dass mit dem Wort "festsetzen" in §22 Abs3 ArbVG nicht nur die Erlassung neuer Werte, sondern auch jede Änderung oder eine Wiederverlautbarung des Mindestlohntarifs gemeint ist. Dies legt auch die Formulierung des §22 Abs1 ArbVG letzter Satz nahe, demzufolge die in der Erklärung festgesetzten Mindestentgelte und Mindestbeträge für den Ersatz von Auslagen als Mindestlohntarif bezeichnet werden. Demnach ist auch jede Änderung zugleich eine Festsetzung des Mindestlohntarifs, die jedoch nicht (mehr) zulässig ist, wenn mittlerweile auf Arbeitgeberseite eine kollektivvertragsfähige Körperschaft besteht.

Aufhebung der Verordnung zur Gänze mangels gesetzlicher Grundlage (Art139 Abs3 Z1 B-VG).

Entscheidungstexte

Schlagworte

Tierärzte, Arbeitsverfassung, Mindestlohntarif, Tierärzte Kammer, VfGH / Individualantrag, VfGH / Prüfungsgegenstand, VfGH / Verwerfungsumfang

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2015:V59.2015

Zuletzt aktualisiert am

13.04.2017
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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