RS Vfgh 2016/2/25 SV2/2015

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Veröffentlicht am 25.02.2016
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Index

19/20 Amtssitzabkommen

Norm

B-VG Art140 Abs1 Z1 litd
B-VG Art140a
Amtssitzabkommen zwischen der Republik Österreich und der Internationalen Atomenergie-Organisation, BGBl 82/1958 ArtVIII Abschnitt 19
Statuten der Internationalen Atomenergiebehörde, BGBl 216/1957 ArtXV
JN §42 Abs1
VfGG §62a Abs1
  1. B-VG Art. 140 heute
  2. B-VG Art. 140 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.2008 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  5. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  6. B-VG Art. 140 gültig von 06.06.1992 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
  7. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.1991 bis 05.06.1992 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  8. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1988 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  9. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1976 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  10. B-VG Art. 140 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 140 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 140a heute
  2. B-VG Art. 140a gültig ab 01.07.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  3. B-VG Art. 140a gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  4. B-VG Art. 140a gültig von 01.01.1989 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  5. B-VG Art. 140a gültig von 07.04.1964 bis 31.12.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 59/1964
  1. VfGG § 62a heute
  2. VfGG § 62a gültig ab 21.07.2023 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/2023
  3. VfGG § 62a gültig von 21.12.2016 bis 20.07.2023 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 107/2016
  4. VfGG § 62a gültig von 04.08.2016 bis 20.12.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 78/2016
  5. VfGG § 62a gültig von 20.07.2016 bis 03.08.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 59/2016
  6. VfGG § 62a gültig von 20.07.2016 bis 19.07.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 58/2016
  7. VfGG § 62a gültig von 01.04.2016 bis 19.07.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 15/2016
  8. VfGG § 62a gültig von 29.10.2015 bis 31.03.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 124/2015
  9. VfGG § 62a gültig von 01.01.2015 bis 28.10.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 92/2014

Leitsatz

Zurückweisung eines Parteiantrags auf Aufhebung einer Regelung des Amtssitzabkommens zwischen der Republik Österreich und der Internationalen Atomenergie-Organisation betreffend die Befreiung der IAEO von innerstaatlicher Jurisdiktion wegen zu engen Anfechtungsumfanges im Hinblick auf die bereits auf Grund der Statuten der IAEO eingeräumte Immunität

Rechtssatz

Unzulässigkeit des auf Art140a iVm Art140 Abs1 Z1 litd B-VG gestützten Antrags auf Aufhebung des ArtVIII Abschnitt 19 - in eventu nur dessen ersten Satzes - des Abkommens zwischen der Republik Österreich und der Internationalen Atomenergie-Organisation über den Amtssitz der Internationalen Atomenergie-Organisation, BGBl 82/1958 (im Folgenden: Amtssitzabkommen).Unzulässigkeit des auf Art140a in Verbindung mit Art140 Abs1 Z1 litd B-VG gestützten Antrags auf Aufhebung des ArtVIII Abschnitt 19 - in eventu nur dessen ersten Satzes - des Abkommens zwischen der Republik Österreich und der Internationalen Atomenergie-Organisation über den Amtssitz der Internationalen Atomenergie-Organisation, Bundesgesetzblatt 82 aus 1958, (im Folgenden: Amtssitzabkommen).

Dem Erfordernis der Gleichzeitigkeit (gem §62a Abs1 VfGG) hat die Antragstellerin dadurch entsprochen, dass sie den vorliegenden Parteiantrag und den Rekurs gegen den Beschluss des Arbeits- und Sozialgerichtes Wien (ASG) vom 15.09.2015 am selben Tag erhob und einbrachte.

Das ASG hat im Rahmen der Aktenvorlage an den VfGH die Zulässigkeit des am 01.10.2015 erhobenen Rekurses der Antragstellerin bejaht. Der VfGH geht daher davon aus, dass der Rekurs der Antragstellerin gegen den Beschluss des ASG vom 15.09.2015 zulässig ist.

Alle für das Verfahren nach Art140 B-VG aufgestellten Grundsätze zum Anfechtungsumfang gelten ebenso für das Verfahren auf Feststellung der Rechtswidrigkeit von Staatsverträgen gemäß Art140a B-VG.

Der (Haupt-) Antrag und der Eventualantrag sind zu eng gefasst.

Die Einrichtung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) ging im Rahmen eines multilateralen völkerrechtlichen Vertrags vonstatten, der am 26.10.1956 von 81 Staaten - darunter Österreich - in New York einstimmig beschlossen wurde und am 29.07.1957 in Kraft trat. Die Kundmachung dieses Vertrags - der Statuten der Internationalen Atomenergiebehörde - erfolgte am 15.10.1957 im BGBl 216/1957. Das Amtssitzabkommen zwischen der Republik Österreich und der Internationalen Atomenergiebehörde wurde in der Folge am 11.12.1957 in Wien unterzeichnet und mit BGBl 82/1958 am 21.04.1958 kundgemacht.Die Einrichtung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) ging im Rahmen eines multilateralen völkerrechtlichen Vertrags vonstatten, der am 26.10.1956 von 81 Staaten - darunter Österreich - in New York einstimmig beschlossen wurde und am 29.07.1957 in Kraft trat. Die Kundmachung dieses Vertrags - der Statuten der Internationalen Atomenergiebehörde - erfolgte am 15.10.1957 im Bundesgesetzblatt 216 aus 1957,. Das Amtssitzabkommen zwischen der Republik Österreich und der Internationalen Atomenergiebehörde wurde in der Folge am 11.12.1957 in Wien unterzeichnet und mit Bundesgesetzblatt 82 aus 1958, am 21.04.1958 kundgemacht.

Beide Staatsverträge enthalten Bestimmungen über die Immunität der IAEO, wobei die Antragstellerin ihre verfassungsrechtlichen Bedenken im Hinblick auf Art6 EMRK lediglich auf das - später in Kraft getretene - Amtssitzabkommen (ArtVIII Abschnitt 19) stützt.

Die Immunität der IAEO, die sich nicht nur auf hoheitliche Akte bezieht, wird, wie generell bei Internationalen Organisationen, bereits in ihren - (auch) von Österreich am 26.04.1957 ratifizierten - völkerrechtlichen Statuten in ArtXV festgelegt.

Die nähere Ausgestaltung der bereits auf Grund der Statuten der IAEO eingeräumten Immunität kann im Rahmen besonderer Abkommen - mit dem Sitzstaat, wie im konkreten Fall, in der Regel durch Amtssitzabkommen - erfolgen. Diese Amtssitzabkommen stellen leges speciales im Verhältnis zu den allgemeinen Abkommen - im vorliegenden Fall den Statuten der IAEO - dar. Die immunitätsrechtlichen Regelungen der allgemeinen Abkommen bleiben daneben aufrecht.

Der Vollzug arbeitsrechtlicher Vorschriften gehört zum Kernbereich der Immunität internationaler Organisationen, weshalb der Antragstellerin als Dienstnehmerin der IAEO der Rechtszug zu den innerstaatlichen Gerichten somit (nicht erst durch die angefochtene Bestimmung des Amtssitzabkommens, sondern) schon auf Grund des ArtXV A. der Statuten der IAEO verwehrt ist.

Aus all dem folgt, dass die von der Antragstellerin behauptete Verfassungswidrigkeit der Immunität der IAEO (und die daraus abgeleitete Befreiung von innerstaatlicher Jurisdiktion) im Falle der alleinigen Feststellung der Rechtswidrigkeit des ArtVIII Abschnitt 19 Amtssitzabkommen und des Ausspruches, dass diese Bestimmung nicht mehr anzuwenden sei, in Hinblick auf ArtXV A. der Statuten der IAEO weiterhin bestehen bliebe. Der von der Antragstellerin gewählte Anfechtungsumfang ist daher zu eng gewählt.

Entscheidungstexte

  • SV2/2015
    Entscheidungstext VfGH Beschluss 25.02.2016 SV2/2015

Schlagworte

VfGH / Parteiantrag, Staatsverträge, Kernenergie, Gericht Zuständigkeit, Völkerrecht, lex specialis, VfGH / Staatsvertragsprüfung, VfGH / Prüfungsumfang

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VFGH:2016:SV2.2015

Zuletzt aktualisiert am

31.03.2016
Quelle: Verfassungsgerichtshof VfGH, http://www.vfgh.gv.at
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