RS Vfgh 2016/2/22 G365/2015

JUSLINE Rechtssatz

Veröffentlicht am 22.02.2016
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Index

41/02 Staatsbürgerschaft, Pass- und Melderecht, Fremdenrecht, Asylrecht

Norm

B-VG Art20 Abs1, Art77, Art102 Abs4
Niederlassungs- und AufenthaltsG (NAG) §16 Abs2, Abs5
VfGG §62 Abs1
  1. B-VG Art. 20 heute
  2. B-VG Art. 20 gültig ab 01.09.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 5/2024
  3. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2023 bis 31.08.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 141/2022
  4. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2022 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  5. B-VG Art. 20 gültig von 01.10.2010 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 50/2010
  6. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.2008 bis 30.09.2010 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  7. B-VG Art. 20 gültig von 01.01.1988 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 285/1987
  8. B-VG Art. 20 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1987 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  9. B-VG Art. 20 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  10. B-VG Art. 20 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VfGG § 62 heute
  2. VfGG § 62 gültig von 01.01.2015 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 92/2014
  3. VfGG § 62 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 101/2014
  4. VfGG § 62 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 122/2013
  5. VfGG § 62 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  6. VfGG § 62 gültig von 01.08.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 122/2013
  7. VfGG § 62 gültig von 01.03.2013 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  8. VfGG § 62 gültig von 01.01.2004 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  9. VfGG § 62 gültig von 01.01.1991 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 329/1990
  10. VfGG § 62 gültig von 01.01.1989 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 732/1988
  11. VfGG § 62 gültig von 01.07.1976 bis 31.12.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 311/1976

Leitsatz

Verfassungswidrigkeit einer novellierten Regelung über die Betrauung des Österreichischen Integrationsfonds mit der Zertifizierung und Evaluierung von Deutsch-Integrationskursen infolge Übertragung hoheitlicher Aufgaben ohne Einrichtung des erforderlichen Weisungszusammenhanges zu den obersten Organen der Vollziehung im Hinblick auf Vorjudikatur

Rechtssatz

Zulässigkeit des Antrags des Verwaltungsgerichtes Wien auf Aufhebung des §16 Abs2 und Abs5 NAG.

Das Verwaltungsgericht Wien beantragt die Aufhebung der angefochtenen Bestimmungen in der Fassung BGBl I 40/2014. Dabei handelt es sich um die zum Zeitpunkt der Antragstellung jüngste Novellierung des Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes, von der allerdings §16 NAG nicht erfasst war. Es geht aus dem Antrag - insbesondere aus der Formulierung in der Begründung, dass die Bestimmung des §16 NAG "in der zuletzt mit der NAG-Novelle, BGBl I Nr 38/2011 geänderten Textierung" zur Anwendung gelange - mit hinreichender Deutlichkeit im Sinne des §62 VfGG hervor, dass das Verwaltungsgericht Wien die Aufhebung des §16 Abs2 und Abs5 NAG in der Fassung BGBl I 38/2011 beantragt.Das Verwaltungsgericht Wien beantragt die Aufhebung der angefochtenen Bestimmungen in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 40 aus 2014,. Dabei handelt es sich um die zum Zeitpunkt der Antragstellung jüngste Novellierung des Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes, von der allerdings §16 NAG nicht erfasst war. Es geht aus dem Antrag - insbesondere aus der Formulierung in der Begründung, dass die Bestimmung des §16 NAG "in der zuletzt mit der NAG-Novelle, Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr 38 aus 2011, geänderten Textierung" zur Anwendung gelange - mit hinreichender Deutlichkeit im Sinne des §62 VfGG hervor, dass das Verwaltungsgericht Wien die Aufhebung des §16 Abs2 und Abs5 NAG in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 38 aus 2011, beantragt.

§16 Abs2 und Abs5 NAG idF BGBl I 38/2011 war bis zum Ablauf des 29.09.2015 verfassungswidrig.§16 Abs2 und Abs5 NAG in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 38 aus 2011, war bis zum Ablauf des 29.09.2015 verfassungswidrig.

Wie der VfGH bereits in seinem Erk VfSlg 19728/2012 ausgeführt hat, wurden dem ÖIF mit §16 Abs2 und Abs5 NAG hoheitliche Aufgaben übertragen, ohne einen entsprechenden Weisungszusammenhang zu obersten Organen der Vollziehung vorzusehen. Da dies auch auf den insoweit unveränderten §16 Abs2 und Abs5 NAG idF BGBl I 38/2011 zutrifft, widersprechen die angefochtenen Bestimmungen dem Organisationskonzept der Bundesverfassung, wie es insbesondere in Art20 Abs1 und Art77 B-VG zum Ausdruck kommt.Wie der VfGH bereits in seinem Erk VfSlg 19728 aus 2012, ausgeführt hat, wurden dem ÖIF mit §16 Abs2 und Abs5 NAG hoheitliche Aufgaben übertragen, ohne einen entsprechenden Weisungszusammenhang zu obersten Organen der Vollziehung vorzusehen. Da dies auch auf den insoweit unveränderten §16 Abs2 und Abs5 NAG in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, 38 aus 2011, zutrifft, widersprechen die angefochtenen Bestimmungen dem Organisationskonzept der Bundesverfassung, wie es insbesondere in Art20 Abs1 und Art77 B-VG zum Ausdruck kommt.

Die Länder haben jedenfalls zur Novelle BGBl I 122/2015 ihre Zustimmung iSd Art102 Abs4 B-VG erteilt. Mit dieser Novelle wurde §16 NAG (nur) ein Abs6 angefügt (Herstellung des verfassungsmäßig gebotenen Weisungszusammenhanges zwischen dem ÖIF und dem Bundesminister für Inneres). Auf Grund des notwendigen Zusammenhangs dieses Abs6 mit Abs2 und Abs5 in §16 NAG geht der VfGH davon aus, dass die Zustimmung der Länder iSd Art102 Abs4 B-VG alle diese Absätze des §16 NAG erfasst.Die Länder haben jedenfalls zur Novelle Bundesgesetzblatt Teil eins, 122 aus 2015, ihre Zustimmung iSd Art102 Abs4 B-VG erteilt. Mit dieser Novelle wurde §16 NAG (nur) ein Abs6 angefügt (Herstellung des verfassungsmäßig gebotenen Weisungszusammenhanges zwischen dem ÖIF und dem Bundesminister für Inneres). Auf Grund des notwendigen Zusammenhangs dieses Abs6 mit Abs2 und Abs5 in §16 NAG geht der VfGH davon aus, dass die Zustimmung der Länder iSd Art102 Abs4 B-VG alle diese Absätze des §16 NAG erfasst.

Konvalidierung der angefochtenen Bestimmungen mit Inkrafttreten der Novelle BGBl I 122/2015 am 30.09.2015.Konvalidierung der angefochtenen Bestimmungen mit Inkrafttreten der Novelle Bundesgesetzblatt Teil eins, 122 aus 2015, am 30.09.2015.

Entscheidungstexte

Schlagworte

Fremdenrecht, Aufenthaltsrecht, Hoheitsverwaltung, Oberste Organe der Vollziehung, Weisung, Konvalidierung, VfGH / Formerfordernisse

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2016:G365.2015

Zuletzt aktualisiert am

07.08.2017
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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